So. 24. April 2022 um 7:28

Review: Ruuvi Sensor Measurement Kit im Test

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Für Smart Homes braucht man entsprechende Sensoren. Aber auch so kann es hilfreich sein, seine Umwelt zu vermessen. Vor Jahren schon hatten wir schon einen RuuviTag Sensor im Test. Nun schauen wir uns den RuuviTag Pro und das Ruuvi Gateway an, das im praktischen Ruuvi Sensor Measurement Kit erhältlich ist.

Lieferumfang des Ruuvi Sensor Measurement Kit

Im Sensor Measurement Kit aus dem finnischen Riihimäki hat Ruuvi zwei kabellose RuuviTag 4in1 Sensoren gepackt, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Bewegung messen und per Bluetooth LE sowie NFC kommunizieren. Zudem ist ein RuuviTag Pro 3in1 Sensor mit Industriequalitäten, zertifiziert nach IP67 und Sensorik für Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bewegung.

Der mitgelieferte Ruuvi Gateway Router stellt die Verbindung zur Cloud her, indem die BTLE-Signale via Ethernet-Kabel oder WLAN weiter gereicht werden.

 

Zudem sind ein flaches LAN-Kabel, ein USB-Steckernetzteil mit 1 A maximaler Stromstärke, sechs Linsenkopfschrauben mit Flansch (zwei in Schwarz und vier in Weiss) sowie zwei Silikon-Hüllen für die RuuviTags, zwei Ständer für die RuuviTag, zwei Neopren-Taschen für RuuviTags und zwei doppelseitige Klebepads (3M VHB) enthalten. vier kleine Kabelbinder, zwei Schrauben und Dübel, ein Ruuvi Notizbuch sowie Anleitungen für den Ruuvi Gateway, RuuviTag Pro und RuuviTag sowie zur Ruuvi Cloud in Englisch sind ebenfalls mit dabei.


Ruuvi Sensor Measurement Kit
Das Ruuvi Sensor Measurement Kit. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Hardware und Eigenschaften

Der RuuviTag hat wie der RuuviTag Pro einen Durchmesser von 52 mm und ist 12.55 mm hoch. Das Fliegengewicht bringt knapp 30 Gramm auf die Wage und wird von einer Handelsüblichen CR2477 Knopfzellen-Batterie (1000 mAh Li/MnO2) mit Strom versorgt. Diese Batterien werden mitgeliefert und sind bereits eingelegt. Sie reichen für zwei bis drei Jahre Dauerbetrieb aus.

RuuviTag

Im Inneren des RuuviTag werkelt ein nRF52832 Chip von Nordic Semiconductor, der auf einen Sensirion SHTC3 Sensor für die Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessung zurückgreift. Dabei werden Wert von -40 ºC bis 85 ºC gemessen mit einer Genauigkeit von 0.2 °C zwischen 5 und 60 °C, wobei die Ausgabeggenauikeit bei 0.01 °C liegt. Für die Luftfeuchtigkeit wird eine typische absolute Messgenauigkeit von 2 Prozent für den Bereich zwischen 20 und 80 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit und 25 °C Umgebungstemperatur angegeben.

 

Für den Luftdruck kommt ein Infineon DPS310 Sensor zum Einsatz, der eine Messgenauigkeit von ±1 hPa mit bringt.

 

Bewegungen werden mit einem Accelerometer LIS2DH12 von STMicroelectronics gemessen.

 

RuuviTags kommen in einem weissen Kunststoffgehäuse mit IP67 Schutzklasse. Sie sind also gegen zeitweises Untertauchen geschützt, namentlich wenn die Membran im Gehäuse, durch die der Luftdruck zur Auswenwelt ausgeglichen wird, nicht länger als 30 Minuten nass wird. In Umgebungen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Kondenswasser ist dieses Gehäuse aus Polykarbonat also nicht einzusetzen.

RuuviTag Pro

Im RuuviTag Pro kommt eine CR2477T Knopfzelle zum Einsatz, die für zwei Jahre Laufzeit ausreicht und für einen breiteren Temperaturbereich gebaut wurde. Während als Sensoren auf der Platine ein Texas Instruments TMP117AIDRVR für die Temperatur und ebenfalls ein STMicroelectronics LIS2DH12 Beschleunigungssensor zum Einsatz kommen, ist das Spannende vor allem deren Genauigkeit und der optionale Erweiterungsanschluss sowie das robuste Industrie-Gehäuse.

 

Hier können Temperaturen von -40 °C bis 85 °C ohne zusätzlichen Schutz für die Batterie gemessen werden, wobei die absolute Temperaturmessgenauigkeit im Bereich von ±0,.1 °C und einer Auflösung von 0.01 °C liegt. Damit ist der RuuviTag Pro für den Einsatz im medizinischen Bereich nach den Regularien der Normen ASTM E1112 und ISO 80601 für elektronische Patient:innen-Thermoteter geeignet. Sie kommen vorkalibriert nach ISO/IEC 17025 und müssen nicht weiter konfiguriert werden.

 

Der RuuviTag Pro ist nach Schutzklasse IP67, IP68 und IP69K gegen Umwelteinflüsse gefeilt, je nach dem, welches Gehäuse benutzt wird. Hat es nämlich keine Membran und kann so keinen Luftdruck messen, dafür aber unter Wasser funktionieren. Die Schutzklasse IP68 definiert, dass der RuuviTag Pro auch 50 Meter unter der Wasseroberfläche bis zu 24 Stunden lang noch funktioniert. IP69K sagt aus, dass das schwarze Hartkunststoff-Gehäuse ebenfalls gegen sehr intensiven Wasserstahlen und Druck, z. B. von Hochdruck-Dampfstrahlreinigern, geschützt ist. Dies ist im Fahrzeugbau eine wichtige Schutzklasse.

 

Da der RuuviTag Pro in einem 78 x 13 mm grossen, schwarzen und gehärteten Polykarbonat-Gehäuse daher kommt, dass zwei grosse Ohren mit Befestigungsöffnungen mit bringt, lässt es sich einfach und vor allem sicher montieren. Während der RuuviTag noch auf die Silikonhülle oder die Neoprentasche zum Montieren an Gegenständen angewiesen ist, kann der RuuviTag Pro direkt mit zwei Schrauben befestigt werden.

Verbindungen des RuuviTag und des RuuviTag Pro

Zur Kommunikation kommen bei allen Ruuvi Sensoren als Funkprotokoll standardmässig Bluetooth zum Einsatz, wobei der Hersteller die Reichweite durch seine spezielle Antennenkonstruktion auf beeindruckende 2000 Meter erhöht hat. Schon ohne das Gateway sind bis 200 Meter Bluetooth-LE-Reichweite möglich. Das ist mehr, als die meisten anderen Geräte überhaupt theoretisch leisten können. Zudem werden alle Protokolle, die im 2.4 GHz-Frequenzband arbeiten, unterstützt, darunter auch Wirepas Mesh, Lumenradio Mesh, Bluerange Mesh, sowie ANT. Die NFC-A Antenne auf dem RuuviTag dient ebenfalls zur Kommunikation und kann Daten kabellos übermitteln.

 

Weil die RuuviTag Firmware, die Elektronik und die Apps allesamt Open Source sind, gibt es auch Anwendungen von Drittanbietern und unzählige Möglichkeiten, mit der Sensorplatform von Ruuvi weitere zu entwickeln. Zudem gibt es eine umfassende Developer Dokumentation auf Englisch. Die Tags haben zwei winzige SMD-LED verbaut, die Auskunft über den Betriebszustand geben, sowie eine Taste, mit der das Gerät neu gestartet oder in den Upgrade-Modus versetzt werden kann. Das Firmware-Upgrade erfolgt dabei natürlich kabellos und per App.

 

Da kein technisch bedingt Bluetooth Pairing notwendig ist und keine Verbindung hergestellt wird, sondern die Ruuvi Sensoren konstant ihre Werte als Broadcast aussenden, kann ein Smartphone simultan auf mehrere Sensoren hören und deren Werte aufzeichnen. Dazu dienen die Apps, die auch auf Deutsch und Französisch verfügbar sind und kostenlos sowie quelloffen für Android und iOS in den jeweiligen Stores zum Download bereit stehen.

 

‎Ruuvi Station
Preis: Kostenlos
Ruuvi Station
Preis: Kostenlos

 

Jeder RuuviTag ist zudem ein Datenlogger: Bis zu zehn Kalendertage werden die Umgebungsdaten alle fünf Minuten lokal abgespeichert und können dann heruntergeladen werden. So muss man also nicht konstant in der Nähe des Sensors sein.

Ruuvi Gateway

Der Ruuvi Gateway hingegen dient dazu, die Sensoren vom Smartphone abzukoppeln und die Messdaten weltweit verfügbar zu machen. Die 114 mm im Durchmesser grosse Scheibe mit drei Cloverleaf-Antenne am SMA-Anschluss ist ebenfalls weiss und 150 g leicht. Der Espressif ESP32-Chipsatz im Inneren arbeitet im 2.4 GHz-Frequenzband und stellt so die Verbindung zum WLAN her. Alternativ kann der RJ45-Ethernet-Anschluss für eine 10/100 Mbit/s LAN-Verbindung benutzt werden. Power-over-Ethernet (PoE) wird nicht von Haus aus unterstützt, ist aber nachrüstbar per Adapter. Standardmässig wird der Strom via USB-C vom mitgelieferten Netzstecker und dem entsprechenden Kabel eingespeist.

 

Zusammen mit dem Ruuvi Gateway kommt der Zugang zur Ruuvi Cloud, in der man alle Daten der eigenen Sensoren abrufen kann. Im kostenlosen Modus sind hier bis zu zehn Sensoren und ein Update-Intervall von 10 Minuten möglich. Für 2,90 Euro bzw. SFr. pro Monat an Gebühr werden die Verlaufsdaten für drei Monate komplett gespeichert (allerdings in 15 Minuten Intervallen) und die Live-Daten alle 5 Minuten aktualisiert. Zudem werden Push-Benachrichtigungen untersützt und die Daten im Web-Dashboard bereitgestellt.

 

Im Pro-Abo für 4,90 Euro bzw. SFr. pro Monat gibt es in der Ruuvi Cloud bis zu 25 Sensoren mit einem Update-Intervallvon einer Minute und zwei Jahre lang alle Verlaufsdaten zu speichern. Zu den Push-Alarmen kommen auch noch E-Mail-Benachrichtigungen hinzu. Dias Pro-Abo ist bis Ende des Jahres noch kostenlos mit jedem Ruuvi Gateway dabei.

 

Kostenlos hingegen können die Daten vom Gateway auch einfach bei MQTT oder HTTP auf eine eigene Anwendung übermittelt werden, so dass man auch keine Cloud in Finnland mehr braucht.

Video: Ruuvi

 

Testeindruck

Das Ruuvi Sensor Measurement Kit ist wahnsinnig durchdacht und hochwertig verarbeitet. Die drei mitgelieferten Sensoren und deren Zubehör sind schnell eingerichtet und auch das Gateway erfordert null Aufwand. Einmal eingesteckt übermittelt es die Daten der RuuviTags und wenn man diese in der App mit seinem optionalen Konto verknüpft hat, sind diese auch sofort in der App und im Web Dashboard verfügbar. Die Darstellung der Werte ist schick und intuitiv, schnell erfasst und hilfreich.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Die Ruuvi App, die kostenlos und quelloffen für Android und iOS verfügbar ist, ist schnell durchschaut und intuitiv zu bedienen. Man kann die entsprechenden Ruuvi Sensoren nicht nur umbenennen, sondern ihnen auch einen individuellen Hintergrund als Foto oder aus der hauseigenen Bilddatenbank geben, so dass man sie schneller wiedererkennt. Ein kleines Feature, aber durchaus nett und hilfreich.

 

Die Sensoren verrichten ihren Dienst tadellos und melden schnell und akkurat, soweit das beurteilbar ist, die Werte weiter. So kann man einfach und problemlos überwachen, was man möchte und auch die Integration ins Smart Home ist dank Support für Message Queuing Telemetry Transport (MQTT) broker keine grosse Schwierigkeit. Doch auch von Haus aus sind Ruuvi Tags schon mit Smart Home kompatibel, etwa über ein Plugin für Homebridge, so dass die Sensoren in Apple HomeKit auftauchen.

Das Zubehör

Die Pouch, das Etui aus Neopren, verfügt über einen Reissverschluss auf der Seite und einen Klettverschluss auf der Rückseite mit Schlaufe, so dass man den RuuviTag so einfach an Dingen bis zu 3 cm Durchmesser, Fahrradstangen etwa, befestigen kann.

 

Der Stand als kleiner Kunststoffständer erleichtert das Aufstellen der runden Ruuvitags in der vertikalen Position, so dass er besser die Umgebungswerte messen kann und eine verbesserte kabellose Reichweite bietet.

 

Die Silikon-Hüllen sind zur einfachen Befestigung von RuuviTags gedacht. Sie können angeschraubt, festgebunden oder aufgehängt werden.

Preis und Fazit

Das Ruuvi Sensor Measurement Kit kostet beim Hersteller derzeit 325,33 Euro bzw. SFr. mit kostenlosem Versand. Ein einzelner RuuviTag Sensor ist für 38,29 Euro bzw. SFr. zu haben, während der RuuviTag Pro mit 47,89 Euro bzw. SFr. zu Buche schlägt. Für den Ruuvi Gateway Router sind 190,98 Euro bzw. SFr. fällig.

 

Das Zubehör ist mit 4,70 Euro / SFr. für pro Etui, 3,74 Euro bzw. SFr. pro Ständer, 4,32 Euro / SFr. pro Silikon-Case und 0,91 Euro / SFr. pro 3M-Doppelklebe-Pad im Shop des Herstellers erhältlich. So kommen wir auf einen Gegenwert von 342,79 Euro / SFr. für den Kauf der einzelnen Komponenten des Sets.

 

 

Alles in Allem ist das Ruuvi Sensor Measurement Kit ein enorm spannendes Gadget für das Smart Home, das ein ernsthaftes Ausprobieren und Experimentieren mit den Sensordaten ermöglicht. Die kontinuierliche Weiterleitung der Daten durch das Ruuvi Gateway und die guten Apps sind Gold wert. Die Sensoren eröffnen eine Menge unterschiedlichste Möglichkeiten und Anwendungsfälle. Besonders spannend ist neben der einfachen Inbetriebnahme (Auspacken und Batterien einlegen) vor allem die Vielseitigkeit durch andere Firmwares und durch die Erweiterung des Gateways. MQTT ist weit genug verbreitet unterdessen, dass es nahezu konfigurationsfrei in bestehende Smart Home Lösungen passt.

 

Weil die RuuviTags ihre Messwerte bis zu zehn Tage lang selbst lokal abspeichern und dann erst ausgelesen werden müssen, kann man so auch mobile Dinge, den Kühlwagen oder den Fahrradanhänger vermessen.

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