Sa. 09. Mai 2020 um 7:25

Review: Fujitsu Image fi-800R Dokumenten-Scanner im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Das papierlose Büro ist ein Traum vieler Menschen. Klar, denn es ist lästig, umständlich und teuer, die antiquierten Papierberge, unübersichtliche Dokumentenmappen, riesige Aktenordner und Bücher zu pflegen. Hinzu kommt, dass viele Unterlagen, und seien es einfache alltägliche Rechnungen, von Gesetzes wegen teilweise Jahrzehnte aufbewahrt werden müssen. Da liegt es nahe, das alles möglichst digital vorrätig zu halten. Damit ist auch der Aufbewahrungspflicht in vielen Fällen genüge getan und die Originale dürfen getrost in den Reisswolf.

 

Natürlich gibt es längst professionelle Lösungen und Unternehmen, die diese Digitalisierungsarbeit, inklusive Dokumenten-Server-Lösung und Aktenvernichtung, übernehmen können. Diese Angebote richten sich jedoch meist an Firmen mit dem nötigen Kleingeld und sind für KMUs manchmal genauso wenig attraktiv wie für Privatpersonen. Wir haben uns daher mal umgesehen und bei PFU, ein Unternehmen der Fujitsu Siemens-Gruppe, ein interessantes Produkt für einen Test gefunden: Den Fujitsu Image fi-800R Dokumenten-Scanner.

Lieferumfang des Fujitsu fi-800R Dokumenten-Scanners

Im Lieferumfang enthalten sind neben dem Scanner selbst eine Kurzanleitung und eine CD-ROM mit Software und Treibern. Da aber die Anleitungen sowie alle Programme sowieso Online auch zum Download verfügbar und oft aktueller sind, lohnt es sich, direkt auf die Seite von Fujitsu Image zu gehen. Der Dokumenten-Scanner fi-800R bekommt zudem ein passendes Netzteil mit abnehmbarem Kabel und ein USB-B-Kabel zum Anschluss an den Rechner mitgeliefert.

Hardware des Fujitsu fi-800R Dokumenten-Scanners

Der Fujitsu fi-800R Scanner selbst ist 296 x 105 x 83 mm gross und wiegt knapp 2 kg. Auf der linken Seite sind die Anschlüsse für die USB-Datenverbindung und das Netzteil zu finden. Der USB-Anschluss ist für USB 3.2 Gen. 1 ausgelegt, aber natürlich abwärtskompatibel bis USB 1.1. Ausserdem ist hier eine Buchse für ein Kensington-Schloss untergebracht. Auf der Vorderseite des Dokumentenscanners ist ein Einzug die Einzelblattzuführung mit Dokumentenrückgabe zu finden. Hier lassen sich auch dickere Dokumente wie Reisepässe problemlos einscannen. Auf der Oberseite sind eine Scan/Stop-Taste sowie ein Ein-Aus-Knopf und eine Status-LED angebracht.

 

Wichtiger für den Duplex-Arbeitsplatzscanner hingegen ist der Automatischer Dokumenteneinzug (ADF) auf der Oberseite unter einer Klappe. Dieser hat eine ausziehbare Papierführung und fasst bis zu 30 Blätter. Jedoch nur dünnes Papier mit 52 g/m2. Bei normalem Büropapier, das meist 80 g/m2 oder mehr aufweist, sind lediglich 20 Blätter auf den ausziehbaren Stapler des Dokumenteneinzugs einzufüllen. Einmal gescannte Seiten wirft der Fujitsu Dokumentenscanner fi-800R auf einem automatisch ausgefahrenen Dokumentenrückgabe aus, die bis zu 20 Blätter fasst und nach dem Scannvorgang wieder eingezogen wird.

 

Der Farbscanner auf Basis eines Kontaktbildsensors liefert Scanns mit einer Auflösung von 600 dpi. Diese Technologie basiert auf CMOS und hat seine Vorteile in den geringen Kosten und dem niedrigem Stromverbrauch sowie einer geringen Bauhöhe. Damit schafft der Dokumenten-Scanner bis zu 40 einseitige bzw. doppelseitige Seiten pro Minute einseitig bei 200 oder 300 dpi durch die ADF. Ob farbig oder schwarzweiss gescannt wird, hat auf die Geschwindigkeit keinen Einfluss, ebensowenig wie doppelseitiges Scannen. Dies, weil die Scannereinheit sowieso doppelseitig ausgelegt ist und bei einem Durchlauf gleich beide Seiten eines Blattes erfasst werden können. Darum spricht Fujitsu auch von 80 ipm, was für Impressionen pro Minute steht, denn es werden ja immer zwei Impressionen pro doppelseitigem Blatt erfasst.

Allerdings ist die Dokumentenrückgabe natürlich wichtig. Wird diese verwendet, sind bis zu 3.5 Seiten pro Sekunde möglich, doppel- wie einseitig.

 

Der automatische Dokumenteneinzug kann Papiere in den Formaten A4, A5, A6, A7, A8, B5, B6, B7, B8, Postkarten, Letter, Legal und in benutzerdefinierter Papiergrössen (zwischen 50.8 x 50.8 mm und 210 x 297 mm) verarbeiten. A3-Seiten können mit optionaler Dokumentenhülle (A3 gefaltet mit der Funktion Bilder zusammenfügen).

 

Eingebaute Ultraschall-Sensoren wiederum dienen dem fi-800R zur Überlappungserkennung. Wenn also mehrere Blätter im ADF eingezogen werden, erkennt der Scanner dies und fordert zum erneuten Einlegen auf. Auch eine Schräglaufkorrektur ist eingebaut.

 

Ausgegeben werden die Bilder vom Dokumenten-Scanner laut Hersteller in 24 Bit Farbe, 8 Bit Graustufen oder 1 Bit Schwarzweiss. Als Ausgabe-Dateitypen kommen PDF, Durchsuchbare PDF, PDF/A, TIFF, mehrseitiges TIFF, Bitmap, JPEG, JPEG2000, RTF, PNG, Word, Excel und PowerPoint in Frage.

 

Die Software von PFU / Fujitsu namens PaperStream Capture kommt mit einer Erweiterung des bekannten ABBYY Finereader, die es erlaubt, eingescannte Seiten per optischer Texterkennung (OCR) zu digitalisieren und als durchsuchbaren PDF-Dokumenten zu speichern. Diese enthalten dann quasi hinter dem eingescannten Bild den Text, der so von Suchfunktionen erkannt und gefunden werden kann. Allerdings sind Treiber, obwohl sowohl TWAIN als auch ISIS unterstützt und mitgeliefert werden, und Scan-Software nur für Microsoft Windows und Apple MacOS X offiziell verfügbar. Treiber für Linux sind jedoch auch zum Download bei Fujitsu im Angebot, nur eben ohne Software mit OCR-Funktion etc.


Fujitsu fi-800R Dokumenten-Scanner
Fujitsu Image fi-800R Dokumenten-Scanner. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Testeindruck des Fujitsu Image fi-800R Scanners

Die Installation der Programme für den Scanner erfolgt problemlos und ohne viel Überraschungen. Da sich jedoch die fi-Reihe, wobei fi für Fujitsu Image steht, eher an kleine Arbeitsplatzlösungen richtet, sind die mitgelieferten Software-Lizenzen nicht für die Arbeit im Team ausgelegt. eine optionale PaperStream Capture Pro-Lizenz, welche zum Testen mit dem Scanner mitgeliefert wird, bringt dann mehr Funktionen und erleichtert die Arbeit zu mehrt. Zudem gibt es ein kostenpflichtiges Plugin, damit die Software 2D-Barcodes, egal ob QR oder PDF417 erkennen kann.

 

Der fi-800R Dokumenten-Scanner von PFU / Fujitsu Image ist dank seiner kompakten Bauweise sicherlich sehr gut als Duplex-Arbeitsplatzscanner geeignet. Der Hersteller selbst bewirbt ihn explizit für Empfangsbereiche in Hotel, Krankenhaus oder ähnlichem, wo in der ersten Interaktion mit der Kundschaft einfach und unkompliziert wichtige Daten erfasst werden können sollen.

 

Tatsächlich klappt das Scannen von Reisepässen oder Identitätskarten erstaunlich gut und die maschinenlesbaren Informationen darauf können ruckzuck und ohne Probleme erkannt und exportiert werden. Auch einzelne Dokumentenstapel, etwa ein Leihvertrag für den Mietwagen, lassen sich schnell und tadellos einscannen. Da PaperStream Capture es erlaubt, einfach und recht intuitiv Regeln für Stapelverarbeitung zu erstellen, kann dieser Prozess sehr komfortabel und ohne viel Eingriffe ablaufen. So können beispielsweise PDF-Dateien auf einem Netzlaufwerk abgelegt werden, direkt mit Datum und Uhrzeit, Rechnername und Login versehen, so dass zumindest nachvollziehbar bleibt, wann und wo das Dokument angelegt wurde.

 

Meta-Daten im Dokument lassen sich direkt per Bereichs-OCR realisieren, so dass beispielsweise auf Ausdrucken ein 1D-Barcode (2D Codes brauchen wie gesagt ein extra Plugin) oder einfacher Text wie Dokumentennamen beim Scannen erkannt und abgespeichert werden können. Zudem ist die Anbindung an Microsoft SharePoint und SharePoint Online, FTP-Server, Drucker und E-Mailprogramme sowie andere Apps möglich.

 

Interessanter jedoch ist die Stapelverarbeitung in PaperStream Capture selbst. Was der Fujitsu fi-800R Dokumenten-Scanner liefert, kann hier ganz leicht auf leere Seiten oder andere Probleme, wie Mehrfacheinzug, erkannt werden. Das kappt auch sehr zuverlässig. Einzig bei kariertem Papier, wie in unterstehendem Beispiel auch zu sehen, ist die Software regelmässig nicht in der Lage, die Seitenausrichtung und/oder den Seiteninhalt zuverlässig zu erkennen.

 

 

Ich habe testweise meine Notizen und Unterlagen aus dem Studium mit dem Fujitsu fi-800R digitalisiert. Dabei zeigte sich dass zwar die OCR-Funktion mit meiner Handschrift (Sauklaue) nichts anfangen kann, aber das Scannen sehr zügig von Statten geht. Ganze Ordner mit ca. 400 Blätern, teilweise doppelseitig beschrieben und/oder bedruckt, dauerten in meinem Test gut eine Stunde zum Digitalisieren. Dabei muss bedacht werden, dass ich teilweise Register mit acht oder neun Unterkapiteln pro Ordner angelegt hatte und viele Unterlagen zusammengeheftet waren. Die Heftklammern mussten natürlich vor dem Scannen entfernt werden, was ich der Einfachheit halber mit einer Schere erledigte. Einfach die Ecke mit dem Bostitch abgeschnitten und ab in den ADF des Dokumenten-Scanners.

 

Doch auch das hatte ich mir einfacher vorgestellt, als es war, denn ab und an war das Papier zu glatt und ich hatte zu oft Mehrfacheinzüge oder Papierstau zu beheben. Manchmal übersah ich eine Heftklammer und hatte dann schnell Probleme mit dem Dokumenteneinzug. Dadurch, dass ich damals vieles von Hand und auf kariertem Ökopapier aufgeschrieben hatte, musste ich in der Stapelbearbeitung der Scan-Software PaperStream viel Nachbearbeitungszeit erbringen, denn leere oder falsch ausgerichtete Seiten wollte ich vermeiden. Nach Abschluss hatte ich aber durchaus brauchbare PDF-Dokumente von jeweils wenigen MiB Grösse, die teilweise sogar digital durchsuchbar sind. Mit jedem beliebigen, frei verfügbaren oder kommerziellen PDF-Bearbeitungsprogramm kann ich nun an dieser Stelle weiter machen.

PaperStream Capture fi-800R
PaperStream Capture Stapelbearbeitung des Fujitsu fi-800R. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Klar, ein richtiges Dokumenten-Management-Tool ist PaperStream nicht, sondern vielmehr ein Stapel-Scan-Programm. Aber dafür sind auch andere Geräte mit entsprechender Software von Fujitsu ausgelegt, beispielsweise die ScanSnap-Reihe, die dezidiert an KMU und Soho vermarktet wird.

Preis und Fazit

Der Fujitsu Image fi-800R Dokumenten-Duplex-Scanner kostet ca. 400 Euro bzw. SFr.  und ist bei diversen IT-Systemhäusern, im Online-Versandhandel und anderswo zu unterschiedlichen Preisen zu haben. Auch Amazon hat das Gerät im Sortiment, allerdings im Vergleich recht teuer.

Der fi-800R von PFU / Fujitsu ist ein professioneller Arbeitsplatz-Scanner mit vielen durchdachten Funktionen. Sehr gefallen hat uns die automatische Papierausrichtung des ADF Einzugs, so dass man nicht ganz genau hinschauen muss, wenn man einen Stapel Blätter einlegt. Allerdings gilt es zu beachten, dass der Dokumenteneinzug trotz aller Vorteile manchmal etwas empfindlich sein kann. Wenn man zu viel Blätter einlegt, verschluckt er sich auch gerne mal. Auch überzeugen kann der Einzelblatt-Einzug gerade für dickere Unterlagen oder Reisepässe sowie die Scan-Software PaperStream Capture. Sie erleichtert das Organisieren und Sortieren der digitalisierten Papierstapel. Die automatische Verbesserung der gescannten Bilder ist ebenfalls sehr gut. Sie entfernt Verfärbungen und Schatten, Wasserzeichen und Falze, ohne dass das Dokument an Lesbarkeit oder Qualität verliert. Optional kann diese Funktion aber auch ausgeschaltet werden, um unveränderte Scans zu erhalten.

Bilder. PocketPC.ch / Jeanrenaud

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