Sa. 11. April 2020 um 7:01

Taotronics SoundLiberty 79 im Test: Günstige Chinakracher wollen AirPods an den Kragen

von Marcel Laser0 Kommentare

True Wireless liegt im Trend und vor allem Apple führt den Markt hier mit seinen AirPods deutlich an. Aber auch Samsung hat mit seinen Galaxy Buds bereits eine breitere Fanbase aufgebaut. Komplett kabellose Kopfhörer zieren aber immer mehr das Strassenbild, schliesslich sind sie in fast allen belangen praktisch, brauchen keine Kabel und lassen sich meist einfach bedienen und wieder aufladen. Die Taotronics SoundLiberty 79 wollen die kostspieligen Platzhirsche rund um Apple, Samsung und Co. allerdings nun von ganz unten angreifen. Grad mal an die 50 Euro bzw. Schweizer Franken müsst ihr für die Chinakracher investieren. Doch bleibt es nur beim “Krach” auf den Ohren oder klingen sie tatsächlich gut? Das versuchen wir nun für euch zu klären.

SoundLiberty 79: Design und Verarbeitung auf einem unerwartet hohen Niveau

Wenn Apple und Samsung etwas anderen Marken voraus haben, dann ist es die wirklich enorm hochwertige Verarbeitung der eigenen True Wireless Kopfhörer. Das fängt bei der Ladeschale für die Kopfhörer an und endet dann natürlich bei den kleinen Stöpseln im Ohr. Hier überraschen die SoundLiberty 79 mit einem fast gleichwertigen Niveau. Die Ladeschale ist zwar aus etwas weicherem Kunststoff, aber dennoch sehr fest gefertigt, Man hat beim Aufklappen nicht wirklich das Gefühl, dass das Scharnier plötzlich nachgibt oder man nur eine hohle Kiste in der Hand hält. Das schindet dann doch Eindruck, schliesslich nimmt man genau dieses Case zusammen mit den Innen liegenden Kopfhörern in die Hand. Der Ersteindruck stimmt hier.

 

Klappt man den Deckel auf, so liegt der Stöpsel für das linke Ohr auch links und der andere eben rechts. Die Aufteilung ist daher intuitiv. Die Razer Hammerhead Earbuds hingegen liegen spiegelverkehrt in ihrer Ladeschale, was mich erst einige Eingewöhnungszeit kostete. Zwei grosse Buchstaben machen aber auch auf die Seiten aufmerksam. Ein Problem ist das also erst einmal nicht. Im Folgenden nun einige der technischen Daten der Kopfhörer. Allerdings bleibt der Hersteller detailliertere Angaben schuldig. Auch in der beiliegenden Anleitung findet man nicht viel zu den Spezifikationen.

 

Technische Daten der SoundLiberty 79

  • 6 mm Treiber
  • Bluetooth 5.0
  • Spritzwasserfest nach IPX7
  • 8 Gramm pro Kopfhörer
  • 56 Gramm Kopfhörer + Case
  • 300 mAh Akku im Case
  • USB-Typ-C

Dafür sind die tropfenförmigen Gehäuse der Kopfhörer erst etwas ungewohnt. Es hat etwas gedauert, bis ich mir diese ins Ohr stecken konnte, ohne vor dem Spiegel zu stehen oder noch deutlich nachjustieren zu müssen. Hilfreich ist dabei ein kleiner, weicher Gummibügel, der für die Ohr-Innenseite vor dem Gehörgang gedacht ist. Bei anderen Herstellern Earwing genannt. Liegt dieser dort dann drinnen, sitzen die Kopfhörer ziemlich fest und perfekt im Gehörgang. Natürlich kommt es auch immer noch auf die Form der Ohren an, bei mir war es allerdings kein Problem. Die nach IPX7-Standart zertifizierten und damit schweissabweisenden Stöpsel sassen bei mir ohne grössere Probleme. Auch längeres Tragen war ist problemfrei möglich.


Bilder. PocketPC.ch / Laser

 

Taotronics SoundLiberty 79: Der Klang bleibt auch hier basslastig und dunkel

Es sind nicht die ersten Kopfhörer, die wir von Taotronics im Test haben und daher lässt sich hier schon eine gewisse Charakteristik erkennen. Die SoundLiberty 79 sind vom Klangbild her relativ dunkel gehalten und betonen auch den Bass ordentlich. Das führt anfänglich dazu, dass man erst die Mitten gar nicht so wirklich wahrnimmt, da diese in eine Art von Zange zwischen den recht gut betonten Höhen und dem verschluckenden “Tiefdruckgebiet” verschluckt zu werden scheinen. Die Mitten sind allerdings nicht weg, sie sind dennoch zu hören und mischen sich etwas ungewöhnlich ins Klangbild.

 

Wer vor allem Musik mit viel Druck im unteren Segment hört, wird die Taotronics SoundLiberty 79 wohl mögen. Sie betonen den Bass schon sehr eindringlich. Hip Hop und elektronische Musik mit viel Bass profitieren hier erheblich. Könnte aber auch etwas viel sein, je nachdem wie ihr eure Musik am liebsten konsumiert. Andere Musikrichtungen müssen allerdings vor der eher dunklen Klangfärbung der Stöpsel etwas kapitulieren. Hier hilft es natürlich auf Equalizer zu setzen, die den Sound für euch anpassen. Die dunkle Klangnote werdet ihr aber nicht komplett los.

 

Musiker und Bands Soundtracks von Filmen, Video- und Computerspielen Gespielte Spiele
  • Pendulum – Immersion
  • Skrillex – Bangarang
  • Michael Bublé – To Be Loved
  • Billy Talent – Billy Talent III
  • Anberlin – Blueprints for City Friendship
  • Infected Mushroom – Deeply Disturbed
  • Green Day – American Idiot
  • Lindsey Stirling – Shatter Me
  • Blind Guardian – A Night at the Opera
  • Vanessa Mae – The Classical Album
  • Schandmaul – Narrenkönig
  • Eminem – 8 Mile
  • Killigrew – Tales of Hope
  • Killigrew – The Lost Chapter
  • Killigrew – Distorted Dreams
  • Killigrew – Hiraeth
  • Austin Wintory – Journey (Original Soundtrack)
  • Guild Wars 1 und 2 – Original Soundtracks
  • Pacific Rim – Original Soundtrack
  • Vaiana – Original Soundtrack
  • Enders Game – Original Soundtrack
  • Uncharted – Original Soundtrack
  • Halo 2 und 3 – Original Soundtracks
  • Baldur’s Gate 2 – Original Soundtrack
  • Skyrim – Original Soundtrack
  • StarCraft II – Original Soundtrack
  • Rocket League – Original Soundtrack
  • Portal 2 – Original Soundtrack
  • The Witcher 3 – Original Soundtrack
  • Game of Thrones – Original Soundtrack
  • Destiny – Original Soundtrack
  • Monster Hunter World – Original Soundtrack
  • Guild Wars 2 (PC)
  • Real Racing 3 (Mobile)
  • Monument Valley 2 (Mobile)
  • Childrens of Sky (Mobile)
  • The Elder Scrolls: Blades (Mobile)
  • Stranger Things: The Game (Mobile)
  • Journey (Mobile)
  • The Eldar Scrolls V: Skyrim (PC)
  • StarCraft II (PC)
  • The Witcher 3 (PC)
  • Overwatch (PC)
  • Arena of Valor (Mobile)
  • Fortnite (PC und Mobile)
  • Call of Duty Mobile (Mobile)

 

Wie ihr seht, habe ich durchaus sehr unterschiedliche Stilrichtungen ausprobiert. Beim Spielen ist der etwas dunklere Charakter der Kopfhörer übrigens sehr atmosphärisch. Wobei auch hier entsprechend ein Spiel gewählt werden sollte, das passt. Journey war eher nicht so der Bringer mit den SoundLiberty 79. Dafür glänzten sie beim Immersion Album von Pendolum. Schwierig wurde es hingegen mit Lindsey Stirling, da die Geige zwar sehr präsent ist, aber der Rest zwischen hoch und Tief zu verschwinden scheint.

Kompakt und mit viel Ausdauer gesegnet. Auch Qualitativ machen die SoundLiberty 79 einen hochwertigen Eindruck. Bild: PocketPC.ch / Laser

Bedienung: Interessante Symbiose beider Touch-Panel

Was man übrigens bei dieser Preisspanne wohl am wenigsten erwartet, wäre eine reibungslose Bedienung. Ich habe häufiger erlebt, wie diverse Plastik-Stöpsel hier scheiterten und mich eher ratlos zurückliessen. Allerdings konnten mich die Taotronics SoundLiberty 79 eines Besseren belehren und überraschten sogar. Etwas zickig war es dann anfänglich schon, wurde aber mit fortlaufender Gewöhnung wesentlich besser. Interessant: Beide Kopfhörer machen je nach Geste unterschiedliche Aktion und bilden eine kleine Symbiose in der Bedienung.

 

Tippt ihr auf die Berührungsfläche des rechten Kopfhörers, erhöht sich Lautstärke. Der Linke hingegen reduziert sie. Ähnlich auch bei der Trackauswahl: Dreimal tippen rechts springt zum nächsten Titel. Dreimal auf den Linken Kopfhörer wiederholt bzw. springt einen Titel zurück. Für das Stoppen kann ein Doppeltippen auf einen der beiden Kopfhörer herhalten. Auch Google Assistant oder Siri lassen sich mit einer sehr langen Berührung aktivieren. Das Smartphone kann also bei den meisten Aktionen in der Tasche bleiben, allerdings erfordert es anfängliche eine kleine Eingewöhnungszeit.

 

Zudem bringen die chinesischen Stöpsel auch echtes AirPod-Feeling mit. Sind sie einmal mit einem Smartphone verbunden, koppeln sie sich direkt wieder mit dem Gerät, sobald man die Ladeschale öffnet und das Handy in Reichweite ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr ein iPhone oder Android-Gerät nutzt. In beiden Fällen funktionierte es hervorragend und ist natürlich ein deutlicher Komfortgewinn.

Die Aussenseite der Kopfhörer dienen als Touch-Panel und damit auch als Steuereinheit. Bild: Taotronics

Sehr gute Akkulaufzeit, mässige Sprachqualität, für Sport geeignet

Was mir in erster Linie aber nicht so gut gefallen hat, ist die Sprachqualität. Damit meine ich nicht, wie sich mein Gegenüber am Telefon anhört, sonder wie die man selbst verstanden wird. In den meisten Fällen hiess es, ich würde mich etwas weit weg anhören. Auch das herausfiltern von Hintergrundgeräuschen klappte nicht immer wirklich gut. Ich würde an dieser Stelle also von einem guten Durchschnitt in der Bewertung ausgehen. Es ist jetzt nicht wirklich schlecht, aber es gibt durchaus besseres in dieser Kategorie.

 

Richtig toll hingegen ist die Akkulaufzeit. Hersteller Taotronics gibt den Wert seiner SoundLiberty 78 mit rund 8 Stunden an. Das kann ich an dieser Stelle auch unterschreiben. Meist lag ich zwar knapp darunter, aber wer nur Musik hört und die Lautstärke auf einem nicht all zu hohen Niveau lässt, kommt wirklich sehr lange mit den Stöpseln aus. Zudem kann das Case die Kopfhörer noch ein paar Mal aufladen, was insgesamt zu über 40 Stunden Laufzeit führt, ohne dass die Dinger ans Kabel müssen. Das weiss durchaus zu gefallen!

 

Für Sport könnt ihr die SoundLiberty 79 ebenfalls nutzen. Sie sind dank IPX7 vor Spritzwasser geschützt und weisen damit auch euren Schweiss ab. Allerdings solltet ihr sie nicht unter fliessendem Wasser reinigen. Ein feuchtes Tuch schafft hier Abhilfe. Beim herkömmlichen Joggen, was dieser Tage dank Corona-Kriese ja zum Volkssport geworden ist, fallen sie nicht aus den Ohren, was auch den Earwings zu verdanken ist.

Egal ob iOS oder Android. Die Bedienung funktioniert gut. Eine hohe Akkulaufzeit trägt zum Komfort bei. Bild: Taotronics

Fazit: Viel True Wireless für ganz wenig Geld? Fast!

Vor allem Produkte aus China überrennen derzeit den Kopfhörer Markt und es gibt nur wenige, die wirklich Sinn machen, gekauft zu werden. Oft fehlt es an der Qualität, an Funktionen oder an anderen Dingen, die es einfach nicht Wert sind, bezahlt zu werden. Bei den Taotronics SoundLiberty 79 sehen wir das ganze ein wenig anders. Sie sind es durchaus Wert zu dem gebotenen Preis gekauft zu werden, denn sie sind wirklich passable In-Ear True Wireless Kopfhörer. Besonders gut gefallen hat mir die Akkulaufzeit und die nach einer kleinen Eingewöhnung recht ordentliche Bedienung. Die tolle Verarbeitung und IPX7 kommen da noch hinzu.

 

Etwas hinten anstehen muss der Klang, der von einem dumpfen und damit eher dunkleren Grundton begleitet wird und einfach zu einiger Musik von mir nicht passt. Solltet ihr allerdings stark Basslastige Genres hören, dann sollte das Problem deutlich geringer ausfallen und man kann auch gemessen am Klang noch ordentlich Spass mit den SoundLiberty 79 haben. Sie hinken Beispiel im Sound den von mir getesteten Razer Hammerhead Earbuds schon fast meilenweit hinterher. Letztere kosten aber auch 130 Euro bzw. Schweizer Franken.

Unschlagbar ist in dieser Kategorie aber dann doch der Preis und der ist gemessen an der Leistung schon erheblich niedrig: So kosten die Taotronics SoundLiberty 79 auf Amazon gerade einmal rund 50 Euro, was sie tatsächlich zu einem absoluten Preisleistungskracher machen. In einigen Fällen drücken diverse Deals den Preis sogar noch weiter herunter. Aufgrund des Klangbildes muss man aber abwägen, ob man den Schritt wirklich gehen will. Ich persönlich würde sie zu diesem Preis jederzeit kaufen, aber nicht alle Ohren sind gleich. Zudem ist fraglich, ob man die Kopfhörer in einem lokalen Elektronikfachgeschäft einmal zur Probe anhören kann, wegen Hygienefragen. Eine kleine, aber grundsätzliche Empfehlung spreche ich an dieser Stelle aber gerne aus.

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