So. 10. April 2016 um 9:38

Review: Vector Watch Luna im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Smart Watches gibt es mittlerweile viele auf dem Markt, doch kaum eine ist in der Lage, mit Windows Phone bzw. Windows 10 zusammenzuarbeiten, das Microsoft Band mal ausgenommen. Der britische Hersteller baut nicht nur Wearables im Design klassischer Uhren, die Vector Watches sind zudem auch kompatibel zu iOS, Android und Windows Phones. Neben den kreisrunden Luna-Modellen in verschiedenen Ausführungen sind auch die rechteckigen Meridian-Uhren im Angebot. Heute haben wir im Testbericht die Vector Watch Luna mit Stahlgehäuse und klassischem, schwarzen Lederband.

Lieferumfang und die Vector Watch

Die Luna von Vector Watch wird in einer quadratischen Box geliefert, deren Innenleben schon fast klassisch mit einer Kordel verschlossen wird. Wird diese und damit die Klappe geöffnet, sieht man sofort das Ziffernblatt der Uhr in einem Passe-partout, auf dem Deckel den Schriftzug „what truly matters“ – was wirklich zählt. Die Uhr ist auf einem Schaumgummi aufgebracht und darunter findet sich ein Umschlag mit der Kurzanleitung, Garantiehinweis und Ladekabel. Letzteres besteht aus einem kurzen USB-Kabel mit einem proprietären, vierpoligen magnetischen Federkontaktstecker. Durch die Trapezform können die Kontakte nicht vertauscht werden.

 

Die Uhr selbst in einem 44 mm Edelstahlgehäuse (41x 36 mm bei der Meridian-Variante) wird von einem Mineralglas über dem runden Display mit 240 x 240 Pixel dominiert. Die Vector Watch wiegt beim Luna-Modell 59 Gramm ohne Armband, beim Meridian 50 Gramm. Unter dem Display ist der Schriftzug VECTOR zu lesen, daneben ist der Helligkeitssensor zu finden, welcher jedoch sehr dezent untergebracht und kaum zu sehen ist. Der Rand um das Display ist 5 mm breit, das Gehäuse selbst ist 11 mm dick, von Armband zu Armband misst es 5.1 cm und ist bis zu 50 Meter bzw. 5 atm Wasserdicht. Rechtsseitig sind drei grosse Tasten am Gehäuse, die äusseren länglich, die mittlere kreisrund und mit einem schwarzen Inlay markiert. Das Armband der Uhr hat eine handelsübliche Breite von 22 mm und ist bei diesem Modell der Luna-Variante aus echtem Rindsleder gefertigt.

 

Verfügbar ist die Vector Watch Luna in vier Gehäusefarben – neben gebürstetem Edelstahl, Schwarz, Rot- und Gelbgold – und Armbändern aus Silikon oder in schwarzem oder braunem Leder, Metallgliederarmbändern in Edelstahl oder Schwarz, rotgolden nur beim gleichfarbenen Gehäuse. Das gelbgoldene Gehäuse gibt es zudem nur mit Krokodilleder-Armband. Die Lederarmbänder sind in zwei Grössen, für Handgelenke mit 185 mm bzw. 195 mm, zu haben. Die Metallgliederarmbänder sind bis zu 210 mm Handegelenksumfang empfohlen. Neben dem Schriftzug Genuine Leather sind die Vector-Text- und Bildmarke in die Innenseite des Naturleder-Armbands gestanzt, ebenso steht auf dem Verschluss des selbigen Vector.

 

Das ständig aktive LC-Display verfügt weder über Touch-Bedienung, noch eine herausragende Auflösung und ist einfarbig. Auch mit Sensoren ist die Vector Watch nicht gerade üppig ausgestattet: Neben dem bereits erwähnten Helligkeitssensor ist ein Gyroskop sowie ein Beschleunigungssensor enthalten. Technologie-Schmalhans sozusagen. Das jedoch wirkt sich deutlich auf die Akkulaufzeit aus, die laut Hersteller 30 Tage erreichen soll. Im Test zeigte sich, dass zwanzig bis 25 Tage durchaus realistisch sind. Komplett aufgeladen wird sie übrigens in zwei bis drei Stunden, was für einen relativ kleinen verbauten Akku spricht.

Das Display

Mit am wichtigsten bei einem derartigen Gerät ist die Anzeige. Das Display der Vector Watch Luna ist mit seiner 240 x 240 Pixel auflösenden Flüssigkristallanzeige gut zu lesen und bietet, dank monochromer Darstellung, einen hervorragenden Kontrast an. Auch unter direktem Sonnenlicht spiegelt das sehr robuste Mineralglas vergleichsweise wenig und die Smartwatch kann gut abgelesen werden. Die Hintergrundbeleuchtung wird automatisch an die Umgebungslichtverhältnisse angepasst und ist ausreichend hell. Das Schlafzimmer kann man damit nicht beleuchten, wie manch anderes Mitbewerber-Produkt es doch bisweilen schaffen, aber die Anzeige kann sowohl im Dunklen als auch am helllichten Tag gut abgelesen werden. Das Display-Glas, was vom Hersteller leider nicht näher spezifiziert wird, erweist sich als äusserst robust und kratzest. Ein versehentliches Schrammen der Wand oder Steintischkante macht dem Glas überhaupt nichts, eher sind minimale Dellen oder Kratzer im Edelstahlgehäuse nach erheblicher Krafteinwirkung zu finden, als im Uhrenglas – beeindruckend.

Apps und Funktionalität

Die Uhr wird per Bluetooth 4.0 LE mit dem Smartphone oder Tablet verbunden, auf dem die entsprechende kostenlose App installiert ist.

VectorWatch
Entwickler: VectorWatch
Preis: Kostenlos
VectorWatch
Entwickler: Vector Watch Group
Preis: Kostenlos
VectorWatch
Preis: Kostenlos

Die Apps gleichen sich auf allen drei Betriebssystemen sehr, Die iOS App unterscheidet sich von der Android App nur geringfügig durch eine etwas andere Anordnung der Bedienelemente. Ebenso ist die Windows App nahezu gleich aufgebaut, wie nachfolgende Bilderreihen zeigen. Die Windows Phone 8.1 App wurde anfänglich auch für Windows 10 Mobile herausgebracht, leider ohne jegliche Anpassungen, und leider seit einer Weile kein Update erhalten hat. Das führte auch dazu, dass die aktuellste Firmware nicht auf der Uhr installiert werden kann, welche nicht nur Fehler behebt, sondern auch mehrere Sprachen neben der englischen unterstützt. Darunter auch Deutsch, welche so auch Umlaute richtig darstellen kann. Die Windows 10 Mobile Version hat dann viel Stabilität unter dem neuen OS gebracht, allerdings läuft die App nicht rund auf Preview Builds.

 

Die aktuellen App-Versionen, die gerade eben eingetroffen sind, sind zwar auch noch nicht perfekt, aber sie werden immer besser. Die Windows App soll Ende April endlich auf Version 1.1 aktualisiert werden. Doch was kann die Uhr bzw. die App? Man kann, nachdem ein Vector-Account erstellt wurde, in den die Einstellungen synchronisiert werden, verschiedene Ziffernblätter und Uhr-Apps auswählen sowie konfigurieren.

 

Dabei haben alle Ziffernblätter die Möglichkeit so genannte Steams, die Informationen aus Diensten wie Twitter und Facebook anzeigen, Aktienverläufe, Wetterdaten, Schritte, Kalorien, Schlafdauer oder zurückgelegte Distanzen, kommende Termine und Erinnerungen, Sonnenauf- und Untergang und mehr einzubinden. Diese Steams kann man, je nach Watchface, an verschiedenen Positionen unterbringen und auch entsprechend individuell einrichten. Für den Twitter-Steam beispielsweise kann neben den aktuellen Followern des Accounts auch die Likes und Re-Tweets des letzten eigenen Tweets ausgewählt werden oder die Trend-Themen anzeigen.

 

Weiter gibt es so genannte Watch Apps für die Vector, die einen ganzen Funktionsumfang anbieten. So gibt es hier beispielsweise eine Uber-App oder Evernote, Nest, Activity, Alarms, Timer, Stoppuhr oder Nachrichtenapps von The Economist, Cnet, BBC und ESPN. Die Music-App ist ebenfalls verfügbar und ermöglicht die Steuerung der Musik und Lautstärke per Smartwatch. Im Oktober dieses Jahres soll ein SDK für Developer heraus kommen, so dass neben den bisher bestehenden Apps und Steams auch bald neue im App-eigenen Watch Store zu finden sein sollten. Die Aktivität und Schritte sowie den Schlaf und dessen Qualität misst die Uhr über ihre Sensoren, ähnlich wie dies viele Fitnessbänder wie z. B. das Fitbit Surge auch machen. Daraus errechnet die Uhr die gegangenen Schritte und so die Distanz, zusammen mit Angaben über Geschlecht, Grösse und Gewicht, den Kalorienverbrauch. Hier ist jedoch fest zu halten, dass die Vector Watch Luna im Vergleich jeden Tag gut 10% unter den Messwerten anderer Produkte liegt und auch merklich unter der Realität – schade.

 

Darüber hinaus kann die Uhr immer und unabhängig vom aktuellen angezeigten Ziffernblatt – denn es können bis zu zwölf davon auf der Vector Watch gespeichert und benutzt werden – eingehende Anrufe und Textnachrichten, E-Mails, Kalender-Erinnerungen, Alarme, Timer und der Verlust der Bluetooth-Verbindung immer anzeigen. Die Anzeigen der Nachrichten, Benachrichtigungen und Informationen ist auf die Bildschirmverhältnisse hin gut optimiert und nie überladen, sie werden durch deutlich spürbare Vibrationssignale unterstützt. Manche Steams scrollen ihre Daten durch einen Ticker, andere werden abgeschnitten, doch auch wenn die breitesten Zeilen des Displays lediglich 18 Zeichen fassen: Das Wesentliche wird immer gut lesbar angezeigt und seit dem letzten Update Ende März auch so, dass unnötige Anführungszeichen in E-Mailheadern nicht und Sonderzeichen in Namen sauber dargestellt werden.

 

Weiter gibt es die Möglichkeit, die Privatsphäre zu wahren, indem nur Icons angezeigt werden, wenn die Uhr nicht bedient wird. Auch gibt es einen Glance-Modus, so dass die Vector Watch erkennt, dass sie angeblickt wird und dann die Benachrichtigung direkt anzeigt, ohne dass die mittlere Taste gedrückt werden muss. Ebenso kann durch Armschütteln die Benachrichtigung quasi abgeschüttelt werden. Das alles kann auch in der App ein- bzw. ausgeschaltet werden.

 

Die Apps funktionieren tadellos und unter Windows 10 Mobile sind auch die Benachrichtigungen, im Gegensatz zu Windows Phone 8.1, nicht merklich verzögert. Beim älteren mobilen Betriebssystem aus Redmond sind doch Wartezeiten von mehreren Sekunden bis zum Eintreffen der Benachrichtigungen auf dem Wearable zu verzeichnen. Auch tauchen manche gar nicht auf, doppelt oder so spät, dass beispielsweise die betreffende E-Mail längst schon gelöscht wurde. Unter Android ist derartiges Verhalten, wie unter iOS und Windows 10 Mobile, nicht zu beobachten. Einzig stört, dass eine persistente, nicht optionale Benachrichtigung im Notification Center von Android vorhanden ist, die den Verbindungsstatus der Uhr anzeigt. Das hätte wirklich hübscher umgesetzt werden können. Andere Apps können ja auch andauernd im Hintergrund laufen, ohne solche Hintertürchen zu nutzen.

 

In der App kann auch ausgewählt werden, welche Benachrichtigungen von welchen Apps und Systemfunktionen an die Uhr übermittelt werden sollen. Insgesamt kann die App durch einfache und intuitive Bedienbarkeit mit ihren Pivot-Ansichten überzeugen und bietet genügend Einstellungs- und Individualisierungsmöglichkeiten. Einzig nicht sofort erschliesst sich die Chronologie der Messwerte wie Schritte, Kalorien, Schlafdauer und zurückgelegte Entfernung. Diese wurde bis vorgestern nicht etwa durch Antippen, sondern durch Drehen des Handys ins Querformat aufgerufen, was man aber erst aus dem englischsprachigen Benutzerhandbuch erfährt, das nicht wirklich einfach verlinkt ist. Nunmehr gibt es endlich einen Button dafür und viele weitere kleine Fehler in der App wurden behoben.

Schade ist jedoch, dass unter keinem der drei mobilen Betriebssysteme die VectorWatch App in der Lage ist, mit anderen Gesundheitsdaten-Apps oder -Funktionen zu sprechen, weder Apple Health, S Health noch Google Fit oder der Health Vault von Microsoft werden unterstützt. Schade, da sind andere Hersteller weiter.

 

Navigiert und benutzt werden alle Anwendungen und Funktionen des Wearables auf der Uhr – ausser durch die Gesten – über die drei Tasten bedient, wobei die mittlere sowohl Menü als auch Auswahl- und, durch langes Drücken, Zurücktaste ist. Die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig und man stellt schnell fest, wie sehr man schon an Touchscreens gewohnt ist, denn häufig ist man zumindest am Anfang noch versucht, über den Schirm zu wischen oder drauf zu tippen.

Preis

Die Vector Watch Luna kostet beim Hersteller zwischen 299 US-Dollar und 399 US-Dollar. Die Meridian ist mit 249 US-Dollar etwas günstiger. Bei Amazon ist die Uhr derzeit für 349,90 Euro vorbestellbar, die günstigere Vector Meridian kostet hier 329,9 Euro. Bei Swisscom ist die Vector Watch Luna ab 399.- SFr. zu haben.

Fazit

Die Smartwatch macht einen guten Eindruck und sieht mehr nach Uhr als nach Gadget aus. Ja, sie ist etwas dick und nicht gerade ein Fliegengewicht, aber daran gewöhnt man sich meiner Meinung nach wirklich schnell und viele Uhren, gerade hochwertigere, bewegen sich auch um diese Gewichtsklasse herum. Die stromsparende Flüssigkristallanzeige und die damit verbundene Akkulaufzeit sowie die tolle, robuste Verarbeitung machen sie zu einer echten Alltagsbegleiterin, auf der viele Informationen und Daten direkt angezeigt und vorsortiert werden können, ohne das Smartphone aus der Tasche nehmen zu müssen. Die App Watches tun das ihrige dazu und machen die Uhr noch nützlicher. Die Bedienung über die drei Tasten, die ein deutlich spürbares Profil aufweisen und so gut ertastet werden können und auch einen deutlichen Druckpunkt haben, ist nach Jahrzehnten der Touchscreen-Bedienung etwas ungewohnt, aber schnell erlernt und intuitiv gestaltet.

 

Natürlich bietet die Vector Watch weniger Funktionen und Features als eine Android Wear Uhr oder die Apple Watch Smartwatch, doch wie der Klappendeckel der Uhrenverpackung schon sagt, vielleicht liefert sie genau das, was wirklich zählt. Die wichtigsten Informationen sowie die Benachrichtigungen des Systems und der Apps des Smartphones. Keine Spiele, kein Klimbim, kein Gschtürm – einfach eine Verlängerung des Handys ans Handgelenk.

 

Daher: Absolute Kaufempfehlung für alle, die keine Android-Wear oder Apple Watch wollen, auf lange Akkulaufzeiten und top Verarbeitung Wert legen. Wer ein Windows-Gerät hat, sollte auch auf jeden Fall die Vector Watch näher in Augenschein nehmen, bevor das Microsoft Band als einzige Alternative in Betracht gezogen wird.

vg-wort
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