Sa. 12. Juni 2021 um 15:56

Review: King of Seas für Nintendo Switch im Test

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Heute testen wir für euch wieder ein Spiel des britischen Publishers Team 17 Ltd., der in Zusammenarbeit mit der Mailänder Game-Schmiede 3DClouds das Piraterie-RPG King of Seas vor kurzem heraus gebracht hat. Wir haben uns das Rollenspiel, dass für Sony Playstation, für Microsoft Xbox, für PC via Steam auch für die hybride Konsole Nintendo Switch erschienen ist, für euch genauer angeschaut.

Worum geht es bei King of Seas?

Das Spiel King of Seas ist in einem fiktivem Universum lose im Goldenen Zeitalter angesiedelt. Irgendwo zwischen 17tem und 18tem Jahrhundert, als die Karibik voll von Handelsschiffen und Piraterie, Seeschlachten und – der Clou am RPG hier, Magie und übernatürlicher Gefahren war.

Während also mit relativ authentisch wirkenden Schiffen und den ein oder anderen reellen Handelswaren gearbeitet wird, lichten wir die Anker und setzten Segel, um unser Fahrzeug vom Wind angetrieben zwischen mannigfaltigen Buchten und Inselchen hindurchzumanövrieren. Ab und an versucht eine Riesenkrake nach unserer Schaluppe zu schlagen, so dass man gut beraten ist, nicht zu viel Fahrt zu verlieren. Die Seeschlachten jedoch werden nicht nur mit herkömmlichen Kanonen und Bleikugeln bestritten – hier kommen auch verzauberte und vor allem verfluchte Geschosse zum Einsatz, Flammenwerfer und explodierende Kerzen, gegen die manchmal nur magische Rumpfpanzer oder verhexte Segel wirklich wirksam helfen können.

 

Als Action-Rollenspiel hat King of Seas die Story entsprechend aufgestellt: In der prozedural generierten Inselwelt und dem Königreich der Sieben Meere wurde der König Alexander, Nachkomme der Marine, die vor hunderten von Jahren die Piraterie weitgehend beendete und den Voodoo-Zauber verbannte, überraschend ermordet. Und zwar – genau: mittels Voodoo. Da die Hauptfigur des Spiels, die wir verkörpern –seine Tocher Marylou oder sein Sohn Luky– zu dem Zeitpunkt unterwegs ist mit einem Schiff der königlichen Marine, um das Kapitänspatent zu erwerben, ist schnell ein Komplott geschmiedet! Unser Schiff wird versenkt, die Crew verschwindet und man versucht uns den Königsmord am eigenen Vater anzuhängen. Schon macht die Marine jagt auf uns und wir haben kaum eine andere Wahl, als uns den freundlichen aber etwas irren Piraten anzuschliessen, um uns unseren rechtmässigen Thron wieder zu holen und unseren Vater zu rächen. Arrgh!

 

King of Seas spielt so dann als episches Abenteuer in einer fantastischen Welt, voller Schlachten, vergessenen Inseln und Schätzen, in denen wir viele faszinierende sowie seltsame Charaktere begegnen und atemberaubende Missionen erfüllen, um Königin oder König der Meere zu werden.

Die Spielwelt

Wie in vielen Action-RPG ist die Geschichte in eine Reihe von Quests aufgeteilt und führt uns der Reise nach und nach zu unterschiedlichen Schauplätzen und Charakteren der Welt von King of Seas, die uns auf den nächsten Pfad dieses epischen Abenteuers führen.

Wichtig dabei ist, dass die Welt prozedurale generiert wird. Das heisst, bei jedem Spiel wird die Erkundungsmechanik erneuert, die Inseln anders verteilt, die Häfen und deren Marktplätze und Eigenschaften anders gestaltet. Selbst die Namen der Orte sind teilweise unterschiedlich. So ist kein Spiel wie das vorige.

 

Aber auch während man Marylou als Piratenkapitänin spielt, reagiert die Welt auf jede Handlung. Die Seewege ändern sich und mit jeder eroberten Siedlung und jedem versenkten Schiff passt sich der Schwierigkeitsgrad an, so dass man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wirst.

Selbst die Navigation und Steuerung des Schiffs ist dynamisch geregelt. Das Wetter beeinflusst das Gameplay ziemlich direkt. Während eines Sturms segelt man natürlich nicht nur auf eigene Gefahr, man muss auch sonst die Windrichtung aufmerksam beobachten, um während der Schlachten die Kontrolle zu behalten.

 

Da ist der klassische Fog of War, der wahrlich als Nebel präsent ist und die Tatsache, dass wir zu Beginn unseres Abenteuers noch ohne Kartenmaterial in See stechen, schon fast zu vernachlässigen. Karten lassen sich zwischendurch immer wieder käuflich erwerben oder erbeuten, so dass man mit fortschreitendem Spiel auch im Menü entsprechend eine Seekarte finden kann.


King of Seas für Nintendo Switch
Nichts für schwache Nerven: Seeschlacht in King of Seas. Screenshot: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Hinzu kommt die Möglichkeit, die fünf unterschiedlichen Schiffstypen durch ein Ausrüstungs- und Fertigkeitssystem vielseitig anzupassen.

Ein komplexes Talente-System, wie von Rollenspiel hinlänglich bekannt, rundet das die Spielkomplexität ab und kann mit mehr als zwanzig Fertigkeiten und drei Talentbäumen jedem Spielstil gerecht werden.

Zudem kann man sich nur mit Magie der Geisterschiffe erwehren, die immer mal wieder die sieben Weltmeere heimsuchen und unsere Crew in die Tiefe reissen.

Steuerung und Spielansicht

Die Steuerung in King of Seas für Nintendo ist recht intuitiv und optimal gelöst für ein Konsolenspiel. Sie lässt sich zwar nicht anpassen, ist aber schnell erlernt und an die jeweiligen Situationen und Spielabschnitte angepasst.

 

Das Game selbst spielen wir aus der Vogelperspektive. Man sieht Inseln und Schiffe, Häfen und Vulkane sowie Wracks und vieles mehr in 3D von oben. Dialoge werden mit witzig und detailliert gezeichneten Charakteren illustriert

 

Während oben rechts auf dem Bildschirm ein Symbol für Wetter und Tageszeitpunkt sowie eine Windrose zu sehen ist, neben der die Geschwindigkeitsanzeige in Form von drei Segeln und einer Bezifferung in Knoten stehen, findet sich darunter die aktuell ausgewählten Missionsziele beziehungsweise unsere nächste Aufgabe. Wichtig ist dabei, die Kompassnadel im Blick zu behalten. Sie zeit die Windrichtung an und je besser wir unsere Segel danach ausrichten, desto grüner wird sie, weil unser Schiff schneller fahren kann. Mit den Schultertasten L und R ist schnell die Anzahl der gesetzten oder gerafften Segel eingestellt, so dass wir die Geschwindigkeit einfach regulieren können und mit dem linken Analog-Stick des Joycons gemütlich die Richtung des Schiffs steuern.

 

Unten links findet sich eine Statusanzeige bestehend aus einem Halbkreis, der die Erfahrungspunkte bis zum nächsten Stufenaufstieg sammelt. Auch das ist bekannt aus Action-RPG aller Art. Gegenstände und Fertigkeiten sind natürlich von der entsprechenden Erfahrungsstufe abhängig und je besser man wird, desto besser werden die Waffen und anderen Optionen im Spiel. Darüber wird auch gleich die aktuelle Erfahrungsstufe als Ziffer angezeigt. Innerhalb der Instrumententafel, die den Erfahrungs-Halbkreis aufnimmt, sind drei Balken zu sehen. Sie zeigen den Zustand der Segel, des Schiffsrumpfs und der Crew. All das brauchen wir natürlich: Ist der Rumpf zerstört, sinkt das Schiff und wir starten die aktuelle Mission wieder von vorne im Heimathafen. Mit zerfetzen Segeln lässt sich schlecht manövieren sowie schnell fahren und die Crew brauchen wir auch noch.

 

Darum herum sind acht Symbole und deren jeweilige Tastenbelegung angeordnet. Während die Tasten X, Y, A und B vier unterschiedliche, im Menü auswählbare Fertigkeiten von Bootsmann, Spezialist, dem ersten Offizier und die Spezialwaffe des Schiffs einsetzen können, wechselt die Tasten Rechts auf dem Steuerkreuz zwischen drei unterschiedlichen Munitionsarten für die Kanonen, während Links ein Reparaturkit benutzt, um unser Schiff wieder in Schuss zu bringen. Letzteres geht aber nur, wenn wir gerade nicht fahren und nicht im Schlachtgetümmel.

Die Steuer- und Backbordgeschütze werden mit den Schultertasten ZR und ZL abgefeuert und laden danach, abhängig von Fertigkeiten, Crewstärke, Kanonen- und Munitionstyp wieder ein paar Sekunden lang nach.

Grafik und Sound von King of Seas für Nintendo Switch

Das Bild, was King of Seas sowohl auf den Konsolen- als auch auf den TV-Bildschirm zaubert, ist durchwegs sehr gut. Das kristallblaue Meer der Karibik, die Schiffe, Inseln, Wetter, Vulkane und Effekte, die Hafen und Befestigungsanlagen sowie die Gefechte sehen atemberaubend und stimmig aus. Auch die im Comicstil gehaltenen Figuren der Dialoge sind nett gezeichnet und passen gut ins Bild. Die Cutscenes sind in derselben Grafik gehalten und wechseln nur ab und an die Perspektive, etwa um eine Festung oder Hafenanlage aus der Nähe zu zeigen.

 

Der Sound ist ebenfalls stimmig und packend zugleich. Auch wenn man im Kopf gern mal das Thema von Piraten der Karibik trällert, ist der Soundtrack von King of Seas gut gewählt und epochal eingängig. Genauso die Soundeffekte. Schade nur, dass es keine Sprachausgabe gibt. Einzig das Intro-Video war mit einer englischsprachigen Erzählstimme unterlegt. Dabei ist der Text im Spiel auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Russisch sowie Chinesisch verfügbar.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Sidequests

Neben der Hauptaufgabe, der Story zu folgen, um den Mord am königlichen Vater zu rächen und gleichzeitig den eigenen Herrschaftsanspruch wieder herzustellen, gibt es natürlich wie in fast jedem Rollenspiel auch in King of Seas Sondermissionen und Sidequests, die es neben Schiffswracks zu plündern oder Handelsschiffe und Touristenboote zu überfallen zum eigenen Vorteil zu bestreiten gibt: Nach Abschluss dieser Sondermissionen warten zusätzliche Belohnungen, die jede erkundete oder eroberte Siedlung unterschiedlich ausgestaltet.

Schatzsuche

Auch darf für echte Piratinnen natürlich eine Schatzsuche nicht fehlen! Geheime Karten sind in abyssischen Tiefen verborgen, die es zu finden gilt, um Hinweise zu erhalten, die zu den versunkenen Schätzen führen.

Handel

Hinzu kommt der Handel mit unterschiedlichen Produkten, vom obligatorischen Rum (aargh!) bis zu Papageieneiern, die in jeder Siedlung zu unterschiedlichen Konditionen gekauft und verkauft werden können. Darum kann man, neben der Piraterie, sich auch mit legalem Handel ein virtuelles Vermögen im Game erschaffen und zum niedrigstmöglichen Preis kaufen, um in anderen Siedlungen die Waren wieder zu verkaufen, wo sie gefragt und entsprechend teuer sind.

Dabei hilft ein einfaches Farbleitsystem: Grün ist ein guter Deal, Rot nicht. Die Steuerung ist auch hier optimal auf Konsolen ausgerichtet, denn man kann die Warenkategorie ganz einfach über den linken Analogstick auswählen.

Angeln

Auch gibt es bis zu 30 unterschiedliche Fischarten, die unter der Meeresoberfläche leben und teilweise nur zu unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterbedingungen verfügbar sind. Diese bringen ein weiteres Spielelement in King of Seas ein, dass je nach Geschmack das Game bereichern kann.

Ranglisten

Hinzu kommen Ranglisten im Spiel, denn jede gewonnene Schlacht treibt das Kopfgeld auf uns in die Höhe, welches man sodann mit berühmten, echten historischen Piraten vergleichen kann. Nice!

Testeindruck von King of Seas für Nintendo Switch

Schnell steigt man in das Game und die Story ein, gerade weil auch die ersten Missionen gut an die Steuerung und das Spielgeschehen heranführen, ohne ein all zu lästiges Tutorial darzustellen.

 

Danach ist mal bald vollauf damit beschäftigt, die Handelsstützpunkte zu erkunden, um seinen Grog möglichst gewinnbringend zu verkaufen, Schiffe zu überfallen oder Schätze zu suchen. Nebenbei wird die Hauptstory leicht und nahtlos in dieses Spiel voller Seeschlachten und Piraterie-Komik eingeflochten. Das macht eine Menge Spass, auch wenn das eigene Schiff die ersten Dutzend Schlagabtausche auf hoher See kaum heil überstehen wird. Irgendwann hat man den Dreh im wahrsten Sinne des Wortes raus und kann in den Schlachten so geschickt manövrieren, dass die Kanonenreihen der gegnerischen Schiffe einem nicht mehr die ganze Zeit mit voller Breitseite treffen. Gleichzeitig helfen auch bessere und vor allem magischere Waffen bald, der königlichen Marine, die meist im ungünstigsten Moment die eigenen Seewege kreuzen, den Garaus zu machen.

 

Das alles ist schon recht umfangreich und komplex für ein Spiel, dass auf manche vielleicht aufgrund der Comic-Charaktere einen anfänglich eher kindischen Eindruck macht. Dem ist nämlich mitnichten so! Auch wenn die Altersfreigabe gemäss USK ab 6 Jahren (PEGI 7) gilt, haben auch eingefleischte Action-RPG-Fans ihre Freude an King of Seas.

 

Die verschiedene Schwierigkeitsgrade, die dem im Spiel erzielten Kopfgeld einen beträchtlichen Multiplikator hinzufügen, machen King of Seas zusätzlich herausfordernd. Für junge Kinder oder ungeübte Gamer ist jedoch auch die unterste Stufe wohl mitunter zu schwierig, so dass hier etwas Begleitung nötig wird, um nicht bald frustriert den Indie-Titel, der sich mit AAA-Games durchaus messen kann, beiseite zu legen. Das wäre nämlich in der Tat schade.

Preis und Fazit

King of Seas ist am 25. Mai 2021 für die Nintendo Switch erschienen und ist im Nintendo eStore für 24,99 Euro bzw. 35.- SFr. zu kaufen. Für 24,99 Euro bzw. SFr. gibt es ebenfalls die PC-Version direkt bei Team17 sowie bei Steam, im PSN Store und für die Microsoft Xbox-Konsolen.

 

King of Seas
Preis: 24,99 €
King of Seas
Preis: 24,99 €

 

Alles in Allem bietet King of Seas für die Nintendo Switch langes Spielvergnügen in einer abwechslungsreichen, sich dynamisch anpassenden Welt, die bei jedem Spiel neu generiert wird. Wer ein etwas anderes Action-RPG zocken möchte und mal nicht gegen Dämonen und Drachen antreten mag, macht hier sicherlich nichts falsch. Für Gelegenheits-Gamer und alle, die das Piraten-Thema an zieht, ist King of Seas ebenfalls eine Empfehlung wert und macht für ein Konsolenspiel vieles wirklich richtig. Ein kleines Manko ist, dass die Dialoge keine Sprachausgabe, noch nicht mal eine englischsprachige, haben. Aber das ist in Anbetracht der umfangreichen Spielmechanik und komplexen sowie vielfältigen Optionen, die King of Seas bietet, wirklich zu vernachlässigen.

Schade ist nur, dass das Action-RPG einzig alleine gespielt werden kann. Ein lokaler Multiplayer wäre hier die Krönung für die Piraterie auf der Nintendo Switch.

Video: Team17 Ltd.

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