Sa. 25. März 2017 um 7:29

Review: Huawei P10 im Alltagstest

von Barbara Walter-Jeanrenaud3 Kommentare

Huawei brachte das P10 mit nach Barcelona und sorgte damit für eines der wenigen Highlights auf dem Mobile World Congress 2017. Der Nachfolger des Huawei P9 versucht an die Erfolgsgeschichte des chinesischen Unternehmens anzuknüpfen. Ob dies gelingt oder ob unsere Erwartungen an das neue Highend-Smartphone sogar übertroffen werden, erfahrt ihr in unserem Testbericht.

Glitzer geht immer.

Handlich, blau, cool. So in etwa zeigt sich das P10 in Dazzling Blue, wenn es zum ersten Mal in der Hand liegt. Auch nach längerer Gebrauchszeit sieht man sich an der Farbe nicht satt, der Blauton ist unaufdringlich hübsch. Glitzer geht zudem bekanntlich immer. Die waffelartig strukturierte Hyper Diamond Cuts-Rückseite (unter waffelartig kann man sich mehr vorstellen) fasst sich gut an, schimmert im Licht und macht das Gerät zu einem Hingucker. Ein bisschen ungünstig ist allerdings, dass die Struktur des Gehäuses nicht gerade rutschfest ist. Im direkten Vergleich zum gläsernen Samsung Galaxy S7 und dem Alubody-iPhone 7 Plus ist der Rutschfaktor um ein Vielfaches höher. Schutz bietet hierzu die mitgelieferte transparente Plastikhülle, die zwar praktisch und stabil ist, aber den Glitzereffekt aufhebt.

Leider befindet sich sehr deutlich sichtbar eine Schutzfolie auf dem Gerät, die das Design nachhaltig stört. Es wäre schön, wenn diese Folie – wenn sie schon drauf sein muss – wenigstens besser an die Grösse des Displays angepasst sein könnte. Sie wirkt am unteren Rand zu kurz. Durch das beinahe randlose Design der Vorderseite sieht es so aus, als sei eben nicht das komplette Glas geschützt.

 


Huawei P10

Brillantes Full-HD-Display

Das Display des P10 löst in Full-HD auf. Einzelne Pixel sind nicht auszumachen und die Farben wirken klar und natürlich. Alle Bildschirminhalte werden knackscharf angezeigt. Im direkten Vergleich konnten keine Unterschiede zum Display des Samsung Galaxy S7 festgestellt werden – da wir den diesjährigen Konkurrenten von Samsung noch nicht zu Gesicht bekommen haben, können wir nicht abschliessend beurteilen, ob das P10-Display in der obersten aller Ligen bestehen können wird. Die Display-Aufösung des grossen Bruder P10 Plus ist höher als beim kleineren Gerät und übertrifft die Leistung. Für ein 5.1 Zoll grosses Gerät ist die Full-HD derzeit aber absolut ausreichend. Gespannt sind wir hier auch auf den direkten Vergleich zum neuen Sony Xperia xz Premium.

Hochwertige Verarbeitung

Insgesamt macht das 5.1 Zoll grosse Smartphone einen guten, stabilen Eindruck. Die Verarbeitung ist einwandfrei, es finden sich keine Kratzer, Grate oder Wackler. Die vorhandenen Buttons verfügen über sehr angenehme Druckpunkte. Der Fingerabdruckensor ist oval direkt am unteren Displayrand angebracht und verfügt über ein paar zusätzliche Funktionen neben dem Scannen des Fingerprints, dazu aber später mehr. Oberhalb des Displays befindet sich die Frontkamera, am rechten Rand der An/Aus-Knopf in Rot hinterlegt sowie die Lautstärkewippe. Am unteren Rand sitzt mittig der USB-Type-C-Anschluss, links daneben der 3.5 mm Klinkenanschluss, rechts der Lautsprecherausgang. Oben auf der Rückseite ist die Kamera mit ihren beiden Linsen und dem Blitz angebracht, daneben prangt der Schriftzug der Firma Leica. Das Huawei-Logo befindet sich im oberen Drittel mittig auf der Rückseite und fügt sich gut in Farbgebung ein.

 

Sehr gute Kamera

Das Sahnestück des Handys ist die stark beworbene Kamera. Diese soll laut Hersteller wahre Wunder vollbringen und tatsächlich konnte sie im Test durchaus überzeugen. Der Automatikmodus ist recht gut eingestellt und liefert schöne Bilder, die auch an den Rändern noch scharf sind. Farben wirken natürlich und klar dargestellt und selbst kleine Details wie etwa die Struktur des Mauersteins unter dem Graffiti sind deutlich zu erkennen.

Der Schwarz-Weiss-Modus ist eine ziemlich coole Sache und lässt viel Platz für künstlerische Spielereien. Dadurch, dass man einzelne Objekte auch nachkolorieren kann, lassen sich tolle Bilder erstellen. Die 20 MP grosse monochrome Linse der Kamera arbeitet also echt klasse. Die 12 MP RGB-Linse für die Farbgebung sorgt für gute Ergebnisse.

Die Kritik an der Kamera, die vielfach geäussert wurde, ist bei unserem Testgerät nur bedingt berechtigt. Im Test zeigte sich die Cam im Automatikmodus ein wenig zu lichtempfindlich, stellt man aber den Profimodus ein, lässt sich dies ganz einfach regulieren und es entstehen tolle Bilder. Porträts gelingen auch im Auto-Modus gut. Überzeichnete Farben können wir nicht bezeugen, an manchen Stellen trat nur die erwähnte leichte Überbelichtung auf. Die fotografierten Graffiti sehen in der Realität ganz genauso aus wie auf den Beispielbildern wiedergegeben.

 

Huawei und Selfies gehören zusammen wie Rüebli und Erbsen. Natürlich ist auch dieses Mal wieder eine hervorragende Frontkamera mit vielen Modi an Bord des Flaggschiffs. Schminkfunktion und Perfect-Selfie-Feature eingeschlossen. Beides ist nun nicht unbedingt lebensnotwendig oder Alleinstellungsmerkmal für das Handy, eine nette Spielerei und ein Partygag ist der Modus aber immer wieder. 

 

Das Tagesgeschäft werden allerdings, wie bei den meisten anderen Smartphone aus, Schnappschüsse und Selfies sein. Beides ist sehr gut möglich mit dem Gerät. Auch Videos werden auf den ersten Blick gut und der Bildstabilisator funktioniert einwandfrei. Im Beispielvideo ging es beim Filmen absichtlich recht turbulent zu, im Clip selbst ist davon kaum etwas zu merken. Die Bildqualität des Videos ist Out of the Box recht gut, setzt man die Qualität der Aufnahme hoch, ist sie entsprechend besser, frisst aber auch wesentlich mehr Speicher und Akku. Generell sind Filmaufnahmen mit bis zu 4k-Auflösung möglich.

Mit dem Kirin 960 rasant unterwegs

Die Performance des Huawei P10 ist dem Kirin 960 Octacore Prozessor geschuldet. Mithilfe von 4 GB RAM zeigt sich das Gerät sehr stark und schnell. Apps starten in Rekordzeit und ruckeln auch nicht unter Volllast. An die Grenzen des Machbaren konnten wir das Gerät auch nicht mit sehr aufwendigen Spielen bringen. Lediglich bei gleichzeitiger Nutzung von drei oder vier ressourcenfressenden Apps verringerte sich die Geschwindigkeit bei der Bedienung leicht. Real Racing 3 ist ebenso wie Tomb Raider kein Problem, spielt man allerdings zeitgleich auch noch Ingress oder Pokémon Go, steht nicht nur der Akku unter Stress. Dies ist allerdings kein wirklicher Alltagstest – denn wer spielt schon mehr als drei Spiele gleichzeitig? Wie dem auch sei: Das Ziel, das Gerät an seine Grenzen zu bringen, konnte nur mit sehr schwerem Gerät erreicht werden. 

 

Im Geekbench 4 Benchmark steht das Huawei P10 besser da als die Topgeräte von 2016. Das Samsung Galaxy S7 kann es mühelos abhängen, was man auch im direkten Vergleich der beiden Smartphones bemerkt. Wie es im Vergleich zu den neuen 2017er Smartphones, die ja zum Grossteil erst noch das Licht der Weltöffentlichkeit erblicken müssen, abschneidet, kann nur die Zeit zeigen. Gespannt sind wir in jedem Fall auf den direkten Vergleich zum Samsung Galaxy S8 und den neuen Sony-Geräten. Derzeit handelt es sich – abgesehen vom Huawei P10 Plus – um das stärkste Huawei-Modell und eines der aktuell leistungsstärksten Geräte auf dem Markt.

Klopfen, wischen, tippen – Bedienung des Huawei P10

Man kann das P10 zwar auch klassisch mit den Google Android-Tasten, also Pfeil, Kreis und Kasten, bedienen, die Nutzung des Fingerprintsensors drängt sich aber geradezu auf. Anfangs ist der Sensor ein wenig verwirrend. Er liegt in ovaler Form unterhalb des Displays und reagiert, wie von Huawei gewohnt, rasend schnell und megagenau. Es kam im Test in keinem einzigen Fall zu einem Nicht-Auslösen beim Entsperren, im Gegensatz zum iPhone 7 Plus und zum Galaxy S7. Bei diesen beiden Smartphones hakt der Sensor immer wieder, was sehr nervig sein kann. Das P10 hat dieses Problem nicht. Die übrigen Schikanen der Sensorfläche beinhalten zum einen die Home-Button-Funktionalität, die per kurzem Tipp auf die Fläche realisiert wird, zum anderen die Zurück- und alle Apps-Aufrufen-Funktion, die mit Wischen über den Sensor ausgelöst werden. Dies funktioniert wunderbar einfach und man gewöhnt sich sehr schnell daran.

 

Wie gehabt, kann man das Huawei-Interface EMUI 5.1 zusätzlich auch mit den Fingerknöcheln bedienen. Beherztes Klopfen löst einen Screenshot aus, zeichnet man ein “e”, öffnet sich Chrome, bei einem “c” die Kamera und bei einem “m” der Musik-Player. Profis können mit einer Kombination aus Klopfen und dem Zeichnen eines “s” auch noch Seitenverläufe screenshotten. All diese Features müssen in den Einstellungen zunächst eingeschaltet werden. Hierzu muss man unter dem Punkt “Intelligente Unterstützung” die Klopf-Gesten einstellen.

Was auf die Ohren: Sound- und Verbindungsqualität

Zwar verfügt das Huawei P10 nur über einen Speaker, dieser hat es aber in sich. Die Soundqualität ist erstaunlich gut. Spielt man Musik laut ab, so klingt es in etwa gleichwertig zu einem handelsüblichen Bluetooth-Lautsprecher des mittleren Preissegments. Im direkten Vergleich zum iPhone 7 Plus muss Apple einpacken. Bei voller Lautstärke kommen natürlich die Schwächen eines Handys zu Tage, der Sound wirkt blechern und schrill. Dafür ist es aber auch unglaublich laut. Auch das mitgelieferte Headset liefert gute Qualität, für Bahnreisen oder Ähnliches sind die Stöpsel gut zu gebrauchen. Die Wiedergabe mit der eigenen Musik-App ist einfach und gut zu bewerkstelligen.

 

Die Qualität der Telefonverbindung ist einwandfrei und wie von einem knapp 700 SFr. teuren Gerät zu erwarten. Das Gegenüber war stets gut zu verstehen und die eigene Stimme kam glockenhell am anderen Ende der Verbindung an. Ebenfalls von erster Güte sind WiFi- und Bluetooth 4.2-Connections. Diese stehen denen von Apples iPhone 7 Plus, Samsung Galaxy S7 und Co. in nichts nach und reichen genauso weit. Im Test war etwa die Bluetooth-Verbindung über drei Räume hinweg gut, WLAN klappte sogar noch im Keller, in dem andere Devices schon schlappmachen.

Akku: Durchschnittlich langer Atem

Der 3200 mAh starke Akku ist in Puncto Laufzeit nichts Besonderes, aber auch alles andere als schlecht. Er hält bei starker Nutzung im Stresstest fast einen kompletten Tag lang gut durch, bei normaler Nutzung, also zum Telefonieren, Emails Synchronisieren, Nachrichten Schreiben und ab und an Spielen, ein bis zwei Tage. Das sind durchschnittlich gute Werte, die auch andere Smartphones erreichen. Schön ist allerdings die Schnellladefunktion. In 30 Minuten lässt sich das Handy von 0% auf 50% Akkustand bringen, das ist eine tolle Sache. Verantwortlich dafür ist USB-Type-C. Beim Laden wird das Gerät nicht heiss, bei gleichzeitiger Nutzung etwa zum Musikhören oder Telefonieren kann es aber doch recht warm werden.

Preis und Verfügbarkeit

Das Huawei P10 ist seit heute auch in der Schweiz erhältlich. Es kostet 649 SFr. bzw. ab 599 Euro (je nach Angebot). Als Farben sind Graphite Black, Mystic Silver, Prestige Gold, Dazzling Blue und Greenery erhältlich. Bisher war der von Pantone und Huawei zur Handy-Trendfarbe 2017 erklärte Farbton Greenery (eine Art lindgrün) nur für das grössere Modell Huawei P10 Plus vorgesehen, ab heute gibt es die Farbe auch für das kleinere P10.

Fazit

Man hat es beim Lesen vielleicht gemerkt: Ich bin ziemlich angetan von dem Gerät. Alles funktioniert wie es soll, die Performance ist hervorragend und auch der Akku macht gut mit. Die Kamera kann sich mit den derzeit Stärksten der Branche messen und wird dabei sicher nicht ohne Weiteres verlieren. Die Bedienung ist einfach und durch die Funktionen des neuen Fingerabdrucksensors im Jahr 2017 angekommen. Die Sensorfläche erinnert ein wenig an Apples neuen “Home-Button” (der ja auch keiner ist), beinhaltet aber mehr und klügere Features.

 

Das Design des Geräts ist unaufgeregt, im besten Sinne. Durch das metallische Finish der Rückseite mit der waffelartigen Struktur wirkt die Farbe Blau glitzernd, ohne kitschig daherzukommen. Mit 5.1 Zoll liegt das Smartphone gut in der Hand und lässt sich auch mit einer Hand sehr gut bedienen, noch dazu passt es in die Hosentasche.

 

Ein kleines Manko ist die nicht vorhandene Rutschfestigkeit. Der Metallbody ist zwar schön griffig, aber auch sehr schlüpfrig. Einmal nicht aufgepasst und das Gerät hebt ab – was bei dem Preis von 649 SFr. doch sehr blöd enden kann. Die mitgelieferte Schutzschale kann Abhilfe schaffen, sieht aber nicht gut aus und zerstört den Glitzereffekt. Störend wirkt zudem die Huawei-typische Schutzfolie auf dem Display, die einfach nicht gut aussieht und dem Gerät einen billigen Touch gibt. Sie wirkt nicht richtig zugeschnitten und man erkennt sie sehr deutlich.

 

Dies ist allerdings Meckern auf extrem hohen Niveau. Es gab schon Geräte im Test, an denen eben diese Schutzfolie noch eines der besseren Details war. Das Huawei P10 ist einen ersten, zweiten und auch dritten Blick wert, wenn ihr auf der Suche nach einem neuen Gerät seid. Falls es eine Nummer grösser, stärker und auch teurer sein soll, gibt es ja auch noch das Huawei P10 Plus.

vg-wort
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3 Antworten zu “Review: Huawei P10 im Alltagstest”

  1. cardo sagt:

    Wie sieht es mit QI laden aus?

  2. Wesley_Crusher sagt:

    Naja, da es aus Aluminium ist, geht das ja nicht so einfach.

  3. Barbara Walter-Jeanrenaud sagt:

    Ja, da hat Wesley_Crusher recht. QI ist nicht mit an Bord.

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