So. 19. Februar 2017 um 11:43

Review: Brother QL-820NWB Etiketten-Drucker im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Mit dem QL-820NWB hat der renommierte Hersteller Brother einen kleinen, praktischen Etiketten-Drucker vorgestellt, der nicht nur per Kabel oder WLAN mit dem heimischen Netz verbunden werden kann, sondern dank Bluetooth und WiFi-Direct auch direkt angesprochen wird. Dies geht dann sowohl vom PC oder Laptop aus, als auch direkt mittels Smartphone oder Tablet mit passender App für Android und iOS. Für iOS wird ebenfalls AirPrint unterstützt, so dass PDF- und Foto-Dateien ohne Treiber- oder App-Installation direkt gedruckt werden können.

 


Das Gerät ist 125 x 234 x 145 mm gross und wiegt 1.6 kg. Geliefert wird es mit Sicherheitshinweisen und Schnellstart-Anleitung, einer DK-Etikettenübersicht, Garantiekarte, Reinungsblatt, Netzadapter und passendem Netzkabel sowie zwei Starter-Rollen. Diese umfassen eine Rolle mit 100 Adress-Etiketten im Format 29 x 90 mm sowie eine Rolle mit zweifarbigen (Schwarz und Rot) Endlosetiketten mit 12 bis 62 mm Breite. Aber auch kreis- und ringförmige Etiketten sind erhältlich.

 

Während der grösste Teil des Brother QL-820NWB aus weissem Kunststoff gefertigt ist, ist die Oberseite des keilförmigen Druckergehäuses mit einem schwarzen, halb-transparenten glänzenden Kunststoff bestückt. Darin befindet sich einerseits ein 62 x 26 mm grosses, graphisches LC-Display mit Beleuchtung, als auch sieben Tasten zur Bedienung: Ein/Aus, manuelles Schneiden bzw. eine Sekunde Vorlauf, Zurück, Auf, Ab und OK. Neben dem Ein/Aus-Knopf ist eine Status-LED angebracht. Unter dem Bedienfeld ist die Etikettenausgabe des QL-820NWB zu finden. Die Rollenabdeckung umfasst beinahe das halbe Gehäuse und lässt sich leicht um circa 80 Grad nach oben öffnen, indem in eine 40 x 18 mm Einbuchtung gegriffen wird.

 

Die Rückseite des QL-820NWB hat neben dem Anschluss für den Netzadapter und einer USB-A-Buchse, die auch das günstigere Modell QL-820W aufweist, zusätzlich noch einen 10/100 mbit/s LAN-Anschluss und eine USB-Host-Buchse. Optional kann der Drucker mit einem spezifischen Akku ausgestattet werden, auf den wir in dieser Review nicht weiter eingehen werden, für den aber auf der Unterseite entsprechende Öffnungen und Gewinde zu finden sind. Unter der Rollenführung ist übrigens beim Modell QL-820NWB eine Knopfzelle untergebracht, die als Backup-Batterie für die Uhr und die Einstellungen des Geräts dient.

Die Einrichtung des Mini-Druckers erfolgt sehr einfach. Die DK-Etikettenrollen von Brother werden nach dem Einlegen, was ziemlich intuitiv gestaltet ist, automatisch ausgerichtet. Dabei unterstützt der Brother QL-820NWB Thermodirekt-Etiketten bis zu 62 mm Breite und einer Druckhöhe von bis zu 58.92 mm. Dabei sind sowohl Papier als auch Film, bunt wie transparent, kein Problem. Die Auflösung des Label-Printers beträgt 300 x 300 dpi bzw. 300 x 600 dpi im hochauflösenden Modus. Die Druckgeschwindigkeit bemisst beim reinen Schwarz-Druck: 176 mm/S, was ca. 110 Etiketten pro Minute entspricht. Der Rot-Schwarz-Druck, entsprechende Thermo-Etikettenrollen vorausgesetzt ist dabei wesentlich langsamer und liegt bei 24 mm/S, womit man immerhin noch 15 Etiketten in der Minute schafft.

 

 

Das PocketPC.ch-Logo auf Etiketten.
Schwarz/Rot, 62 mm hoch, mit Standardeinstellungen (links) und mit maximalem Rot (rechts).

Angeschlossen wird der Drucker an das Netzwerk nunmehr eben per WLAN oder LAN. Alternativ kann er auch direkt per AdHoc-WLAN-Verbindung kommunizieren oder via Bluetooth angesprochen werden. Dabei ist jeweils nur ein Anschluss möglich. USB hat höhere Priorität als LAN, welches höhere geniesst als WLAN.

Die Verbindung via WLAN zu einem bestehenden kabellosen Netzwerk indes gestaltet leider sich nicht immer ganz so einfach. Einerseits kann der Brother QL-820NWB nur im 2.4 GHz-Band (802.11b/g/n) sprechen, was aber nur selten ein Problem darstellen sollte, andererseits scheint er mit manchen gängigen Verschlüsselungen durchaus Probleme zu haben. Zwar unterstützt er alle gängigen Cipher und Verfahren für den Heimgebrauch (WPA/WPA2-PSK mit AES und/oder TKIP), kann jedoch zu manchen Signalen partout keine Verbindung herstellen und scheitert laut Log des Access Points an der Authentifizierung – schade.

Die Konfiguration des Druckers sowie der Verbindungen kann nunmehr entweder direkt am Gerät per Tasten und LCD geschehen, was bei adäquat komplexen WLAN-Passphrasen durchaus zur Geduldsprobe wird, oder aber bequemer mittels entsprechender Installations-Software vom PC oder Mac importiert werden. Es kann aber auch an den USB-Host eine Tastatur angeschlossen werden. Ebenfalls wird WPS 2.0 unterstützt, so dass man auch ohne die Eingabe der WLAN-Kennungsdaten zurecht kommen kann.

Der USB-Host am Brother QL-820NWB dient weiter auch dazu, im Massenspeichermodus Einstellungen oder Templates ohne PC oder App direkt auf das Gerät zu spielen oder direkt zu drucken. JPEG-Bilddateien bis zu einer Grösse von 2 MB können dabei direkt ohne Konvertierung benutzt werden. Alternativ können JPEGs bis 5 MB und einer Auflösung von 8000 x 720 Pixel per Bluetooth übermittelt und direkt ausgedruckt werden.

Ohne zusätzliche Geräte und Software kann auch von Templates gedruckt werden, die direkt am Display ausgesucht und gegebenenfalls mit weiteren Informationen wie Datum, Uhrzeit oder Textbausteinen aus einer Datenbank ergänzt werden, um sie ohne Computer zu drucken. So können beispielsweise Namens-Etiketten für Konferenzen erstellt werden, ohne gleich einen Laptop am Empfangstisch aufbauen zu müssen. Der Speicherplatz des Brothers ist jedoch mit 6 MB begrenzt und kann zwar bis zu 255 Vorlagen aufnehmen, aber ist mit umfangreichen Datenbanken, beispielsweise um Firmennamen abzudecken, auch irgendwann erschöpft. Dabei gibt es mit dem P-Touch Editor und dem P-Touch Editor Lite sehr komfortable und umfangreiche Software für den Desktop-Rechner, die Unmengen an Konfigurations- und Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Von der Adressierung bis zur Beschriftung von Kabeln, Patch-Verteilern und vielem mehr, mit verschiedenen Barcode-Formaten, QR-Code, stimmigen, hochqualitativen Icons, Cliparts oder eigenen Grafiken und Fotos sowie der ganzen Palette an Schriftarten, die das Betriebssystem her gibt, ist alles mit dabei und noch viel mehr.

In die Software muss man sich etwas einarbeiten, gerade weil es im Profi-Modus im Gegensatz zur Express-Einstellung so viele Möglichkeiten und Feineinstellungen gibt. Doch das Programm ist relativ intuitiv aufgebaut und schnell zu durchschauen, so dass dies nicht all zu lange dauert. Zudem verfügt es über eine gut dokumentierte Hilfe. Gerade was die Einstellung der Druckintensität oder das richtige Konfigurieren des zweifarbigen Thermodrucks an geht, muss man vielleicht doch nochmals kurz nachlesen.

Zum Softwareangebot unter Windows kommen Add-Ins für Word, Excel und Outlook hinzu, die das direkte Drucken aus diesen Microsoft Office-Programmen heraus erlauben. Auch toll ist übrigens die Snap-Funktion der P-Touch Editor-Software, die sowohl unter macOS, als auch unter Windows angeboten wird und die es erlaubt, einfach einen Screenshot, Dateien oder einen Textbaustein auszuwählen und zum Drucken zu übernehmen, ohne lange zu konvertieren oder Papiergrössen in Drittprogrammen konfigurieren zu müssen.

Doch prinzipiell kann jedes Programm auf den Drucker zugreifen, wenn er im System als solcher eingerichtet wird, also nicht nur temporär angesteuert werden soll. So kann man auch aus jedem beliebigen Programm Daten auf den Brother QL-820NWB schicken, per USB-Verbindung, Bluetooth, WLAN oder Ethernet, wobei sich eine Druckvorschau selbstverständlich vorher empfiehlt.

 

Die Softwareinstallation auf dem Rechner gestaltet sich übrigens auch denkbar einfach: Brother hat unter install.brother Setup-Pakete (für Mac und Windows) bereit gestellt, die nach dem Erkennen des Druckertyps entsprechend die passende Software, Treiber und Dokumentation zum Download vorschlagen und installieren können. Davon könnten andere Druckerhersteller sich durchaus eine Scheibe abschneiden.

 

Der wahre Clou des Brother QL-820NWB Etikettendruckers jedoch ist die Möglichkeit, per App von Android- und iOS-Geräten aus zu drucken; wie gesagt via Bluetooth 2.1+ EDR, LAN oder WLAN.

Brother iPrint&Label
Brother iPrint&Label
Brother iPrint&Label
Brother iPrint&Label

 

Die Apps Brother iPrint&Label sind auf iOS und Android nahezu identisch aufgebaut und erlauben eine Vielzahl Etiketten-Vorlagen für professionelle und private Anwendungsbereiche direkt zu benutzen. Dabei stehen einfache Etiketten mit eigenen Bildern oder Grafiken bestückbar oder aber Vorlagen für den Versand, Ordnerrücken, Namensschilder und mehr zur Wahl. Vieles kann individuell Gestaltet und angepasst werden und selbst unter Android, welches nicht bekannt ist für eine Developer-freundliche Bereitstellung von Schrifttypen, kann mit sieben unterschiedlichen Schriftarten aufwarten. Alle erstellten Etiketten lassen sich auch auf dem Gerät jeweils abspeichern.

 

Das Ganze funktioniert hervorragend und die Etiketten lassen sich wirklich sehen – egal ob vom PC, dem mobilen Gerät aus oder direkt am Brother QL-820NWB ausgedruckt. Die mitgelieferten Beispiel-Rollen geben einen tollen Eindruck in der Qualität der Etiketten von Brother. Die Auflösung reicht für die Grösse der “Kleberli” absolut aus und diese lassen sich sehr gut auf unterschiedlichsten Oberflächen anbringen und je nach dem auch wieder ablösen.

Preis

Den Brother QL-820NWB gibt es mit einer unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers von 239,- Euro bzw. 171.- SFr. z. B. beim Brother-Vertragshändler PCP.ch. Auf Amazon ist der mobile Etiketten-Drucker für 177,50 Euro zu kaufen. Das optionale Akkupack gibt es für 188,90 Euro beim Hersteller und 114.- SFr. bei PCP.ch.

 

Doch kommen wir zur Achillesverse eines jeden Druckers, dem Verbrauchsmaterial: Da es sich hier um einen Thermodrucker handelt sind die Rollen entsprechend nicht sehr günstig. Brother bietet hierbei eine Fülle unterschiedlicher Formen, Farben und Materialien an.

 

Die günstigsten aus über einem Duzend unterschiedlicher DK-kompatibler Rollen fassen 400 weisse Mehrzwecketiketten aus Papier im Format 17 x 54 mm für 7,99 Euro bzw. 8.39 SFr. beim Hersteller. Am teuersten ist das gelbe Endloss-Etikett auf Film mit 62 mm Breite zu 67,99 Euro bzw. 88.22 SFr. beim Hersteller. Die universelle Papierrolle mit 62 mm Breite aus wiederablösbaren Endlosetiketten kostet indes 24,99 Euro bzw. 30.61 SFr. bei Brother.

 

Sie sind jedoch allesamt bei verschiedenen Händlern online deutlich, teilweise mehr als 50%, günstiger zu bekommen, auch Originalprodukte. Ein Preisvergleich lohnt sich allemal.

Fazit

Der Brother QL-820NBW ist insgesamt ein toller Label-Printer für den geschäftlichen und ambitionierten Heimgebrauch. Egal ob zum Beschriften von Kabeln, Ordnern, Kisten oder für den Versand – mit dem Brother QL-820NWB klappt das alles und vieles mehr. Die vielfältigen Verbindungsmöglichkeiten machen das Gerät zu einem Allround-Talent, was das Etikettendrucken betrifft und dank der durchdachten Apps für Android und iOS kann man auch direkt vom Smartphone und Tablet aus entsprechend “Kleberli” erstellen. Würde die WLAN-Verbindung tadelloser funktionieren, wären wir hier nahe an der Perfektion. Aber was nicht ist, kann noch werden – schliesslich unterstützt der Brother QL-820NWB auch Remote-Firmwareupdates.

 

Wer also nach einer Lösung sucht, selbstklebende Etiketten zu drucken, bekommt mit dem QL-820NBW eine umfassende Lösung zu einem vertretbaren Preis geboten, das auf ausgeklügelte Software und Apps, sowie ein gut erhältliches und bewährtes Label-Rollen-Sortiment zurückgreifen kann. Gerade der zweifarbige Druck mit Rot und Schwarz ist etwas Besonderes unter den Thermo-Etikettendruckern dieser Preisklasse und eröffnet viele weitere Anwendungsbereiche.

vg-wort
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