So. 01. Juni 2014 um 11:08

Review: Geeksphone Revolution Dual-OS Smartphone im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Verzeichnis

  1. Design aus Kunststoff ohne Highlights
  2. Intel Prozessor mit Potenzial, aber ohne Power
  3. Mässiges Display ohne Glanz
  4. Gute Kamera ohne Features
  5. Android und Firefox OS: Dual-OS ohne Dual-Boot
  6. Sehr gute Akkuleistung ohne Schwächen
  7. Fazit

Design aus Kunststoff ohne Highlights

Man kann dem Revolution von Geeksphone keine schlechte Verarbeitung nachsagen. Im Gegenteil: Die Passgenauigkeit der Elemente ist auf einem recht hohen Niveau, allerdings hört es dort auch schon wieder auf. Das Gerät fühlt sich zwar in der Hand recht solide an, doch will kein Gefühl Hochwertigkeit aufkommen. Schuld ist vor allem der matte und recht glatte Plastikrücken ohne jegliche Akzente. Zwar sieht die leicht geschwungene Stromlinie an den Rändern des Revolution interessant aus, erweckt aber eher das Gefühl von einem Spielzeug in Kunststoff. Vor allem ein persönliches Gefühl liess mich über die gesamte Testphase nie alleine: Das Revolution sieht aus wie ein übergrosser Schokoriegel. Allerdings ist dieser Eindruck stark subjektiv.

 

Die Abmessungen sind ebenfalls nicht sonderlich spektakulär, sondern für ein 4.7 Zoll Smartphone noch etwas bullig. In der Höhe misst das Revolution 135 mm, in der Tiefe 9.6 mm, in der Breite 68 mm und ist mit fast 140 Gramm auch nicht sonderlich leicht, liegt aber dank der handschmeichlerischen Oberfläche und den griffigen Massen erstaunlich gut in der Hand.

Intel Prozessor mit Potenzial, aber ohne Power

Die Hardware ist für ein 200 EUR Gerät ebenfalls sehr überschaubar, aber auch interessant zu lesen. Im Revolution von Geeksphone kommt ein Intel Atom Chipsatz zum Einsatz, der trotz der 2’000 mAh eine beeindruckende Akkulaufzeit hinlegt, aber dazu später mehr. Der Intel Atom Z2560 mit zwei Kernen taktet mit 1.6 GHz und unterstützt Hyperthreading, was ihm zwei weitere virtuelle CPUs zur Verfügung stellt und darüber hinaus ein vollwertiger x86 Prozessor ist. Unterstützt wird dieser von 1 GB RAM und reichlich lächerlichen 4 GB internem Speicher, wovon gerade einmal 2.6 GB zur Verfügung stehen. Immerhin lassen sich MicroSD-Karten bis 32 GB einstecken. WLAN b/g/n werden unterstützt genau wie Bluetooth in Version 3.0. NFC und LTE werden nicht unterstützt.

 

Dass das Gerät nicht ganz so langsam ist, zeigt der Prozessor. Mit doch etwas betagten 1.6 GHz geht es einigermassen flott auf der Benutzeroberfläche voran, was allerdings vor allem daran liegt, dass Android hier mehr oder weniger eine AOSP-Variante installiert worden ist. Es sind also nicht einmal Google-Dienste installiert. Nackter geht es definitiv nicht. Die Performance liegt dabei leicht unter der Mittelklasse. Diverse Benchmarks zeigen, dass die Geschwindigkeit in Ordnung geht, aber durchaus schneller sein könnte. Ein Moto G von Motorola leistet da doch etwas mehr.

 

Die folgende Bilderliste gibt also Aufschluss über die Leistungen des Gerätes und vor allem auch über die Betriebssysteme. Deutlich mehr Punkte in den Browser-Benchmarks gab es für die hervorragenden Engine-Leistungen unter Android. Der Firefox Browser unter Firefox OS kam nicht einmal ansatzweise in die Nähe der Punktzahlen. Geekbench und 3DMark zeigen ebenso den Leistungsunterschied zu anderen Smartphones. Das günstigere Moto G für weniger Geld (unser Review) kommt eindeutig besser vom Fleck.

Mässiges Display ohne Glanz

Das Display ist und bleibt einfach das Herzstück jedes Gerätes und ist eine der tragenden Säulen, die oftmals die HighEnd-Klasse von den deutlich günstigeren Geräten unterscheidet. So ist es nicht verwunderlich, dass der Bildschirm im Revolution von Geeksphone keine Bäume ausreisst. Er löst lediglich mit 960 x 540 Pixel auf und erreicht auf 4.7 Zoll nur eine Pixeldichte von 234 ppi. Ein Umstand, der im gesamten System oftmals deutlich zu erkennen ist, vor allem an Rändern von Schrift oder beim Betrachten der eigenen geknipsten Bilder. Das Display ist stellenweise sehr kalt, was oftmals auf hellen Inhalten auf dem Schirm in einen starken Blaustich endet, was unter anderem auch die Farbdarstellung verfälschen kann. Auch die Blickwinkelstabilität ist an vielen Stellen nicht tragbar. Schon ab geringer Seitenwendung wird das Bild milchig, bzw. grau-trüb.

 

Das Revolution hinkt mit dieser Art von Mattscheibe oft selbst deutlich günstigeren Geräten hinterher. Beispielsweise das Moto G von Motorola hat nicht nur ein höher aufgelöstes Panel, sondern auch ein Display, welches sich mit seinen Eigenschaften sogar mit der oberklassigen Konkurrenz messen kann.

Geeksphone Revolution Display
Schwaches Display mit niedriger Auflösung

Gute Kamera ohne Features

8 MP stehen der rückseitigen Kamera zur Verfügung und diese ist alles andere als schlecht. Ein guter Beweis dafür, dass Megapixel nicht alles sind und durchaus sinnvoll eingesetzt werden können. Die Kamera generell kommt durch das ASOP Android ohne jegliche weitreichende Funktionen. Es handelt sich also um die nackte Android-Kamera-Applikation, was allerdings auch nicht sonderlich stört. Im Gegenteil, man bekommt eine ordentliche Anwendung mit dem nötigsten, zusammen verpackt mit einer guten Knipsmaschine. HDR Modus wird selbstredend unterstützt. Wer mehr Funktionen möchte, muss sich entsprechende Apps nachinstallieren.

 

Unter Firefox ist die Kamera zwar immer noch gut, doch ist der Funktionsumfang hier noch deutlich sparsamer. Man kann maximal den Blitz ein und ausschalten, eine HDR Funktion gibt es leider nicht. Kamera-Apps sind ebenfalls noch nicht im Store von Firefox OS eingetroffen.

Android und Firefox OS: Dual-OS ohne Dual-Boot

Wer das Geeksphone frisch auspackt und einschalten möchte, wird schon beim Start auf die beiden Betriebssysteme, welche völlig unabhängig voneinander installiert werden müssen hingewiesen. Schnell wird klar: Es ist kein Dual-Boot-System, sondern wird aus Marketing-Gründen als Dual-OS-System betitelt. Das bedeutet, dass immer nur eines der beiden Betriebssysteme installiert sein kann. Wählt man das eine aus und installiert es, muss das andere in Custom-ROM Manier geflasht und installiert werden. Bei beiden Vorgängen gehen alle Daten verloren. Entscheidet man sich allerdings am Start für Android, kann man per Schalter in den Einstellungen Mozilla „Out of the Box“ installieren. Wenn man dann allerdings wieder zurück zu Googles Betriebssystem gehen möchte, muss es direkt geflasht und installiert werden, was sich für Laien unter Umständen als schwierig erweisen könnte.

 

Android 4.2.2 ist auf dem Revolution in seiner reinsten Form installiert und bringt nicht einmal die typischen Google Dienste wie Hangouts, Play Store oder Google Play mit. Das System ist also ein reines AOSP-Produkt. Allerdings können ebenfalls in den Einstellungen per Klick die Google-Dienste nachinstalliert werden. Wer diese allerdings nicht haben will, muss ohne einen App Store auskommen. Im Netz gibt es aber auch schon fähige Alternativen wie beispielsweise Amazons App Store. Die Oberfläche des unangetasteten Androids reagiert sehr zügig auf Eingaben, verschluckt sich allerdings häufiger, sobald es ans etwas komplexere Multitasking geht oder man versucht, etwas leistungshungrigere Apps zu starten. Für den alltäglichen Einsatz im Internet sollte die Leistung allerdings ausreichen. Vorteil für alle Bastelfreudigen unter uns: Das Gerät ist von Anfang an gerootet und lässt den vollen Zugriff auf das System zu.

 

Schwerer wird es allerdings unter Firefox OS von Mozilla. Dieses kann derzeit nur in Version 1.3 installiert werden und liegt damit deutlich hinter der Entwicklung der 2.0 Version. Das System ist daher noch sehr träge und provoziert bei schnellerer Navigation immer noch Fehleingaben, wie es zuletzt beim ZTE Open (unser Review) der Fall war, wenn auch nicht ganz so schlimm. Lange Listen verschlucken sich immer noch beim Scrollen und verursachen teils deutliche Ruckler. Firefox ist zwar ein fähiger Browser, hängt aber der Konkurrenz auf Android und iOS meilenweit hinterher und hat deutlich längere Ladezeiten und ruckelt auch ab und an bei der Bedienung. Man muss aber weiterhin festhalten, dass vor allem Firefox OS auf Basis von HTML5 ein System ist, welches enormes Potenzial besitzt und immer noch am Anfang seiner Reise steht. Allerdings fehlt es an vielen Stellen immer noch an der nötigen Performance und Apps. Dafür bekommt man aber eine weitreichende Kontrolle über das System und hat viele relevante Sicherheitseinstellungen für seine eigenen Bedürfnisse.

 

An sich ist das Revolution ein Smartphone mit einem Unterbau an Hardware, den es in dieser Leistungskategorie für Mozillas Firefox OS bisher noch nicht gab und das spürt man durchaus, auch wenn das System selber noch mit Problemen kämpft, was allerdings nicht an der CPU liegt. Das Gerät dient vielmehr als Referenz zum Entwickeln und hat hier solide Ressourcen zu bieten, die es zu optimieren gilt. Das Projekt ist und bleibt interessant und das Geeksphone Revolution könnte somit ein frei zugängliches Entwickler Device sein. Interessierte Bastler werden sich allerdings freuen: Neben CyanogenMod und Googles Android 4.4, soll das Revolution auch bald die neueste Version von Mozillas Firefox OS bekommen. Das sollte vor allem die Geschwindigkeit deutlich erhöhen.

Sehr gute Akkuleistung ohne Schwächen

Kommen wir zu einem der positiveren Punkte, die das Revolution von Geeksphone zu bieten hat und zwar die wirklich starke Akkulaufzeit. Obwohl man bei der Zahl von 2’000 mAh Stunden normalerweise zurückschrecken würde, muss man an dieser Stelle festhalten, dass der Intel Atom Z2560 mit seiner ARM Architektur unter Android ein wahres Akkuwunder ist. Bei voller Display-Helligkeit und einem Videodauertest kamen wir auf fast 7 Stunden (!!) Laufzeit! Ich habe den Test mehrmals wiederholt, da ich es anfangs selber nicht glauben konnte, doch der Wert war bei jeder Wiederholung ähnlich. Auch die Standbyzeiten sind herausragend. Display-ON-Zeiten mit dem Revolution sind ebenfalls stark: Mit bis zu fünf Stunden aktivem Display schafft man bei durchschnittlicher Nutzung gut und gerne auch mal zwei Tage, sofern keine extrem rechenintensiven Aufgaben dabei sind.

 

Die Werte sind allerdings auch mit Vorsicht zu geniessen, denn die hier getestete Version ist immer noch die installierte AOSP Variante und daher läuft nicht ein einziger Google Dienst im Hintergrund. Das Gerät ist also nahezu unbelastet und baut im Hintergrund auch keine Verbindungen auf. Nicht einmal automatische Updates werden gesucht, sondern die Apps müssen manuell installiert auch manuell aktualisiert werden. Wer also die Google Dienste nachinstallieren will, sollte auch mit einer verkürzten Akkulaufzeit rechnen, die dem Test hier nicht mehr gerecht wird.

Fazit

Das Revolution von Geeksphone ist ein solides Gerät, ohne wirklich aus der Masse hervorzustechen. Das Display ist neben dem internen Speicher von nur 4 GB eines der grössten Schwächen des Revolution und kann leider nicht überzeugen. Die Performance liegt unter dem Durchschnitt, macht allerdings auf dem nackten Android System eine gelungene Figur. Firefox OS ist eine interessante Alternative, doch hakt es noch an vielen Stellen im System: Die Performance des HTML5-OS ist immer noch streckenweise unterirdisch und auch die Funktionsvielfalt ist eher dürftig. Doch ist die Wahl zwischen den beiden Betriebssystemen gelungen und vielleicht vor allem für Entwicklerinnen und Entwicklerinnen sehr interessant.

 

ProContra

Solide Verarbeitung

Mässiges Display
Gute Kamera4 GB interner Speicher
Hervorragende AkkulaufzeitPerformance Probleme
AOSP Android mit RootFirefox OS noch unausgereift 
Updates in der ZukunftSehr schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis 

 

Aber das Gerät hat auch seine guten Seiten: Die Kamera mit 8 MP knipst ganz ordentliche Fotos und vor allem auch die Akkulaufzeit ist unter der AOSP Version von Android nahezu unschlagbar gut! Es braucht also keine 3’000 mAh, um wirklich lange Laufzeiten zu erzielen. Installiert man aber die Google Play Dienste nach, könnte die Laufleistung aber auch wieder einknicken, vor allem weil dann auch im Hintergrund mehr Verbindungen aufgebaut werden. Zudem wird es Updates auf das neueste Firefox OS geben, CyanogenMOD hat sich ebenfalls schon eingeschaltet und auch Android 4.4 als AOSP Version wird vorbereitet. Mehr Flexibilität „out of the Box“ geht nicht.

 

Unterm Strich bleibt ein Smartphone für 200 EUR, das nicht wirklich viel fürs Geld bieten kann. Geräte wie das Moto G von Motorola kosten 160 EUR in der kleinsten Konfiguration, bieten mehr Speicher, einen schnelleren Prozessor und das mit Abstand deutlich bessere Display. Das Revolution bleibt daher für Developer eine sehr interessante Wahl: Die Möglichkeit Firefox OS zu installieren ist eine tolle Gegebenheit, die zum Basteln einlädt und die Google-freie Android Version, die dazu noch gerootet daherkommt, ist ebenfalls ein Bastelargument. Weniger technikbegeisterte Anwenderinnen und Anwender sollten sich aber lieber nach günstigeren Alternativen umsehen.

vg-wort
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