Fr. 26. Januar 2018 um 13:22

Review: Kompakter Bluetooth-Speaker Sound Blaster Roar Pro im Test

von Sebastian Mauch0 Kommentare

Wenn man Creative hört, denken viele unweigerlich an guten Sound. Kein HiFi, wohlgemerkt, aber extrem guter Sound für gar nicht mal so viel Geld. Gerade im Segment der portablen Bluetooth-Lautsprecher übertrumpfen sich die Hersteller immer wieder. Trotz der räumlichen Limitierungen ist es mittlerweile erstaunlich, was man aus der Technik so rausquetschen kann. Mit dem Sound Blaster Roar Pro haben die Creative Labs das einmal mehr zum Ausdruck gebracht, denn der gehört unserer Meinung nach mit zum Besten, was man in dieser Baugrösse bekommen kann. Warum das so ist, und was der SB Roar Pro darüber hinaus bietet, das erfahrt ihr im folgenden Test.

Die technischen Daten des Sound Blaster Roar Pro

Da wir uns hier im Audio-Bereich bewegen, ist für viele Musikfans der technische Unterbau samt zugehöriger Daten nicht ganz unwichtig, weshalb wir diese hier kurz einmal auflisten, bevor es dann darunter ans “Eingemachte” geht.

  • Abmessungen: 57 x 202 x 115 mm
  • Gewicht: 1.1 kg
  • Netzteil-Länge: 1.7 m
  • Bluetooth-Version: 3.0
  • Akkukapazität: 6000 mAh (Lithium-Ion)
  • Laufzeit: etwa 10 Stunden
  • Anzahl Audio-Treiber: 5 (2x 1.5 Zoll Hochton, 1x 2.5 Zoll Woofer, 2x Passivmembranen)
  • unterstützte Audio-Codecs: aptX, SBC, AAC, aptX-LL
  • weitere Features: microSD, microUSB, Powerbank, NFC

Der Lieferumfang

Ein blosser Lautsprecher ist zwar toll, mitgeliefertes Zubehör kann aber so manche Sucherei ersparen. Beim Lieferumfang beschränkt sich Creative jedoch auf das Nötigste, bietet aber auch separates Zubehör an, etwa um kabellos Musik zuzuspielen oder ein Mikrofon für öffentliche Ansprachen oder plötzliche Karaokeanfälle.

  • Netzteil
  • Austauschbarer Stecker (UK)
  • Micro-USB-Kabel
  • Handbuch/Sicherheits- und Garantiehinweise

Aussehen und Verarbeitung

Mobile Lautsprecher versuchen nicht selten, durch knallige Farben und anderen Spielereien auf sich aufmerksam zu machen. Die Harman-Tocher JBL wirbt etwa mit Wasserresistenz, bunten Farben und im Falle des JBL Pulse sogar mit einer Lichtshow. Creative geht hier einen etwas anderen Weg und macht “auf seriös”. Der Sound Blaster Roar Pro kommt im schlichten Schwarz daher und tatsächlich grösstenteils aus edlem Metall.

 


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Schlicht, schwarz und schmal: Der Sound Blaster Roar Pro

Nahezu die gesamte Oberseite und komplett die beiden Seiten sowie die Front weisen grosse gelochte Lautsprecheröffnungen auf, was auf den Bildern auch gut veranschaulicht ist. Lediglich ein kleines Logo an der Front sorgt für einen kleinen Akzent. Auf der Unterseite sorgen zwei lange Gummistreifen für einen sicheren Stand auf ebener Fläche. Der Rest des Geräts ist mit einer Art Gummi überzogen und beherbergt sämtliche Bedienelemente und Ein- beziehungsweise Ausgänge.

 

Uns gefällt das unaufdringliche Design sehr gut. Beim Langzeittest im Büro fiel der kleine Musikquader nicht sonderlich auf, es sei denn durch den gut regulierbaren Klang. Man merkt auf jeden Fall, das Creative hier einen professionellen Anspruch hat, der sich durchaus auch im Klangtest zeigt – doch dazu später mehr. In Puncto Verarbeitung gibt es schlichtweg nichts zu bemängeln. Der Lautsprecher macht durchweg einen stabilen Eindruck, nicht bewegt sich oder schnarrt.

 

Die Druckpunkte der Tasten sind angenehm und dank einer leichten Erhabenheit auch leicht erfühlbar. Etwas filigraner wird da schon auf der Rückseite. Dort verstecken sich beispielsweise die Eingänge für die Strom- und Datenzufuhr. Diese sind praktischerweise alle waagerecht orientiert und beschriftet. Nicht so die Schaltzentrale für Audioaufnahmen, Audioprofil, Terabass und USB-Modus. All diese Elemente sind aus uns unerfindlichen Gründen vertikal angebracht und beschriftet – nicht weiter störend, aber schon bemerkenswert.

Viel Klang auf kleinem Raum

Genug der Oberflächlichkeiten, schliesslich soll ein Bluetooth-Speaker nicht nur gut aussehen, sondern durch seinen Klang überzeugen. Hier braucht sich der Roar Pro nicht zu verstecken. Das System wirkt schon vom Aufbau her sehr durchdacht. Da man hier ein simple, flache Quaderform anwendete, konnten auch die insgesamt fünf Audiotreiber in vier Richtung ausgerichtet werden. Bei solch kleinen Lautsprechersystemen bauen die Hersteller stets am Limit. Verlangt man den kleinen Wunderwerken zu viel ab, verzerrt das der Sound, was alles andere als angenehm ist. Auch ist es stets da Ziel, die abgefeuerten Klangwellen so räumlich wie möglich klingen zu lassen.

 

In beiderlei Hinsicht betrachten wir den Sound Blaster als eine regelrechte Punktlandung. In der Standardkonfiguration klingt der Lautsprecher einfach super. Die meiste Zeit musste sich das Gerät im Büro beweisen. Dort sind vor allem leise, aber ausgewogene Klänge gefragt. Räumlichkeit ist ebenfalls wichtig, damit das Umfeld auch etwas davon hat. Auch wenn man nicht direkt vor der Box sitzt, kann sich abgespielte Musik hören lassen. Die Lautstärke lässt sich aber nicht nur sehr leise regulieren, sondern auch laut – richtig laut.

 

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Fünf kleine Audiotreiber sorgen für fülligen und kräftigen Sound.

Für diese Baugrösse ist die maximale Lautstärke schon ziemlich beeindruckend. Dreht man sowohl am Zuspieler, als auch am Gerät selbst voll auf, schmerzt es fast schon in den Ohren. Natürlich verzerrt der Sound auch hier wenn man die kleinen Treiber bis ans Limit strapaziert. Der Sound Blaster Roar Pro hält aber ziemlich lang die Waage, weshalb er sich auch super dazu eignet, etwa bei einer Grillparty für ordentliche Beschallung zu sorgen. Im mittleren Lautstärkebereich wirkt der Klang sehr differenziert und füllig. Würde man einen Blind-Test machen, bekäme man in den seltensten Fällen die Vermutung, dass es sich dabei um einen Lautsprecher handelt, der fast noch in grössere Hosentaschen passt.

 

Eine Soundbar ersetzt der Roar Pro freilich nicht, das war aber auch nicht der angedachte Zweck des Geräts. Aus nächster Nähe ist der Sound nämlich etwas wirr und muss sich erst entfalten. Für den Einsatz am PC ist er daher eher nicht geeignet. Spielt man aber beispielsweise das Signal über eine PlayStation 4 zu und sitzt ein paar Meter weg, ist das Ergebnis schon ein ganz anderes. Wohlgemerkt wird aber ausschliesslich reines Stereo ausgegeben.

Ein paar nette Extras

Wie schon im vorherigen Absatz beschrieben, schlägt sich unser Testobjekt in Sachen Klangqualität extrem gut. Konkurrenten wie ein Bose SoundLink Mini II liefern ein ähnliches Ergebnis, ein JBL Charge 3 wird jedoch locker in die Tasche gesteckt. Enthusiast_innen können am Sound des Roar Pro sogar noch etwas feilen. An der Oberseite befindet sich dazu etwa die sogenannte “Roar-Taste”. Betätigt man diese, verleiht die Box dem Klang hörbar mehr Fülle und Lautstärke, klingt aber dafür etwas schriller und nicht mehr so ausgewogen.

 

Etwas Ähnliches lässt sich auch über die Rückseite einstellen. Dort kann man den Terabass zuschalten. Dieser sorgt vor allem bei geringer Lautstärke dafür, dass der Basseffekt nicht verloren geht. Hört man damit in einer leisen Arbeitsumgebung eine Weile Musik (bevorzugt basslastigen Metall), will man nicht mehr ohne diese Funktion hören. Der Effekt ist nicht zu aufdringlich, verleiht der Musik aber tatsächlich einen gewissen Druck. Vibrieren tut dabei aber nichts, da der Bass im Prinzip nur simuliert wird. Echter Bass steht dafür dann bei hoher Lautstärke sehr ausgeprägt bereit.

 

Spielereien wie Terabass und Roar sind zwar nett und durchaus hörbar, belasten aber auch den Akku. Eine allzu grosse Differenz in der Laufzeit konnten wir aber nicht feststellen. Weiterhin kann man noch zwischen den drei Klangmodi warm, neutral und energetic wählen. Je nach Genre kann man so die Abstimmung an seine Präferenzen anpassen. Das ist das im Grund auch schon das gesamte Klangpaket. Für eine so kompakte Bluetooth-Box kann sich die Ausstattung durchaus sehen lassen.

 

Der Sound Blaster Roar Pro bietet aber auch noch andere Vorzüge, was letztlich auch den im Vergleich zur Konkurrenz leicht höheren Preis rechtfertigt. Per separat erhältlichem iRoar Mic kann man nämlich auch kabellos Interviews aufzeichnen, auf Partys ein Ständchen singen oder gar ganze Ansprachen abhalten. Die Bedienelemente dazu befinden sich allesamt auf der Rückseite. Auch über die 3.5-mm-Klinke lässt sich Ton aufnehmen.

 

Musik wird wahlweise über microUSB, einer microSD-Karte, per Aux-In oder via Bluetooth 3.0 zugespielt. Zum Navigieren der Titel von einer SD-Karte befinden sich ebenfalls passende Bedienelemente auf der Rückseite. Leider kann man ohne Adapter keine herkömmlichen USB-Sticks anschliessen. Der einzige USB-Typ A-Anschluss ist nämlich nur als DC Out gedacht. Darüber kann man den Lautsprecher quasi als 6000 mAh-Powerbank zweckentfremden und so seine mobilen Geräte aufladen. Bei der Wiedergabe von Musik über den etwas veralteten Bluetooth 3.0 Standard kam es nur sehr selten zu Abbrüchen, was nicht zuletzt den unterstützten Codecs wie aptX und AAC zu verdanken ist.

Noch mehr Extras und die Akkulaufzeit

Puh, gefühlt haben wir nun schon mehr als genug Features für einen mobilen Lautsprecher abgehandelt, doch hier hat Creative noch immer nicht halt gemacht. Über die microUSB-Schnittstelle lässt sich nämlich über den PC oder Laptop noch so einiges anstellen. Ist etwa eine mit Musik befüllte microSD eingesteckt, kann man diese dann sogar am PC weiterbefüllen, oder die dort abgelegten Titel anderweitig organisieren.

 

Der Vogel schiesst aber das letzte nennenswerte Feature ab: Der Sound Blaster ist nämlich nicht nur eine Bluetooth-Box, Powerbank und Diktiergerät, sondern auch eine externe Soundkarte für PCs und Notebooks. Dazu lädt man sich einfach das Sound Blaster Control Panel auf seinen Zuspieler und kann dort allerlei einstellen und sogar Gebrauch von SBX Pro Studio machen.

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Auch per NFC kann gekoppelt werden. Ausserdem taugt der Roar Pro dank integriertem Mikrofon auch als Freisprechanlage.

Das Teil kann eine ganze Menge, doch wie lange hält es letztendlich durch? Der Hersteller Creative gibt hier runde 10 Stunden an. Bei mittlerer Lautstärke und normalen Klangmodi kann man das auch durchaus erreichen. Hört man – wie im Büro – nur durchweg leise Musik und spielt per 3.5-mm-Klinke zu, kann man diesen Wert teilweise sogar übertrumpfen. Je nach Lautstärke und Klangoptimierung kann es aber auch mal bedeutend weniger werden.

Fazit zum Creative Sound Blaster Roar Pro

Vor diesem Test dachte ich, von Jabra und JBL bereits “das Beste” gehört zu haben. Der Sound Blaster Roar Pro hat mich aber eines Besseren belehrt und ist nun quasi ständiger Begleiter auf Trips und während der Arbeit. Dank der anständigen Akkulaufzeit muss man nur alle paar Tage mal nachladen, unterwegs hat man sogar etwas Notstrom für sein Smartphone am Start. Zwar nutzen wohl die wenigsten das Device als Soundkarte oder Diktiergerät, beachtlich ist es aber dennoch, was Creative alles in diesen kleinen schicken Klotz hineingequetscht hat. Am besten hat mir persönlich der Terabass gefallen, der auch auf geringem Lautstärkeniveau für ein wenig mehr “Wumms” sorgt, ohne dabei zu aufdringlich zu sein.

 

Natürlich ist nicht alles an diesem Gerät golden, obwohl es glänzt. So geht der kleine Alleskönner beispielsweise ohne Vorwarnung aus, statt den Nutzer oder die Nutzerin auf den geringen Ladestand hinzuweisen. Die Systemtöne beim Ein- und Ausschalten halten sich aber glücklicherweise dezenter als bei der Konkurrenz, auch wenn diese noch immer nicht komplett abschaltbar sind.

 

Wo wir schon bei der Konkurrenz sind: Im direkten Vergleich mit Bose, Jabra und JBL würde ich subjektiv gehört diesen Creative-Lautsprecher allen vorziehen. Dabei ist dieser im Handel nur unwesentlich teurer als Boses SoundLink Mini II, kann nebenher aber noch einiges mehr. Für all jene, die unterwegs, am Strand oder wo auch immer exakten, klaren Sound mit ordentlich Power wollen, für die dürften die circa 150 Euro/166 SFr. eine angemessene Anlage sein. Für weniger Audiophile gibt es aber auch günstigere und sogar wasserresistentere Alternativen wie den JBL Charge 3.

 

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