So. 27. November 2022 um 5:42

Review: Airthings View Plus Luftqualitätsmonitor im Test

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Wir sind wirklich viel in Innenräumen. Während der SARS-2 CoVID-19 Pandemie ist das vielen erst so richtig bewusst geworden. Wenn man plötzlich im Home-Office arbeitet, fällt sogar der Weg ins Büro weg. Mancherorts gab es ja sogar Ausgangssperren. Da war die Luftqualität plötzlich wieder ein grosses Thema. Neben Luftfiltern wurden auch CO2-Ampeln und -Sensoren aufgestellt. Diese zeigen nicht nur an, dass die Atemluft nicht mehr ganz so frisch ist, sondern geben so auch eben einen Hinweis darauf, dass die Keimanzahl in der Raumluft nun erhöht sein könnte und man lüften sollte. Doch auch ohne Pandemie gibt es viele gute Gründe, die Raumluft genauer zu beobachten, gerade im Smart Home. Wir haben uns darum den Airthings View Plus Luftqualitätsmonitor mit ePaper-Display und einer Menge Sensorik genauer angeschaut.

Lieferumfang des Airthings View Plus Luftqualitätsmonitors

Der neue View Plus von Airthings kommt mit sechs Alkalie-Batterien im AA-Format, einem USB-Typ-C-Ladekabel von 180 cm Länge, einer mehrsprachigen Schnellstartanleitung und regulatorischen Informationen sowie doppeseitigen Klebepads.


Airthings View Plus Luftqualitätsmonitor
Schlicht, aber oho. Der Airthings View Plus Luftqualitätsmonitor. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Hardware und Eigenschaften

Der Airthings View Plus Luftqualitätsmonitor ist 200 x 115 x 60 mm gross, vornehmlich weiss und mit abgerundeten Seiten versehen. Er wiegt 511 Gramm (ohne Batterien) und hat an beiden Seiten eine feinmaschige Gitterstruktur aufzuweisen. Auf er Unterseite ist ein breiter, hellgrauer Gummistreifen mit der Aufschrift “Breathe better. Live better.” zu sehen. Dieser ist dazu da, den View Plus Luftsensor auch auf glatten Oberflächen rutschsicher aufstellen zu können.

 

Die Rückseite des norwegischen Luftqualitätssensors birgt eine grosse Abddeckung mit zwei Löchern für die Montage per Schrauben und einer Öffnung unten für das USB-Kabel. Darunter findet sich das Batteriefach, ein Aufkleber mit der Seriennummer und einem kleinen QR-Code zur App-Einrichtung sowie einigne Konfomritätserklärungen und Symbolen. Die sechs Batterien alten laut Hersteller für bis zu zwei Jahre durch.

 

In der Vorderseite ist prominent das 2.9 Zoll grosse ePaper-Display mit einer Auflösung von 296 x 128 Pixel zu sehen, dass die Form des Gehäuses mit den halbkreisrunden Seiten wiederspiegelt. Darüber sind in der Mitte zwei Öffnungen für die Sensorik sowie eine mehrfarbige LED zu finden. Darunter ist das Airthings-Logo, was einfach immer noch verdammt an verschiedene Videospiele erinnert. Auch sind hier Bewegungssensoren für die Gestensteuerung verbaut, doch dazu später mehr.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud / Airthings

 

Im Inneren verbaut ist, neben der Sensorik, ein WLAN-Modul, das im 2.4-GHz-Frequenzbereich eine Verbindung zum Dashboard und zur App herstellt. So kann weltweit auf die Daten des Airthings Luftqualitätsmonitors zugegriffen werden. Daneben ist aber auch Bluetooth LE verfügbar, dass für die Ersteinrichtung und zum täglichen Datenabgleich genutzt wird. Letzteres nur, wenn man keine WLAN-Verbindung herstellt.

 

Zudem kann der Airthings View Plus als Hub funktionieren, wenn er per WLAN verbunden ist und per USB-Kabel sowie ohne Batterien mit Strom versorgt wird. Dann sammelt er die Daten aller mit ihm verbundenen Airthings Sensoren ein und übermittelt sie an das Dashboard. Dabei nutzt er das hauseigene Protokoll Airthings Smartlink, dass im 868 MHz-Frequenzbereich (in Europa) funkt.

Sensoren

Die Sensoren des Airthings View Plus sind für Feinstaub (PM1 und PM2.5), Radon, CO2, VOC, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Luftdruck und Lärm ausgelegt.

Geräuschindikator

Zudem ist ein Mikrofon verbaut, dass Geräusche ermittelt um den Schalldruckpegel zu errechnen. Es zeichnet nichts auf, keine Sprache oder anderen Sound, sondern prüft nur, ob die Umgebung laut oder leise ist. Dieser Geräuschindikator ist nur aktiv, wenn das Gerät für Airthings für Business konfiguriert wird.

Temperatur

Ein Solid State Sensor misst im empfohlenen Betriebsbereich von 4 °C bis 40 °C und darüber hinaus mit einer Genauigkeit von ±0.5 °C. Das Sensorintervall beträgt im Batteriebetrieb 5 Minuten und nur die Hälfte, also 2.5 Minuten mit
angeschlossenem USB-Kabel.

Luftfeuchtigkeit

Auch dieser Solid State Sensor misst im Batteriebetrieb alle 300 Sekunden die relative Luftfeuchtigkeit und wenn der Strom an den Airthings View Plus per USB-Kabel kommt, alle 150 Sekunden. Die Genauigkeit der gemssenenen relaiven Luftfeuchtigkeit beträgt ±3 Prozent.

Luftdruck

Schliesslich wird der Luftdruck, ebenfalls per Solid State Sensor und im selben Inervall von 5 Minuten im Batteriebetrieb (oder 2.5 Minuten bei USB-Betrieb) gemessen und das auf ± 0.6 mBar/hPa genau.

Radon

Der Radonsensor misst über eine passive Diffusionskammer per Alphaspektrometrie ein mal pro Stunde die Konzentration in Becquerel pro Kubikmeter Luft. Das Messintervall von 60 Minuten ist fix.
Gemessen wird dabei von 0 bis 20’000 Bq/m3. Der Sensor braucht jedoch mindestens 30 Tage, um genaue Messergebnisse zu liefern.

Eine kontinuierlicher Messung bei 200 Bq/m3 ergibt nach sieben Tagen eine durchschnittliche Abweichung von ±10 Prozent und nach zwei Monaten von durchschnittlich ±5 Prozent.

Feinstaub

Feinstaubpartikel werden mittels optischem Partikelzähler auf Laserstreuungsbasis gemessen. Das Messintervall kann auf 10 Minuten oder 60 Minuten eingestellt werden, wenn der View Plus von Airthings per Batterien mit Strom vesorgt wird. Mit angeschlossenem USB-Kabel sind gar 2.5 Minuten Messabstand für den Staub in der Raumluft möglich.
Der Erfassungsbereich der Partikelgrösse beträgt 300 nm bis 10 μm.
Im Messbereich für die Kategorie PM2.5 erstreckt sich von 0 bis 500 μg/m³. Die Messgenauigkeit ist für lungengängie Partikel – auch Feinstaub genannt, PM2.5, also einer Grösse von bis zu 2.5 µm wie folgt:

unter 150 ug/m³ wird mit ±5 μg/m³ + 15 Prozent Messtoleranz gerechnet, über 150 ug/m³ mit ±5 μg/m³ + 20 Prozent Messungenauigkeit. Vorkalibriert wird die Lasersensorik über das Schwarzwälder Unternehmen für Prüfmittelkalibrierungs QS GRIMM, das dafür Zigarettenqualm als Referenzwert benutzt.

VOC

Ein Gassensor auf Metalloxidbasis misst sogenannte Flüchtige organische Verbindungen (auf Englisch volatile organic compounds, kurz VOC) im festen Messintervall von 5 Minuten. Nach etwa einer Woche ist die Messung im Bereich von 0 bis 10 000 ppb (parts per billion, Teile pro Milliarde) autokalibriert. Diese Autokalibrierung geschieht mit einem automatischen Basisalgorithmus, der sich kontinuierlich basierend auf der saubersten vom Sensor registrierten Luft aktualisiert.

CO2

Kohlenstoffdioxid oder Kohlendioxid (CO2) misst ein NDIR-Sensor (Non-Dispersive Infrarot) wiederum alle fünf Minuten. Alle 2.5 Minuten wird der CO2-Gehalt gemessen, wenn ein USB-Kabel angeschlossen ist und die Batterien entnommen werden.
Der Messbereich für Kohlendioxid liegt zwischen  400 und 5000 ppm und die Genauigkeit bei ±50 ppm ±3 Prozent bei einer Raumtemperatur von 10 bis 35 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 0 bis 80 Prozent nach einer Woche Kalibirierungszeit.

Testeindruck

Der Airthings Luftqualitätsmonitor ist hervorragend verarbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck. Nichts wakelt oder knarzt, der Batteriedeckel hält gut und macht auch bei der Wandmontage einen soliden Eindruck. Der View Plus aus Norwegen sieht skandinawisch unaufgeregt schlicht aus und fügt sich unauffällig und gut in die Einrichtung ein.

Installation und Betrieb

Die erste Inbetriebnahme des Airthings View Plus ist einfch und inutitiv gestaltet. Die kostenlose App für Android oder iOS leitet, auch auf Deutsch, Italienisch und Französisch, in einfachen Schritten durch den Prozess und verbindet den Sensor wahlweise mit dem WLAN. Dass hier wiederum kein 5 GHz-Signal benutzt werden kann, ist schade, aber verschmerzbar. Ein Konto bei Airthings muss auch erstellt werden, um den Sensor und die Daten damit zu verknüpfen.

 

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Das klappt aber soweit alles sehr gut. Danach stellt man das Gadget irgendwo auf oder montiert es an der Wand oder an einem Schrank. Wichtig ist, dass es auf Atemhöhe am besten funktionieert, also 110 bis 170 cm über dem Boden und nicht über 2 Meter Höhe angebracht werden sollte.

 

Die App, die auf iOS und Android identisch ist, erlaubt sehr übersichtlich und schnell einen Blick auf die vielen verschiedenen Sensorwerte anzuzeigen, deren Verlauf in hübschen, ampel-bunten Kurven und liefert zudem per Fingerzeig auf das Fragezeichen immer auch mehr Informationen zur Bedeutung des Messwertes. So erfährt man etwa, welche Bereiche der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit zur Schimmelbildung beitragen und wie oft bzw. wann man Lüften soll.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Smart Home

Zudem ist Integration in das Smart Home über IFTTT, Google Assistant und Amazon Alexa in der App direkt möglich. Das klappt soweit ganz gut und Alexa kann, mit dem entsprechenden Skill, eben ausgewählte Werte des Sensors, wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, vorlesen.

Auch Automatisierungen sind so möglich.

Web-Zugriff und API

Doch damit nicht genug! Die Sensoren von Airthings bieten, gerade für den Business-Bereich, zudem ein Web-Dashboard unter dashboard.airthings.com und eine API unter developer.airthings.com an. Beides ist kostenfrei verfügar und die Programmierschnittstelle ist ausführlich dokumentiert, wenngleich auch nur auf Englisch.

 

Das Dashboard ist auch Französisch, Italienisch oder Deutsch zu haben und kann fast alles, was die Apps auch können. Selbst die Anzeige am Airthings View Plus kann per Webbrowser konfiguriert werden. Nur Push-Alarme sind nicht möglich hier. Dafür gibt es eben die Apps. Andererseits kann im Dashboard ein wöchentlicher Luftreport per E-Mail abonnieren. Dieser beinhaltet dann Trends, Zusammenfassungen, Erkenntnisse und Empfehlungen, die helfen sollen, zu Hause bessere Luft zu atmen.

 

Mit der API kann man aber auch die Produkte von Airthings, und damit auch den Airthings View Plus, relativ einfach und prolemlos in andere und eigene Lösungen einbeziehen. So ist auch die Integration der Daten in Apple HomeKit via Homebridge-Plugin ein Leichtes. Nur die Radon-Werte und der Luftdruck werden dann in der HomeKit App aus Cupertino nicht angezeigt. Dafür braucht man Eve oder Home+. Apple hat dafür einfach keine services definiert. Schade, aber das liegt nicht an Airthings oder der Community um das Homebridge-Plugin.

 

Das Aktualisierungsintervall der Sensordaten in der App, sowohl unter iOS als auch unter Android, und im Online-Dashboard hängt wieder von der Stromversorgung ab: All 10 Minuten oder 60 Minuten bei Batteriebetrieb,
150 Sekunden bei angeschlossenem USB-Kabel. Die Stromaufnahme des Luftqualitätsmonitors ist dabei übrigens mit 400 mA sehr gering.

 

Auch der Zugriff per Dashboad oder per API funktioniert einfach und tadellos.

Display und Gestensteuerung

Das hochkontrastige eInk-Display ist nicht das schnellst im Aktualisieren, wie von derartigen Anzeigen ja bekannt, aber braucht entsprechend wenig Strom. Ist mal ein Wert angezeigt, ist der Verbrauch gleich Null.

Mit einem Wink der Hand vor dem Display wechselt dieses von der per App einstellbaren Anzeige zweier Messwerte zur Anzeige weiterer vier Sensordatenwerte separat, namentlich auch des IAQ-Health-Indikators, durch die man einfach berührungslos hin- und herwischen kann. Das klappt sehr gut und ist super intuitiv. Auch die LED über dem Display, die als Ampel in Rot, Gelb oder Grün signalisiert, wie der Wert einzuschätzen ist, trägt zu diesem Eindruck bei.

 

Gesamteindruck des Luftqualitätsmonitors Airthings View Plus

Der Airthings View Plus misst die Luftqualität kontinuierlich in festgelegten, Abständen, die wohl einen guten Kompromiss zwischen Aktualität und Stromverbrauch liefern. So schnell veändert sich ja meistens nicht die ganze Luftqualität. Der Monitor bietet unterschiedlichste und relevant Sensorwerte dafür an.

 

Die VOC- und CO2-Sensoren kalibrieren sich kontinuierlich, indem sie die sauberste Luft als Basis zur Unterscheidung von verschmutzter Luft verwenden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Sensor ein mal pro Woche sauberer Luft ausgesetzt wird. Daran erinnert die App regelmässig. Zudem bekommt man auf die hinterlegt E-Mailadresse, wenn man nicht widerspricht, auch regelmmässig Hintergrundinformationen zu den Messwerten, zu Radongas etwa, und kann sich so ein besseres Bild machen.

Preis und Fazit

Der Airthings View Plus kostet beim Hersteller 299 Euro bzw. SFr. und ist derzeit auch bei einschlägigen Online-Shops wie Amazon nur marginal günstiger. Wer nicht ganz so viele Messewerte braucht, kann aber auch auf den Airthings View Pollution oder, oder ergänzend, die bekannten Wave Mini und Wave Plus von Airthings zurückgreifen.

 

 

Dafür bekommt man aber einen digitalen Luftqualitätsmonitor mit acht unterschiedlichen Werten zum Raumklima, der sich sehen lassen kann. Nicht nur designtechnisch und optisch ist der Airthings View Plus ein Hingucker. Auch die Messtechnik und Verbindungen, von Smart Home, Alexa, Google Assistant, IFTT und den hauseigenen Apps bis zum Web-Dashboard und der API sind hier Mehrwerte, auf die man schnell nicht mehr verzichten möchte. Da müssen Mitbewerbsprodukte sich durchaus erst mal hinten anstellen.

 

So ist der Airthings View Plus nicht nur für den (ambitionierten) Heimgebrauch bestens geeignet. Auch im beruflichen oder behördlichen Umfeld kann damit vielleicht, dank der Browsersteuerung und der API, auch eine umfangreichere Luftqualitätsüberwachung von Innenräumen realisiert werden.

 

Dass das ePaper-Display keine Hintergundbeleuchtung hat, ist begrüssenswert, da es so auch im Schlafzimmer nicht stört. Die LED ist nur bei der berührungslosen Steuerung aktiv und stört so auch den gesunden Schlaf nicht. Einzig mehr Werte auf dem Display durchblättern zu können, wäre eine wünschenswerte Erweiterung. Vielleicht kommt das ja noch per Firmware-Update.

Video: Airthings

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