Do. 22. November 2018 um 7:12

Review: Travis Touch portabler Cloud-Übersetzer im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Wer öfter reist, stösst auch schon mal auf Sprachbarrieren. Manchmal reicht das Schulenglisch einfach nicht weiter und auch mit Französisch, lingua franca damals, ist nicht überall ein Weiterkommen garantiert. Da wäre eine Übersetzungs-App, die auf Knopfdruck ausgibt, was man selbst nicht sagen kann, perfekt, oder? Klingt ein wenig nach Science Fiction, aber ist schon da! Das Gerät nennt sich Travis Touch und kann bereits über 100 Sprachen übersetzen. Bald sollen es 120 sein! Das Gerät, das kaum grösser ist als ein herkömmliches Featurephone, verfügt über einen 2.4 Zoll IPS-Touchscreen und verbindet sich via Bluetooth, WLAN oder 4G LTE. Nachdem das gewünschte Sprachpaar ausgewählt wurde, kann direkt per Sprachsteuerung alles bedient und ebenfalls direkt mit der Übersetzung losgelegt werden. Einfach ins Gerät gesprochen, Sekunden später erklingt das Ganze in der gewünschten Zielsprache. Und dabei lernt Travis Touch mit, um die Übersetzung individuell zu verbessern und zu perfektionieren. Denn Travis Touch nutzt über zwanzig Online- und Offline-Übersetzungsprogramme gleichzeitig.

 

Auch gibt es optional eine Travis Business Edition, die Gespräche online synchronisieren kann, so dass direkt ein Protokoll verfügbar ist, ähnlich wie beim Travis One. Dies haben wir jedoch hier mal aussen-vor gelassen.

 

 

Aber braucht man das wirklich? Die Übersetzungsdienste von Google und Microsoft leisten heute schon Grosses und übersetzen, was das Zeug hält. Doch manchmal reicht das eben nicht. Denken wir an Situationen, in denen das Smartphone gar nicht erlaubt ist, beispielsweise im Krankenhaus.

Oder in denen man nicht einfach das private Gerät dem Gegenüber unter die Nase halten mag, um den Bildschirm zu präsentieren, auf den man die ganze Zeit blicken muss – im Geschäftsbereich etwa.

Und Travis Touch schont nicht nur den gebeutelten Smartphone-Akku, während er augenblicklich eine gute Übersetzung liefert. Das Gerät verarbeitet direkt die Sprachaufnahme, die dank Aktiver-Geräuschunterdrückungs-Mikrofonen auch in lauteren Umgebungen funktionieren soll. Kein Klicken, kein Bestätigen. Wie James T. Kirk einfach in den Tricorder sprechen und schon versteht die ganze Galaxie, was man möchte. Phaser auf Betäubung!

 

 

Und auch in der Praxis hat Travis sich wohl bereits messen lassen: Die niederländische Polizei, medizinisches Personal und Streitkräfte haben Travis bereits im Feldversuch ausprobiert und positive Rückmeldung gegeben. Auch wenn manche App in Punkto Funktion mithalten zu können scheint, ist die Bedienung ohne den Blick auf Display richten zu müssen, als Pluspunkt in der alltäglichen Kommunikation beschrieben worden. Soweit die Aussagen der Pressemitteilungen.

 

Darum wollten wir uns nunmehr auch mit Travis Touch auseinandersetzen und das Gagdet für euch ausführlich ausprobieren.


Travis Touch

Hardware und Lieferumfang des Travis Touch

Der Travis Touch ist 109 x 559 x 17.45 mm gross und wiegt knappe 118 Gramm. Das Übersetzungs-Gadget ist kieselförmig und erinnert an Motorola-Handys um die Jahrtausendwende. Auch das hat seinen Charme.

Im Inneren ist ein 2500 mAh starker Akku verbaut, der das Gerät gut 22 Stunden mit Strom versorgen soll. Zudem werkelt eine Quad-Core CPU mit 1.28 GHz, vermutlich ein Mediatek MTK6580. Dieser wird begleitet von 1 GB Arbeitsspeicher und hat Zugriff auf 8 GB internen Speicher, der nicht erweiterbar ist. Als Betriebssystem kommt ein Android-Derivat namens Travis OS zum Einsatz.

Der verbaute 2.4 Zoll Touchscreen bietet eine Auflösung von 240 x  320 Pixel an und ist somit alles andere als hochauflösend. Dafür schont er den Akku.

Unterhalb des Displays sind drei grosse Hardwaretasten zu finden: Quadrat links, Kreis rechts und mittig sowie leicht erhoben eine orange Sprechblase. Darunter ist eine LED zur Status-Anzeige des Akkufüllstandes bzw. Ladevorgangs untergebracht.

 

Weiter sind Bluetooth 4.0, WLAN 802.11a/b/g/n, im 2.4 GHz- und 5 GHz-Frequenzband, sowie 4G LTE dabei. Dazu ist ein nano-SIM-Kartenlsot vorhanden, der linksseitig am Gerät zu finden ist. Die Rückseite beherbergt mittig die Qi-Ladespule, über die der Travis Touch kabellos aufgeladen werden kann.

Rechterhand sind der Ein-Aus-Schalter sowie eine Reset-Öffnung und eines der beiden ANC-Mikrofone zu finden. Oben am Gerät ist ein grosser Lautsprecher untergebracht, sowie links das zweite der beiden ANC-Mikrofone und eine Öse für eine Trageschlaufe. Unten am Gerätegehäuse finden sich eine gummigeschützte Öffnung mit microUSB-Anschluss und 3.5-mm-Stereoklinken-Ausgang.

 

Geliefert wird der Travis Touch mit einem SIM-Kartenslot-Öffnungswerkzeug, einem flachen microUSB-Ladekanbel sowie einer Broschüre und einem Quick Guide.

Optional ist eine Silikonhülle mit Silikon-Trageschlaufe erhältlich, die den Travis Touch besser vor Stössen und Staub schützen soll. Generell ist das Gerät gegen Spritzwasser geschützt. Eine Display-Schutzfolie ist von Haus aus angebracht.

Einrichtung des Travis Touch

Der Travis Touch ist relativ intuitiv einzurichten. Das ist auch gut so, die Kurzanleitung ist nicht sehr vielsagend. Zunächst stellt man die Systemsprache des Travis Touch ein und sorgt am Besten für eine Internetverbindung via WLAN oder LTE, indem eine SIM-Karte eingelegt wird. Sonst sind nur knapp zwei Dutzend Sprachen zur Übersetzung verfügbar. Die Bedienung erfolgt bis hierher zu einem Grossteil über den Touchscreen. Dieser reagiert etwas verzögert, was wohl auch auf die schwachbrüstige Hardware in Verbindung mit der relativ dicken Display-Schutzfolie zurückzuführen ist, aber man gewöhnt sich schnell daran. Es ist nun mal kein High-End-Smartphone.

Travis Teacher

Danach kann der Travis Touch optional auf der Webseite des Herstellers unter my.travistranslator.com registriert werden. Damit wird die Funktion Travis Teacher aktiviert und optimal für weitere 99 Euro bzw. USD-Dollar kann Travis Business hinzugekauft werden.

 

Mit Travis Teacher kann man jede der derzeit 105 unterstützten Sprachen des Travis Touch lernen, indem man mit dem kleinen Gadget spricht.

Dazu übersetzt Travis Teacher jede Phrase, die man ihm sagt, spricht sie aus und hört sich dann deine Aussprache an, während du das Gehörte nachsprichst. Listen and repeat – ihr kennt das bestimmt noch aus der Schulzeit, oder? Und die Note gibt es gleich postwendend, denn Travis Teacher sagt dir gleich, ob die Aussprache und Betonung gut war, oder nicht.

Bedienung des Travis Touch

Ansonsten verläuft die Bedienung des Travis Touch wiederum recht intuitiv. Das Menü von Travis OS ist sehr übersichtlich gestaltet und erinnert nur an manchen Stellen an ein älteres Android. Die Tastatur etwa.

 

Im oberen Bereich sind neben den Status-Symbolen für 2G/3G/4G und der Netzqualität als herkömmliches Balkensymbol das WLAN- und Bluetooth-Symbol zu finden. Daneben ist eine Wolke zu sehen, die die Verbindung in die Travis-Übersetzungs-Cloud anzeigt. Rechts findet sich dann das Akkusymbol und die Prozentangabe zum Ladezustand des selbigen.

Darunter ist ein viergliedriges Menü zu finden: Verlauf, Übersetzen,  Einstellungen und Teacher. Letzteres nur, wenn Travis Teacher auch aktiviert wurde. Die Einstellungen sind sehr übersichtlich gehalten. Sie erlauben es, neben WLAN- und Mobilfunk-Zugänge (APN) zu konfigurieren, auch das Datenroaming ein- und auszuschalten sowie den WLAN-Hotspot zu konfigurieren und zu nutzen. Damit kann man den Travis Touch als 4G-WLAN-Zugang unterwegs nutzen.

Weiter können die Konto-Einstellungen, Systemsprache, Systeminfos und Gerätediagnosen eingesehen, geändert bzw. versendet werden. Über Bluetooth lasen sich Verbindungen zu anderen Geräten, Headsets oder Smartphones etwa, herstellen. Die drei Hardwarebuttons verhalten sich in den Einstellungen so, wie wir es von Android-Geräten gewohnt sind und das Quadrat dient als Zurück-Taste.

Unter diesen vier bzw. drei Menü-Icons findet sich im Übersetzungs-Menü zwei Länder-Flaggen bzw. Fahnen und der Satz “Hallo, ich bin Travis” in der jeweiligen Ausgangssprache. Diese wird links ausgewählt und angezeigt.

 

Hier kann aus derzeit 105 Sprachen gewählt werden. Weitere sollen bald folgen. Unter den bereits verfügbaren Sprachen sind auch eher illuster anmutende wie Esperanto oder Latein! Nur Klingonisch fehlt (noch?).

 

 

Ist nun also ein Sprachpaar ausgewählt, kann mit Druck auf die rechte bzw. die linke Taste – also Quadrat oder Kreis, von der einen in die andere Sprache übersetzt werden. Wählt man also Deutsch und Englisch aus, wartet der Travis Touch nach dem Druck auf die linke Hardware-Taste auf eine Äusserung in (hoch)deutscher Sprache, und gibt diese nach wenigen Sekunden in Englisch aus. Die mittlere Taste, von Travis Magic Button genannt, dient dazu, die Steuerung des Geräts per (englischem( Sprachbefehl zu ermöglichen. Dabei kann man derzeit lediglich das Sprachenpaar auswählen, ohne auf die Länderflaggen und -fahnen zu tippen und danach zu scrollen. Hierzu sagt man beispielsweise einfach “Select German and English”.

 

In Zukunft sollen über Updates weitere Funktionen zur Magic-Taste und weitere Sprachen hinzukommen.

Übersetzungen mit Travis Touch

Ich habe nunmehr Travis Touch bei verschiedene Gelegenheiten und mit diversen Sprachen mit unterschiedlichsten Erstsprachen ausprobiert. Deutsch, Englisch, Französisch, Thai, Georgisch und Norwegisch etwa.

 

 

Mein Fazit zur Übersetzungsleistung: Schlichtweg beeindruckend. Dass das so gut funktioniert, hätte ich wirklich nicht erwartet! Das Übersetzungs-Werkzeug Travis Touch eignet sich sehr, sehr gut für kurze, alltägliche Sätze. “Wie komme ich zum Bahnhof?” etwa, oder “Was kostet die Fahrt?”. Komplexe und längere Sätze sind manchmal etwas schwieriger und gerade in Sprachen, die enorm vielfältig sind, was Tonlagen und Betonungen an geht, wie beispielsweise Thai, stösst die KI schneller an ihre Grenzen. Cloud-KI hin oder her. So hat das Gerät beispielsweise auch Schwierigkeiten gezeigt, hier die männliche und die weibliche Satzform, bezogen auf das grammatische Geschlecht der sprechenden Person, sauber zu trennen. Dennoch lässt sich nicht viel beanstanden und Travis Touch kann auch hier gut genutzt werden, sich in einer fremden Sprache zu verständigen.

In anderen Sprachen, die sehr viel stärker auf der Ebene der Silben und Wörter unterscheiden, Deutsch und Englisch etwa, ist Travis Touch durchaus sehr treffsicher. Gerade Redewendungen aber kann Travis fast immer sehr gut erkennen und übersetzen.

Natürlich hat Travis seine liebe Mühe mit Dialekten und regionalen Besonderheiten. Ein Chuchichäschtli ist für Travis Touch genauso ein böhmisches Dorf wie das Parkieren des PW oder das Zefix!. Schimpfworte und Flüche im Allgemeinen sind übrigens Travis mehr Rätsel als Datum.

Leistung des Travis Touch

Dennoch ist die Übersetzungsleistung von Travis Touch beeindruckend. Übrigens ist die Akkuleistung von gut 22 Stunden vollkommen realistisch und in Ordnung. Es dürfte etwas mehr sein und auch ein austauschbarer Akku wäre toll, aber dank QI-Lademöglichkeit ist das Gerät bequem wieder mit Strom versorgt.

Der Datenverbrauch via 4G ist laut Herstellerangaben übrigens bei 10 MB pro Stunde.

 

 

Die beiden Mikrofone des Travis Touch sind recht gut in der Lage, dank aktiver Geräuschunterdrückung auch in lauten Umgebungen recht treffsicher die Spracheingabe zu erfassen. Und der verstärkte, eingebaute Lautsprecher ist sehr gut und klar verständlich. Leider kann die Lautstärke nicht sehr intuitiv verändert werden: Nur wenn die Sprachausgabe läuft, kann per Wisch auf dem Display die Lautstärke gesteuert werden.

Preis

Nachdem Travis drei erfolgreiche Indiegogo-Kampagnen durchgeführt hat, folgt nun also der nächste Schritt mit der Expansion auf den deutschsprachigen Markt. Der kabellos aufladbare Travis Touch, aggregiert über zwanzig Übersetzungsmaschinen, darunter natürlich auch die beiden grossen aus Redmond und Mountain View. Dies macht es ermöglich, derzeit 105 Sprachen mittels KI und Machine Learning derzeit wohl am treffendsten zu übersetzen. Das hat natürlich auch seinen Preis.
 

Dass das Konzept des Übersetzungs-Geräts überzeugt, darauf weist die Crowd-Funding Erfolgsstory von Travis allein schon hin. In nur 16 Minuten hatte man auf Indiegogo über tausend Menschen erreicht und über 260’000 US-Dollar Investment gesammelt, womit das Finanzierungsziel mehr als vierfach über-erfüllt wurde. Nun werden gerade über 150’000 Geräte ausgeliefert, mit einer Preisempfehlung von 249.- Euro bzw. SFr. und auch ohne Indiegogo-Backer zu sein, kann man das Gerät nunmehr einfach bestellen.

Doch dank Black Friday ist Travis Touch aktuell für nur 199.- Euro bzw. SFr. direkt beim Hersteller zu haben.

Bei Brack.ch ist der Travis Touch ebenfalls für 249.- SFr. zu bekommen.

Fazit

Mit dem Travis Touch bekommt man ein nicht ganz günstiges Sprach-Übersetzungs-Gerät, dass eine komplexe Smartphone-App ersetzt. Ja, vielleicht könnte das alles auch per App gelöst werden. Doch Travis hat mit dem kleinen Stück Hardware ein recht durchdachtes Gerät geschaffen und seine Dienste nahezu perfekt integriert. Dadurch, dass alle unnötigen Funktionen ausgeblendet wurden und die Hardware auf das wichtigste reduziert ist, bekommt man mit dem Travis Touch ein gutes Begleit-Gerät für internationale Reisen an die Hand. Schade ist nur, dass der Akku nicht austauschbar ist und dass die Bluetooth-Verbindung nicht in eine App mündet. Dass die Sprachsteuerung des Geräts (nicht die Übersetzung!) nur eingeschränkt nutzbar ist und auf ein OTA-Update gewartet werden muss, ist wiederum auch etwas bedauerlich, aber verschmerzbar. Auch eine Lautstärkewippe oder ein Menü, in dem man diese einstellen könnte, sucht man leider vergebens.

 

Hingegen wirklich praktisch ist doch auch die 4G-WLAN-Hotspot-Funktion unterwegs. Denn wenn man eine SIM-Karte mit günstigem Datentarif am Ankunftsort gekauft hat, kann man diese auch gleich für sein Smatphone, Tablet oder Laptop mitbenutzen.

 

 

Insgesamt aber ist, wie gesagt, Travis Touch vor allem ein beeindruckendes Übersetzungswerkzeug im Hosentaschenformat. Wer viel in fremden Ländern unterwegs ist, sollte sich das Gerät, gerade mit Black Friday-Rabatt, zulegen!

vg-wort
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