Sa. 25. Februar 2017 um 13:12

Review: Drobo 5N NAS im Test

von Yves Jeanrenaud2 Kommentare

Wer seine Daten nicht in die Cloud sichern will, braucht über kurz oder lang mehr Speicherplatz. Da bietet es sich an, mehrere Festplatten zu einem RAID-Verbund zusammenzufassen und darauf seine Daten abzulegen. Dabei liegt nichts näher, als dies auch im heimischen Netzwerk zu tun, denn schliesslich wollen wir auch unsere mobilen Begleiterinnen wie Tablets und Smartphones damit komfortabel und einfach gegen Datenverlust sichern oder die Dateien mit anderen teilen. Eine der einfachsten, wenngleich nicht unbedingt die kostengünstigste Lösung hierzu ist ein Network Attached Storage-Gerät, kurz NAS. Davon gibt es eine Vielzahl an Angeboten auf dem Markt, von QNAP oder Synology beispielsweise, um nur die bekanntesten zu nennen. Drobo Inc. hat indes weniger Bekanntheitsgrad erlangt, zu unrecht, wie dieser Testbericht zeigen wird.

 

Das Drobo 5N ist 150.3 x 185.4 x 262.3 mm gross und wiegt stolze 3.9 kg ohne Festplatten und Netzteil. Geliefert wird das NAS mit einem Netzteil, das 12.5 A bei 12 V liefert, und zwei jeweils 1.8 m langen Steckerkabel, womit sowohl EU- als auch UK-Steckdosen abgedeckt werden. Ein 1.8 m Netzwerkkabel sowie eine Kurzanleitung, Garantiebestimmungen in mehreren Sprachen sowie Sticker in mehreren Sprachen, die eine Kurzreferenz der LED-Anzeigen der Festplattenschächte enthalten. Das Drobo 5N NAS selbst besteht aus einem quaderförmigen Metallgehäuse mit fünf 3.5 Zoll SATA II/III-Slots, die bis zu 6 Gbit/s theoretischer Datenübertragungsrate erreichen können und maximal 64 TB Speicher fassen.

 

Diese fünf Laufwerke können einfach in die Schächte geschoben werden – ohne Schrauben oder zusätzliche Gehäuse, Schienen oder Bumber. Wenn keine Festplatte eingelegt ist, sind die Slots durch Plastikklappen geschützt. Eine eingelegte Festplatte hingegen ist im Schacht sichtbar, der Verschluss wird nach unten weggeklappt. In den Slots werden die Platten von einem einfachen Schnapp-Mechanismus linksseitig simpel aber effektiv und sicher festgehalten. Rechts hat jeder HDD-Slot eine mehrfarbige LED-Statusanzeige, deren Farben im Deckel erklärt werden.

 

Unter den fünf Laufwerkschächten der NAS sind zehn blaue LED zu finden, welche die noch verfügbare Gesamtkapazität auf dem NAS anzeigen. Links davon findet sich eine LED, die anzeigt, ob das System eingeschlatet ist (grün) oder gerade hoch- oder herunter fährt (gelb). Rechts der Kapazitäts-LED-Anzeige ist eine LED zu finden, die Aktivitäten auf der NAS anzeigt. Die Laufwerk-Slots werden mit einer Kunststoffabdeckung mit Lüftungsschlitzen und schickem Drobo-Logo per Magnetverschluss verdeckt. In diesem findet sich die Kurzreferenz der LED-Anzeigen der Festplattenschächte und der beschriebenen Status-LED.

 

Die Rückseite des Drobo 5N wird dominiert von einem Metallgitter, hinter dem die beiden aktiven Lüfter zu sehen sind, sowie einer Kensington-Schloss-Öffnung, einem Gigabit-Netzwerkanschluss und dem Stromeingang für das Netzteil. Gleich neben der Netzteilbuchse ist eine kleine, unbeschriftete Reset-Öffnung zu finden. Leider ist der Ethernetanschluss mit der Öffnung für die Rastnase nach unten angebracht. Das ist etwas lästig, wenn man das Kabel ausstecken muss. Da dies aber wohl nur selten gemacht wird, lässt sich dieser Design-Fehler durchaus verschmerzen. Ebenfalls ist auf der Rückseite ein Wippschalter zum Ein- und Ausschalten zu finden.

 

Die Unterseite des NAS ist mit vier verschraubten Gummifüssen bestückt und beherbergt einen Slot für eine SSD im mSATA-Format. Dieser ist unter einer Klappe, die ohne Schraubenzieher geöffnet werden kann, mittig neben dem Typenschild zu finden. Die mSATA dient zur Beschleunigung des Datenzugriffs. Im Slot ist auch ein achtpoliger Steckanschluss zu finden, auf den in der Dokumentation nicht näher eingegangen wird – sein Zweck ist unklar.


Ist eine mSATA SSD installiert, aktiviert das NAS die Funktion namens Hot Data Cache, bei der mittels einer Data Aware genannten Technologie häufig genutzte Dateien ausgewählt und auf diesen schnellen Datenspeicher kopiert werden. Ein auf Lesezugriffe optimierter Speicher für häufig genutzte Daten. Dabei kommt auch die Marvell Armada XP Quad-Core ARM-CPU zu 1.6 GHz und 8 GB RAM dem NAS durchaus zugute. So lassen sich auch hochaufgelöste Videos nahtlos transkodieren, um sie beispielsweise per uPNP auf einen Medienclient zu streamen, der mit dem ursprünglichen Format nichts anfangen könnte.

 

Mit einem Spitzenverbrauch von 150 Watt lässt sich so mit passablen Stromkosten ein heimisches Datenzentrum für Backups und als Medienarchiv betreiben. Die dabei entstehenden maximalen 30.4 dB sind auch durchaus zu verkraften, ein NAS steht ja selten im Schlafzimmer. Die Rotation der Lüftung und Festplatten führt nun einmal leider zu etwas Vibrationen und Geräuschen. Im normalen Betrieb vernimmt man aber herzlich wenig von der Drobo 5N. Die eingebaute Batterie sorgt dafür, dass das NAS auch bei Stromausfall noch gut eine halbe Minute lauffähig bleibt und ausgeschaltet werden kann.

 

Die Einrichtung des NAS ist denkbar einfach. Nachdem eine beliebige Anzahl Festplatten (oder auch SSD-Speicher) im 3.5 Zoll-Format oder mit entsprechenden Adaptern eingeführt wurden, formatiert der Drobo 5N diese in sein eigenes Format, das BeyondRaid genannt wird. Warum Beyond? Weil es, ähnlich wie in JBOD-Konfigurationen, erlaubt, beliebige Kapazitäten mit einander zu kombinieren, allerdings die Redundanz-Funktion einer RAID-Konfiguration bietet. Damit sind diese gegen den Ausfall einer oder mehrerer Datenträger geschützt, da sie auf mehrere andere ebenfalls kopiert werden.

 

Bei fünf eingesetzten Festplatten können theoretisch bis zu drei Festplatten ausfallen, ohne das die Daten im Array verloren gehen. Zudem sind die Festplatten jederzeit austauschbar und weitere können auch jederzeit hinzugefügt werden, eine sogenannte Hot Swap-Funktion also, ausser, wenn die Datenintegrität wiederhergestellt werden muss, nach einem Ausfall einer Festplatte beispielsweise. Intern wird eine Kombination aus RAID-1- und RAID-5/6-Techniken genutzt mit hash-basierter Kompression mittels 160-bit SHA1 Hashs, um die Speicher-Effektivität zu maximieren. Weitere technische Details zu BeyondRAID finden sich im US-amerikanischen Patentantrag 20070266037. Andere Hersteller bieten ähnliche Verfahren an. Natürlich können die Festplatten aus dem Drobo 5N, wie bei jedem RAID-System, nicht einfach ohne passendes System ausgelesen werden, selbst, wenn nur eine Festplatte eingesetzt wird.

 

Man muss sich also bei einem Drobo-Gerät kaum Gedanken um die Datenträger machen, die man darin verwenden will. Mindestens zwei sollten es aber schon sein, da sonst keine Daten-Redundanz aufgebaut werden kann. Mit fünf Datenträgern kann man sich bzw. seine Daten sogar vor dem plötzlichen Ausfall zweier schützen.

Die Konfiguration des Drobo 5N ist vergleichsweise einfach. Von Haus aus ist das Gerät im Netzwerk per SMB/CIFS- und AFP-Protokoll zu finden und bietet einen freigegeben Ordner namens public an. Apple macOS X und Windows Dateifreigabe-fähige Geräte können also genauso wie Linux-Distributionen relativ problemlos sofort darauf zugreifen. Für weitere Kontrolle und Anwendungen muss die NAS weiter eingerichtet werden. Dies geschieht mit einer Desktopsoftware namens Drobo Dashboard, welche eine einfache und intuitive Konfiguration des Drobo 5N erlaubt. Neben Stautusinformationen über das NAS, die Netzwerkverbindung und die einzelnen Festplatten und SSD, lässt sich auch die verfügbare Speicherkapazität auslesen, die Netzwerkfreigaben und neue Benutzer_innen (standardmässig wird nur ein Admin angelegt) konfigurieren. Auch TimeMachine-Sicherungen für macOS X lassen sich hier ermöglichen. Unter Freigaben lassen sich auch die einzelnen Ordner direkt als Laufwerk aus der App heraus einbinden, indem die Funktion Mounten benutzt wird.

 

Extras bietet die Möglichkeit, das Gerät neu zu starten oder herunterzufahren, nach Updates zu suchen oder eines manuell einzuspielen sowie das Gerät auf Werkseinstellungen zurück zu setzen. Ebenfalls kann man die LED-Anzeigen zum Blinken bringen – nützlich, wenn man mehrere identische Geräte besitzt und eines identifizieren will.

 

Unter Einstellungen kann die Helligkeit der LED konfiguriert werden. Hier kann übrigens auch auf die doppelte Datenträgerredundanz umgestellt werden, so dass die Daten vor dem Ausfall von bis zu drei Festplatten geschützt sind. Für Statusmeldungen und Warnungen per E-Mail lässt sich hier die entsprechende Mailkonfiguration hinterlegen, die Netzwerkeinstellungen vornehmen sowie der Admin-User konfigurieren.

 

Interessant ist sicherlich die Ansicht der Speicherkapazität. Die für Nutzdaten verfügbare NAS-Speichergrösse ist im Übrigen relativ einfach zu berechnen: Alle Datenträgerkapazitäten minus die Kapazität des grössten Datenträgers. Bei dem doppelten Ausfallschutz entsprechend minus der grössten zwei verbauten Datenträger. Der Rest wird für den Schutz vor Datenverlust vorbehalten bzw. ist reserviert für zukünftige Speichererweiterungen. Sobald man eine kleine Platte durch eine grössere ersetzt, wird dieser Speicherplatz ebenfalls benutzbar. Die Angabe Restkapazität ist der Overhead, den das Drobo NAS für das System selbst benötigt.

 

Unter Drobo Apps finden sich 46 verschiedene Anwendungen, die installiert werden können. Natürlich läuft im Drobo5N ein Linux-System, derzeit mit dem Kernel 3.2.58-2. Erweiterbar ist das NAS vom SSH-Server bis zum MiniDLNA-Medienserver, Apache2, Node.js, Mono 4 und um weitere. Interessant sind hier aber auch NFSv3, der ProFTPd FTP-Server, GIT SCM und Subversion, OwnCloud, BitTorrent Sync sowie WordPress und Koken als CMS. All diese Drobo Apps lassen sich mit wenigen Klicks installieren und Konfigurieren, so dass nur sehr wenig Kenntnisse notwendig sind.

 

Die Drobo-Eigenen Apps sind:

  • myDrobo, die es ermöglicht, von ausserhalb des eigenen Netzwerks auf das NAS zuzugreifen, indem unter mydrobo.com ein eigene Subdomain zur Weiterleitung eingerichtet wird.
  • DroboAccess, mit der man Dateien synchronisieren und teilen kann
  • DroboPix zum Sichern von Fotos und Videos von Android- und iOS-Geräten
  • sowie Koken und WordPress, welche direkt mit myDrobo verbunden werden und es so ermöglichen, auf seinem NAS eine eigene Webseite zu hosten.

Sofern die Drobo Apps eine Konfiguration erfordern oder ermöglichen, werden diese in einem eigenen Browserfenster innerhalb des Dashboards geöffnet. Die Apps werden vom NAS fast alle in jails konfiguriert und die Konfigurationsdateien sind in einer eigenen Netzwerkfreigabe mit dem Namen DroboApps zu finden. So kann man beispielsweise die Feineinstellungen des Medienservers miniDLNA vornehmen, wie die Reihenfolge der Cover-Files oder den Namen, indem einfach die entsprechende Textdatei unter DroboApps/minidlna/etc bearbeitet wird.

Interessant sind von diesen Apps für uns hier natürlich – neben den verschiedensten Servern Firefly und miniDLNA (ReadyMedia) – die App DroboPix.

DroboPix
DroboPix
Entwickler: Drobo, Inc.
Preis: Kostenlos
DroboPix
DroboPix
Entwickler: Drobo, Inc
Preis: Kostenlos

Die beiden Apps sind kostenfrei im AppStore und Play Store zu bekommen und erfordern kaum Aufwand. Per QR-Code werden sie mit dem NAS verbunden und synchronisieren fortan die gemachten Fotos (unter iOS auch Screenshots) an den konfigurierten Speicherplatz auf dem Drobo 5N, sobald das mobile Gerät sich im heimischen WLAN befindet. Optional kann mittels Ortungsdienst auch die Position konfiguriert werden, an der das WLAN auch wirklich verfügbar ist. Das funktioniert sehr gut, mit und ohne Geofencing, sowohl unter iOS als auch unter Android. Für Windows 10 Mobile ist leider keine App verfügbar.

 

Andere Apps für Drobo, etwa Drobo Access, sind irritierenderweise kostenpflichtig.

Drobo Access
Drobo Access
Entwickler: Drobo, Inc.
Preis: Kostenlos
Drobo Access
Drobo Access
Entwickler: Drobo, Inc
Preis: Kostenlos

Die Drobo Access App erlaubt es, den Zugriff auf die heimische Drobo 5N NAS ohne Browser zu bewerkstelligen und Dateien zu verwalten, zu bearbeiten oder zu teilen. Für Android 4.1 gibt es eine zusätzliche App als Workaround für den Installationsort.

Drobo Access JB Workaround
Drobo Access JB Workaround
Entwickler: Drobo, Inc
Preis: Kostenlos

Preis

Das Drobo 5N NAS kostet beim Hersteller 619,- Euro. Bei Amazon ist das Drobo 5N bereits für 455,32 Euro zu bekommen. Digitec veranschlagt 499.- SFr., während man das NAS bei PC-Ostschweiz für 425.25 SFr. kaufen kann.

 

Optional erhältlich ist eine erweiterte Garantie namens DroboCare, die bis zu drei Jahre Ersatzgeräte und Premium-Support bietet.  Für das Drobo 5N NAS kostet dies 279 US-Dollar.

Fazit

Das Drobo 5N NAS-System vermag durch seine einfache Bedienbarkeit zu überzeugen. Datenträger rein schieben, fertig. Kein langes Aussuchen von RAID-Konfigurationen und Abwägen von Festplatten-Modellen und -Kapazitäten. Der hohe Anschaffungspreis ist im Vergleich zu anderen Herstellern jedoch durchaus gerechtfertigt. Die Konfiguration gelingt spielend von der Hand und somit eignet sich das NAS von Drobo vor allem auch für Einsteiger_innen.

 

Die App DroboPix lässt sich wirklich sehen und bietet für Smartphones und Tablets ein deutliches Plus. Schade, dass nicht noch mehr nützliche Smartphone-Apps von Drobo verfügbar sind, doch dadurch, dass das System einfach erweiterbar ist, kann beispielsweise auch auf OwnCloud-Apps zurückgegriffen werden.

 

Schade ist jedoch auch, dass keine zusätzlichen Anschlüsse, wie beispielsweise ein USB-, Thunderbolt-, oder eSATA-Host vorhanden sind, über die man von externen Datenträgern auf das NAS Dateien kopieren könnte. So muss immer der Weg über das Netzwerk genommen werden.

vg-wort
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2 Antworten zu “Review: Drobo 5N NAS im Test”

  1. MartinHeller sagt:

    Gibt es Erfahrung zwischen dem NAS und einem Raspberry Pi?

  2. Yves Jeanrenaud sagt:

    Ja, klappt problemlos. Beides Linux-basiert, da gibt es kaum Scherereien. Ich habe erst mittels cifs/smb vom Raspberry auf das Drobo NAS kopiert, dann aber auf SCP umgestellt, was minimal schneller war.

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