Do. 04. Januar 2018 um 17:29

Review: Nokia 6 (2017) im Kurztest – Dank 2018 wird 2017 wieder interessant

von Marcel Laser0 Kommentare

Es geht nicht immer nur um das grosse Geld, zumindest nicht wenn es um die Anschaffung von Smartphones geht. Das Nokia 6 ist eher der Schnapper für den “ich brauch kein Highend”-Geldbeutel. Wir haben uns das Mittelklasse Smartphone in einem Kurztest etwas genauer angeschaut. Wenn wir uns nun aber noch vor Augen führen, dass der Nachfolger in den Startlöchern steht, kann das Nokia 6 (2017) an dieser Stelle ein höchst interessantes Gerät werden.

Design für diese Preisklasse auf enorm hohen Niveau

Damals wie heute: Design ist alles und das weiss keiner besser als Nokia. Auch wenn diese nun von HMD Global geführt und von Foxconn gebaut werden, so darf sich auch das Nokia 6 über ein wirklich attraktives Kurvenpaket freuen. Dieses besteht aus Glas vorne und Aluminium um die Ränder bzw. auch hinten. Wer das Nokia 6 erstmals in die Hand nimmt, wird sich über das Backsteinfeeling in den ersten Sekunden wundern, sollte aber kurz darauf von der Wertigkeit überzeugt sein. Das Nokia 6 fühlt sich trotz des niedrig angesetzten Preises enorm hochwertig an. Das Design ist überragend und weiss trotz der Bulligkeit mehr als nur zu überzeugen.

 

Das Nokia 6 ist zudem alles andere als klein, denn die Abmessungen von rund 154 x 75.8 x 8 mm sorgen zusammen mit fast 170 Gramm für ein typisches (positives) Nokia-Klopper-Gefühl. Selbst das von uns getestete Nokia 8, welches ja eigentlich in der Klasse der Highend-Smartphones spielt, kommt nicht an das Wertigkeitsgefühl des Nokia 6 heran, was wir erstaunlich finden, da man ein derartiges Gefühl in dieser Preisklasse eher nicht erwarten würde.


Hardware untere Mittelklasse, aber dennoch nicht langsam

Erste Abstriche gibts dann aber bei der Hardware, denn im Nokia 6 werkelt ein eher doch recht betagter Sanpdragon 430 Prozessor, welcher der heutigen Mittelklasse derzeit eher nicht mehr das Wasser reichen kann, da helfen auch die 3 GB RAM nicht mehr, die für diese Klasse dann doch üppig genug dimensioniert sind. Den Flaschenhals bildet hier einfach die CPU, die vor allem für rechenintensive Aufgaben zu schwach ist und es sich auch anmerken lässt. Aufwändige Spiele und extremes Multitasking werden dem Nokia 6 schnell zu viel. Die 32 GB interner Speicher gehen in Ordnung, vor allem weil man auch per microSD nachrüsten kann. Für unter 250 Euro durchaus eine akzeptable Option.

 

Erstaunlich flott läuft das Nokia 6 allerdings auf der Android 7 Oberfläche. Das ist auch kein Wunder, denn HMD hat hier sein Versprechen eingehalten und liefert eine reine Android-Erfahrung aus. Es gibt keinerlei Anpassungen und alles ist auf Pure-Android getrimmt. Das spiegelt sich dann auch in der Performance wieder, es ruckelt nur selten und vor allem nur dann, wenn viel rechenintensive Arbeiten wie extremes Multitasking zum Einsatz kommen. Erledigt aber man eher alltägliche Aufgaben wie WhatsApp, Facebook, Mails checken oder ein wenig Surfen, meistert das Nokia 6 diese Dinge zwar nicht im Hochgeschwindigkeitsrausch, aber mehr als nur ordentlich.

Sehr helles FullHD-Display mit Schwächen bei der Blickwinkelstabilität

Ebenfalls gut gefallen hat uns das 5.5 Zoll grosse FullHD-Display. Das IPS-Panel wird von einer Gorilla Glass 3 Scheibe geschützt, die an den Rändern die typischen 2.5D-Rundungen aufweist, um noch ein wenig Ästhetik mit auf den Weg zu geben. Pluspunkte gibt es für die in dieser Preisklasse wirklich gute Helligkeit. Natürlich gibt es Smartphones die heller werden können, egal ob Mate 10 Pro, iPhone 8 Plus oder Galaxy S8. Aber das Nokia 6 brauch sich nicht verstecken. Auch der Kontrast ist wirklich gut und misst sich hier zwar weniger mit AMOLED-Geräten, muss sich aber auch einigen IPS-Kontrahenten geschlagen geben. Das iPhone 7 Plus beispielsweise und auch das iPhone 6s Plus bieten hier noch die deutlich besseren Panels, sind aber auch Highend-Geräte ihrer jeweiligen Generationen.

 

Die Farben wirken dennoch sehr klar, natürlich und bieten einen angenehmen Kontrast. Das darf man einem so günstigen Smartphones als positives Kriterium andichten und machen wir auch mit Vergnügen. Die Blickwinkelstabilität geht in Ordnung, könnte aber unserer Vorstellung nach besser sein. Wir empfehlen an dieser Stelle eine eher direkte Draufsicht, da bereits ab geringeren Neigungswinkeln sich ein Ausgrauen bemerkbar macht.

Nokia 6 2017 Design
Das Display des Nokia 6 ist ordentlich. Kein absolutes Highlight, aber durchaus als gut zu bezeichnen.

Kamera ist wirklich gut für diese Preiskategorie

Überrascht hat uns die wirklich gute 16 MP Kamera mit f/2.0 Blende im Rücken, die durchaus ordentliche Resultate zutage fördert. Das Gerät kann leider nicht, wie das Nokia 7 oder Nokia 8 auf eine Carl Zeiss Optik setzen, schafft aber dennoch bei ausreichend Licht wirklich gute Ergebnisse. Die Bilder haben eine gute Grundschärfe und einen natürlichen Kontrast. Auch keine Überzeichnung ist festzustellen oder ein extremes Überschärfen. Gefallen haben uns die Ergebnisse also schon.

 

Die üblichen Schwächen gibt es allerdings unter weniger tollen Lichtbedingungen. Die Nokia 6 Kamera hat hier als Mittelklasse-Knipser sogar einige grössere Probleme (Bild mit der Pflanze). So setzt rauschen schon etwas früher ein, als bei den grösseren Modellen, auch das Nokia 8 kann besser mit dunkleren Umgebungen umgehen. Ist aber auch kein grosser Beinbruch. Man sollte einfach auch für den Preis nicht das unmögliche erwarten, das macht es dann auch deutlich einfacher, sie zu bewerten.

Akkulaufzeit ist mehr als ausreichend, aber erwartet keine Wunder

Trotz der eher sehr schwachbrünstigen Hardware ist das Nokia 6 kein absoluter Dauerläufer. Das liegt vor allem auch daran, dass der Snapdragon 430 im sehr grossen 28nm-Design gefertigt wird und er somit nicht ganz so sparsam ist, wie der Name letztendlich vermuten lassen würde. Dennoch kommt man mit einer Akkuladung gut einen ganzen Tag aus. Zum Spielen von sehr aufwändigen Games reicht die Leistung eh nicht und so beansprucht man das Gerät sowieso nur in Massen. Das Display ist mit 5.5 Zoll aber auch nicht gerade klein und die FullHD-Auflösung ist ebenfalls nicht sehr stromsparend in diesem Fall.

 

So kann man sich also vorstellen, dass der dennoch recht gut dimensionierte 3’000 mAh starke Akku ordentlich zu tun hat. Es reicht aber um den Tag gut zu überstehen und auch noch Restladung für den nächsten zu haben. Den zweiten Tag übersteht man dann aber ohne weiteres meistens nicht mehr. Mit zwei SIM-Karten, auch wenn wir das noch nicht testen konnten, könnte es sogar noch deutlich weniger Laufzeit geben.

Fazit: Das Nokia 6 (2018) macht das Nokia 6 (2017) wesentlich interessanter

Das Nokia 6 ist ein durchaus interessantes Gerät und hat seine Stärken, die auch leicht über die Mittelklasse hinausreichen. Das spiegelt sich vor allem in der Kamera wieder, die wirklich gute Ergebnisse liefert oder auch beim Design. Schwieriger wird es aber beim Prozessor, ein Snapdragon 430 war schon zum Release des Nokia 6 kein Mittelklasse-SoC und man sollte nicht erwarten auch mal Real Racing 3 unbeschadet auf dem Nokia 6 spielen zu können, auch wenn die Performance auf der Oberfläche grundsolide ist und kaum Beanstandung findet. Die Akkulaufzeit liegt im leicht oberen Durchschnitt ohne grosse Ausreisser. Android 7.0 in seiner reinsten Form sind aber ebenfalls ein Pluspunkt und das verspricht zudem auch Updates, wie HMD bereits ankündigte.

 

Stellt man den Preis von knapp unter 250 Euro in den Raum, bekommt man also ein recht solides Paket, aber das Honor 8 ist im freien Handel stellenweise auch schon unter 300 Euro zu finden und ist mehr als doppelt so leistungsfähig und hat eine der besten Kameras aus dem vorletzten Jahr verbaut. Der Prozessor beim Nokia 6 ist eben einer der grösseren Knackpunkte, wie wir feststellen mussten. Allerdings ist das in Bezug auf das Nokia 6 (2018) ein mehr als nur interessanter Kritikpunkt.

 

Denn das neue Nokia 6 setzt auf einen Snapdragon 630, welcher extrem viel Leistungsfähiger ist. Der bereits recht günstige Preis von 250 Euro für das Nokia 6 (2017) wird nach der Veröffentlichung des deutlich besseren Nokia 6 (2018) weiter fallen, was es zu einer ernst zu nehmenden Alternative im Niedrigpreissegment macht. Bereits jetzt gehen die Preise schon stark auf die 200 Euro zu. Kein Smartphone dieser Preisklasse bietet eine derart hochwertige Verarbeitung, ein so tolles reines Android-Erlebnis und setzt auch noch eine sehr gelungene Kamera oben drauf. ebenfalls cool: Manch ein Modell bietet sogar Dual-SIM-Support!

 

Während man in 2017 noch darauf angewiesen war den Preis in Bezug auf die Leistung abzuwägen und man eher zähneknirschend auf den Snapdragon 430 Prozessor schielte, so wird genau dieser Umstand, dank des Nachfolgers, zu keinem all zu grossen Dealbreaker mehr. Solltet ihr also mit dem Gedanken spielen, euch ein Einstiegsgerät zuzulegen, wartet noch einmal einen kommenden Preissturz ab. Sollte dieser eintreten, bekommt man wohl eines der besseren Geräte dieser Kategorie für gerade einmal 200 Euro oder noch weniger!

vg-wort
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