So. 17. Juli 2016 um 10:54

Review: Garmin Forerunner 735XT im Test

von Katrin Alts0 Kommentare

Wir haben für euch den Garmin Forerunner 735XT auf Herz und Nieren getestet und sind dabei ganz schön ins Schwitzen gekommen.

 

Fitnesstracker sind heute überall zu finden. Ob am Handgelenk des übergewichtigen Kollegen, der 10.000 Schritte am Tag schaffen will oder am durchtrainierten Arm der Hochleistungssportlerin. Alle scheinen sich dafür zu interessieren, wie lange man schläft, wie viele Kalorien am Tag verbrannt werden und welchen Rekord heute bei sportlichen Aktivitäten gebrochen wurde. Preislich und optisch gibt es keine Grenzen.

 

Garmin hat mit dem Forerunner 735XT eine Multisport-Uhr auf den Markt gebracht, der dies alles vereinbaren soll und einige Fitnesstracker-Funktionen bietet. Zielgruppe sind insbesondere im Triathlon zu finden, aber auch viele andere Sportarten wie z. B. Wandern, Aerobic oder Krafttraining sollen mit dem Forerunner 735XT getrackt werden können.

 

Der Forerunner 735XT sieht zunächst aus wie eine normale Uhr mit digitaler Anzeige. Das Armband hat eine durchgehende Lochung zur Grösseneinstellung und kann dadurch auf jedes Handgelenk eingestellt werden. Das Display ist rund und hat einen Durchmesser von knapp 4 cm. Bei Bedarf ist es beleuchtet und erinnert im ersten Moment nicht an einen klassischen Fitnesstracker, mehr an eine Sportuhr. Rund um die Uhr sind fünf Knöpfe mit verschiedenen Funktionen angebracht. Die Anordnung ist zumindest für Rechtshänder_innen sinnvoll, einfach zu verstehen und macht dadurch die Bedienung kinderleicht. Auch für ungeübte und wenig technikaffine Personen ist es eigentlich nie nötig,in die Bedienungsanleitung schauen müssen.

 

 

Die Einrichtung über die Uhr war schnell erledigt: Geschlecht, Alter, Grösse und Gewicht werden erfasst und schon kann es losgehen! Eines vorweg – ich bin keine Triathletin und werde es wohl auch nie sein. Ich halte mich mit Laufen, Krafttraining und Yoga fit und bin bis hierhin sehr gut ohne einen Fitnesstracker oder eine Sportuhr ausgekommen. Aber wie der Zufall es will, hatte ich bereits nach einer Nacht mit dem Forerunner 735XT am Handgelenk meinen ersten 5 km-Lauf. Während der Strecke vibrierte die Uhr bei jedem geschafften Kilometer und zeigte mir die Gesamtkilometer, Gesamtzeit sowie die Zeit/Kilometer an. Das Ergebnis war am Ende nahezu gleich mit der aufgezeichneten Zeit des Veranstalters.

 

Seither trage ich die Uhr Tag und Nacht und merke sie nicht einmal. Trotz ihrer Grösse hat sie ein enorm geringes Gewicht, das Armband ist sehr flexibel, kratzt und scheuert nicht und wäre sie nicht „Frost Blau“, träfe sie sogar meinen Geschmack und würde noch weniger auffallen.
Nun aber zum Können des Forerunner 735XT.

 

Die Uhr misst am Handgelenk die Herzfrequenz. Grosses Plus, denn man muss sich keinen lästigen Brustgurt umschnallen. Negativ: Beim Schwimmen funktioniert das nicht. Die täglich zurückgelegten Schritte werden aufgezeichnet und die verbrannten Kalorien angezeigt. Hierzu aber später mehr.

 

Neben den „grossen Drei“, Laufen, Schwimmen (Schwimmbad und Freiwasser) und Radfahren, kann man noch folgende Aktivitäten auswählen: Indoorlauf, Indoorrad, Cardio, Krafttraining und Sonstiges. Und hier ist auch schon das erste Manko, was ich leider anbringen muss. Was ist Sonstiges? Manchmal habe ich auch „Multisport“ und „Aerobic“ gefunden. Allerdings ist das etwas undefiniert. Daher fiel es mir schwer, mein normales Training neben dem Laufen zu tracken. Ich hab’s mal mit Multisport probiert und habe nach einer Stunde schweisstreibendem Training abgebrochen und die Uhr gestoppt.

 

Beim Yoga konnte ich die Uhr absolut nicht gebrauchen, da sie einfach sehr gross ist und dadurch bei einigen Übungen nicht nur im Weg war, sondern mir das Verletzungs- als auch das Beschädigungsrisiko der Uhr zu gross war. Dies gilt ebenso für das Training mit Kettlebells.

 

 

Alle getrackten Aktivitäten werden gespeichert und können später abgerufen werden. Hierzu gibt es auch eine App (Garmin Connect) über die sich die Daten auf das Smartphone über Bluetooth übertragen lassen. Der Upload dauert mit zwei bis drei Minuten relativ lange, aber dafür zeigt sie auch viel mehr Details an. Zum Beispiel kann man sich die zurückgelegte Strecke nochmal auf einer Karte anschauen, man hat eine Übersicht über das Wetter und Infos über Geschwindigkeit (min./max.), Herzfrequenz (min./max.), Laufdynamik, Höhenunterschiede und vieles mehr. Die App ist ansprechend gestaltet und relativ einfach zu bedienen.

 

 

Durch Statistiken wie Aktivität, Gesundheit und Leistung hat man eine grosse Hilfe bei der Visualisierung von zuvor gesteckten Zielen: sei es der Gewichtsverlust, mehr Bewegung oder die Erhöhung der Schnelligkeit beim Lauftraining.

 

Die App und die Verbindung über Bluetooth zwischen den beiden Geräten ermöglichen auch Smart Notifications,o der anders ausgedrückt: Man kann seine Nachrichten vom Smartphone auf dem Wearable lesen. Lesen. Wenn man antworten will, braucht man trotzdem das Smartphone und dieses muss auch immer in der Nähe sein. Demnach für eher eine witzige Sache, aber weder für den Alltag noch beim Sport brauchbar.

 

Nun zurück zu den Kalorien. Die sind ja heutzutage nicht mehr wegzudenken und auch, wenn ich mich nicht mit Gewichtsproblemen plage, achte ich sehr auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, studiere die Inhaltsstoffe und Nährwertangaben. Daher hat es mich schon immer brennend interessiert, wie viele Kalorien mein Körper wohl verbrennt. Nach drei Wochen kann ich sagen: Ich weiss es immer noch nicht! Ihr kennt alle diese Tage, an denen euer Sofa und Netflix eure besten Freunde sind und eure Bewegung sich auf das Minimalste beschränkt. Ich hatte so einen Tag und musste mich als Ausgleich dazu am nächsten Tag richtig auspowern. Nachdem ich also laufen war, mich noch bei YouTube-Fitnessvideos eine Stunde verausgabt habe und den restlichen Tag auch relativ aktiv war, schaute ich mir abends voller Stolz mein Ergebnis an: Glatte 100 kcal mehr verbraucht als am Vortag! Wow – das war ernüchternd. Auch in den darauf folgenden Tagen traute ich dem Ergebnis nicht und habe das Thema Kalorienverbrauch beiseite geschoben.

 

Ähnlich verhielt es sich mit der Schlafaktivität. Leider habe ich keinen guten Schlaf und schlafe definitiv keine acht Stunden pro Nacht. Meistens sind zwischen der Zu-Bett-Geh-Zeit und Weckzeit nicht mal acht Stunden vergangen. Laut Forerunner 735XT habe ich aber einen durchschnittlichen Schlaf von 10 Stunden pro Nacht. Auch hier hat er leider nicht meinen Erwartungen entsprochen.
Beeindruckend hingegen war die Akkulaufzeit. In drei Wochen musste ich den Garmin Forerunner 735XT nur zwei Mal laden.

Lieferumfang

Minimalistisch. Eine robuste Verpackung aus Pappe, der Forerunner 735XT, ein Ladekabel mit USB-Stecker, Quick-Start Anleitungen in zwölf Sprachen und eine Broschüre über Sicherheits- und Produktinformationen.
Mir fehlte das Ladegerät.

Hardware / Spezifikationen

Abmessungen45 x 45 x 11.7 mm
Anzeigegrösse31.1 mm Durchmesser
Anzeigeauflösung215 x 180 Pixel
FarbdisplayJa
Gewicht40.2 Gramm
GPS-fähigJa
Wasserdichtigkeit5 AM
LauffunktionenLauffunktion VO2 Max, Erholungsratgeber, Laufprognose, Laufeffizienz, Persönliche Rekorde
Radfahrfunktionenja
Lauf und RadfahrfunktionenHerzfrequenzmessung, Laufsensor, Streckenfunktion
SchwimmfunktionSchwimmbadfunktion, Schwimmstilidentifizierung, Freiwasser-Schwimmfunktion, Schwimmtrainings
AktivitätsfunktionSchrittzähler, Automatisches Ziel, Inaktivitätsleiste, Schlafüberwachung
BatterieLithium-Ionen-Akku
Betriebsdauer der BatterienBis zu 24 Stunden im UltraTrac-Modus ohne optische Herzfrequenzmessung, bis zu 14 Stunden im Aktivitätsmodus mit GPS und optischer Herzfrequenzmessung, bis zu elf Tage im Uhrmodus mit Fitness-Tracking, Smart Notifications und optischer Herzfrequenzmessung

Garmin Connect™ Mobile
Entwickler: Garmin
Preis: Kostenlos
Garmin Connect™ Mobile
Entwickler: Garmin
Preis: Kostenlos

Fazit

Meine Erwartungen, zumindest meinen Kalorienverbrauch und meinen tatsächlichen Schlaf zu erfahren, konnte der Garmin Forerunner 735XT nicht erfüllen, aber er hat dafür auf anderen Ebenen punkten können. Eine Multisport-Uhr kann gut aussehen und nicht wie ein Klotz am Arm hängen. Ein Fitnesstracker oder eben eine smarte Sportuhr kann dich bei deinen sportlichen Aktivitäten super unterstützen, weil du die wichtigsten Daten immer vor Augen hast und sie schnell abrufen kannst. Das Wearable kann dich motivieren, abends doch noch mal eine Runde um den Block zu spazieren, weil dich dein Bürojob einfach von den berühmten 10.000 Schritten abhält.
Muss es dafür aber der Garmin Forerunner 735XT mit einem stolzen Preis von knapp 440 Euro bzw. 485 SFr. sein? Ich denke nicht – für den Hobbysport reicht auch eine günstigere Alternative aus der Riege der Fitnesstracker. Wer aber begeistert Triathlon macht oder eine der grossen drei Sportarten im Wettbewerb ausübt, macht mit dem Garmin Forerunner 735XT nichts falsch.

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