So. 25. Oktober 2020 um 7:16

Review: ANNKE C800 True 4K UltraHD PoE IP-Kamera im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Power-over-Ethernet, kurz PoE, dient dazu, über das herkömmliche Netzwerkkabel auch die Stromversorgung zu realisieren. Das ist insbesondere bei IP-Kameras nützlich, da so nur ein einziges flexibles Kabel mit wenig Leistung an den gewünschten Installationsort geführt werden muss. Wir haben uns darum heute die ANNKE C800 Turret True 4K UltraHD PoE IP Security Camera. Turret, zu Deutsch, Türmchen, weil die C800-Serie vom Hersteller ANNKE nämlich als Dome, Bullet und eben Turret-Version verfügbar ist. Damit sind verschiedene Anwendungsszenarien mit identischer Hardware möglich. Zum Test vorliegen haben wir die C800 als Turm-Kamera.

Lieferumfang der ANNKE C800 IP-Kamera

Im Paket kommt die ANNKE C800 zusammen mit einer englischsprachigen Kurzanleitung, einer mini-CD mit zugehöriger, optionaler Software, einer Bohrschablone als Aufkleber und einem Verschluss für das Netzwerkkabel, um dieses vor eindringendem Wasser und Staub zu schützen. Zudem sind einfache Schrauben und Dübel sowie ein passender Inbusschlüssel zur Montage mit dabei.

 

Wir haben zudem noch ein separates Steckernetzteil mit 12 V und 2A Ausgangsleistung erhalten sowie ein 45 m langes CAT. 5E Netzwerkkabel dazu bekommen. Beides ist unabhängig von der Kamera zu bestellen.


Annke C800 Turret True 4K UltraHD PoE IP Security Camera
Der Lieferumfang der ANNKE C800 Turret 4K UltraHD PoE IP Security Camera. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Hardware und Eigenschaften der ANNKE C800 Turret 4K UltraHD PoE IP Security Kamera

Die ANNKE C800 Kamera in Turmbauweise steht auf einer runden Basis mit 12.73 cm Durchmesser und ist 9.59 cm hoch. Sie wiegt knapp 620 Gramm und das Gehäuse ist vollständig aus weiss lackiertem Metall gefertigt. Einzig der Sockel am Fuss ist aus ABS-Plastik gemacht. Beide Seiten des runden Gehäuses ziert der Herstellername ANNKE. Die Kameralinse ist von einem 11 mm Optik begleitet und wird flankiert von einem Infrarot-Scheinwerfer.

 

Eine Turmkamera kann nicht ferngesteuert bewegt werden, sondern wird fix auf eine Situation ausgerichtet. Das ist wichtig, weil so keine tote Winkel in der Bewegung etwa bei Pan-Tilt-Kameras ausgespäht und ausgenutzt werden können. Umso bedeutsamer ist der Blickwinkel. Die ANNKE C800 bietet hier 124 Grad in der Diagonale und trotz einer einzelnen Infrarot-LED auch nachts bis zu 30 Meter weit sehen. Der Hersteller bewirbt dies als Advanced EXIR Night Vision Technology. Dies soll für nahezu keine Infrarot-Reflexionen und kein Bildrauschen sorgen. Eingestellt werden kann die Kamera, indem sowohl der Sockel als auch der Turm um 360 Grad drehbar und die Kamera selbst um bis zu 70 Grad neigbar ist. Sie ist für die Montage an der Decke vorgesehen, so dass sie meist ausser Reichweite angebracht wird und darum etwas schwergängig aber ohne Werkzeug bewegt wird.

 

Für die Videoaufnahmen selbst ist ein 1/2.5 Zoll grosser Sony STARVIS IMX274 Bildsensor zuständig. Dieser liefert UHD-1 konforme Bilder  in mehr als 4K, nämlich mit 3840 x 2160 Pixels und einer Bildrate von 32 Kbps bis 16 Mbps. Zudem unterstützt die Kamera 3D DNR 120 dB True WDR (Wide Dynamic Range) sowie ONVIF und RTSP. ONVIF ist ein Quasi-Standard von IP-Sicherheitskameras, die so mit vielen NVR- und NAS-Systemen unterschiedlichster Hersteller einfach zusammenarbeiten können.

 

 

Im Turmteil der IP-Cam ist zudem ein microSD-Schacht und die Reset-Teaste unter einer verschraubten Abdeckung verborgen. Die Unterseite der Kamera selbst zeigt eine Schraube für den Anschluss eines Erdungskabels sowie das Anschlusskabel mit einer 12-V-Netzteilkupplung sowie einem RJ45-Ethernetport, der bis zu 100 mbit/s leistet. Leider gibt es keine Öffnung im Sockel aus Metall, durch den ein Kabel nach aussen geführt werden könnte. Es braucht also ein Loch in der Rückwand bzw. Decke oder eine Verteilerbox.

 

Als Videocodecs werden H.264, H.264+, H.265 und H.265+ unterstützt.

Dank H.265+ Codecs-Unterstützung kann die C800 Kamera von ANNKE deutlich mehr Aufnahmen bei besserer Qualität speichern, als andere Produkte.Auf eine 128 GB microSD-Karte passen so knapp 168 Stunden Videomaterial.

 

Die Stromversorgung erfolgt entweder über den 12 V Gleichstromanschluss oder mittel Power-over-Ethernet (PoE) nach 802.3af. Hierfür wird bekanntermassen ein Netzwerkkabel der Kategorie 5 oder 5E sowie ein passender Injector oder Switch gebraucht. Egal welches Kabel man wählt, um die Kamera mit Energie zu versorgen, der Anschluss kann im Sockel der Turret verstaut werden und ist so sicher vor all zu einfacher Manipulation.

 

Weiter ist die ANNKE C800 Turret, wie ihre Geschwistermodelle auch, nach Schutzklasse IP67 staubdicht und geschützt gegen zeitweiliges Untertauchen. Ein Mikrofon ist übrigens nicht verbaut. Es werden nur Bilddaten übertragen und aufgezeichnet.

Software

Annke Vision
Preis: Kostenlos
‎Annke Vision
Preis: Kostenlos

 

Neben dem Zugriff via kostenloser App für Android und iOS unterstützt ANNKE ebenso die mitgelieferte SADP Software und die Benutzung via Webbrowser. Gerade letzteres ist heutzutage fast schon eine Seltenheit geworden und erlaubt es, einfach und bequem die Kamera in vielen Details zu konfigurieren. Bemerkenswert ist hierbei, dass moderne Webbrowser dank WebRTC bzw. HTML5 noch nicht einmal mehr ein Plugin benötigen, um den Videostream anzuzeigen. Die Kamera-Software schützt sich vor unbefugten Zugriffen mit verschiedenen Mechanismen, darunter etwa eine Sperre bei nach mehrmaliger falscher Passworteingabe. Im Downloadcenter von ANNKE gibt es die Desktop-Software übrigens auch zum Herunterladen. Praktisch, denn wer kann heutzutage denn schon noch (mini) CD lesen?

Testeindruck der ANNKE C800 Turret

Die C800 Turret Kamera mit 4K-Auflösung lässt sich mit etwas Geduldt recht einfach montieren, jedoch viel einfacher installieren. Die Software erlaubt es, schnell und einfach alles so einzustellen, wie man es gerne hätte. Darunter die Zeitzone und Sommerzeiteinstellungen, IP-Adresse und die Bereitstellung einer seriellen Konsole, mehrere Benutzerkonten, DynDNS und PPPoE, UPnP und die verwendeten Ports für die Datenübertragung und das Webinterface ebenso wie SNMP, FTP-Uploads und E-Mail-Benachrichtigungen, ein eigenes SSL-Zertifikat, QOS, 802.1x. Auch kann hier beispielsweise der Zugriff via ANNKE Vision Cloud zur App deaktiviert werden, so dass die Kamera nur noch lokal verfügbar ist.

 

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Die Videobild ist erstaunlich klar, wenn man die geringe Grösse des Sensors und der Optik bedenkt und auch bei wenig bis kaum Licht sieht man ein scharfes Schwarz-Weiss-Bild ohne störendes Bildrauschen.

 

Was sehr überrascht, ist die Vielzahl an Optionen in der Weboberfläche. Es können nicht nur einzelne Dienste und Ports ein- und ausgeschaltet oder konfiguriert werden. Mit Leichtigkeit können auch Bereiche definiert werden, welche die Kamerasoftware für die Bewegungserkennung benutzen soll – was übrigens sehr gut klappt. Auch können Bildbereiche geschwärzt werden, etwa weil sie öffentliche Fusswege zeigen. Auch die Belichtungsdauer von 1/3 bis zu 1/100000 lässt sich einrichten und neben dem Haupt-Videostream kann ein Bereich des Bildes markiert und als Substream übermittelt werden. Zusätzlich zur relativ einfachen Bewegungserkennung kann die ANNKER C800 auch Gesichter, Einbruch und Linienüberschreitung erkennen. Mit der Gesichtserkennung wird ein Alarm und eine Aufnahmespeicherung nur ausgelöst, wenn ein menschliches Gesicht auf dem Video zu sehen ist.

 

Diese Gesichtserkennung sucht nach den typischen Merkmalen – Augenpaar, Nase und Mund. Damit erkennt sie auch ausgedruckte Gesichter in der entsprechenden Grösse manchmal als Gesichter und schlägt Alarm, was aber zu verschmerzen ist. Dafür benötigt sie keine Cloud.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Preis und Fazit zur Annke C800 IP-Kamera

Die ANNKE C800 Turret 4K UHD IP-Kamera mit PoE gibt es beim Hersteller selbst für 99.99 US-Dollar zu kaufen. Auch die Bullet-Variante kostet soviel und einzig für den Dome wird mehr, nämlich 129.99 $ abgerufen. Wer mehrere Kameras bestellt, bekommt entsprechend Rabatt. Bei Amazon kostet die Kamera derzeit 119,99 Euro bzw. SFr. Die Dome-Kamera ist bei Amazon derzeit nicht gelistet.

 

 

Alles in Allem ist die Annke C800 Turret 4K UltraHD PoE IP Security Camera ein tolles, Produkt, dass einen professionellen Eindruck macht. Sie bietet kaum Schnickschnack wie Sprachassistenzprogramme, dafür aber eine Unmenge nützlicher und durchdachter Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten auf Softwareseite. Die Hardware kann sich sehen lassen und liefert sehr gute, scharfe Bilder auch bei Nacht. Das robuste Metallgehäuse und die solide Verarbeitung machen die C800 von ANNKE zu einer guter Kandidatin für die Videoüberwachung drinnen wie draussen, die dank Power over Ethernet (PoE) schnell und unkompliziert realisiert werden kann. Schade nur, dass die Kabelführung so wenig elegant gelöst werden muss. Dass die Gesichtserkennung offline auf der Kamera und nicht in der Cloud funktioniert, ist datenschutztechnisch natürlich super, auch wenn sie den Unterschied zwischen echten Gesichtern und Papp-Masken nicht erkennen kann.

 

Livestream

Der nachfolgende Live-Stream von ANNKE aus Glendale in Kalifornien zeigt übrigens das Bild einer C800 Turret Kamera an.

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