Mi. 22. Oktober 2014 um 17:46

Review: LG G3 S im Test – Das Mini ohne Mini

von Marcel Laser0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

Design und Verarbeitung dem grossen Bruder nachempfunden

Die Hardware: Steht zwar kein Mini drauf, ist aber Mini drin!

Benchmarks und Performance im Alltag

Hochauflösendes IPS Display mit nur wenigen Schwächen

Software und Anpassungen – EMUI erinnert stark an Apples iOS

Die Kameras: 8 Megapixel Monster in der Front für Megaselfies und „Groufies“

Akkulaufzeit teilweise besser und gleichzeitig schlechter als der Vorgänger

Fazit

 

Design und Verarbeitung dem grossen Bruder nachempfunden

Wenn es in erster Linie um die Erscheinung geht, ist das G3 S von LG einfach nur ein geschrumpftes LG G3 Smartphone und weisst daher identische Charakteristika auf. Wir haben auch hier wieder eine Rückschale aus Kunststoff, welche sich allerdings gar nicht mal schlecht in der Hand anfühlt und schon auf der IFA 2014 in Berlin einen guten Eindruck hinterliess. Das G3 S mit seinem 5 Zoll grossen Display kommt für diese Geräteklasse – und wie von LG üblich – mit sehr kompakten Massen daher, da das G3 schon ein sehr gutes „Chassis-/Display-Verhältnis“ bot und beim kleinen Bruder scheint es nicht anders zu sein. Mit 137.7 x 69.6 x 10.3 mm ist das G3 S zwar kompakter als das Flaggschiff der Südkoreaner, allerdings auch erheblich dicker. Dafür liegt es aber, wie bereits erwähnt, nicht schlechter in der Hand, sondern wirkt sehr solide.

 

Das uns vorliegende Testgerät ist komplett in goldener Farbe gehalten, bis auf den unteren Bereich unter dem Display mit dem LG Logo, der in schwarz gehalten wird. Als zusätzliche Designoption stehen einem noch Schwarz und Weiss/Silber zur Verfügung. Wie für die LG derzeit typische Anordnung der Buttons für Lautstärke und Standby/AN-AUS sind diese auch beim G3 S auf den oberen Teil der Rückseite gewandert und liegen unterhalb der Kamera. Das erfordert zwar eine mehr oder weniger lange Gewöhnungsphase, doch entpuppt sich das Arrangement der Knöpfe als durchaus durchdacht und angenehm. Softtouch-Keys unter dem Display gibt es wie beim G2 oder G3 nicht, sie sind daher im Display des Homescreens separat präsent und zwacken so den unteren Bereich der HD-Auflösung ab.

Die Hardware: Steht zwar kein Mini drauf, ist aber Mini drin!

Eines einmal gleich vorneweg: Das G3 S von LG hat zwar den Namenszusatz „Mini“ nirgendwo in der Bezeichnung stehen, so wie viele Konkurrenzmodelle, doch ähnelt es dem Schema von Smartphones wie dem Galaxy S5 Mini oder dem HTC One Mini 2 schon sehr! Das heisst im Klartext? Bis auf den eigentlichen Namen hat das G3 S mit dem G3 nicht wirklich was am Hut, denn die Hardware fällt bedeutend schwächer aus. Das fängt dann schon beim Prozessor an und hört am Ende bei der Kamera auf.

 

Verbaut wird ein Snapdragon 400 Quad Core mit 1.2 GHz Takt und 1 GB Arbeitsspeicher. Der interne Speicher wird mit 8 GB angegeben und kann bei Bedarf aber mit MicroSD Karten um bis zu weitere 64 GB aufgerüstet werden. Für die Anzeige ist im SoC des G3 S eine Adreno 305 GPU verbaut, die eine Anzeige in 1280 x 720 Pixel Auflösung berechnen muss. Das Display ist ein gutes IPS Panel von LG und misst in der Diagonale grosse 5 Zoll. Vorbildlich: Das System unterstützt neben 3G auch LTE. Was weniger gefällt, ist der Umstand, dass WLAN maximal in den Standards b/g/n vorhanden ist und daher auch keine 5 GHz Bänder unterstützt werden. Dafür wiederum ist Bluetooth 4.0 an Bord, genau wie NFC.

 

Auch die Kamera wurde auf 8 MP heruntergedrückt, allerdings besitzt sie weiterhin die beeindruckende Auto-Laser-Fokus Technologie des G3, was vor allem zu einem schnelleren Fokussieren beiträgt. Des Weiteren sind 1080p Videos mit 30 FPS möglich, was allerdings den internen Speicher recht schnell belasten dürfte. Die Kamera in der Front löst mit 1.3 MP auf.

Schönes 720p Display für die Mittelklasse mit Schmierproblem

Vielleicht nicht übermässig beeindruckend, aber ein für den Alltag mehr als taugliches und durchaus schön zu betrachtendes, IPS Panel verbaut LG hier in seinem G3 S. Das 5 Zoll Display löst für die Verhältnisse der Grösse zwar nur in 720p auf, doch haben wir schon auf der IFA zum neuen Moto G2 von Motorola unseren Senf zum ppi-Wahn beigetragen: Das Display ist selbst mit 5 Zoll und 1280 x 720 Pixel scharf genug und macht einen entsprechend guten Eindruck. Die Farben sind klar, natürlich und übersättigen nicht. Auch in unseren Tests zu diversen Windows Phone Geräten mit HD Auflösung zeigt eines deutlich: Pixel sind nicht immer alles. Allerdings ist der Schwarzwert des G3 S nicht auf der Höhe von IPS Modellen im oberen Preisbereich, es wirkt zwischenzeitlich etwas zu stark gräulich. Gerade die erwähnten HD-Panels diverser Microsoft Geräte liefern hier deutlich bessere Ergebnisse.

 

Was im Test auffiel, ist die warme Gestaltung des Panels. Ein Gelbstich lässt sich hier nicht wegreden und ist vor allem bei grösstenteils weissen Darstellungen deutlicher zu erkennen. Persönlich gefallen mir warme Panels allerdings sehr gut, da sie sich in meinen Augen angenehmer betrachten lassen und der Gelbstich ist keinesfalls exorbitant.

 

Eher gewöhnungsbedürftig ist die Beschichtung, die LG hier für sein G3 S zu benutzen scheint. Ich bin mir an dieser Stelle auch nicht genau sicher, was es in erster Linie ist oder ob es überhaupt eine Beschichtung sein soll, doch fühlt sich das Display unter den eigenen Fingern nach einiger Nutzungszeit extrem „stumpf“ an. Irgendwie so, als ob die Finger nicht mehr ordentlich über das Glas wischen wollen. Eine kurze Reinigung des Glases hilft, das Problem sofort zu beheben, doch kommt es immer wieder vor. Angenehm ist das in den ersten Nutzungstagen leider nicht.

LGs eigene Software und durchschnittliche Performance im Alltag

In erster Linie haben wir es mit einem Device der Mittelklasse zu tun. Der Prozessor in Form eines Snapdragon 400 Prozessors mit 1.2 GHz Takt und 1 GB RAM verrichtet anstandslos seinen Dienst, kann aber auch schnell überfordert werden. Kurzum: Das G3 S ist nicht für Hochleistungssprünge gedacht, anders als der grosse Bruder mit Snapdragon 801 CPU. Das äusserte sich im Test an einem Beispiel von Navigon Europa mit vollem Kartensatz. Das Laden der App dauerte ungleich länger und auch die Berechnungen der Route liessen etwas länger auf sich warten. Dies hält sich aber durchaus im Rahmen und ist der Geräteklasse entsprechend angemessen. Übermässig lange Wartezeiten entstehen definitiv nicht. Die Oberfläche bleibt meistens ruckelfrei und lässt sich daher anstandslos bedienen. Apropos Oberfläche: LG verwendet über dem normalen Android Look seine eigene UI und liefert zudem einiges an eigener Software mit, was dem recht geringen internen Speicher nicht gerade gut tut. Dafür bekommt der User aber Funktionen wie die interessanten Knock-On und Knock-Code Features. 

 

Nach einigen Stunden des Spielens mit dem Gerät fällt zudem auf, dass die geringere Auflösung dem System bei grafisch aufwändigen Apps entgegen kommt. Real Racing 3 lief auch bei hohem Gegneraufkommen relativ flüssig, allerdings auch mit stark reduzierten Details in der Grafik. Minion Rush fing aber schon bei längeren Läufen mit höherer Geschwindigkeit an zu ruckeln. RipTide GP2 hat generell stärkere Probleme mit dem SoC und läuft nicht rund.

 

Die Benchmarkergebnisse geben jedenfalls das zu erwartende Bild wieder. Die Leistung ist ok, auch wenn es für den Preis etwas mehr hätte sein dürfen. Die Performance liegt hier in etwa zwischen Mittelklasse und Einsteigerbereich, während man vielleicht etwas näher an der Mittelklasse zu sein scheint.

 

Kamera und Akkulaufzeit: Zwei tolle Pluspunkte

Die Kamera knipst mit 8 MP und beinhaltet trotz des mehr oder weniger geringeren Preises auch die Auto-Laser-Fokus Technologie von LG, doch kann das G3 S die Qualität der Technik im grossen Bruder nicht vollends ausspielen. Ist genug Umgebungslicht vorhanden sind die Bilder für diese Preisklasse aber wirklich gut und reichen für Schnappschuss-Verhältnisse definitiv aus. In schlechteren Lichtverhältnissen fängt das Bild allerdings stark an zu rauschen. Die Bilder sind also für Menschen, die auch mal gerne was mit dem Smartphone fotografieren möchten wirklich mehr als nur in Ordnung. LG verbaut zwar nicht denselben Sensor wie im G3 Flaggschiff, doch merkt man auch hier den 8 MP die gute Technik an. Dasselbe gilt somit auch für Videos, welche mit einer ordentlichen Qualität bei ausreichend Licht aufgenommen werden können. Für diese Preisklasse bietet das LG G3 S eine wirklich ordentliche Kamera, welche allerdings den Topmodellen auf dem Markt am Ende nicht gewachsen ist.

 

Der Akku überraschte ebenfalls sehr. Das Gerät hält bis zu zwei durchschnittliche Arbeitstage bei moderater Nutzung durch. Bei etwas intensiveren Ausflügen im Netz, also Videos schauen, soziale Netzwerke und Messenger Einheiten nutzen, ist ein ganzer Tag definitiv drin. Lediglich beim Spielen von aufwändigeren Games kann man die Prozente der Akkuanzeige schmelzen sehen, doch ist das eigentlich bei allen Geräten auf dem Markt der Fall. Positiv ist die Laufzeit allemal. Was ausserdem einige Leute freuen wird, ist, dass der Akku des Geräts austauschbar ist.

Fazit

An wen sich diese Klasse von Smartphone richten soll, ist klar. Das LG G3 S sieht genauso aus wie das grosse Modell, kostet allerdings um die 200 Euro weniger und leistet auch entsprechend deutlich weniger. Das Display bleibt mit 5 Zoll auch nicht gerade klein und bietet daher ordentlich Platz für Informationen und den täglichen Gebrauch im Web. Doch wurde das G3 S im Stile aller anderen Mini-Modelle entsprechend abgespeckt. Beeindrucken kann allerdings die für diese Preisklasse erstaunlich gute Kamera und das gute Management des Akkus.

 

Der Prozessor reicht für alltägliche Aufgaben aus, doch kommt auch sehr schnell an seine Grenzen. Das Display ist tatsächlich als gut zu bezeichnen, doch nervt ein wenig die Oberfläche des Glases und der nach kurzer Zeit entstandene Schmierfilm. Am Ende kommen wir zum Preis von ca. 300 Euro was in etwa 360 Schweizer Franken ausmacht. Zum Vergleich: Ein Galaxy S4 ist deutlich schneller, hat eine immer noch exzellente Kamera und ein FullHD SAMOLED Display, welches auch heute noch optisch zu überzeugen weiss. Die Vorteile wären also gravierend hoch und der Aufpreis wäre zur gebotenen Mehrleistung mehr als nur gerechtfertigt.

 

Das LG G3 S ist kein schlechtes Gerät und erfüllt für die Käuferschicht, für die es wohl gedacht ist, durchaus akzeptabel seinen Job, doch sollte man sich von gerade eben veröffentlichten Geräten mit Mini-Charakter nicht verwirren lassen. Wer dennoch auf den Mini-Trip setzen will, sollte zum HTC One Mini 2 greifen, welches eine aussergewöhnlich gute Verarbeitung, ein besseres Display und eine deutlich bessere Kamera als das G3 S bietet. Alle anderen sollten sich das Mini-Smartphone von LG vor Kauf einmal genauer anschauen, bzw. im Fachmarkt seines Vertrauens auf Tuchfühlung gehen.

vg-wort
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