Sa. 24. Dezember 2016 um 14:08

Review: Der Bowers & Wilkins P9 Signature im Test

von Jörg Renken0 Kommentare

Bowers & Wilkins ist bekannt für seine hervorragenden Klangprodukte und die Kopfhörer machen da keine Ausnahme. Daher haben wir in der Vergangenheit schon diverse von ihnen getestet. Der letzte war der P7 Wireless (hier findet ihr den Test). Doch mit dem neuen P9 Signature hat sich der Hersteller aus England auf ein neues Niveau begeben. Sie steigen damit in die Kopfhörer-Oberklasse ein. Das ist für uns nun ein Grund, die neuen P9 Signature von Bowers & Wilkins ebenfalls zu testen.

Die technischen Daten des P9 Signature

Fans von Kopfhörern kann man grob in zwei Lager einteilen: Die Zahlenfreaks, die die technischen Daten als allererstes interessieren und diejenigen, die es nur auf den Klang und die Trageeigenschaften ankommt. Erstere kommen sofort in den Genuss ihrer Daten, letztere werden dafür weiter unten auf ihre Kosten kommen.

 

Fangen wir also mit den technischen Daten an. Sie sind für die P9 Signature laut Bowers & Wilkins wie folgt:

  • Kopfhörertyp: Ohrumschliessend (OverEar)
  • Chassis: 2 x 40 mm
  • Frequenzgang: 2 Hz bis 30 kHz
  • Impedanz: 22 Ohm
  • Gesamtklirrfaktor: < 0.2% (@ 1 kHz/10 mW)
  • Empfindlichkeit: 111 dB/V (@ 1 kHz)
  • Maximale Eingangsleistung: 50 mW
  • Gewicht: 0.413 kg

Weitere Besonderheiten sind: 

  • Nylon-bedämpfte Membran
  • Membran mit eigener Aufhängung
  • CCAW-Schwingspule mit grossem, externem Magneten
  • Auswechselbare und akustisch optimierte Ohrpolster
  • Wechselbare Kabel (siehe Lieferumfang)
  • Faltbar
P9 Signature inkl. Zubehör
Der P9 mit Lieferumfang. Schlicht und elegant, mehr kann man nicht sagen.

Der Lieferumfang des P9 Signature

Der Lieferumfang ist bei den P9 Signature ein wenig umfänglicher als bei den anderen Kopfhörern von Bowers & Wilkins. Er umfasst diesmal folgendes:

  • Kopfhörer P9 Signature mit Audiokabel zur Steuerung von iOS-Devices
  • Universal-Audiokabel (ohne Fernbedienung)
  • 5 Meter langes Audiokabel
  • 6.35-mm-Adapterstecker
  • Alcantara-Tragetasche mit Lederbesatz
  • Beiliegende Literatur

Im 1. Quartal 2017 liefert Bowers & Wilkins noch ein viertes Kabel aus. Dann bekommen nämlich alle registrierten P9 Signature-User kostenlos ein Audiokabel mit Lightning-Anschluss nachgeliefert. Dieses Kabel soll über einen eigenen DAC verfügen und dadurch den Klang an iOS-Devices noch einmal verbessern. Wir werden versuchen ebenfalls in den Genuss des Kabels zu kommen und werden euch dann entsprechend unterrichten.

 

Die Verarbeitung und die Handhabung der P9 Signature

Jetzt komme ich zu dem Abschnitt, der mir ehrlich gestanden am schwierigsten fällt: der Verarbeitung. Das Problem ist, ich weiss langsam nicht mehr, wie ich es schreiben soll. Alles wiederholt sich, egal welches Produkt ich von Bowers & Wilkins teste, sämtliche Produkte haben eine Verarbeitungsqualität, die über all die Jahre gleich geblieben ist. Und zwar auf einem gleich hohem Qualitätsniveau. Bei keinem Produkt hatte ich auch nur irgend etwas zu beanstanden. Weder die Qualität des Leders oder der Kunststoffe noch die Verarbeitung der Metalle etc. lieferte je auch nur einen Grund zur Beanstandung. So ist es auch bei den P9 Signature. Alles – das gilt logischerweise auch für die Kabel und die Tasche – ist in einem Zustand, den man wirklich als perfekt bezeichnen kann. Keine Grate, sauber verarbeitete Nähte etc. So sollen Produkte gefertigt sein!

 

Die Handhabung gestaltet sich genauso wie die aller iOS-Kopfhörer. Das Design der Fernbedienung und deren Handhabung ist durch Apple „genormt“. Dadurch ist die Fernbedienung letztlich in drei Teile gegliedert. Oben ist der Lauter- und unten der Leiser-Knopf. In der Mitte befindet sich der Knopf für Start/Stop sowie Vorwärts/Rückwärts. Einziger Kritikpunkt: die Bedienelemente könnten sich ein wenig mehr von der Metallummantelung absetzen. So muss man immer ein wenig schauen, ob und wo der richtige Knopf ist. Dies ist aber in unseren Augen nur ein marginaler Kritikpunkt, da ich mich letztlich doch nach einer gewissen Zeit daran gewöhnt hatte.

 

Wichtiger ist in meinen Augen das Wechseln der Kabel. Ich habe Mittels 6.35 mm-Adapter in Verbindung mit dem 5 m-Kabel den Kopfhörer immer wieder mal an meine Hifi-Anlage angeschlossen. Da ist es wichtig, dass sich das Kabel leicht wechseln lässt. Und das kann man. Dazu entfernt man einfach das mittels Magneten anhaftende Ohrpolster. Fädelt das Kabel aus dem kurzen Kanal aus und winkelt den Stecker leicht ab. Jetzt kann man das Kabel super einfach abziehen. Das andere Kabel befestigt man dann in umgekehrter Reihenfolge. Super einfach. Super praktisch.

Das Design und der Tragekomfort der P9 Signature

Das erste, was einem auffällt, wenn man die P9 Signature auspackt, ist das geänderte Design. Es hebt sich deutlich von allen vorherigen Kopfhörern ab, die von Bowers & Wilkins herausgebracht wurden. Alle Klanghörer waren bislang meist in Schwarz gehalten. Einzige Ausnahme bildeten hier für kurze Zeit die P3 Serie 1, die es auch in „bunt“ gab. Die P3 Serie 2 ist allerdings wieder nur in Schwarz zu bekommen. Anders die P9 Signature.

 

Sie sind in Braun gehalten mit Akzenten in Schwarz und Silber. Ausserdem wurde der Kopfhörerbügel verändert. Bestand er bei allen vorangegangenen Kopfhörern quasi aus zwei Drahtbügeln, hat man sie jetzt durch massive Metallbügel ersetzt. All diese Veränderungen sorgen dafür, dass die Kopfhörer in meinen Augen noch edler wirken, als alle vorherigen Modelle von Bowers & Wilkins zuvor.

 

Aber auch unter der Haube hat sich designtechnisch einiges getan. Zum einen wurde das Gehäuse vollständig überarbeitet. Durch den veränderten Einsatz von diversen Materialien und durch eine Finite-Elemente-Analyse konnte die akustische Umgebung verbessert werden. Zum anderen wurde das Chassis jetzt nicht mehr plan eingebaut. Vielmehr wurde es um 15° geneigt (siehe folgende Grafik). Dadurch kommt für das Ohr der Schall nicht mehr von der Seite sondern so, als kämen er von zwei Lautsprechern in Front des Benutzers. Auch wurden die Chassis bezüglich einer präziseren Membranbewegung überarbeitet. Dies soll für eine präzisere Hochton- und eine vollere, verzerrungsfreiere Basswiedergabe sorgen.

P9 Signature ohne Polster
Die veränderte Lage des Chassis (hier ohne Stoffbezug) im P9 Signature

Des Weiteren wurden die Kopfbügel durch die Vermeidung eines durchgehend metallischen Kontaktes von den Ohrpolstern entkoppelt. Somit ist eine störende Übertragung von Vibrationen vom Kopfbügel auf die Ohrpolster und  somit auch auf die Chassis nicht mehr möglich.

 

Ein für uns ebenfalls wichtiger Punkt ist der Tragekomfort. Wir habe schon einige Kopfhörer getestet, die klanglich gut bis sehr gut waren, aber letztlich nicht überzeugen konnten, weil ihr Tragekomfort eher mangelhaft war. Anders ist es bei dem hier getesteten Modell von B&W. Selbst nach mehrstündigem Musikhören mit dem P9 Signature drückt er kein bisschen und das, obwohl ich Brillenträger bin. Grund dafür dürften unter anderem die – gegenüber den P7 – deutlich grösseren Ohrpolster sein (siehe Vergleichsbild im Album). Sie umfassen die Ohren deutlich besser. Bewegt man den Kopf, so bleibt der Kopfhörer dort sitzen, wo er hingehört. Alles in Allem steht der P9 Signature seinem kabelgebundenen Vettern in punkto Tragekomfort in nichts nach. Den Tragekomfort würden wir daher – wie auch schon zum Beispiel beim P7 oder den P7 Wireless –  mit dem Attribut „exzellent“ beschreiben, trotz des um circa 90 Gramm höheren Gewichts gegenüber den P7 Wireless, was sprichwörtlich hier durch den hohen Tragekomfort "nicht ins Gewicht fällt".

 

Das Wichtigste: der Klang der P9 Signature

Kommen wir nun zu einem der wichtigsten Punkte, der für den Kauf entscheidend ist: der Klang. Anders als bei den anderen Modellen der Reihe, die wir getestet haben, wurde der P9 Signature nicht nur an einem Smartphone getestet. Dieses mal wurde er zusätzlich auch an zwei Computern (iMac Late 2014, MacBook Pro Late 2016) und einer Hifi-Anlage (Denon AVR X-4000 Verstärker) getestet. Der Grund ist simpel. Der P9 Signature ist – anders als z. B. der P7 oder der P5 – auch dafür ausgelegt, genau diese Anwendungsbereiche mit abzudecken.

 

War der P7 schon ein gewaltiger Klangsprung (verglichen z. B. mit dem P5 oder Kopfhörern anderer Hersteller) so ist der Hörgenuss mit dem P9 Signature noch einmal eine Klangdimension besser. Getestet wurde der Kopfhörer wieder mit meinen üblichen Testsongs (siehe hier). Allerdings habe ich mich dieses Mal nicht darauf beschränkt, zusätzlich kamen diverse TV-Sendungen, Spiele etc. hinzu.

 

Mir fiel es bei noch keinem Kopfhörer so schwer, die klanglichen Qualitäten in Worte zu fassen wie bei diesem hier. Ich werde es trotzdem einmal versuchen. Dazu möchte ich exemplarisch die Stücke von Eric Serra „Lucia di Lammermoor“/“The Diva Dance“ und von Michael Jackson „They don’t care about us bzw. Who is it 7″ Edit“ benutzen.

 

Als ich die P7-Kopfhörer getestet hatte, war ich schon von dem deutlich besseren Klang gegenüber anderen Kopfhörern begeistert. Als ich jetzt aber die P9 Signature zum ersten Mal probegehört habe, war ich gleich schwer beeindruckt, was dieser Kopfhörer noch mehr klanglich zu bieten hat. Er hat meiner Meinung nach deutlich mehr Volumen, Klangfülle, Nuancen und Stereoqualität zu bieten, als alle anderen Kopfhörer, die ich je auf den Ohren hatte. Der Kopfhörer bietet Klanggenuss pur. Allerdings muss bei diesem Modell mehr als bei allen anderen Kopfhörern auf die Qualität der Aufnahmen geachtet werden. Die P9 Signature entlarven jeden noch so kleinen Fehler beim Aufnehmen und Mastern.

 

Massgeblich dafür ist aber auch das Ausgabemedium. Beim Computer und beim Smartphone sind die einzelnen Spuren deutlicher als über unserer Hifi-Anlage wahrzunehmen. Es hängt hier im hohen Masse auch von der Qualität der DAC etc. ab. Beim iPhone könnte hier das anvisierte Lightning-Kabel noch einmal einen Qualitätssprung bieten, da es – wie schon erwähnt – einen eigenen DAC haben soll.

 

Nehmen wir zum Beispiel das Lied "They don’t care about us" von Pop-Ikone und Legende Michael Jackson. Über das iPhone bzw. dem iMac kann man noch differenzierter die einzelnen Spuren heraushören. Dabei hat man den Eindruck, dass die Umsetzung der Aufnahme ein wenig metallischer klingt. Das liegt aber – wie gesagt – an den internen Komponenten, die die Aufnahme an den Kopfhörer weiterleiten. Bei der Wiedergabe über den Denon-Verstärker kommt das Musikstück wesentlich "runder" rüber. Bei den beiden Stücken von Eric Serra kommt die Stimme von Inva Mula – wie sie quer über die ganzen Oktaven tanzt – klanglich wesentlich leuchtender zur Geltung als bei jedem anderen bislang getesteten Kopfhörer. Insgesamt werden bei diesem Stück sämtliche Feinheiten klanglich besser dargestellt.

Unser Fazit zu den P9 Signature von Bowers & Wilkins

Konnte ich die anderen Kopfhörer von Bowers & Wilkins schon uneingeschränkt empfehlen, so gilt dies um so mehr für den P9 Signature. Der klangliche Sprung ist meiner Meinung nach noch einmal so immens, dass er den deutlich höheren Preis zum Beispiel zum P7 mehr als nur rechtfertigt. Aus diesem Grund empfehlen wir allen audiophilen Personen, die P9 Signature in die engere Wahl zu ziehen. Dennoch ist Klangqualität immer auch eine Frage der eigenen Wahrnehmung! Probehören in diesen Preisdimmensionen ist also immer oberste Pflicht.

 

Der Bowers & Wilkins P9 Signature kostet im Handel 975.- SFr. bzw. 899,- Euro. Zu beziehen ist er zum Beispiel über die Webseite von Bowers & Wilkins und bei Amazon oder aber bei k55 als autorisierter Schweizer Bowers & Wilkins-Händler. Das aktuelle Händlerverzeichnis von Bowers & Wilkins für die Schweiz findet man hier.

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