Sa. 01. April 2017 um 12:33

Review: Nomu S20 Outdoor-Smartphone im Test

von Marcel Laser1 Kommentare

China und günstig sind in Kombination oft keine Fremdwörter, auch wenn Huawei mit vielen seiner eigenen Geräte uns mittlerweile eher das Gegenteil beweist und einen Premium-Ansatz verfolgt. Es gibt aber auch noch andere Hersteller aus Fernost, die euch für deutlich weniger Geld immer noch viel bieten wollen. Einer davon ist Nomu und wir haben uns das Nomu S20 Outdoor-Smartphone für den schmalen Geldbeutel einmal genauer angeschaut.

Robustes Design mit vielen Schrauben und ordentlichem Griff

Backsteinalarm! Anders lässt sich das Nomu S20 nicht beschreiben, aber das ist auch alles andere als schlimm. Der Griff und Robustheit, die das günstige China Smartphone ausstrahlen, sind für ein Produkt dieser Preisklasse schon enorm. Im Bereich der Masse und Gewichte reiht es sich zwischen die anderen Outdoor-Giganten ein. Mit rund 170 Gramm wiegt es sogar knapp 15 Gramm weniger als das Galaxy S7 active, ist aber mit 10.3 mm in der Tiefe ist man sogar mit fast 0.5 mm mehr auf den Rippen unterwegs. Wie Robust das Gerät sein will und euch auch zeigt, ist auch den sichtbaren Metallschrauben an den Seiten geschuldet. Sie demonstrieren tatsächlich “Stärke” und wollen zeigen, wie gut das Gerät verschraubt wurde.

 

Wie es sich für ein Outdoor-Smartphone gehört, ist auch das Nomu S20 bis zu einem gewissen Grad schock- und stossresistent. Auch an eine IP68-Schutzart gegen Wasser und Staub hat man gedacht, was das Gerät sogar mehr vor Wasser schützt als das iPhone 7 mit IP67 oder gar alle Huawei-Modelle. Alle Anschlüsse und auch der SIM-Kartenslot sind zudem von richtig dicken Gummikappen geschützt, welche allerdings erst geöffnet werden müssen. Die Schutzkappen selbst hängen dabei an kleinen Gummibändern, damit diese beim Herausfummeln nicht herunterfallen können.

 

Unser Modell ist in schlichtem Schwarz gehalten und besitzt auf der Rückseite eine perforierte bzw. gummierte Oberfläche, die die Grifffestigkeit des Nomu S20 deutlich erhöht. Allerdings stinkt das Smartphone enorm nach Chemikalien, ein Geruch der uns bereits beim Öffnen der Verpackung entgegenströmte. Nach kurzer Benutzungszeit waren auch unsere Hände davon betroffen. Eventuell hilft es ja das Gerät in einem Sandwich aus Duftbäumen für ein paar Tage zu lagern. Versprechen wollen wir das an dieser Stelle aber nicht. Allgemein sagt man Gummierungen, die einen solchen Geruch ausströmen, krebserregende Weichmacher nach.

 

Insgesamt sind die Haptik und wie sich das Smartphone so als Outdoor-Gerät präsentiert tatsächlich wirklich gut. Allerdings haben wir auch einen kleinen Mangel zu diskutieren: In der Nähe der Frontkamera ist anscheinend eine kleine Luftkammer mit einer blasenförmigen Wölbung zu sehen. Das hat zwar keinen Einfluss auf die Kamera oder die IP68-Zertifizierung selbst, sieht aber nicht ganz so toll aus und ist ein deutlich sichtbarer Schönheitsfehler. Leider können wir nicht feststellen, ob das ein Serienfehler ist oder nicht. Ob es einen dann letztendlich bei diesem sehr günstigen Preis stört, ist wohl individuell unterschiedlich. Wir finden es ist, da es keine Funktionen beeinträchtigt, eher verschmerzbar.


Schwache Hardware mit kaum Reserven, aber starkem Akku

Um den günstigen Preis von unter 150 Euro bzw. SFr. anpeilen zu können, ist auch entsprechende Hardware verbaut. So schauen wir auf einen MediaTek MT6737T Quad-Core-Prozessor mit immerhin üppigen 3 GB RAM. Der interne Speicher ist mit 32 GB ebenfalls nicht allzu klein ausgefallen. Bilder werden vom 8 MP Sony IMX219-Sensor aufgenommen, während wir in der Front auf eine 2 MP Kamera zurückgreifen können. Beim Display finden wir eine IPS-Screen mit 5.0 Zoll-Diagonale, welcher zudem in 720p, also mit 1280 x 720 Pixel, auflöst. All das wird zudem von einem mit 3’000 mAh starken Akkumulator befeuert, welcher für die Hardware wohl recht ordentlich dimensioniert wurde. Als Anschluss kommt übrigens eine microUSB-Buchse zum Einsatz und auch der “gute alte” (darf man das schon so sagen?) Klinkenanschluss ist vorhanden.

 

Das Hardwarepaket insgesamt lässt also wenig an Reserven zu, was vor allem die Leistung des Systems betrifft. Das spiegelt sich auch in unseren Leistungstests wieder. Spielen ist kaum auf dem Smartphone möglich und wenn doch, dann nur eingeschränkt. Grafisch aufwändige Games kommen beim Nomu S20 also nicht in Tritt, Real Racing 3 befindet sich nahe der absoluten Unspielbarkeit. Wer zudem viele Apps im Hintergrund laufen lässt, wird die MediaTek MT6737T ebenfalls schnell in die Knie zwingen und das Smartphone gönnt sich die ein oder andere denkwürdige Sekunde, dann auch bei Google Maps.

 

Aber seien wir einmal ehrlich: Wer sich ein Outdoor Smartphone für umgerechnet circa knapp 130 Euro bzw. 110 Schweizer Franken zulegt, erwartet auch keine Gamingmaschine mit ordentlich Leistung für höchste Ansprüche. Das vorinstallierte und nahezu unangetastete Android 6.0.1 ist hier eines der Highlights und das Gerät reagiert auf der Oberfläche wirklich sehr schnell. Auch alltäglichere Anwendungen wie Facebook, Instagram oder ein bisschen im Surfen bekommt das Nomu S20 ohne grössere Probleme hin. Google Maps hingegen fordert dann schon etwas mehr und es könnte je nach Situation zu ganz kleinen Rucklern kommen.

Kein schlechtes Display, aber auch nicht besonders gut

Das Nomu S20 ist in erster Linie ein Outdoor-Smartphone und das Erste, was wir in so einem Test dann tun? Richtig, wir stellen uns erst einmal mit dem Gerät in die Sonne. Zwar ist das 5 Zoll Display noch einigermassen ablesbar, aber es strauchelt ein wenig, darf allerdings erlaubt sein! Die Auflösung ist mit 1280 x 720 Pixel auf 5 Zoll ausreichend scharf auch wenn man die 300 PPI nur denkbar knapp verfehlt, doch es reicht für ein angenehmes Bild.

 

Bei der Bickwinkelnstabilität hätten wir uns allerdings ein wenig mehr gewünscht. Zwar bleiben die Farben grösstenteils auf ihrem normalen Level, doch erkennt man vor allem im Bereich Schwarz eine deutliche Graunote, sobald man das Gerät ein wenig zur Seite kippt. Generell zieht sich dann ein grösserer Grauschleier durch das Bild. Das es durchaus auch sehr starke 720p-Displays gibt, zeigte damals vor allem die Moto G-Reihe, die mit einem grandiosen Display in diesem Bereich punkten konnten. Allerdings kostete besagtes Modell vor einigen Jahren auch fast das Doppelte.

 

Generell gibt es aber nicht all zu viel auszusetzen. Das Display funktioniert unter normalen Lichtbedingungen hervorragend und die Farben kommen recht natürlich herüber, auch wenn es in der prallen Sonne für ein Outdoor-Smartphone schon eine wenig anstrengend werden kann.

Nomu S20 Display
Das Display ist für diese Preisklasse in Ordnung, aber nicht überragend.

Überraschend gute Kamera mit kleinen Auslöse-Hängern

Wirklich gut gefallen – natürlich immer mit dem veranschlagten Preis vor Augen – hat uns die Kamera, die bei guten Lichtverhältnissen für ansehnliche Aufnahmen sorgt. Zwar handelt es sich um einen 8 MP Sensor dem es gegenüber höher aufgelösten Exemplaren etwas an Schärfe fehlt, doch kommen Details klar und sichtbar ans Licht. Farben werden grösstenteils korrekt dargestellt und auch der Weissabgleich arbeitet in einem ordentlichen Rahmen.

 

Zu den Rändern hin merkt aber auch deutlich, dass die Bilder an Schärfe verlieren. Man sollte in vielen Aspekten schon das entsprechende Motiv versuchen zu fokussieren. Bewegt sich das Motiv, wird eine Aufnahme eher schwierig. Auch beim Auslösen der Kamera kann es ab und an passieren, dass man bis zu einer Sekunde warten muss, bis das Bild im Kasten ist.

 

Die grosse Schwachstelle eines nahezu jeden Smartphones sind allerdings Situationen, in denen es deutlich an Umgebungslicht fehlt. Natürlich stellt auch das Nomu S20 hier keine Ausnahme dar. Auch hier lässt die Qualität der Bilder stark nach und ein hohes Rauschen stellt sich ein. Überrascht hat uns das aber an dieser Stelle wirklich nicht. Aber man sollte hier sowieso nicht all zu viel hineininterpretieren. Die Kamera ist für den Preis überraschend gut und die Aufnahmen sind tatsächlich zu gebrauchen, wenn eben auch das entsprechende Licht vorhanden ist.

Akkulaufzeit dank schwächerer Hardware auf sehr hohem Niveau

Was uns ebenfalls gut gefiel, war die wirklich hohe Akkulaufzeit. Die 3’000 mAh des verbauten Akkumulators schmeicheln der Hardware ungemein. So kamen wir nicht nur bei normaler Nutzung von WhatsApp, Facebook und ein wenig Internet-Surferei auf über einen Tag, sondern konnten wir fast sogar noch einen ganzen weiteren dran hängen. Das ist wirklich angenehm und so kann die Powerbank ruhig Zuhause bleiben, obwohl der Akku fest im Gerät verbaut wurde.

 

Auch bei stärkerer Nutzung sollte also ein Tag absolut drin sein, wobei Spiele, wie weiter oben bereits beschrieben, in grösserem Umfang sowieso nicht gespielt werden können. Damit fällt zumindest ein grosser Akkufresser schon einmal aus.

Ist das Outdoor-Device auch wirklich Outdoor-tauglich?

Die Frage ist auf der einen Seite leicht, aber auf der anderen Seite auch wieder nicht ganz so leicht zu beantworten. In erster Linie muss man dem Nomu S20 eingestehen, dass es sich hier nicht um ein Galaxy S7 active handelt. Auch in Sachen Robustheit ist man weit von diesem Topmodell entfernt und die schiere “Unzerstörbarkeit” der Caterpillar Phones erreicht man auch nicht. Zudem befähigt eine IP68-Schutzklasse keine Outdoor-Tauglichkeit, da viele andere Smartphones diesen Standard zwar auch haben, aber fallen sie einem aus der Hand, kann es das auch ganz schnell gewesen sein.

 

Das Nomu S20 sucht sich hier einen interessanten Mittelweg. Durch die sehr robuste Bauweise und das bündig im Rahmen abschliessende Displayglas ist das Nomu S20 deutlich widerstandsfähiger als nahezu alle anderen handelsüblichen Smartphones, dass kann man durchaus sagen. Ein oder zwei Stürze sind hier in unserem Test auf einer gepflasterten Strasse ebenfalls kein grösseres Problem. Aber auch hier gilt: Fällt das Nomu S20 unglücklich direkt auf das Display, wird auch das verwendete Gorilla Glass 4 ordentlich Schaden nehmen. Andere Hersteller verwenden für ihre Outdoor-Smartphones mittlerweile sogar ganz andere Mischungen, um mehr Stabilität zu gewährleisten.

 

Dennoch überlebte das Nomu S20 eigentlich alle Stürze aus Armhöhe sehr gut. Sogar der Wurf in den Pool war für das Smartphone kein Problem, auch wenn wir generell kein Fan von Gummischutzkappen sind. Eine gewisse Art der Abnutzung werden sie irgendwann aufweisen, was bei Dauernutzung irgendwann einmal vielleicht zu Problemen führen könnte.

Nomu S20 Design
Robust sieht es aus und ist es auch. Jedenfalls robuster als so manch andere Smartphones.

Fazit: Für wenig Geld viel Outdoor? Nur mit Einschränkungen

Was haben wir also nun unter dem Strich hier liegen? Jedenfalls deutlich mehr Outdoor, als man für das Geld wohl erwarten kann. Das Nomu S20 kostet mittlerweile keine 130 Euro bzw. 120 Schweizer Franken mehr und für dieses Geld wird man kein anderes Devices mit derartigen Features finden. Vor allem ein mit IP68-Standard ausgestattetes Smartphone gibt es so in diesem Preisbereich einfach nicht. Dazu gesellt sich eine ordentliche Kamera und eine durchaus robustere Bauweise als bei den normalen Herstellern. Deutlich mehr überzeugen konnte mit sogar fast zwei Tagen die Akkulaufzeit.

 

Ebenso als Vorteil sehen wir das unveränderte Android 6.0.1 Marshmallow an. Das macht schon viel her und man ist nicht auf lästige Herstellersoftware ab Werk angewiesen. Man bekommt hier also die reine Android-Erfahrung spendiert. Was wir weniger toll daran fanden, ist allerdings die Tatsache, dass das Nomu S20 kein Update mehr auf Android 7.0 bekommen wird.

 

Noch einmal: Die Hardware ist alles andere als stark und sie wird euch auch das Spielen nicht wirklich versüssen, aber genau das will das Nomu S20 gar nicht. Wer mit dem Galaxy S7 edge oder dem iPhone 7 Plus auf einer Baustelle herum rennt und diese dann aus Versehen fallen lässt, wird sich jedenfalls in den meisten Fällen wohl gewünscht haben, eher ein Nomu S20 in der Hand gehabt zu haben. Nicht nur weil es deutlich günstiger ist, sondern auch weil es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keinen grossen Schaden nehmen würde und bei den anderen beiden Geräten ein Displaybruch nahezu vorprogrammiert ist.

vg-wort
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Eine Antwort zu “Review: Nomu S20 Outdoor-Smartphone im Test”

  1. uzairrizwan sagt:

    Jungs Ich empfehle Ihnen AGM A8, weil es anständiges Budget robustes Smartphone auf dem Markt ist. AGM A8 viel besser als andere im Begriff des stärksten GPS, großer Entwurf, Kameraqualität, NFC, Batteriedauer und andere. AGM prüft und aktualisiert das Betriebssystem regelmäßig. Ich habe mein Gerät auf Android 7.1.1 aktualisiert und das letzte Lineage OS 14.1 installiert. Wenn Sie AGM A8 mit Nomu S20 vergleichen, finden Sie AGM A8 viel besser als Nomu S20 in der Kamera, OS, Akkukapazität und Qualität.

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