Sa. 12. August 2017 um 15:31

Review: GPD Pocket im Test – Der wahrscheinlich kleinste Laptop der Welt

von Sebastian Mauch0 Kommentare

Laptops, oder auch Notebooks, sind heutzutage gewiss nichts besonderes mehr. Teilweise sind die portablen PCs aber vielen Nutzer_innen noch immer zu klobig. Zu diesem Zweck rief die Industrie die Sparte der Netbooks ins Leben. Das sind dann schon stark komprimierte Geräte mit meist reduzierter Leistung. Dort trifft man dann auf eher zweckmässige Hardware á la Intel Atom und nur so viel RAM wie nötig. Zum Arbeiten unterwegs, zum Mitschreiben in der Uni – oder wo auch immer – sind diese Geräte schon sehr praktisch. Aber nun ist die Technik schon so weit, das selbst Smartphones mit ihren ARM-Prozessoren ganze x86-Betriebssystem wie Windows emulieren können.

 

Dann muss es doch im Notebook-Segment auch noch kleiner gehen, oder nicht? Geht es! Und der GPD Pocket vom chinesischen Hersteller Gamepad Digital ist der “lebende” Beweis dafür. Hier haben wir es dann aber schon mit der Gattung der UMPC, also Ultra-Mobile PCs, zu tun. Vor einigen Monaten wurde das Gerät sehr erfolgreich via Indiegogo-Crowdfunding finanziert und die meisten Backer haben ihr Gerät nun schon eine ganze Weile im Besitz. Höchste Zeit mal einen kritischen Blick auf den Mini-Mini-Laptop zu werfen. Ist der GPD Pocket das ultimative Arbeitsgerät oder eher doch nicht? Das klären wir für euch im Test, daher viel Spass beim Lesen!

Klein – check. Mobil – check! Gut verarbeitet – check?

Portabel ist das Teil auf jeden Fall. Immerhin können die wenigsten Laptop mit Massen von 180 x 106 mm auftrumpfen. Zum Vergleich: Das ist in etwa so lang wie zwei nebeneinander gelegte Notizzettel. Zwar ist das Gerät mit seinen 18.5 mm ganz schön dick, aber irgendwo muss die Technik ja schliesslich unterkommen. Das Gehäuse des GPD Pocket ist ein CNC-gerfräster Klotz aus einer Magnesiumlegierung. Das sorgt dafür, das es nicht nur schlicht und edel wirkt, sondern auch kühl bleibt und nahezu immun gegenüber Fettspuren ist. Tatscht man doch mal mit fettigen Fingern auf das Leichtmetall, lassen sich schmierer einfach wegreiben. Da können sich Smartphone-Hersteller gern mal eine Scheibe von abschneiden!

 

Generell ist die Verarbeitung ziemlich gut gelungen. Alles wirkt sehr wertig und wie aus einem Guss. Nichts knarzt, nichts sitzt locker, doch es gibt auch Nachteile auf die wir im Abschnitt zur Alltagstauglichkeit zu sprechen kommen. Einen kleinen Schwachpunkt hat aber auch das edle Metallgehäuse: Das Scharnier. Das ist nämlich im Gegensatz zum Rest des Gehäuses aus Kunststoff und dürfte eine potenzielle Bruchstelle darstellen. Hier muss der Langzeittest zeigen, wie sich das Mikro-Notebook nach zahlreichen Reisen und Arbeitsstunden behauptet.


Klein und schlicht: Der GPD Pocket passt aufgrund seiner Dimensionen sogar in Hosentaschen.

An Anschlüssen bietet der GPD Pocket aufgrund der Bauweise nicht allzu viel. Alle vorhandenen Anschlüssmöglichkeiten tummeln sich auf der rechten Gehäuseseite. Dort findet man (von oben nach unten) einen normalen USB 3.0 Port, einen 3.5mm Klinkenanschluss, einen Port für Micro HDMI, sowie einen USB Typ-C Port. Letzterer ist quasi der Bauchnabel des Gerätes. Es handelt sich nämlich um die eierlegenden Wollmilchvariante des Typ-C Standards. Er kombiniert schnelle Datenübertragung auf Niveau von USB 3.0 mit der Möglichkeit via DisplayPort-Protokoll einen weiteren externen Monitor anzuschliessen. Ausserdem wird das Gerät per Power Delivery über den USB Typ-C Port geladen. Unter all den Anschlüssen finden sich noch die Aussparungen für die aktive Kühlung. Der Micro-Laptop wird nämlich mit einem kleinen Lüfter auf Temperatur gehalten. Auf der Unterseite findet man neben dem Herstellerlogo und den üblichen – auch EU-konformen – Prüfsiegeln noch den Ansaugschlitz für Frischluft sowie sechs kleine Schräubchen um das Gehäuse zu öffnen.

Die Hardware: Viel RAM,  aber gerade genügend Leistung

Wo wir gerade schon beim Äusseren sind, reden wir noch kurz über das Display bevor es an die Innereien geht. Klappt man den GPD Pocket auf, könnte man denken dass Gamepad Digital einfach ein iPad Mini an eine Tastatur gekleistert hat. Der Screen wirkt nämlich tatsächlich wie ein angestecktes Tablet und beherrscht auch Multi-Touch. An den Seiten sind zwar kleine schwarze Flächen, doch trotzdem wirkt das 16:10-Display recht ausladend. Aufgelöst wird in FullHD, was in Anbetracht der Dimensionen des Geräts mehr als ausreichend ist. Alles darüber würde Windows und seine grandiosen Skalierungstechniken nur gnadenlos durcheinanderbringen.

 

Durch die Auflösung von 1920 x 1200 auf gerade mal 7 Zoll Diagonale kommt der GPD Pocket auf eine Pixeldichte von rund 323 ppi, was locker an das Niveau von Retina-Displays aus dem Hause Apple herankommt und stets knackig scharf wirkt. Geschützt wird das etwas farbschwache IPS-Display von Corning Gorilla Glass 3. Da man das Gerät jedoch zuklappen kann und das Gehäuse nahezu perfekt abschliesst, dürfte Schutzglas eher eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Kommen wir nun zu den inneren Werten, denn die sind ja schliesslich das was zählt. Wie auch in den meisten Netbooks wird hier ein Intel Atom-Prozessor verbaut. Das Modell x7-Z8750 ist allerdings noch recht neu und wurde bereits im zeitgemässen 14nm-Verfahren belichtet. Im Idle-Betrieb taktet der Prozessor auf sparsame 1.6 GHz, entsteht Last, boostet der Chip auf immerhin 2.56 Ghz. Der Prozessor verfügt übrigens über vier Kerne, beherrscht allerdings kein Multithreading, was in dieser Preisklasse aber auch weder gewünscht, noch üblich ist.

 

Der Arbeitsspeicher ist mit 8 Gigabyte LPDDDR3-RAM sehr grosszügig ausgefallen. Warum das beim Multitasking jedoch nur bedingt hilft, klären wir gleich. Als Datengrab stehen 128 Gigabyte eMMC zur Verfügung. Dieser Embedded-Speicher ist zwar nicht so schnell wie moderne SSDs, sorgt aber trotzdem für recht schnell Zugriffe und vor allem eine ziemlich kurze Bootzeit.

 

Für grafikintensive Aufgaben kann der GPD Pocket leider nur auf die im Prozessor integrierte Intel HD Graphics 405 mit einem Boost-Takt von gerade mal 600 MHz zurückgreifen. Selbst eher sparsame, aktuelle Spiele wie Overwatch oder Rocket League lassen sich damit nicht mal auf niedrigsten Einstellungen flüssig spielen. Für Mobas und ältere Titel dürfte die Leistung aber noch gerade ausreichen. Spielen ist aber auch nicht wirklich der Haupteinsatzzweck dieses Geräts, soviel sollte klar sein. Der Fokus liegt nämlich auf dem mobilen Arbeiten. Vor allem wir Schreiberlinge sind unterwegs, etwa auf Messen oder Events, immer auf unsere Tippmaschinen angewiesen. Wenn man viel unterwegs ist, sollte der tägliche Begleiter aber auch nicht zu viel Platz einnehmen und leicht sein. Diese Kriterien hat der GPD Pocket schon mal mit Bravour erfüllt.

Unterwegs mit dem GPD Pocket

Da auf dem Gerät ein vollwertiges Windows oder wahlweise auch Ubuntu läuft, ist man also zumindest theoretisch nicht eingeschränkt. Surfen funktioniert problemlos, Bildbearbeitung geht notgedrungen auch klar, und sogar ein wenig Rendern von Videos ist machbar. Bei all solchen Alltagsaufgaben schlägt sich unser Exemplar gut, trotzdem gibt es ein Aber.

 

Im Vorfeld erwähnten wir den verbauten Arbeitsspeicher von immensen 8 Gigabyte, die für Multitasking eigentlich locker reichen sollten. Tun sie letztlich auch, irgendwie… Doof nur, wenn der Prozessor meist nicht hinterherkommt. Obwohl man teilweise nicht viel Rechenlast erzeugt, schiesst sich der Intel Atom gerne mal auf 100% Auslastung ein, was die User Experience dann hier und da schon mal etwas träger wirken lässt.

 

Ebenfalls merkwürdig: Trotz des schwachbrüstigen Prozessors hat die verbaute Aktivkühlung alle Hände voll zu tun. Vor allem an der rechten Geräteseite kann es da durchaus auch mal etwas wärmer als handwarm werden. Lädt man den GPD Pocket sogar noch gleichzeitig auf, feiert der kleine Minilüfter schon fast eine lautstarke Party.

 

So negativ das auch klingen mag, ist es am Ende aber gar nicht. Hat man nur leichte Aufgaben, wie Recherche oder das Verfassen von Texten auf der Agenda, macht der GPD Pocket durchaus eine gute Figur. Vor allem beim Browsen macht sich der Trackpoint – eine Art Mausgnubbel – bemerkbar. Nach kurzer Eingewöhnung navigiert man mit diesem fast schon so intuitiv wie mit einer richtigen Maus, lediglich das Mausrad fehlt. Wer mit Tasten und Touchscreen arbeitet, wird das aber nicht unbedingt als Hindernis wahrnehmen. Auch Tippen geht ganz gut auf dem Gerät, vorausgesetzt man übt es. Ja, richtig gelesen! Da wird es hier mit einem international vertriebenen Gerät eines Kleinherstellers zu tun haben, kommt das Notebook mit einem QWERTY-Tastaturlayout daher. Aufgrund der Grösse des Gerätes ist die Tastenanordnung auch noch mal ein ganzes Stück komprimiert worden.

 

Standardmässig läuft auf dem GPD Pocket ein vollwertiges Windows 10 Home, aber auch Ubuntu-Linux wird vom Hersteller angeboten

10-Finger-Schreiber brauchen sich aber nicht fürchten, denn es passen so ziemlich genau acht Finger auf die Tastatur. Umgewöhnen muss sich aber letztlich ein jeder Tippender, da die Tastenpositionen einfach stellenweise exotisch platziert sind. Layout und Grösse sind also schon mal die halbe Miete, hinzu kommt, dass QWERTZ-Nutzer_innen sich entweder an das englische Layout gewöhnen müssen, oder lernen das deutsche Layout blind zu benutzen.

 

Anfangs muss man gegebenenfalls noch oft nachschauen, wo ein bestimmtes Sonderzeichen nun sass, nach ein paar Wochen mit dem GPD Pocket näherte sich unsere Tippgeschwindigkeit allerdings schon fast der einer normalen Desktoptastatur. Hat man sich erstmal daran gewöhnt, ist also auch flinkes Tippen auf dem Kleingerät möglich. Der Tastenanschlag ist übrigens etwas härter als bei anderen Notebooks, was nach dem Umstieg hier und da zu einigen Tippfehlern aufgrund zu geringer Auslösekraft führen kann.

Und der Rest?

Für all die Sachen, die man mit dem GPD Pocket anstellen kann, steht ein Akku mit 7’000 mAh zur Verfügung. Diese Kapazität reicht locker aus, um den ganzen Tag nonstop kleinere Aufgaben auszuführen. Wer täglich nur etwa eine Stunde surft, kommt sogar länger als eine Woche hin. Bei rechenintensiveren Aufgaben wie Videos schauen oder Spielen hält der Energiespeicher immerhin knapp einen Tag aus. An die vom Hersteller genannte Laufzeit von über 10 Stunden kamen wir aber in keinem Testszenario heran. Über Dinge wie Lautsprecher und Mikrofon verfügt das Gerät zwar auch, jedoch klingen beide Komponenten eher schlecht als recht, und taugen allerhöchstens für den Notfall. Wenigstens ein halbwegs verkraftbarer Lautsprecher wäre schon wünschenswert gewesen.

 

Weiterhin hat der UMPC noch weitere kleine Gimmicks zu bieten. Per Bluetooth 4.1 lassen sich etwa Peripherie oder Lautsprecher oder Smartphones koppeln. Der interne Speicher ist mit 128 Gigabyte zwar nicht übermässig gross, sorgt aber trotz eMMC statt SSD für eine flotte Startzeit. Im Falle eines mit der Zeit gealterten Akkus, kann man diesen übrigens über wenige Schrauben auf der Rückseite entfernen und auswechseln. Der Rest der Hardware ist jedoch fest verbaut, sodass ein Prozessor oder RAM-Upgrade keine Option darstellt. Zum säubern reicht der Zugang aber allemal.

 

Geladen wird übrigens über den USB Typ-C-Port, und dank Power Delivery-Standard ist das auch binnen zwei Stunden erledigt. Möchte man ein Gerät oder Speicherquelle mehr an den GPD Pocket anschliessen, wird ein Dock fällig. Wir empfehlen an dieser Stelle eines mit richtigem Netzwerkanschluss, da das WiFi im Pocket zwar ausreichend schnell, aber nicht immer zu 100 Prozent stabil ist. Ausfälle gab es allerdings im Testzeitraum nur sehr selten. Gerade für gestreamte Spiele, etwa via Steam Inhome Streaming, empfiehlt sich der Weg über ein Dock und LAN-Kabel.

Was den Lieferumfang angeht, braucht sich Gamepad Digital auch nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Der GPD Pocket kommt in einem stabilen, schwarzen Pappkarton, auf welchen sogar das GPD-Logo eingelassen ist. Innerhalb der Verpackung verstecken sich das Gerät, ein USB Typ-C-Kabel, ein Netzteil, sowie ein Adapter für europäische Steckdosen. Vor dem Zoll brauch man übrigens keine Angst haben, da das Gerät auch in unserer Region gängige Prüfverfahren absolviert hat. Zum Anschaffungspreis sollte man aber noch die Einfuhrgebühr hinzurechnen, sofern die Lieferung auch beim Zoll hängenbleibt.

Fazit: Klein, schwach, etwas umständlich, aber doch irgendwie eine tolle Sache

Unser Fazit zum GPD Pocket fällt alles in allem gemischt aus, wenn auch mit einer Tendenz zur positiven Seite. Argumente wie die Kompaktheit, das Gewicht und die Portabilität sprechen schon ein klare Sprache. Rechnet man hinzu, dass man unterwegs immer auf ein vollwertiges Desktopbetriebssystem Zugriff hat, dann hat man schon ein paar gute Kaufgründe. Man sollte sich aber stets im Klaren sein, dass man aufgrund der Bauweise auch mit gewissen Kompromissen rechnen muss. Der Prozessor ist zwar sehr energiesparend, stösst aber schnell an seine Grenzen wenn es ums Multitasking geht. Dasselbe gilt dann auch für die Lüfter. Der erfüllt zwar seinen Zweck, lässt die rechte Seite des Geräts allerdings unter Last einen Tick zu heiss werden und ist zudem deutlich hörbar.

 

Mit einer der wichtigsten Punkte ist zudem die Tastatur. Wer mit QWERTY nichts anzufangen weiss, oder beim Tippen auf die Tastatur schauen muss, der sollte lieber zu einem Net- oder Macbook mit deutschem Tastaturlayout greifen. Hat man sich als “Hardcore-User” jedoch erstmal mit den Dimensionen und Tücken des GPD Pocket arrangiert, hat man einen treuen Wegbegleiter gewonnen, der notfalls sogar mal in der Jacken- oder Hosentaschen untergebracht werden kann. Vor allem Backer der Indiegogo-Kampagne haben hier einen vergleichsweise guten Deal gemacht. Derzeit wird das Gerät über Exporthändler wie Gearbest für rund 440 Euro vertrieben. Selbst Netbooks in dieser Preisklasse weisen meist noch schwächere Hardware auf. Für Frickelfreunde und Vielreisende können wir das Gerät durchaus empfehlen. Wer Komfort und Leistung sucht, sollte aber lieber bei normalen Notebooks bleiben.

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