Sa. 11. Februar 2017 um 11:25

Review: IPVanish VPN Service im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Eine Verbindung mittels Virtuellen Privaten Netzwerk, kurz VPN, kennen viele bestimmt schon. Sie werden genutzt, um beispielsweise von Unterwegs oder aus dem Home Office auf Daten im Firmennetzwerk zuzugreifen. Dabei wird, vereinfacht gesagt, ein Tunnel durch das Internet (oder andere Netze) gegraben, durch den die Kommunikation zum Zielnetzwerk läuft, verschlüsselt und abgesichert. Andererseits wird mittels VPN auch eine an sich unsichere WLAN-Verbindung, beispielsweise im öffentlichen Hotspot des Kaffeehauses um die Ecke, vor unbefugtem Mitlesen gesichert. Oder aber man möchte auf Dienste zugreifen, die aufgrund der IP-Adresse, die man derzeit hat, nicht verfügbar sind, beispielsweise auf Streaminginhalte.

 

Dazu gibt es eine Vielzahl an Anbietern weltweit, wovon wir zum Beispiel UnoTelly für euch schon getestet haben. Heute geht es um IPVanish, einen Anbieter, der unter Anderem dezidierte Apps für Windows, Android und iOS anbietet und verschiedenste Protokolle unterstützt, um eine Fülle von Verbindungsmöglichkeiten zu bieten. Alleinstellungsmerkmale von IPVanish sind laut eigener Aussage nicht nur die hohe Übertragungsgeschwindigkeit, sondern vor allem die Garantie, dass absolut nichts protokolliert wird. Dadurch, dass alle Rechner und Netze unter eigener Regie stehen, soll diese Garantie ermöglicht werden und weder Datenverkehr noch Metadaten werden aufgezeichnet, gespeichert oder überwacht. Das einzige, was das US-amerikanische Unternehmen somit weiss, ist, wann sich welcher Account mit dem VPN Service verbunden hat.

 

Um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu bieten, setzt der Tier-1-Anbieter nicht nur auf über 710 Server in mehr als 60 Ländern weltweit, sondern auch auf unbeschränktes Trafficvolumen und Server-Wechsel, so dass man gute Chancen hat, einen einwandfreien Internetzugriff via VPN zu erhalten. Dabei können bis zu fünf Geräte gleichzeitig verbunden und beliebig viele konfiguriert werden.

Verfügbare VPN-Protokolle

Als Protokolle kommen bei IPVanish neben dem allseits beliebten OpenVPN mit 256-bit Verschlüsselung und optionalem Scrambling (um den VPN-Traffic zu verschleiern, wenn dieser beispielsweise geblockt werden würde), PPTP, Cisco IPSec, L2TP, sowie L2TP/IKEv2 und IKEv2 zum Einsatz. Wo immer möglich setzt man auf AES-256-Verschlüsselung. Damit wird nicht nur Windows Phone 8.1 und Windows 10 Mobile nativ unterstützt, auch iOS und Android können direkt mit dem Dienst von IPVanish kommunizieren, ohne auf zusätzliche Programme angewiesen zu sein. Hierzu gibt es vom Anbieter sehr hilfreiche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die leider jedoch nur auf Englisch zu haben sind. Dafür sind diese ebenfalls für Mac OS X-, Windows- und Linux-Rechner ausgelegt und auch die Einrichtung der VPN-Verbindung für Router auf Basis von TomatoUSB oder DD-WRT wird erläutert. Damit kann also gleich der ganze heimische Internet-Traffic über die VPN-Verbindung geroutet werden – und das alles übrigens auch mittels IPv6!

 

Neben den Konfigurationsdateien im OpenVPN-Dateiformat .ovpn für alle Server bietet IPVanish auch dedizierte Apps an. Neben Googles Android und Apples iOS und Mac OS X wird ebenfalls Windows ab Windows 7 mit einer nativen App unterstützt. Aber auch Android TV oder Media-Receiver, die beispielsweise mit Kodi (ehemals XBMC) ausgestattet sind, werden unterstützt und sind mit einer eigenen Anleitung vertreten. Damit kann man Beschränkungen des Internetanbieters oder auch regionale Einschränkungen umgehen sowie seinen Medien-Traffic verschlüsseln. Mehr dazu gibt es direkt beim Anbieter.

IPVanish VPN
IPVanish VPN
Entwickler: Mudhook Marketing
Preis: Kostenlos

Sehr gute App-Unterstützung

Die Apps sind alle ähnlich intuitiv zu bedienen und funktionieren einwandfrei. Leider sind sie nur auf Englisch erhältlich. Nach dem Login kann Land, Stadt und Server ausgewählt werden oder diese Auswahl der Software aufgrund der aktuellen Auslastungsdaten der Server überlassen werden. Ein Klick auf Connect verbindet nunmehr mit dem VPN Service und sorgt dafür, dass der ganze Traffic über den VPN-Tunnel läuft. Unter iOS kann neben der Always-On-Option auch ein On-Demand-Modell gewählt werden, das abhängig von der aufgerufenen URL oder der SSID des WLAN-Signals, zu dem man verbunden ist, automatisch eine VPN-Verbindung aufbaut. Gerade letzteres ist sehr nützlich, wenn man häufig in unsicheren WLAN-Netzen unterwegs ist. Darüber hinaus ist ein Widget verfügbar, ebenso wie die Android-App dies mit bringt.


Killswitch und DNS Leaks

Spannend ist auch das Feature namens Kill Switch in der Windows-Software. Dies führt dazu, dass beim Abbruch einer VPN-Verbindung aller Internet-Traffic gestoppt wird, so dass auch in diesem Fall nichts über die aktuelle “eigentliche” Leitung geht. Damit kann Verhindert werden, dass durch weitere Anfragen an Server oder andere Mechanismen verschiedener Programme bei getrennter VPN-Verbindung die Privatsphäre und die Datensicherheit gewahrt bleibt. Ebenfalls kann unter Desktop-Windows-Versionen in der IPVanish-App verhindert werden, dass die Sicherheitslücke namens DNS Leak greift. Bei dieser nutzt nämlich Windows die ursprünglichen DNS-Server weiter, trotz bestehender VPN-Verbindung und ermöglicht es so Server-Betreibenden die Identität des anfragenden Servers zu erkennen – oder zumindest, dass hier mittels VPN-Verbindung angefragt wird. Wer auf die ovpn-Dateien setzt und unter Windows ohne die IPVanish-App eine Verbindung aufbaut, kann ab OpenVPN Version 2.9.3 mit dem Befehl block-outside-dns seine Privatsphäre schützen.

 

Unter Windows Phone 8.1 sowie Windows 10 Mobile ist dies, mangels passender App, egal ob IPVanish oder OpenVPN, leider nicht möglich. Die VPN-Verbindung zu IPVanish ist dennoch möglich, indem manuell eine Verbindung eingerichtet wird und zwar per L2TP/IPsec mit PSK. Jedoch sind hier die Informationen über die ursprünglichen DNS-Server weiterhin in Kraft, also keine vollkommene Anonymität gewährleistet. Für herkömmliche Web-Dienste, wie Netflix oder Groove Music, reicht es jedoch, da diese in der Regel keine DNS-Anfragen verifizieren. Torrents sind darüber jedoch nicht zu empfehlen, wobei die bekannten Torrent-clients für Windows 10 Mobile und WP8.1 sowieso relativ eingeschränkt sinnvoll einsetzbar sind.

Sehr gute Geschwindigkeiten

Die Geschwindigkeit über die VPN-Verbindung von IPVanish ist in der Regel bemerkenswert hoch. Bei handelsüblichen Internetanschlüssen zuhause sind via VPN immer noch Datenraten von 20-40 mb/s zu erreichen, je nachdem, in welchem Land der VPN-Server steht, zu dem man sich verbindet. US-amerikanische hingegen sind teilweise über 190 mb/s schnell und auch ein Upload von 85 mb/s ist keine Seltenheit. Zu fast allen Standorten weltweit bekommt man also mindestens 10-20 mb/s Downspeed spendiert. Kurzum: Für die allermeisten Anwendungen wird sich in den meisten Fällen kaum ein Unterschied zur direkten Internetverbindung erkennen lassen.

P2P, Torrent und TOR

Dadurch, dass IPVanish nichts überwacht oder protokolliert, ist auch P2P-Traffic möglich, inklusive BitTorrent. Das ist bei VPN-Anbietern eine Seltenheit. Auch TOR ist möglich und beides wird nicht merklich langsamer. Für manche Anwendungen, wie beispielsweise uTorrent, ist nochmals eine separate SOCKS5-Proxykonfiguration vorhanden, so dass auch diese anonymisiert arbeiten können.

 

Die über 60’000 IP-Adressen, die geteilt werden, so dass auch über diese keine Rückschlüsse auf einzelne IP-Vanish-Accounts möglich wird, bringen ein weiteres ganzes Stück Anonymität und Privatsphäre mit sich, haben jedoch einen Nachteil: Manche Dienste, wie beispielsweise Google, mögen das gar nicht und fordern so bei jeder Anfrage per Captcha auf, sein Mensch-Sein zu bestätigen.

Google mag kein VPN
Google mag kein VPN mit geteilten IP-Adressen

Preise

IPVanish gibt es regulär für 11.99 US-Dollar (USD) pro Monat, egal, ob man Abonnement für einen, drei oder zwölf Monate abschliesst. Mit dem nachfolgenden Link spart ihr sogar nochmals ordentlich und bekommt einen Monat für 10.- USD, drei für 8.99 USD monatlich und zwölf für lediglich 6.49 USD pro Monat. Damit zahlt man pro Jahr 77.99 USD und bekommt im Vergleich zum regulären Preis 46% Rabatt.

 

Bezahlt werden kann neben über die üblichen Kreditkarten und per PayPal, aber auch GiroPay und SOFORT Banking sowie per Bitcoin. Gerade letzteres ist spannend, da so ein halbwegs anonymes Benutzen des Dienstes möglich ist. Natürlich muss bei der Registrierung dennoch eine Rechnungsadresse und eine, zumindest einmalig, gültige E-Mailadresse angegeben werden.

 

Auf alles gibt es eine 7-Tage-Geld-Zurück-Garantie, so dass man den VPN-Dienst von IPVanish auch ohne expliziten Testlauf ausprobieren kann. Nur, wer sich über die iOS-App registriert, bekommt eine Testperiode und hat somit keine Geld-Zurück-Garantie mehr.

Fazit

IPVanish vermag vor allem durch seine Geschwindigkeit und Flexibilität zu überzeugen. Auf fast allen aktuellen Systemen läuft der VPN Service einwandfrei und kann auch ohne App problemlos und zuverlässig genutzt werden. Keine Protokolle anzufertigen ist ein echtes Plus und dass nur geteilte IP-Adressen eingesetzt werden, erhöht die Privatsphäre nochmals. Auch das IPv6 und P2P-Traffic unterstützt werden, ist eine Seltenheit unter VPN-Anbietern und je nach Anwendungsbereich wirklich hilfreich, ebenso wie der SOCKS5-Proxy. Dafür, dass bis zu fünf Geräte gleichzeitig den Dienst benutzen können, ist der Preis mehr als nur günstig und in Anbetracht der Geschwindigkeit mehr als angemessen.

vg-wort
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