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  1. Halli Hallo zusammen

    Ich möchte bei dem nachfolgenden Beitrag nicht allzusehr OT (Off-Topic) sein, dennoch ist es mir ein Anliegen, eine kleine Kolumne verfasst zu haben .

    Wir lesen heute immer wieder – nach der grossen Rezessionsphase von mitte bis ende der Neunziger Jahre – dass überall wieder gespart und restrukturiert wird. Auch ich bin diesem Phänomen und den Auswirkungen ausgesetzt, täglich oder zumindest wöchentlich .

    Ich habe mir das letzte Wochenende vorgenommen, auch in meinem Haushalt eine Restrukturierung vorzunehmen. Jeder kennt die Eigenschaften von Fernbedienungen, die uns das Leben im Umgang mit technischen Geräten vereinfachen. Ich erlebte noch sehr lebhaft die Zeiten, in denen man für jeden Senderwechsel seinen Allerwersten heben musste um den Gang an den Fernseher anzutreten. Abgesehen davon, dass es sowieso erst 3-4 Fernsehprogramme gab, war das weiters nicht schlimm, dennoch wollte man damals schon auf dem Laufenden sein, was denn so von anderen Fernsehstationen gesendet wurde. Diesen Umstand erlebte ich die letzten zweieinhalb Wochen wiederum vermehrt, da – wie schon so oft – die Fernbedienung in hohem Bogen vom Sofa flog . Die ersten paar Stürze in der Vergangenheit verliefen denn auch immer glimpflich, doch dieses mal gab die Sch.... Fernbedienung keinen Mucks mehr von sich. In solchen Situationen überlegt man sich nach einer gewissen Zeit des manuellen Zappings nicht doch lieber an den PC zu sitzen und im Internet zu surfen ... doch da war ja noch mein Ipaq im Craddle gleich neben dem PC, dem ich mich auch mal wieder intensiver widmen wollte. In der Bedienungsanleitung fand ich dann auch gleich meine Beschäftigung, einem Programm namens „Nevo“. Dieses Prgramm wollte ich also an diesem Wochenende einmal kennen- und nutzen lernen. Die Einführung war durch die intuitive Führung durchs Programm ein Klacks. Also, dann musste zuerst einmal Nevo auf den Fernseher eingestellt und programmiert werden. Glücklicherweise war die Modellreihe der Glotze bereits vorprogrammiert, sodass ich nur noch kleinere Anpassungen vornehmen musste. Als dies erledigt war, fielen mir die weiteren drei Fernbedienungen auf dem Fernsehtischchen auf, über die ich mich schon des öfteren aufgeregt hatte, wenn sie wieder einmal verlegt oder die Batterien leer waren. Also knöpfte ich mir der Reihe nach die DVD-, die VCR- und die HiFi-Fernbedienung vor. Mit fortschreitender Routine kam ich mir immer besser vor. So hatte ich nach rd. zweieinhalb Stunden alle vier Geräte auf dem Ipaq programmiert. Ich hatte ein super Feeling, stellte ich doch fest, selbst im eigenen Haushalt eine Restrukturierung bzw. Redimmensionierung durchgeführt zu haben. Mit diesem Aufwand konnte ich vier Fernbedienungen zusammenfassen und auf einem Gerät konsolidieren. Meiner Meinung nach, hatte sich der Aufwand gelohnt.

    Heute, rd. eine Woche nach meinem Hussarenstück ... benutze ich wieder alle vier alten Fernbedienungen. Aber warum ... Meine Familie konnte sich meinen Ideen und Gedankengängen nicht ganz anschliessen. Meine Frau kann sämtliche Fernbedienungen blind und nur durch ertasten bedienen. Meinen Kindern müsste ich meinen heissgeliebten Ipaq in ihre kleinen Händchen drücken, aus denen die alten Fernbedienungen allzuoft herausglitten . Also beschloss ich, die Restrukturierung zu restrukturieren und Altbewährtes wieder einzusetzen. Die defekte Fernseh-Fernbedienung musste ich durch eine andere ersetzen, doch selbst auf dieser fanden sich die übrigen Familienmitglieder schneller zurecht als auf dem Ipaq.

    Ich erkannte einmal mehr, dass eine Restrukturierung nur so gut wie deren Umsetzung sein kann. In meinem Fall war die Umsetzung leider nur auf meine Person beschränkt und für andere nutzlos – womit sich die Restrukturierung selbst auffrass .

    Ich wollte damit nur einmal mehr zeigen, dass nicht alle Massnahmen, die uns das Leben erleichtern können, auch sinnvoll sind. Ich kann mich z.B. kaum noch erinnern, wann ich das letzte mal an einem Bankschalter war um Geschäfte zu tätigen. Heutzutage rennt man in der Regel an den Bankomat und zieht ein paar Scheine aus dem Schlitz. Selbst als mich kürzlich eines meiner Kinder fragte, wohin wir noch schnell gehen würden, sagte ich, dass ich noch schnell zur Bank müsse. Zurück vom Bankomat ins Auto meinte es dann, dass ich ja gar nicht in der Bank gewesen sei. Ich erklärte ihm, dass eigentlich nicht in der Bank, sondern am Bankomat war. Auf die Frage hin, was denn ein Bankomat sei und was er könne, schilderte ich die Vorgehensweise des Karteeinschiebens, des PIN-Code tippens und der schliesslichen Geldentnahme. Die Augen verdrehend meinte mein Sprössling, dass das wie im Märchen sei mit dem „Esel Streckt dich ...“. Seither wird bei uns nur der Begriff des „Esel-streck-dich“ (Bankomats) benutzt. Ein anderes mal abends vor dem Computer im Online-Banking, fragte mich wieder meine Tochter, was ich denn da mache. Ich klärte sie auf und sagte, dass ich noch Bankgeschäfte machen müsse. Meine Tochter meinte darauf hin nur: „Nein Papi, das kann nicht sein, da musst Du doch an den Esel-streck-dich gehen“ .

    Da sieht man einmal mehr, was die Banken mit Ihren Restrukturierungen und technischen Einrichtungen alles bewirken. Nicht einmal meine Töchter werden schlau daraus, wenn es darum geht Bankgeschäfte zu tätigen. Damit haben sich die Banken und Geldinstitute ins eigene Bein geschnitten, sodass nachfolgende Generationen die Banken eines Tages nur noch vom Hörensagen kennen werden. Eine weitere schöne Anekdote, als wir einen alleinstehenden Bankomat im Vorraum einer Bank nutzten, fragt meine Tochter, ob denn da einer drinsitzen würde, der mir das Geld rausgibt. Die IT-Generation vernichtet also Arbeitsplätze und macht die Anwender überflüssig.

    Man sieht auch hier einmal mehr, dass die „Revloution ihre eigenen Kinder frisst“. Oder anders; jeder Programmierer, Netzwerktechniker oder sonstige IT-Spezialist ist ein potentieller Arbeitsplatzvernichter .

    Als Angestellter eines globalen Grossunternehmens, gibt es in diesem natürlich eine eigene IT-Abteilung. Ärgern wir uns doch tagtäglich über abgestürzte Programme, gesperrte Netzwerklaufwerke u.ä., schimpfen wir über die IT-Techniker . Doch nüchtern betrachtet müssten wir sie sogar hassen, da sie unsere Arbeitsplätze gefährden. Kritiker sagen an dieser Stelle höchstens noch, dass hinter jeder Anwendung auch ein Mensch seine Arbeit verrichten muss. Das ist soweit korrekt, doch nur bis dorthin, wo selbst der Mensch wiederum durch eine Maschine oder ein Programm zu ersetzen ist.

    Diese Überlegungen erschrecken mich ein wenig und ich sinniere, ob mich mein PDA eines Tages schon ersetzen kann? Er verwaltet ja schon heute meine Termine, erinnert mich an Sitzungen und zu erledigende Aufgaben. Irgendwann wird er mich eines Tages vollumfänglich ersetzen, sodass mein PDA sich selbständig in Netzwerke einklinkt, Mails abholt und unabhängig eines Entscheides meinerseits selbst beantwortet (wir kennen das ja schon von Outlook her, wo das Programm bei Abwesenheit selbst eine Antwort generiert und entscheidet, ob ein Mail an die Sekretärin oder an mein Feriendomizil gesandt werden soll). Nicht genug, dass wir uns durch Programme und Elektronik vertreten lassen, sie entscheiden schon fast selbständig was zu tun ist.

    Um wieder einmal Kritiker zu Wort kommen zu lassen; jeder bestimmt die Anwendungen selbst und kann auch entscheiden, ob er das Handy mitnimmt oder zuhause lässt.

    Soweit so gut. Sind wir aber einmal ehrlich. Wer kann heute noch ohne aus dem Haus Die Evolution hat uns in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass es nicht „ohne“ geht. Die Urmenschen liefen noch nackt herum. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo sie sich Felle um die Körper schlungen um nicht kalt zu haben – warum? Damit sie sich Ihrer Umwelt anpassen können. Die Kleidung machte Fortschritte und wurde im Laufe der Zeit immer komplexer und aus dem heutigen Leben fast nicht mehr wegzudenken – oder wer läuft noch nackt durch die Gegend?

    Im übrigen entstand das Multimedia-Zeitalter schon vor über einer Million Jahren – wer hätte das gedacht 8O : Als Medium wird sinngemäss definiert; "der Informationsaustausch zwischen zwei Individuen". Der Mensch lernte schon vor langer langer Zeit sich anfänglich mittels Gestick dann Sprache, Zeichen und Zeichnungen und schliesslich durch die Schrift miteinander auszutauschen. All diese Methoden des Austausches sind als Medien zu bezeichnen. Da der Mensch aber mehrere dieser Medien schon früh gleichzeitig beherrschte, kann man von Multimedia sprechen – soweit der Exkurs in die Vergangenheit.

    Gerade in den letzten hundert Jahren sind aber weitere Medien aufgetaucht, mit denen wir uns im täglichen Leben auseinandersetzen müssen. Die letzten Generationen beinhalteten unter anderem Handys, PDA’s, MP3-Player usw. Bei einer Umfrage an einem stark frequentierten Ort einer grossen Stadt hier in der Schweiz würden wir wahrscheinlich wenige bis gar keine Passanten antreffen, die über keines der oben genannten Geräte verfügen bzw. gerade mit sich herumführen. Wenn auch wir ehrlich sind, würden wir auf die Frage; ob es denn nicht auch ohne PDA und Smartphone geht ... stets negieren. Mit anderen Worten – wir sind abhängig von dem Zeug.

    Nicht nur, dass uns die Dinger das Leben schwerer machen und die Arbeitsplätze wegnehmen, sie machen uns auch noch abhängig! Durch diese Umstände könnte ich schnell eine Parallele zu den Drogen ziehen, die uns das Leben nur auf den ersten Blick erleichtern, uns sicherlich nach einiger Zeit in die Arbeitslosigkeit drängen und vorallen Dingen süchtig machen. Der Gesetzgeber sollte analog den Gesetzen gegen Drogen, Gesetze gegen Handys, PDA’s und MP3-Player schaffen. Die Dinger zerstören uns auf lange Frist – die Thematik der Terminator-Trilogie ist gar nicht allzuweit hergeholt....

    Hasta la vista, Baby

    @lex&er

    Disclaimer: Der Schreiber dieser Kolumne möchte mit diesem Beitrag die Leute zu nichts animieren oder anstiften. Er möchte lediglich seine Gedankengänge aufzeigen und andere zu Gedanken verleiten.
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  2. LOL

    Gut gelungen!

    Paddy
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  3. genial! am besten gefil mir der Esel Streckt dich... dies wird wohl ab jetzt einer meiner lieblings sprüche sein so eine interessante/witzige kolumne hatte ich bis jetzt noch nie gelesen!

    ich denke ein off-topic bereich wird es 100%ig mit der neuen seite geben... wenn wir schon so super leute hier haben! die uns auch noch so informativ und witzig unterhalten, wird der off-topic bereich ein voller erfolg

    THANKS!
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