Sa. 02. Mai 2020 um 7:05

Animal Crossing: Eigenen NFC-Amiibo selber bauen

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

An Animal Crossing: New Horzions kommt derzeit kaum jemand vorbei. Die Serie um die putzigen Tierfiguren ist seit Jahren fester Bestandteil des Nintendo Franchise und immer wieder ein grosser Hit. Das aktuelle Spiel für die Nintendo Switch wiederum läuft wie warme Brötli und ist zeitweise bei diversen Shops einfach ausverkauft gewesen. Selbst bei Amazon ist das Game seit Wochen der Bestseller Nr. 1 in der Kategorie Spiele für Nintendo Switch.

 

Im Spiel selbst geht es darum, euer eigenes kleines Insel-Paradies zu erschaffen. Keine Kämpfe, kein Blut, keine Action! Lediglich niedliche Tiere und ein total relaxender Wohlfühlfaktor machen das Spiel gerade in diesen schwierigen Zeiten fast schon zum perfekten Quarantäne-Begleiter. Ihr könnt tausende von Objekten bauen, müsst die Anleitungen dafür finden, Materialien beschaffen und wer den “Zeittrick” im Spiel nicht anwendet, kann (und das ist kein Witz) über 12 Monate am Stück immer wieder etwas neues entdecken. Es ist die teils schon unendliche Ruhe in Animal Crossing New Horizons, die euch über einen längeren Zeitraum beschäftigt.


Animal Crossing: New Horizons Screenshot
Animal Crossing: New Horizons für Nintendo Switch. Bild: PocketPC.ch / Laser

Interessant ist zudem, dass das virtuelle Dorf auf der Insel im Spiel von allerlei Charakteren bevölkert werden kann, die man einerseits im Laufe des Spiels freischaltet oder aber als Amiibo-Figur hinzufügen kann. Das geht einerseits über die begehrten Sammelfiguren aus Kunststoff, die es seit der Nintendo Wii U Konsole zu kaufen gibt.

 

Angebot

Diese Toys-to-Life-Figuren sehen nicht nur toll aus auf dem Regal, sondern sind gerade bei Kindern ein beliebtes Sammelobjekt und Spielzeug. Mit zwar recht moderaten Preisen zwischen 10 und 20 SFr. bzw. Euro kann diese Sammelleidenschaft aber auch sehr schnell ins Geld gehen. Dass das für Nintendo ein gigantisches Geschäft sein muss, zeigen alleine die Zahlen vom Nintendo Investor Meeting; Allein bis Ende Juni 2016 wurden weltweit über 24 Millionen Amiibo-Figuren und ca. 29 Millionen Amiibo-Karten verkauft.

 

Andererseits gibt es zu Animal Crossing seit der Nintendo 3DS Version auch Amiibo Sammelkarten. Die Animal Crossing amiibo cards sind zwischen 2015 und 2016 in vier Serien erschienen, was immerhin stattliche 400 unterschiedliche Karten alleine in Europa bedeutet. Wohl auch darum hat Nintendo bestätigt, dass die Sammelkarten wieder neu aufgelegt in den Verkauf kommen werden.

 

Doch der Clou an den putzigen Figuren aus Kunststoff wie an den Sammelkarten ist, dass sie über einen NFC-Chip im Sockel mit dem Spielgeschehen interagieren können. Sie schalten bestimmte Boni oder Funktionen frei, erscheinen als Charakter im Spiel und diese je nach Game auch selbst spielbar. Manche Spiele, wie Animal Crossing: Amiibo Festival für die Wii U damals, basieren komplett auf den Figuren und Karten mit Amiibo Funktion und können ohne diese nicht gespielt werden. Das klappt auch bei Animal Crossing: New Leaf und Animal Crossing: Pocket Camp.

Drin steckt NFC Technologie

Doch wie funktioniert das? Ganz einfach: Alle Amiibo-Figuren und -Karten kommen mit einem NTAG215 Chip von NXP Semiconductors. Diese Chips für die Nahfeldkommunikation NFC haben eine 7 Byte lange einzigartige Kennung sowie 504 Byte Speicherplatz. Wie viele NFC-Chips von NXP können sie Passwortgeschützt werden. Nintendo aktiviert diesen und schützt den programmiert Speicherteil, der Informationen zu der Figur oder der Karte enthält mit einem Schreibschutz vor Veränderungen. Damit können die Karten und Figuren zwar noch zum Übertragen von Miis, den Player-Charakteren von Nintendo, genutzt werden, aber für nicht viel anderes.

Wie Amiibo selber machen?

Doch dass der japanische Spielegigant hier auf einen Industriestandard mit grosser Akzeptanz, nämlich NFC setzt, kommt uns sehr gelegen. Die NTAG215 Chips sind weit verbreitet und, das ist noch besser, lassen sich mit vielen aktuellen und auch nicht mehr so aktuellen Smartphones und Tablets programmieren! Damit steht uns Tür und Tor offen, Amiibo selber zu machen, zu faken, zu hacken, zu emulieren – wie auch immer ihr das nennen wollt.

1. NFC Chips besorgen

Dazu benötigen wir zunächst passende NTAG215 Chips. Diese kommen in verschiedenen Varianten und Formen. Beispielsweise hat unser Partner NFC-Tag-Shop.de  eine Vielzahl Artikel mit dem NXP NTAG215 Chip im Sortiment.

 

Schon für wenige Cent bekommt man hier NFC-Sticker mit dem entsprechenden Chip. Am günstigsten ist dabei wohl der 30 mm Sticker in weiss, der im 10er-Pack nur 12,90 Euro kostet.

Doch auch Amazon hat natürlich entsprechende Sticker und Karten im Angebot.

 

Aber Vorsicht! Andere Chips als der NTAG215 funktionieren nicht mit Nintendo-Hardware. Wer also auf AliExpress oder auch bei Amazon sucht und kauft, sollte genau die Beschreibungen lesen vor dem Bestellen.

2. App installieren

Für Android gibt es eine sehr nützliche App Namens TagMoTagMo, die es erlaubt, die Daten für ein Amiibo in einen NFC-Chip des Typs NTAG215 von NXP zu schreiben. Diese ist allerdings nicht im Google Play Store erhältlich. Man muss sie also am besten von der Code-Share-Plattform GitHub herunterladen und/oder kompilieren und die “Installation von unbekannten Apps” in den Einstellungen des Systems erlauben.

 

Das dies ein Sicherheitsrisiko darstellt, dürfte an dieser Stelle klar sein. Wir empfehlen entsprechend auch nichts diesbezüglich. Ihr wisst, was ihr tut, wenn ihr das macht und wenn nicht, lässt es vielleicht besser.

3. Schlüssel laden

Die App TagMo braucht zwei Schlüssel-Dateien, die den werksseitigen Schutz aus Nintendos Hand nachahmen können. Je nach Gesetzesgrundlagen, etwa in Deutschland, kann schon die Verbreitung dieses Keys ein Problem darstellen, da es als Umgehen eines wirksamen Kopierschutzes ausgelegt werden könnte. In der Schweiz jedoch eher weniger.

 

Der Besitz des Keys zum privaten Gebrauch scheint jedoch in der ganzen DACH-Region kein grösseres Problem zu sein. Aber auch hier, Vorsicht: Wir sind keine Juristinnen und Juristen! Ob das Laden eines Keys für die App ein rechtliches Problem sein könnte, beantworten wir an dieser Stelle nicht und raten darum generell mal vorsorglich davon ab. Verlinken werden wir darum auch keine solchen Dateien. Wer will, wird sie problemlos finden können.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

4. Amiibo-Daten laden

Nun benötigen wir noch die binären Daten von original Amiibo Karten und Figuren. Diese gibt es zuhauf im Internet, beispielsweise auf NFC-Bank.com. Diese kommen in der Regel als .bin-Datei zusammen mit einem Bild der Karte bzw. der Figur. Die oben genannte App TagMo ist dann in der Lage, alle in einem Ordner (und dessen Unterordnern) gespeicherten Amiibo zu erkennen und als Katalog anzuzeigen.

5. Tags schreiben

Doch damit natürlich nicht genug! TagMo, das zugegeben wenig intuitiv gestaltet ist, erlaubt es nunmehr auch, diese geladenen Daten auf einen NXP NTAG215 NFC-Chip zu schreiben. Das funktioniert sehr einfach und wird mit einem simplen “Done” und einer Vibration quittiert. Dabei wird der NFC-Tag schreibgeschützt und kann somit nicht mehr für andere Zwecke beschrieben werden.

6. Fertig!

Nun funktioniert der NFC-Chip so programmiert als Amiibo-Ersatz mit der Nintendo Switch in allen kompatiblen Spielen. Sie können nun ganz einfach auf dem rechten Joycon oder dem Nintendo Switch Pro Controller eingescannt werden. So wie bei originalen Amiibo. Schwups – schon bevölkert ein neuer Charakter in Animal Crossing: New Horizons euer Inseldorf! Natürlich auch auf den anderen Nintendo-Plattformen, wie der Wii U und dem 3DS. Klar sind auch andere Figuren und Karten, etwa für Spiele wie Super Smash Bros. so programmierbar. Letzte können übrigens sogar bearbeitet werden, so dass deren Effekte, Stats und Boni manipuliert werden können. Cheat ahoi!

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

 

 

Wem das zu umständlich ist, kann sich auch anders behelfen: Findige Menschen haben Hardware-Emulatoren entwickelt, wie beispielsweise der N2 Elite.

 

Dieses Gerät wird per Android Smartphone programmiert und kann bis zu 200 verschiedene Amiibo-Datensätze speichern, die per Tastendruck gewechselt werden können. Das hat natürlich seinen Preis. Mit ca. 80 Euro bzw. SFr. schlägt der N2 Elite NFC Emulator inklusive USB-Adapter zu Buche. Wer ein NFC-fähiges Android-Smartphone hat, kann aber auch mit knapp 50 Euro bzw. SFr. nur die N2 Elite Disc direkt benutzen.

 

Dieses kleine Gerät wird per eigener App programmiert und verwendet dieselben Datensätze wie TagMo. Nur eben bleibt er wiederverwendbar und kann so schier unendlich viele Amiibo emulieren. Dafür ist die Grundinvestition etwas höher. Wer also nur ein paar wenige Amiibo braucht, ist mit einzelnen NFC-Chips sicherlich günstiger bedient.

 

 

Quellen:  nintendo-magazin.de (webarchive), nfc-tag-shop.de, wikipedia, wikipedia, animalcrossingworld.com (Englisch), NFC Bank (Englisch), GitHub (Englisch)

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