Sa. 19. September 2020 um 6:59

Review: UVsoap UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Das Sars-CoV-2 COVID-19, kurz Corona-Virus, ist immer noch nicht verschwunden. Vielleicht ist sogar schon eine zweite Welle da Die Grippe- und Erkältungssaison klopft schon an unsere Tür und landauflandab wird betont, wie wichtig Hygiene und Desinfektion ist. Nicht nur Hände, auch Oberflächen werden seit Monaten regelmässig desinfiziert. Viele Hersteller haben dies erkannt und auch Zubehör zur Smartphone-Desinfektion im Sortiment. Heute schauen wir für euch das UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät von UVsoap an.

 

Das UVsoap UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät

Im Lieferumfang des UVSoap UV-C Desinfizierer ist neben dem Gerät selbst kurze Bedienungsanleitung auf Englisch und Chinesisch enthalten. Zudem drei herkömmliche AA-Batterien, ein Bogen mit sechs kleinen Warn-Stickern sowie eine runde, weisse Plastikscheibe mit angebrachtem Klebepad und ein Ersatz-Klebepad.

Der UVsoap UVC Surface Sanitizer selbst ist zylindrisch und aus weissem Kunststoff gefertigt. Er ist 9 cm lang und hat einen Durchmesser von 3.6 cm. Ohne Batterien wiegt das UV-C-Desinfektionsgerät mit dem Modellnamen NS-100 knapp 110 Gramm.

 

Auf der Unterseite finde sich ein blau-transparenter Saugnapf, der das UV-C-Gerät befestigen soll. An der Oberseite ist eine LED zu sehen, die den Status des Gagets zur Oberflächendesinfektion anzeigt: Grün für Betriebsbereit und Blau für aktiv. Die Rückseite verbirgt hinter einer blauen Abdeckung das Batteriefach für die drei Batterien im Format LR6, hierzulande besser bekannt als AA. Auf der Vorderseite wiederum ist unten der Schriftzug UVSoapTM sowie das Kernstück des Geräts zu finden: Ein kleiner Infrarot-Sensor zwischen zwei UV-C-LED mit jeweils 10 Watt Leistung.


UVsoap UVC Surface Sanitizer
UVsoap UVC Surface Sanitizer. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Funktion des UVsoap UV-C Oberflächen-Desinfektionsgeräts

Das UVsoap ist eigentlich sehr ungünstig benannt worden, denn es ist keine Seife. Keinesfalls sollte man seine Hände oder andere Körperteile unter die UV-C-LED halten! Denn diese senden sehr kurzwellige, ultraviolette Strahlung aus, so genanntes UV-C. Licht ist das streng genommen auch nicht, da das menschliche Auge alles unterhalb 380 nm nicht mehr wahrnehmen kann. Dennoch trifft man ab und zu den Begriff UV-Licht oder auch UV-C-Licht. Aber UV-C bezeichnet den Bereich elektromagnetischer Wellen zwischen 100 nm und 280 nm. Sie ist zur Inaktivierung von Viren und Töten Bakterien geeignet, da sie die Nukleinsäuren beschädigen. Inaktivierung, weil Viren nach gängiger Lehrmeinung nicht leben. So oder so, das Ergebnis ist, dass beide Krankheitserreger-Typen nicht mehr infektiös sind, also keine Ansteckungsgefahr mehr bergen und keine Krankheit mehr auslösen können. Mit UV-C-Strahlung kann man also Oberflächen sozusagen keimfrei machen oder eben desinfizieren.

 

Der Hersteller gibt an, dass die Primärstrahlung des UVC Surface Sanitizers bei ca. 276 nm liegen würde und 1 mA bemisst. Damit sind zwar die Quecksilberdampf-Anlagen zur physikalischen Entkeimen mit einem Peak bei 254 nm für den professionellen Einsatz nicht gegeben, dennoch bewegen wir uns in einem durchaus zum Entkeimen geeigneten Bereich.

 

Das klingt doch schon mal vielversprechend. Das UVsoap Desinfektionsgerät kann mit den beiden UV-C-Leuchtdioden in einem Winkel von 120 Grad auf etwa 10 cm Distanz entsprechend Strahlung aussenden und Keime, wie Viren und Bakterien, abtöten bzw. inaktiv setzen. Dazu strahlt das Gerät für 60, 90 oder 120 Sekunden automatisch nachdem eine Person in der Nähe erkannt wurde und diese wieder aus dem Bereich verschwunden ist, UV-C-Wellen ab.

 

Zur Sicherheit enthält das Gerät neben den beiden UV-Dioden dann auch einen Infrarot-Sensor, der verhindern soll, dass versehentlich in den Strahlbereich des UVsoap gefasst wird. Dieser Sensor wiederum hat einen Blickwinkel von 15 Grad und eine Reichweite von knapp 2 Meter, so dass sehr frühzeitig der Bestrahlungsvorgang abgebrochen bzw. verhindert werden kann. 

 

Der Betrieb ist denkbar einfach: Nach dem Einlegen der Batterien wird das Gerät in etwas weniger als 10 cm Höhe über der Oberfläche angebracht, die desinfiziert werden soll. Beispielsweise Türklinken, Tastaturen im Bereich mit Publikumsverkehr oder die Kaffeemaschine in der Büroküche. Wenn die Oberfläche zum Anbringen nicht plan genug ist, hilft die runde Plastikscheibe aus dem Lieferumfang, die dank 3M-Klebepad einfach und schonend anzubringen ist. Nun hat das Gerät seinen automatischen Betrieb aufgenommen, was an der schwach glimmenden, grünen LED vorne zu sehen ist. Während der Desinfektion leuchtet diese und die Unterseite blau auf. Damit ist auch ungefähr der Desinfektionsbereich einsehbar.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Die Wirkung des UVsoap Oberflächen-Desinfektionsgeräts

Wir haben hier kein auch nur annähend voll ausgestattetes Biolabor, aber dennoch wollten wir zumindest anschaulich ausprobieren, wie das UVsoap-Gerät wirkt. Dazu wurden zwei Petrischalen mit Sabouraud 2 Prozent Glucose Agar verwendet. Dieser Nährboden hat den Vorteil, recht breitbandig alles an Bakterien und Pilzen wachsen zu lassen und eine deutliche Abgrenzung zu ermöglichen. Die Lagerungstemperatur von 8 bis 15 °C ist auch in jedem herkömmlichen Kühlschrank erreichbar und die Inkubationstemperatur von 37 °C kann an dieser Stelle ignoriert werden. Dies deswegen, weil wir keine wissenschaftlich exakte Analyse vorlegen wollen und auf vergleichbare Ergebnisse angewiesen sind. Wir wollen ja nur sehen, ob das UVsoap UVC Surface Sanitizer wirklich Keime abtöten kann. Und zwar Bakterien, da wir Viren mit haushaltsüblichen Mitteln nicht sichtbar machen können und man generell auch nie Viren vermehren sollte, wenn man dies nicht beruflich und entsprechend im Labor unter strengen Sicherheitsvorkehrungen macht. Für herkömmliche Bakterien schien uns die Gefahrenlage jedoch gering genug zu sein.

Das Testvorgehen

Wie sind wir also vorgegangen? Zum Test haben wir zwei frische, versiegelte Petrischalen mit bereits aufgebrachter Nährlösung aus der Kühlung genommen und geöffnet. Die Hände wurden frisch gewaschen und einmal über den Oberarm gestrichen, um die auf der menschlichen Haut immer siedelnden Bakterien und Pilze aufzunehmen. Dann wurde je ein Finger leicht in die Mitte jeweils einer Petrischale gedrückt und diese darauf hin verschlossen. Dass es zwei unterschiedliche Finger waren, sollte die Keimmenge halbwegs gleich halten.

 

Eine Schale wurde mit dem UVsoap UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät einmalig für 60 Sekunden bestrahlt, eine nicht. Beide Schalen beschriftet, mit einem Klebestreifen verschlossen, jedoch nicht versiegelt und an einem dunklen, warmen Ort aufbewahrt.

 

In diesem Fall war es das Regal auf dem Balkon, welches von einem Vorhang verdeckt wird. Während des Testzeitraums von sechs Tagen lagen die Aussentemperaturen immer zwischen 8 °C und 27 °C. Damit herrschte zwar nicht die Inkubationstemperatur, aber das Keimwachstum wurde auch kaum gehemmt. Unversiegelt, waren die Schalen, um auch aerobe Keime nicht zu behindern. Mehr wollten wir an dieser Stelle gar nicht, da ein direkter Vergleich der beiden Proben völlig ausreicht.

Ergebnisse der Inkubation

Auf den nachfolgenden Bildern sind die beiden Petrischalen nach dem Verschliessen zu sehen. Links seht ihr sie zu beginn und rechts nach sechs Tagen Keimwachstum. Es ist deutlich, wie sich die beiden Schalen “UVC” und “Kontrolle” unterscheiden. Zwar sind auch auf dem Nährboden der UV-C-Bestrahlten Schale keime gewachsen, jedoch nicht im gleichen Ausmass und auch scheinbar andere. Ohne bakteriologische Ausbildung und Ausrüstung liegt es uns natürlich fern, diese genau zu identifizieren, aber die Vermutung liegt sehr nahe, dass es sich bei den gewachsenen Keimen um Sporen von Schimmel- und/oder Hefepilzen handelt, wie in der Raum- und Atemluft unzählige zu finden sind. Das ist normal und auch nicht ungesund. Dass diese weissen, fluffigen Strukturen nicht überwiegend in der Mitte der Schale, wo der Fingerabdruck zu finden wäre, aufgetaucht sind, stützt diese These.

Interessant ist vor allem aber auch der rot bis rosafarben auswachsende Punkt in der Kontrollschale. So eine Farbe ist auf dem UV-C-betrahlten Nährboden nicht gediehen. Das wird wohl ein anderer Keim sein, der vermutlich durch den Fingerabdruck auf den Nährboden gelangt ist. Es ist daher, vielleicht etwas optimistisch, anzunehmen, dass dieser Keimtyp auf der UVC-Schale durch die Bestrahlung zerstört wurde.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Fazit und Preis zum UVsoap UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät

Auch wenn unser kleines Experiment natürlich der wissenschaftlichen Systematik und Genauigkeit entbehrt, zeigt es doch, dass das UVsoap UVC Surface Sanitizer Desinfektionsgerät anscheinend wirklich dazu beiträgt, Oberflächen desinfizieren zu können. Damit lässt sich nahezu jedes Gerät, vom Smartphone bis zum Kopierer im Büro, die Türklinke, der Wasserhahn und mehr automatisch bestrahlen und keimfrei machen. Dass Problem bei Türklinken und Wasserhähnen bliebe natürlich noch, dass diese nur von einer Seite bestrahlt werden können. Es bräuchte also für diesen Einsatzort gleich zwei UVsoaps UV-C-Lampen.

 

Ein UVsoap Gerät soll voraussichtlich für 29.99 US-Dollar, umgerechnet etwa 25,- Euro bzw. 27.- SFr., kosten und bei Kickstarter erhältlich sein.

 

Alles in Allem ist das UVsoap Desinfektionsgerät für Oberflächen (und nicht für Hände!) eine gute Sache und scheint zu Funktionieren. Es ist simpel zu installieren und einfach zu gebrauchen, da es vollkommen automatisch die UV-Strahlung aussendet und Keime in seinem Einflussbereich zerstört bzw. inaktiviert. Wer in einem Bereich arbeitet, der Publikumsverkehr hat oder auch nur sein Smartphone gerne regelmässig keimfrei machen möchte, kann das Gerät durchaus in die engere Auswahl ziehen.

 

Der Produktname ist jedoch denkbar schlecht gewählt, denn es handelt sich definitiv nicht um einen Seifen-Ersatz und wird auch in keinem Fall auch nur annähernd so eingesetzt. Weder Haut noch Haare sollten damit bestrahlt werden! Und die Webseite des Herstellers bedarf auch einer dringenden Aktualisierung mit Bestellmöglichkeiten und Impressum beispielsweise.

 

 

Sicherheitshinweis: UV-C-Strahlung ist gefährlich!

Schon eine kurze Exposition UV-C-Strahlung reicht aus, um Sonnenbrand oder gar Augenschäden zu verursachen. Während die Haut sich nach wenigen Tagen wieder erholen sollte, ist eine nachhaltige Eintrübung der Hornhaut im Auge zu befürchten. Man darf also niemals, wirklich niemals in die UV-C-Quelle blicken!

Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Insert math as
Block
Inline
Additional settings
Formula color
Text color
#333333
Type math using LaTeX
Preview
\({}\)
Nothing to preview
Insert
Teilen