Mo. 26. Mai 2014 um 11:24

Review: Nokia X im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud0 Kommentare

Inhalt

1. Einleitung

2. Hardware

3. Design und Verarbeitung

4. Die Entdeckung der Langsamkeit: Software und Apps

5. Kamera: Vorhanden

6. Sound- und Verbindungsqualität

7. Fazit

1. Einleitung

Das Projekt „Nokia X“ warf lange seine Schatten voraus und glänzte über Monate hinweg durch Gerüchte. Auf dem MWC 2014 in Barcelona wurde es schliesslich der Weltöffentlichkeit präsentiert und schon reagierten die meisten Magazine mit verhaltener Ablehnung: Allenfalls ein Einsteigergerät, nur für die sogenannten emerging markets gedacht, kein High-End, also uninteressant. Gerade diese Aussagen machen es aber nun doch interessant, denn neben der Tatsache, dass Nokia sich erstmals an einem Android-Gerät versucht, ist es doch auch berichtenswert, was dieses Gerät so kann. Zu lang haben wir darauf gewartet, um es nun ignorieren zu können. Und wer weiss, vielleicht steckt unter der Low-End Schale doch ein starker Kern? Wir möchten uns an dieser Stelle bei Notebooksbilliger.de sehr herzlich für die Bereitstellung des Testgeräts bedanken. Direkt beim Hersteller ist es nämlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz ja nicht zu haben.

2. Hardware

BetriebssytemAndroid 4.1.2
Grösse 115.5x63x10.4 mm
Gewicht 129 Gramm
Akku Li-Ion 1500 mAh
Display 4 Zoll IPS Display, 800×480 Pixel (235 ppi)
SoC Qualcomm Snapdragon S4 Play Dual Core
Prozessor MSM8225 1GHz
Grafik Adreno 203
RAM 512 MB
Speicher Intern: 4 GB, per Micro-SD erweiterbar
Verbindungen WLAN (b, g, n), Bluetooth 3.0, HSPA
Kamera 3 MP
AnschlüsseMicro-USB, 3.5 mm Klinkenanschluss
SonstigesDual-SIM

Das Nokia X ist gemessen an den technischen Daten ein sehr typisches Low-End Gerät. Der Snapdragon S4 Play Dual Core ist ein älteres Semester und verglichen mit den aktuellen Hochleistungsprozessoren eher als schwachbrüstig einzustufen. Das merkt man auch an der Performanz des Geräts: es ruckelt und hakt recht oft.

Der interne Speiche von 4 GB ist sehr gering. Natürlich kann er per Micro-SD Karte erweitert werden, was das Problem etwas geringer ins Gewicht fallen lässt. NFC ist nicht an Bord, mit Bluetooth 3.0 muss man leider auf die aktuelle 4.0 Version verzichten.

Das IPS Display löst mit 800×480 Pixel auf, was einer ppi von 235 entspricht. Es ist gut ablesbar und bietet eine angemessene Blickwinkelstabilität. Farben werden klar dargestellt und wirken natürlich.

Der 1500 mAh starke Akku ist auswechselbar und hält erstaunlich lang durch. Bei normaler alltäglicher Nutzung kam das Gerät im Test auf knapp 1.5 Tage Nutzung mit einer vollen Ladung. Allerdings waren da schon einige Apps deinstalliert, aber dazu später mehr.

Das Nokia X ist ein Dual SIM Gerät, was besonders in den aufstrebenden Märkten ein sehr beliebtes Feature ist und auch unter Geschäftsleuten eine tolle Sache ist, um Beruf und Privates besser und effektiver trennen zu können, aber in einem Gerät vereint zu haben.

 

3. Design und Verarbeitung

Schlicht. Das trifft das Nokia X in Bezug auf das Design am ehesten. Die getestete schwarze Version besticht durch ein robust anmutendes, einfaches Design. Das Display ist in einen Block aus schwarzem Kunststoff eingelassen. Unterhalb des Touchscreens befindet sich der Zurück-Button, der einzige Bedienbutton des Smartphones. Oberhalb des Screens ist der Schriftzug „Nokia“ zu lesen, der sich auch auf dem Rücken des Geräts wiederfindet. Zudem befindet sich auf der Rückseite auch die 3 MP Kamera. Ein LED-Blitz oder eine Frontkamera sind nicht vorhanden. An der Oberseite befindet sich der 3.5 mm Klinkenanschluss, unten der Micro-USB Anschluss. Auf der rechten Seite des Geräts befinden sich die Lautstärkewippe sowie der An/Aus-Knopf.

Das Nokia X ist mit seinen 10.4 mm Dicke ein ziemlicher Brocken und liegt auch etwas backsteinartig in der Hand. Zwar hat es eine sehr angenehme Grösse und passt gut in jede Tasche und Hand, durch die kantige Form mit nur sehr leicht abgerundeten Ecken wirkt es doch sehr klobig. Die Rückseite ist leicht gewölbt gearbeitet und passt sich so dem Handteller etwas besser an.

Lautstärkewippe und An/Aus-Knopf funktionieren einwandfrei und haben einen guten Druckpunkt. Allerdings wackeln sie leicht. Insgesamt ist das Gerät wie bei Nokia üblich sehr gut verarbeitet, Spaltmasse oder Grate sucht man vergebens. Insgesamt wirkt das Gerät äusserst robust.

In Summe wird das Nokia X wohl keinen Designpreis gewinnen. Der Mut zur kleinen Grösse sollte dennoch lobend erwähnt werden! Es gibt mittlerweile einfach viel zu wenige Geräte unter 4.5 Zoll auf dem Markt, im High-End Bereich kein einziges.

4. Die Entdeckung der Langsamkeit: Software und Apps

Lasst es uns mal positiv ausdrücken: Das Nokia X lehrt einen in Geduld. Sich wieder auf’s Wesentliche besinnen, das Smartphone nicht so wichtig nehmen. Ausbrechen aus der sich selbst überholenden Wirklichkeit des Internets! Negativ ausgedrückt: Das Nokia X ist lahm. Das Öffnen von Apps dauert überdurchschnittlich lang und auch das Schliessen lief nicht immer glatt. Zweimal hängte sich das Gerät in der Testphase komplett auf und konnte nur per Soft-Reset zurück ins Leben geholt werden.

Abhilfe schaffen kann man, indem man die Vielzahl an vorinstallierten Apps und Spielchen deinstalliert, was jedoch auch nicht immer funktioniert – so liess sich im Test die Spiele-Apps teilweise nur unvollständig deinstallieren. Gepaart mit dem minimalen Speicher des Geräts wird es so sehr schnell sehr ruckelig. Anders als von Windows Phone gewohnt, schlägt sich jede installierte App auf die Geschwindigkeit des Geräts aus.

Sehr schön ist es, dass Nokia auch seinem Android-Gerät Nokia-eigene Apps spendiert, so ist der hervorragende Kartendienst Here Maps und auch das Nokia Mix Radio vorinstalliert. Zwar verbraucht das Herunterladen der Karten zur Offline-Nutzung auch wieder jede Menge Speicherplatz, jedoch können die Karten natürlich auf die Micro-SD Karte ausgelagert werden.

Obwohl das Gerät mit Android 4.1.2 läuft, hat man keinen Zugang zum Google Play Store und den beliebten Google Apps. Der Nokia Store ist gut sortiert, man findet sehr viele brauchbare Apps. Kann man dort eine bestimmte nicht finden, so schlägt er automatisch Drittanbieter Stores vor, derzeit befinden sich in der Liste Yandex, SlideME, 1Market und Aptoid. In den allermeisten Fällen wird man hier fündig.

 

Das User Interface ist hübsch gelöst. In Kacheloptik bleibt Nokia hier seiner Windows Phone-Linie treu und bietet ein sehr übersichtliches, buntes Bild. Die verschiedenfarbigen „Streifen“ sind logisch aufgebaut und auch Widgets lassen sich einfach erstellen. Die Bedienung ist intuitiv und auch für Neulinge im Smartphone-Bereich problemlos zu bewerkstelligen. Erfahrene Android-Userinnen und -User müssen allerdings ein wenig umdenken, es gibt einige spezielle Gesten, mit denen man zum Beispiel die Einstellungen aufrufen kann oder die Suche ähnlich wie bei iOS 7 starten kann. Die Kacheln lassen sich wie bei Windows Phone auch in verschiedene Grössen ausrichten, leider gibt es aber keine Live-Kacheln.

Auf Benchmarks können wir an dieser Stelle getrost verzichten – mehr als einen Blumentopf gewinnt das Nokia X in diesem Bereich nicht, dazu braucht es kein AnTuTu oder Ähnliches. Spiele laufen genauso wie die anderen Apps selten ruckelfrei und Wartezeit sollte immer mit eingeplant werden.

5. Sound- und Verbindungsqualität

Die Soundqualität des Nokia X geht in Ordnung. Etwas blechern klingt es, wenn man die Lautstärke beim Musikhören hochdreht, aber ein Einsteigergerät ist ja auch keine Bowers&Wilkens-Musikanlage. Gesprächspartner sind klar und deutlich zu verstehen, Hintergrundgeräusche werden ausreichend herausgefiltert. Auch per Lautsprecher kann man ganz gut telefonieren, man wird gehört und versteht das Gegenüber ausreichend gut.

Die Verbindungsqualität war im Test einwandfrei. Mobiles Internet und auch Empfang waren vergleichbar zu den Referenzgeräten (iPhone 5c und Nokia Lumia1020), auch der WLAN Empfang war gut. Schade ist nur, dass der aktuelle Bluetooth Standard 4.0 nicht vorhanden ist und das Gerät nicht über NFC verfügt. Da dieses Feature aber noch nicht weit verbreitet ist, betrifft dies wohl nur NFC-Fans wie mich.

6. Kamera: Vorhanden

Damit ist eigentlich schon alles gesagt. 3 Megapixel sind nicht die Welt und auch für Schnappschüsse taugt die Kamera nur bedingt. Das Rauschen dominiert die Bilder, sie sind sehr verpixelt. Ein Blitz ist auch nicht vorhanden, was Aufnahmen bei Dunkelheit unmöglich macht – man sieht absolut nichts auf Nachtaufnahmen. Die Kamera-App bietet Nokia-gemässe Einstellungsmöglichkeiten, die aber an der Qualität der Bilder nicht viel ändern.

 

7. Fazit

Das Nokia X war ein lang erwartetes Experiment Nokias – und wie es mit heiss ersehnten Dingen so ist, erhofft man sich im Vorfeld oft zu viel davon. Das Gerät ist günstig, keine Frage. 109 Euro kostet es derzeit auf Notebooksbilliger.de, 89 Euro in Spanien, und liegt somit absolut im Low-Cost Bereich. Es ist auch nicht vorrangig für den europäischen Markt konzipiert, sondern richtet sich an die aufstrebenden Märkte in Asien und Afrika. Es erfüllt seinen Zweck: Man kann telefonieren, per SMS oder Messenger kommunizieren und der Informationsgehalt der Welt steht einem über das Internet offen.

Ein sehr grosses Fragezeichen stellt sich allerdings: Warum sollte man das Nokia X kaufen, wenn man für 40 Euro mehr ein Nokia Lumia 630 bekommt, das das Nokia X um Längen schlägt? Der Preis des Lumia 630 wird in den nächsten Monaten vermutlich nochmals fallen, so dass es dann auch für viele Leute erschwinglich sein wird. Android als offenes Betriebssystem ist schön und gut, die Hardware des Geräts entspricht aber eher Windows Phone Standards, will heissen, dass mit dem Microsoft Betriebssystem vielleicht mehr herausgeholt hätte werden können, wenngleich die Mindestanforderungen nicht erfüllt werden. Den Google Play Store und die Google Services kann man, dank Sicherheitslücken in Android 4.1.2. JellyBean ja noch leicht nachrüsten.

Gespannt warten wir nun ab, ob ein Nokia X2 kommen wird – in den letzten Tagen gab es hierzu einige Gerüchte.

 

ProContra
GünstigKamera sehr schlecht
Gute VerarbeitungSehr ruckelig
Schönes User InterfaceKein offizieller Zugang zu Google Apps und dem Google Play Store
Dual SIM 

 

vg-wort
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