Review: Tomb Raider: Definitive Edition für Nintendo Switch (2) im Test
Wir haben schon zwei Remastered aus der Tomb Raider-Reihe auf der hybriden Konsole Nintendo Switch für euch getestet. Diese sind vor allem erschienen, weil Aspyr als Publisher die Werke von Crystal Dynamics beziehungsweise CORE Design, EIDOS und Square Enix aufnimmt, überarbeitet und für modernere Konsolen neu heraus brachte. Nach den ersten vier Klassikern des Action-Adventure-Genres haben wir mit Tomb Raider von 2013 den vierten Teil aus dem Hause Crystal Dynamics neu auf den Konsolen.
Dabei beziehen sich Aspyr beziehungsweise Crystal Dynamics sich auf die überarbeitete Version des Spiels mit dem Namen Tomb Raider: Definitive Edition, die vor nunmehr zwölf Jahren, im Januar 2014, für die PlayStation 4 und Xbox One portiert wurde. Im Jahr davor lag das Spiel noch für PS3 und Xbox 360 sowie für Windows PC vor. Für diese Version wurde damals schon die Auflösung aller Texturen erhöht, das Modell der Hauptfigur teilweise neu modelliert und die TressFX-Bibliothek von AMD für Konsolen angepasst. Ausserdem enthält diese Portierung alle bis dahin veröffentlichten Erweiterungen. Genau so kam Tomb Raider: Definitive Edition nun also kurz vor Weihnachten auf die Nintendo Switch und Nintendo Switch 2. Wir haben es seit dem 18. November ausführlich für euch ausprobiert und verglichen.
Inhaltsverzeichnis
Worum geht es in Tomb Raider: Definitive Edition?
Tomb Raider ist als vollständiger Neuanfang konzipiert und widmet sich der professionellen Entstehungsgeschichte der Protagonistin Lara Croft als Abenteurerin, deren erste grosse Expedition zur Entdeckung des sagenumwobenen japanischen Königreichs Yamatai führt.
Vor über zwölf Jahren wurde von Fachpresse und Fans vor allem die glaubwürdige Entwicklung der Hauptfigur von einer unerfahrenen Forscherin zu einer entschlossenen Überlebenskünstlerin in der Inszenierung dieses Spiels und die atmosphärisch dichte Spielwelt sehr geschätzt. Grosse Aufmerksamkeit erhielt zudem die technisch aufwendige und für damalige Verhältnisse realistische Haardarstellung der Spielfiguren, die mithilfe der von AMD entwickelten Programmbibliothek TressFX umgesetzt wurde. Der anhaltende Erfolg des Spiels führte schliesslich dazu, dass 2018 eine gleichnamige Kinoverfilmung von Tomb Raider in den Kinos anlief.
Dabei waren die Gewaltdarstellungen sehr drastisch und hatten damals wie heute zur Folge, dass sowohl USK als auch PEGI erstmals in der Geschichte der Tomb-Raider-Reihe eine Altersfreigabe erst ab 18 Jahren vergaben. Dies trifft sowohl für den Original-Titel von 2013 als auch die Definitive Edition-Portierung und den neuen Release von Tomb Raider: Definitive Edition zu.
Testeindruck
Die 21-jährige britische Archäologin Lara Croft begibt sich auf ihre erste Expedition. Diese führt sie auf einem Forschungsschiff in den Pazifik, die unter der Leitung des Archäologen Dr. James Whitman steht und das Ziel verfolgt, die Überreste eines sagenumwobenen japanischen Königreichs namanes Yamatai aufzuspüren. An Bord des Schiffs befinden sich neben Lara unter anderem Kapitän Conrad Roth, der Steuermann Angus Grimaldi, genannt Grim, die Chefingenieurin Joslin Reyes, der Techniker Alex Weiss, der Koch Jonah Maiava sowie die Filmemacherin Samantha Nishimura, genannt Sam und Laras Freundin. Nachdem die Suche über mehrere Tage erfolglos bleibt, schlägt Lara vor, das geheimnisumwobene Drachen-Dreieck (wie das Bermuda-Dreieck – nur Schlimmer) als neues Suchgebiet in Betracht zu ziehen.
Kurz darauf gerät das Schiff in einen heftigen Sturm und strandet an den Küsten einer unbekannten Insel. Lara und die Crew können sich zwar an Land retten. Die Hauptfigur Lara wird jedoch wenig später von einer unbekannten Person überwältigt und in eine Höhle verschleppt, von wo aus wir nun die Handlung übernehme. Vor dem unbekannten Kultisten, der augenscheinlich nicht vor Menschenopfern zurückschreckt zu fliehen und die übrigen Mitgliedern der Besatzung zu suchen, schlagen wir uns so nach und nach als Lara Croft durch den Dschungel der Pazifikinsel, verfallene Ruinen und alte Weltkriegsbunker der kaiserlichen japanischen Armee. Wie in jedem Teil muss sich hier Lara auch mit Waffengewalt zur Wehr setzen, Rätsel lösen und versteckte Gegenstände finden. Oft geht es aber auch nur darum, zu übereben.

Die Graphik auf der Nintendo Switch und Nintendo Switch 2
Kommen wir gleich zunächst zum für viele zum spannendsten Teil, der Graphik. Tomb Raider: Definitive Edition ist dank derTressFX-Engine sehr schön anzusehen und vermittelt so etwas wie Realitätsnähe. Auch auf der Nintendo Switch der ersten Generation, die bald neun Jahre auf dem Buckel hat, läuft das Spiel tadellos, ohne Ruckler und Frame-Drops. Klar, sind im Vergleich zur Nintendo Switch 2-Variante, die die zum gleichen Preis erhältlich ist, die Rauch- und Partikeleffekte nicht so hübsch und auch Flammen und Schattenwurf büssen an Details ein. Aber insgesamt kommt gerade der Switch (1) Teil dem Original der Definitive Edition von 2014 optisch sehr nahe und löst mit 1080p im Docking-Modus auf. Unten haben wir für euch ein Seit-an-Seit-Vergleichsvideo verlinkt, dass wir leider so schön nicht hinbekommen hätten. Wie man unschwer erkennen kann, tun sich beide Varianten von Tomb Raider graphisch nichts und sind sehr schön anzusehen.
Sound
Der Sound in Tomb Raider: Definitive Edition ist wiederum bombastisch. Passende und packende Hintergrundmusik, Atmosphäre und Tiergeräusche sind ebenso toll gelöst wie die deutschsprachige oder auch französische Sprachausgabe des sonst englischen Casts für Lara und alle anderen Figuren. Die Soundeffekte sind gut gewählt, eindrucksvoll und stimmig. Nora Tschirner spricht Lara Croft sehr glaubwürdig und einfühlsam, ebenso wie Camilla Luddington den englischen Part brillant eingesprochen hat.
Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud
Steuerung
Die Steuerung in Tomb Raider ist intuitiv gelöst und wird im Verlauf des ersten Kapitels Stück für Stück erläutert. So verzichtet Tomb Raider: Definitive Edition auf ein eigenes Tutorial, was dem Spiel sehr gut zu stehen kommt. Interaktive Elemente werden mit kleinem Tooltip eingeblendet, sobald man nahe genug davor steht und auch im Nahkampf wird einem stets gezeigt, wie man sich jeweils befreien oder wehren kann.
Neue Fähigkeiten werden entsprechend eingeführt und gehen leicht von der Hand. Zwar kann die Steuerung nicht individuell angepasst werden, aber sie ist im Pausen-Menü stets abrufbar und graphisch dargestellt. Das Spiel lässt sich übrigens auch toll mit aufgeteilten JoyCons zocken. Gerade mit Lara Croft zum Bogenschiessen durch den Dschungel zu hetzen macht so nochmal etwas mehr Spass! Schön gelöst ist die Einbindung der Neige- und Kippsensorik: Wenn man nämlich Artefakte der Side-Quests aufstöbert, können diese im Menü untersucht werden, wozu wir die Switch (2) oder den Controller neigen und kippen.
Gameplay
Das Spielgeschehen in Tomb Raider: Definitive Edition ist vollständig auf der geheimnisvollen Insel Yamatai angesiedelt und entfaltet sich vor allem innerhalb einer umfangreichen Einzelspieler-Kampagne, die in aufeinander aufbauenden Missionen erzählt wird. Während des Fortschreitens erkunden wir Schritt für Schritt die gesamte Insel und geraten dabei immer wieder in Konflikt mit der feindseligen Charakteren, wilden Tieren und antiken Fallen die alle versuchen, Lara mit Gewalt zu stoppen.
Im Zentrum des Spielerlebnisses stehen das Kämpfen und das Lösen von Rätseln, die eng miteinander verwoben sind. Auseinandersetzungen entstehen sowohl durch feindliche Personen als auch durch wilde Tiere, denen die Spielfigur im Verlauf der Handlung begegnet. Zu Beginn steht lediglich ein einfacher Bogen zur Verfügung, doch im Laufe der Reise erweitert sich das Waffenarsenal um verschiedene Schusswaffen wie Gewehre oder Pistolen. Ergänzt wird die Ausrüstung durch eine Kletteraxt, die nicht nur als Werkzeug zur Fortbewegung dient, sondern auch im Nahkampf eingesetzt werden kann.
Video: Aspyr Media
Ein wesentlicher Teil des Spiels besteht darin, sich durch die gefährliche und oft unzugängliche Umgebung Yamatais zu bewegen. Immer wieder wird der Weg durch zerfallene Gebäude, steile Felswände oder andere natürliche Hindernisse versperrt, die nur durch eine Kombination aus Springen, Klettern und geschicktem Einsatz der Ausrüstung überwunden werden können. Unterstützt wird Lara dabei durch den sogenannten Überlebensinstinkt, eine Funktion, die wichtige Objekte und Gegner kurzzeitig hervorhebt und so bei Orientierung und Rätsellösung hilft. Damit wirddie Umgebung in Graustufen dargestellt und wichtige Elemente, etwa interaktive, gelb hervorgehoben.
Sowohl der Bogen als auch die Kletteraxt spielen bei der Fortbewegung eine zentrale Rolle, da mit ihnen Wände erklommen oder Seile gespannt werden können, um Schluchten und Abgründe zu überwinden.
Über die Insel verteilt finden sich zahlreiche optionale Gräber, die zur Erkundung da sind, oft nicht sehr einladend. Zudem gibt es Kisten mit Beutegut und Waffenbauteilen. Diese Ressourcen ermöglichen es, vorhandene Waffen zu verbessern oder neue, leistungsstärkere Modelle herzustellen. Solche Anpassungen nimmt die Lara Croft in Lagern vor, die im Laufe der Kampagne entdeckt werden und als sichere Rückzugsorte dienen. Neben der Möglichkeit zur Waffenmodifikation erlauben diese Lager auch das schnelle Reisen zwischen bereits besuchten Orten auf der Insel.
Zusätzlich greift das Spiel Elemente klassischer Rollenspiele auf, indem es die Weiterentwicklung der Spielfigur ermöglicht. Durch das Besiegen von Gegnern, das Vorantreiben der Handlung und das Meistern besonders schwieriger Situationen sammelt Lara im Verlauf des Spiels Erfahrungspunkte. Diese können eingesetzt werden, um neue Fähigkeiten freizuschalten, die Lara widerstandsfähiger machen, ihre Kampffähigkeiten verbessern oder ihr andere spielerische Vorteile verschaffen und so ihren Wandel zur erfahrenen Überlebenskünstlerin im Story-Verlauf unterstreichen. Und die Story hat es in sich! Sie wurde auch von keiner Geringeren als Rhianna Pratchett geschrieben, der Tochter von Terry Pratchett.
Multiplayer Tomb Raider!
Neben der Single-Player-Kampagne verfügt Tomb Raider: Definitive Edition auch über einen Mehrspielerïnnenmodus, der das Geschehen um kompetitive und kooperative Elemente erweitert. Auch dieser ist bei der Portierung erhalten geblieben und kommt so auf die Nintendo Switch und Nintendo Switch 2. Dabei tritt man in unterschiedlichen Szenarien gegeneinander an, die jeweils eigene Ziele und Dynamiken verfolgen. In einem der Modi werden zwei verfeindete Gruppen einander gegenübergestellt, die um die Kontrolle über bestimmte Gebiete kämpfen und versuchen, das gegnerische Team vollständig zu besiegen. Ein weiterer Spieltyp legt den Fokus auf taktisches Vorgehen, indem die Überlebenden des Forschungsschiffs medizinische Ausrüstung zu einem festgelegten Punkt transportieren müssen, während andere Player alles daransetzen, diesen Rettungseinsatz zu vereiteln. In einem dritten Szenario wiederum versuchen die Überlebenden, einen Funksender über einen bestimmten Zeitraum zu erobern und zu halten, um ein Notsignal abzusetzen, wohingegen die anderen Spielerinnen und Spieler den Zugang zum Funkturm mit Gewalt verhindern wollen. Innerhalb dieser Multiplayer-Partien kann man aus verschiedenen Spielfiguren wählen und bekommt Zugriff auf zusätzliche Spielmechaniken, zu denen unter anderem das Platzieren von Fallen gehört, wodurch die taktische Tiefe der Gefechte deutlich erhöht wird. Mit der Tomb Raider-Reihe, die durch die Rätsel und Puzzle, die Landschaft und Atmosphäre jeweils besticht, hat das nicht mehr sehr viel zu tun, macht aber dennoch Spass.
Preis und Fazit
Die Tomb Raider: Definitive Edition kostet für die Nintendo Switch und die Nintendo Switch 2 jeweils 18,19 Euro bzw. 18.20 SFr. und ist derzeit aber mit 20 Prozent Rabatt für 14,55 Euro bzw. 14.56 SFr. bis zum 8. Januar 2026 zu haben.
Insgesamt ist es Aspyr mit Tomb Raider: Definitive Edition gelungen, ein tolles Stück Spielgeschichte, neu zu beleben. Das von damals schon von Kritiken gefeierte Action-Adventure um die junge Lara Croft am Beginn ihrer Karriere als abgebrühte Abenteurerin ist damit erstmals für beide Generationen der Nintendo Switch erhältlich und lohnt sich für alle, die das Spiel damals auf der PS3 oder Xbox 360 schon liebten ebenso, wie für jene die den zehnten Teil der Tomb Raider-Reihe verpasst hatten. Dass es sich um die Definitive Edition für PS4 bzw. Xbox One handelt, sieht man deutlich an der Graphik und den enthaltenen Erweiterungen. Mit gut 22 Stunden Gesamtspielzeit und Altersfreigaben ab 18 für USK wie PEGI ist es definitiv nichts mehr für junge Spielende, aber ein Meilenstein in der Tomb Raider-Reihe und toll umgesetzt.
Zusätzlich zum Hauptspiel umfasst Tomb Raider: Definitive Edition sämtliche ursprünglich veröffentlichten herunterladbaren Inhalte, darunter mehrere alternative Outfits für Lara Croft sowie zusätzliche Mehrspielercharaktere und -karten, die das Online-Erlebnis erweitern. Darüber hinaus sind digitale Fassungen des Comics Tomb Raider: The Beginning aus dem Verlag Dark Horse Comics enthalten, ebenso wie das von BradyGames veröffentlichte Mini-Artbook Tomb Raider: The Art of Survival, das Einblicke in das visuelle Design des Spiels gewährt. Ergänzt wird das Gesamtpaket durch die Entwickler-Videoreihe Final Hours of Tomb Raider, die einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen der Entstehung des Spiels bietet. Das Comic ist von Anfang an Verfügbar, während Videos und Artbook nach und nach freigeschaltet werden, um nicht zu viel vorweg schon zu verraten.
Vergleichsvideo
Video: Malang Playz


Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.