So. 21. März 2021 um 12:55

Tronsmart Apollo Q10 im Test: Wie gut klingt der günstige ANC-Kopfhörer aus China wirklich?

von Marcel Laser 1 Kommentare

ANC-Kopfhörer spriessen aktuell wie Pilze aus dem Boden. Die grösste Bedeutung haben hier Kopfhörer wie der Sony WH-1000XM4, der Bose QuietComfort 35 II oder auch der erst neu vorgestellte Apple AirPod Max. Doch diese liegen Preislich zum Release alle weit über 200 Euro, auch wenn der Bose-Kopfhörer mittlerweile auch für leicht weniger zu haben ist. Modelle aus China machen sich dieses zunutze und bringen sehr günstige Geräte auf den Markt. Wir haben uns daher den Tronsmart Apollo Q10 mit ANC für gerade einmal knapp über 60 Euro genauer angeschaut.

Design und Sitz: Ausschliesslich Kunststoff und angenehmer Anpressdruck

Der Tronsmart Apollo Q10 erinnert irgendwie an eine Mischung aus dem Bose QC 35 II und dem Sony WH-1000XM4, doch ist die Rechnung dann nicht ganz so einfach. Während auch die beiden hochpreisigen Modelle ebenfalls auf viel Plastik setzen, kann der Tronsmart dieses nicht komplett in Qualität umsetzen. Die gesamte Aufhängung des Bügels, genau wie die Gelenke der Ohrmuscheln bestehen komplett aus Kunststoff. Grosse Stabilitäts-Probleme konnte ich aber selbst beim verbiegen der Kopfhörer nicht feststellen.

 

Überraschenderweise knarzt der Kopfhörer nicht oder macht auch keine beunruhigenden Geräusche. Ob das Konstrukt allerdings auf eine Langzeitnutzung ausgelegt ist, wage ich erst einmal zu bezweifeln, da gerade Kunststoffgelenke und Aufhängungen mit intensiver Nutzung irgendwann brechen. Vor allem wenn die Sonne über den Lauf der Zeit ihre Wirkung auf das Kunststoff der Kopfhörer entfaltet.

 

Der Anpressdruck am Kopf ist sehr angenehmen und grundsätzlich gefällt mir der Sitz des sehr leichten ANC-Kopfhörers sehr gut. Die Kunstlederpolster sitzen ebenfalls gut und selbst das sehr klein ausgefallene Kopfpolster macht einen überraschend guten Job. Das liegt aber wohl auch an dem sehr geringen Gewicht von nur gerade einmal etwas über 220 Gramm.

 

Allerdings dürften die Ohrpolster nicht kleiner sein. Menschen mit grösseren Ohren stossen hier schnell an ihre Grenzen. Keine 4 Zentimeter haben Ohren in der Breite und knall 6 Zentimeter gerade einmal in der Höhe Platz. Normalerweise führe ich solche Messungen nicht durch, aber für mich war der Innenraum der Ohrpolster schon recht klein und das soll bei meinen Ohren schon etwas heissen.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

Tronsmart Apollo Q10 im Hardware-Check: 40-mm-Treiber, ANC und keine Anschlüsse

Ebenfalls grundsolide präsentiert sich die Technik, zumindest wenn wir diese vom Datenblatt ablesen. So setzt Tronsmart beim Apollo Q10 auf Lautsprecher mit 40 Millimeter Durchmesser und verbaut insgesamt fünf Mikrofone auf den Aussenseiten (laut Hersteller), die die Geräusche der Umgebung aufnehmen können. Allerdings können wir am gesamten Modell nur drei Mikrofone ausmachen. Wahrscheinlich befinden sich hinter den kleinen Gittern an den Ohrmuscheln jeweils zwei Mikrofone. Die Angabe ist jedenfalls verwirrend.

 

Technische Details der Tronsmart Apollo Q10 im Überblick

  • Treiber: 40 Millimeter
  • Mikrofone: Laut Hersteller 5, sichtbar sind nur 3
  • Frequenzbereich: 20 bis 20’000 Hz
  • Impedanz: 32 Ohm
  • Empfindlichkeit: Bis zu 100 Dezibel
  • Ohrmuschelgrösse (Innenseite): Maximal 4 x 6 cm
  • Verbindung: Bluetooth 5.0
  • Anschlüsse: USB-Typ-C (nur aufladen)
  • Akku: 1’200 Milliamperestunden
  • Laufzeit: Laut Hersteller bis zu 100 Stunden

Bemerkenswert ist allerdings der mit 1’200 mAh angegebene Akku, der eine monströse Laufzeit von bis zu 100 Stunden verspricht. Ob dieses auch tatsächlich der Fall ist, klären wir weiter unten im Akku-Test des Modells. Das Bedienelement des Kopfhörers liegt übrigens auf der rechten Seiten und ist als Hartplastik-Touch-Feld integriert.

 

Wesentlich weniger begeistert bin ich allerdings vom Fehlen eines 3.5-mm-Klinkenanschlusses. Ist der Kopfhörer einmal leer, gibt es keine Möglichkeit ihn auch anderweitig anzuschliessen. Das ist jetzt kein katastrophaler Beinbruch, doch wäre das immerhin ein tolles und in meinen Augen notwendiges Komfort-Feature gewesen. Immerhin kommt USB-Typ-C beim Aufladen zum Einsatz.

Tronsmart Apollo Q10 ANC im Test
Der Tronsmart-Kopfhörer lässt sich abknicken und damit auch besser verstauen. Die Ohrmuscheln lassen sich auch um 90 Grad umklappen. Bild: PocketPC.ch / Laser

Klang des Apollo Q10: Die knapp 60 Euro sind deutlich hörbar (nein, nicht positiv)

Es ist durchaus interessant zu hören, wie der Tronsmart Apollo Q10 einen innerhalb weniger Sekunden emotional von einer Ecke in die Andere wirft. Setzt man den Kopfhörer anfänglich auf und schaltet ihn zum ersten Probehören auf, ist man erst positiv überrascht. Nach kurzer Zeit bekommt man aber dann mit dem Vorschlaghammer gegen das Trommelfell gehauen. Denn der Kopfhörer macht durch seine sehr weiche Klangeinstellung erst einen sehr guten Eindruck, doch ist diese derart weichgespült, dass es keinerlei Dynamik gibt.

 

Mitten sind zwar von einem leichten Schleier verdeckt, allerdings noch klar zu verstehen. Höhen verschwinden allerdings deutlich und teilweise unkontrolliert im Klang-Nirvana oder stechen unangenehm durch den Ton-Schleier der Mitten. Tiefbereiche werden lediglich angedeutet, stumpfen aber im Vergleich zum Gesamtklangbild ab. Stimmen klingen zwar auch nicht optimal, sind aber im Vergleich zum gesamten Rest einigermaßen klar zu verstehen. Im folgenden nun meine Playlist an Spielen, Musik und Soundtracks, die ich in nahezu jedem Kopfhörer-Test verwende.

 

Musiker und BandsSoundtracks von Filmen, Video- und ComputerspielenGespielte Spiele
  • Pendulum – Immersion
  • Skrillex – Bangarang
  • Michael Bublé – To Be Loved
  • Billy Talent – Billy Talent III
  • Anberlin – Blueprints for City Friendship
  • Infected Mushroom – Deeply Disturbed
  • Green Day – American Idiot
  • Lindsey Stirling – Shatter Me
  • Blind Guardian – A Night at the Opera
  • Vanessa Mae – The Classical Album
  • Schandmaul – Narrenkönig
  • Eminem – 8 Mile
  • Killigrew – Tales of Hope
  • Killigrew – The Lost Chapter
  • Killigrew – Distorted Dreams
  • Killigrew – Hiraeth
  • Austin Wintory – Journey (Original Soundtrack)
  • Guild Wars 1 und 2 – Original Soundtracks
  • Pacific Rim – Original Soundtrack
  • Vaiana – Original Soundtrack
  • Enders Game – Original Soundtrack
  • Uncharted – Original Soundtrack
  • Halo 2 und 3 – Original Soundtracks
  • Baldur’s Gate 2 – Original Soundtrack
  • Skyrim – Original Soundtrack
  • StarCraft II – Original Soundtrack
  • Rocket League – Original Soundtrack
  • Portal 2 – Original Soundtrack
  • The Witcher 3 – Original Soundtrack
  • Game of Thrones – Original Soundtrack
  • Destiny – Original Soundtrack
  • Monster Hunter World – Original Soundtrack
  • Real Racing 3 (Mobile)
  • Monument Valley 2 (Mobile)
  • Childrens of Sky (Mobile)
  • The Elder Scrolls: Blades (Mobile)
  • Stranger Things: The Game (Mobile)
  • Arena of Valor (Mobile)
  • Fortnite (Mobile)
  • Call of Duty Mobile (Mobile)
  • Genshin Impact (Mobile)
  • Call of Duty Mobile (Mobile)
  • Dead Trigger 2 (Mobile)
  • Oceanhorn 2 (Mobile)

 

Interessant sind vor allem die eher wenig durchbrechenden Tiefen, die ich ja eigentlich bei Kopfhörern grundsätzlich begrüsse. Doch je nach Lied brechen diese in einer kompletten Desorientierung ein und verzerren das Klangbild komplett. Es hört sich an als würden diese versuchen auf biegen und brechen aus dem Klangbild herauszubrechen. Die komplett nicht vorhandene Dynamik führt dazu, dass die Tiefen in ihrem Spitzensegment das Klangbild zerfetzen. Das hört sich einfach nicht gut an.

 

Daran ändert übrigens auch das kaum merkbare ANC des Apollo Q10 im Test definitiv nichts. Dieses filtert auch nur einen sehr geringen Bruchteil heraus. Ich empfehle daher ANC eher zu deaktivieren, um die Laufzeit deutlich zu erhöhen, da der Klang mit der Technik auch nicht besser wird, sondern sich der Kopfhörer dann noch etwas mehr an der sehr schlechten Dynamik im Ton aufhängt.

Tronsmart Apollo Q10 ANC im Test
Die Aufhängung und Gelenke bestehen aus Kunststoff. Es wirkt auf den ersten Blick stabil, aber nicht sehr hochwertig. Bild: PocketPC.ch / Laser

Sehr gute Bedienung und eine noch bessere Akkulaufzeit

Was allerdings wirklich sehr gut funktioniert, ist die Bedienung über das in der rechten Ohrmuschel eingebettete Touch-Panel. Zwar sehen die linke und rechte Seite nahezu identisch aus, doch könnt ihr über das rechte Kunststoff-Feld Gesten ausführen, um eure Musik zu steuern. Das funktioniert erstaunlich gut und präzise und hätte ich für diesen Preis nicht erwartet. Auch werden die Eingaben relativ zügig ans Smartphone übertragen.

 

Ein weiterer Knopf im Rahmen (Multifunktions-Knopf) der rechten Ohrmuschel kann Gespräche annehmen oder auch auch den Sprachassistenten eures Handy auslösen. An einem iPhone bekommt ihr es hier mit Siri zu tun, während auf einem Android-Handy natürlich der Google Assistant eurem Aufruf folgt. Die Spracheingabe funktionierte über die eingebauten Mikrofone ordentlich. Verständnisprobleme gab es darüber jedenfalls nicht.

 

Besonders gut gefallen hat mir zudem die extreme Akkulaufzeit. Tronsmart bescheinigt seinem Apollo Q10 satte 100 Stunden bei mittlerer Lautstärke und deaktiviertem ANC. Das ist zwar nicht ganz drin, aber ich kam mit deaktiviertem ANC doch schon auf richtig gute 80 Stunden. Da ich grundsätzlich empfehle das ANC bei diesem Kopfhörer zu deaktivieren, sollten bei der Laufzeit keinerlei Schwierigkeiten auftreten. Der Kopfhörer kann euch hier ordentlich durch die Woche bringen.

Tronsmart Apollo Q10 ANC im Test
Das Kopfband ist sehr klein, aber durch das geringe Gewicht und den angenehmen Anpressdruck, lässt sich der Apollo Q10 recht angenehm tragen. Bild: PocketPC.ch / Laser

Fazit: Leider genau da schlecht, wo es am meisten darauf ankommt

Eigentlich laufen Kopfhörer und Lautsprecher-Test von chinesischen Herstellern fast immer gleich ab: “Es könnte immer besser gehen, aber für einen geringen Preis bekommt ihr häufig einiges geboten”. Einen Satz den ich hier nur all zu gerne auch verwenden würde, da mir Produkte wie der Tronsmart Element Mega oder auch der Lautsprecher Element T6 richtig gut gefallen haben, aber ich beim Tronsmart Apollo Q10 im Test hart durchgreifen muss. Der Klang ist wirklich nicht gut, nicht einmal für 60 Euro bzw. SFr., die der Kopfhörer bei Amazon aktuell kostet.

 

Der Kopfhörer lässt komplett an Dynamik vermissen und schafft es mit kaum wahrnehmbaren Tiefen das Klangbild komplett in eine Desorientierung zu stürzen weil diese merkwürdigerweise in bestimmten Liedern zur Übersteuerung neigen. Da fragt man sich als Tester schon, wie etwas übersteuern kann, obwohl es kaum wahrnehmbar ist. Das liegt vor allem daran, dass diese in ihren Spitzenmomenten einfach ausbrechen und so durch die anderen Tonebenen durchzustechen scheinen. So wirkt das Klangbild völlig unharmonisch. Auch ANC ändert da kaum etwas dran und grundsätzlich ist die Filterleistung des ANC-Modus ebenfalls nicht besonders gut.

 

 

Wirklich gut finde ich allerdings die Bedienung und die überragende Akkulaufzeit, die sonst kaum ein Kopfhörer dieser Preisklasse bietet. Leider lässt er es beim Klang an vielem vermissen. Ob irgendwann einmal Software-Updates mehr aus dem Tronsmart Apollo Q10 herausholen können, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln, da das Problem in meinen Augen an den verbauten Treibern liegt. Ich kann den Kopfhörer daher erst einmal nicht empfehlen und würde euch daher vom Kauf grundlegend abraten.

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Eine Antwort zu “Tronsmart Apollo Q10 im Test: Wie gut klingt der günstige ANC-Kopfhörer aus China wirklich?”

  1. Yves Jeanrenaud sagt:

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