So. 11. Oktober 2020 um 7:21

Review: InLine PoE+ Gigabit Network Injector Hub im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Manchmal möchte man ein kabelgebundenes Netzwerkgerät, einen Raspberry Pi, einen WLAN-AccessPoint wie Linksys LAPAC1750C oder eine IP-Kamera, nur mit einem Ethernet-Kabel versorgen. Das macht die Installation einfach einfacher, denn es muss nur ein Kabel verlegt werden und keine Wechselstromleitungen verlegt und Steckdosen montiert werden. Power over Ethernet, kurz PoE, macht genau das möglich. Was früher vor Allem für Firmen und Behörden interessant war, ist mittlerweile auch in vielen Privathaushalten, auch dank Smart Home, gewünscht und unterdessen auch eine erschwingliche und verbreitete Technologie geworden. Amazon ist voll von entsprechenden Produkten. Darum haben wir uns für euch den InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor Hub genauer angeschaut.

Was ist Power over Ethernet (PoE/PoE+) eigentlich?

Die Stromversorgung wird bei PoE bzw. PoE+ über das Netzwerkkabel ab der Kategorie 5 (Cat. 5) gelöst. Dabei wird zumeist auf den äusseren, nicht verwendeten Adern der verdrehten Kabelpaare im Ethernetkabel Gleichstrom mit bis zu 30 Watt Leistung angelegt. Welche genau, handelt seit der Standardisierung 2003 das Endgerät mit dem Stromversorger selbst aus. Um dies zu realisieren, braucht es spezielle Netzwerk-Switches oder so genannten PoE-Injektoren, die den Strom auf den jeweiligen Drähten zur Verfügung stellen. Um dabei keine Geräte zu beschädigen, die auf diesen Drähten keinen Strom haben möchten oder etwa zu viel Strom zu liefern, durchläuft PoE nach IEEE 802.3af und das Nachfolgeprotokoll PoE+ IEEE 802.3at ein dreistufiges Testverfahren, bis der Normalbetrieb im Stromversorgungsmodus aufgenommen wird.

  1. Zunächst wird festgestellt, ob ein angeschlossenes Endgerät einen Abschlusswiderstand im Bereich von 19 kΩ bis 26.5 kΩ aufweist. Dabei liegen lediglich 2.7 V bis 10.1 V an. Hiermit kann in der Regel kein Gerät beschädigt oder gestört werden.
  2. Fällt dieser Test positiv aus, wird nun der genaue Widerstandswert gemessen, um eine von vier Leistungsklassen zu bestimmen. Hierfür sind 14.5 V bis 20.5 V vorgesehen.
  3. Für den Start der eigentlichen Stromversorgung werden nun mindestens 42 V und 400 mA angelegt. 
  4. Erst dann folgt der normale Betrieb im Versorgungsmodus mit 36 V bis 57 V bei 300 mA (PoE 802.3af) bis 600 mA (PoE+ 802.3at).

Dies wird auch vom InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor Hub gemacht um sicher zu stellen, das kein Gerät zu Schaden kommt.

Lieferumfang des InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor Hub

Geliefert wird der Injektor Hub mit je einer kurzen Bedienungsanleitung auf Deutsch und auf Englisch. einem Netztei, vier optionalen Gummifüssen für den Desktop-Betrieb sowie zwei Montagewinkeln und sechs Schrauben für den Einbau in ein 19-Zoll-Rack. Damit ist der einfache Einsatz auch im professionelleren Umfeld möglich.

Hardware und Eigenschaften des InLine PoE+ 8-Fach-Injektors

Der Gigabit Injector Hub von InLine ist 188 x 120 x 44 mm gross und wiegt knapp 750 Gramm. Das schwarze Metallgehäuse wird dominiert von der Vorderseite, an dem 16 RJ54 Ethernet-Netzwerkanschlüsse, die zu paaren jeweils spiegelverkehrt angeordnet und von eins bis acht durchnummeriert beschriftet sind. Die obere Reihe der Ethernetdosen ist mit “DATA IN” gekennzeichnet, währen die untere “DATA + PWR OUT” daneben stehen hat. Es erschliesst sich also recht intuitiv: Oben kommt das Netzwerkkabel rein ohne Strom, unten geht das Netzwerkkabel zum Gerät, das mit Daten und Strom versorgt werden soll.

 

Links der Anschlüsse sind neun grüne LED zu finden. Eine, mit PWR gekennzeichnet, gibt Auskunft über die Stromversorgung des Geräts selbst. Die anderen acht sind in zwei Reihen angeordnet, nummeriert sowie mit PoE beschriftet. Sie zeigen an, welcher Port mit Ausgangsstrom betrieben wird. Mehr nicht. Ob PoE Plus oder PoE zum Einsatz kommt, wie viel Strom oder gar wie viel Leistung auf dem Port stehen, bleibt im Dunkeln.

 

Links wie rechts sind nur Lüftungsgitter bzw. acht Löcher zu finden und Bohrungen für die Schrauben der Montagewinkel. Warum nur sechs Schrauben beiliegen, erschliesst sich an dieser Stelle nicht. Da der PoE-Injektor lüfterlos gebaut ist, erstaunt auch das Spiralgitter auf der linken Seite etwas. Vermutlich ist das Gehäuse aber einfach etwas generisch und wird für viele andere Geräte auch benutzt. Stören wird dieses Design jedenfalls nicht.

 

Die Unterseite ist nahezu leer und hat neben Typenschild und Seriennummer nur vier Einbuchtungen für die Gummifüsse zu bieten und zwei Öffnungen für die Aufhängung mittels Schrauben an der Wand.. Oben ist nur blankes, schwarzes Metall zu sehen.

Die Rückseite ist auch wenig spektakulär und hat den Anschluss für das mitgelieferte 56-V-Netztteil sowie einen dreipoligen Schraubklemmenanschlussblock aufzubieten.

 

Der InLine PoE+ Injector legt an den Pins 1 und 2 jeweils die positive und an den Pins 3 und 6 des RJ45-Steckers die negative Spannung an. Als Midspan Device versorgt er jeden der acht stromführenden Ports (die untere Reihe) mit 48 bis 56 V Gleichstrom und maximal 30 Watt Leistung. Er erfüllt also die Norm IEEE 802.3at-2009. Die Gesamtleistung über alle acht Ports beträgt hier mit dem mitgelieferten Netzteil jedoch nur 120 Watt, womit also nur vier Geräte mit voller PoE+-Leistung versorgt werden könnten. Wird stattdessen aber der Schraubklemmenanschlussblock auf der Rückseite zur Stromversorgung benutzt, sind jedoch die vollen 240 Watt möglich. Beide Stromanschlüsse gleichzeitig zu betreiben geht nicht.

 

Jeder der acht Ports ist gegen Überstrom, Überspannung und Überhitzung geschützt. Als Ethernet-Kabel empfiehlt es sich, mindestens auf Cat.5, besser jedoch Cat.5e oder Cat.6 zurückzugreifen, um Übersprechen und Dämpfung etc. zu minimieren. Kabellängen sollten 100 Meter nicht überschreiten, da die Leistungsverluste sonst einen Betrieb von Geräten via PoE schnell schwierig machen.


InLine PoE+ Gigabit Network Injector Hub
InLine PoE+ Gigabit Network Injector Hub. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Testeindruck

Der InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor Hub ist einwandfrei verarbeitet und macht einen soliden Eindruck. Er weist keine unnötigen Spaltmasse oder gar wackelige Gehäuseteile auf.

 

Das Gerät macht genau, was es soll. Er ist schnell aufgebaut und angeschlossen und versorgt die Geräte mit Strom und Daten jeweils über ein einziges Ethernet-Kabel. Dabei erkennt der Injector zuverlässig, ob 10, 100 oder 1000Base-T zur Datenübermittlung genutzt werden soll und ob ein angeschlossenes Endgerät überhaupt Strom haben möchte. Wenn, wird auch verlässlich und innerhalb weniger Sekunden ermittelt, wie viel Strom und Spannung auf welchen Pins angelegt werden soll. Wir haben dazu mehrere IP-Kameras, eine Raspberry Pi 3 mit PoE-Shield sowie den Linksys LAPAC1750C im Test eingesetzt. Das klappt also alles tadellos und das Gerät wird kaum merklich warm im Betrieb.

 

Ärgerlich ist nur, dass bei zu vielen leistungshungrigen Geräten nicht so schnell ersichtlich wird, warum die Stromversorgung zusammenbricht. Der InLine PoE+-Injector schaltet dann einfach alle acht PoE-LED aus und versorgt keines Leitung mehr mit Strom, bis die Leistungsgrenze wieder erreicht bzw. unterschritten wird. Da wäre es vielleicht hilfreich, zu sehen, ob PoE oder PoE+ anliegen an einem der acht Ports. Aber alternativ kann ja mit einem anderen externen Netzteil 48 V bis 56 V und maximal 10 A über den Schraubklemmenblock geliefert und das mitgelieferte Netzeil weggepackt werden. Dann sind bis 240 Watt Gesamtleistung möglich und somit also die vollen 30 Watt für jeden der acht PoE+-Ethernetports.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Preis und Fazit zum InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor Hub

Der InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor 8-fach Hub ist unter der Artikelnummer 32308H beim Hersteller ab etwa 124 Euro bzw. SFr. angepriesen. Amazon ist da (noch) deutlich teurer. Der Vergleich lohnt also.

 

Insgesamt macht der PoE-Injector von InLine einen tollen Job. Er ermöglicht es, Power-over-Ethernet für acht Geräte nachzurüsten und gleichzeitig bestehende Ethernet-Switches beizubehalten, was gerade bei den teureren managed Switches ja sonst schnell ins Geld ginge.

 

Da alle acht Ports überwacht und geschützt werden und auch herkömmliche Geräte am PoE-Anschluss ihre Daten immer noch übertragen können, kann der Injector getrost auch in Umgebungen eingesetzt werden, die nicht keine vollständige Kontrolle über die angeschlossenen Endgeräte erlaubt. Zu schnell steckt jemand in einem Büro beispielsweise einfach mal eigenmächtig ein Gerät in die Ethernet-Dose. Da ist es wichtig, dass der PoE+-Injektor in jedem Fall weiss, wie damit umzugehen ist.

 

Dass die LED-Anzeige so detailarm bleibt, ist schade, lässt sich aber verkraften. möchte man am Ende des Tages meist nur wissen, ob ein Gerät am Ende des Ethernetkabels mit Strom versorgt wird, oder nicht. Die Möglichkeit, das Gerät dank der mitgelieferten Gummifüsse einfach aufzustellen, mit den ebenfalls mitgelieferten Montagewinkeln im 19-Zoll-Rack-Schrank zu befestigen oder mit zwei Schrauben an der Wand aufzuhängen, machen den PoE-Injektor vielseitig einsetzbar.

 

Schade ist aber schon, dass ein separates Netzteil für die 240 Watt Volleistung erforderlich ist, mit der alle acht Ports PoE+ fahren können. Da hätte InLine lieber etwas tiefer in die Tasche gegriffen. Gerade in Anbetracht des dürftigen LED-Feedbacks zur Leistung wäre es schön zu wissen, dass es bei einem Problem mit einem Endgerät nicht gleich an der Stromversorgung durch den InLine PoE-Hub liegt.

 

Wer also Power-over-Ethernet (PoE) nachrüsten will, weil Steckdosen meist aufwändiger und teurer zu verlegen sind als nur Ethernekabel, kann mit dem InLine PoE+ Gigabit Netzwerk Injektor 8-fach Hub kaum daneben liegen.

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