Di. 31. Oktober 2017 um 13:05

Review: Creative Flex On-Ear-Kopfhörer im Kurztest

von Sebastian Mauch0 Kommentare

In einer Zeit wo Bluetooth-Kopfhörer schon mit aktiver Geräuschunterdrückung und nahezu verlustfreier Wiedergabe daherkommen, wer braucht da schon noch kabelgebundene Kopfhörer? Nun, so ganz problembefreit ist die Bluetooth-Technologie auch heute noch nicht. So kommt es auch bei den besten Produkten mal vor, dass die Wiedergabe für einen (sehr) kurzen Moment unterbricht oder es Probleme beim Pairing gibt. Wer sich an solchen zugegebenermassen Kleinigkeiten stört, dafür aber kein Problem mit einem Kabel hat, der greift dann schon eher zu Produkten wie dem Creative Flex, um den es in diesem Test gehen wird. Haben Budget-Kopfhörer mit Kabel heutzutage noch eine Daseinsberechtigung, und wenn ja, wie schlägt sich der Flex aus den Creative Labs? Das klären wir in den folgenden Zeilen.

Design ist der Preisklasse entsprechend

Wer Creative schon etwas länger auf dem Schirm hat, wird wissen, dass die Marke für Qualität steht. Zumindest im mittleren und hohen Preissegment darf man unter diesem Namen bereits hervorragende Hardware erwarten (Test 1, Test 2, Test 3). Nun haben wir es beim Creative Flex jedoch mit einem sehr preiswerten Produkt um die 40 bis 50 Franken zu tun. Zumindest in Sachen Verarbeitung merkt man das dem Gerät auch an. "Klapprig" beschreibt es wohl am besten. Wobei das teils auch Schuld eines bestimmten Features ist. Der Flex ist nämlich in sich klapp- und drehbar. Dank grosser Gelenke am unteren Ende des Kopfbügels lassen sich die Ohrmuscheln um etwa 90 Grad nach innen klappen.

 

Direkt unter diesen Gelenken befindet sich noch ein weiteres Paar, wodurch sich die Ohrmuscheln zusätzlich flach drehen lassen. In dieser Stellung nimmt der Kopfhörer ziemlich wenig Platz ein, und dürfte sogar noch in der einen oder anderen Jackentasche Platz finden. Zwar rastet in dieser Form nichts ein, da die Ohrmuscheln sich aber gegenseitig blockieren dürfte ein versehentliches Ausklappen ohne Krafteinwirkung ausgeschlossen sein.

 

Die platzsparende Konstruktion macht das Gerät aus leichtem Kunststoff allerdings auch sehr klapprig. Der Kopfbügel ist da noch das stabilste Bauteil. Hier hat man aber nicht sonderlich auf Komfort geachtet. Als Polster muss nämlich ein ungeschützter Streifen aus Schaumstoff herhalten, durch den man teilweise schon das Plastik dahinter spürt. Auch der Mix aus Spannkraft und der verwendeten Ohrpolster kann nicht wirklich überzeugen. Die Polster sind zwar relativ weich, aber von Kunstleder anstatt von Stoff umzogen.

 

Das ist zwar üblich in der Bauform "On Ear", allerdings sorgt das in Kombination mit der recht hohen Spannung des Bügels schnell zu schmerzenden Ohren. Teilweise hielten wir es nach einer halben Stunde schon nicht mehr aus. Für eine kurze Runde Jogging um den See dürfte sich der Flex jedoch recht gut eignen. Vollgeschwitzte Ohrpolster lassen sich nämlich dank des Kunstleders sehr leicht reinigen, bei Stoff sähe es da schon anders aus. Es hat also alles sein für und wider, alles in allem Überzeugt das Design jedoch nur teilweise.


Im “gefalteten” Zustand lässt sich der Kopfhörer bequem verstauen. Die Plastikeinschübe (hier braun) lassen sich austauschen.

Wie sagt man so schön? Das Beste kommt zum Schluss! So ganz daneben ist das Äusserliche des Creative Flex dann nämlich doch nicht. Wer beim Aufsetzen von Kopfhörern auch immer nach den "L"- und "R"-Beschriftungen sucht, der muss hier nicht lange suchen. Sowohl klein an den seitlichen Gelenken, als auch in gross im Innern der grossen Treiber steht klar vermerkt welche Seite nun eigentlich welche ist.

 

Auf der von aussen sichtbaren Schale sind zudem kleine Vorrichtungen für Kunststoffeinsätze vorhanden. Dort steckt ab Werk das typische rote Teil mit Creative-Schriftzug drinnen. Der Clou: Es werden noch drei weitere Sets dieser Clips mitgeliefert. Mit dabei sind die Farben Rot, Grün, Blau sowie Braun. So kann man den Kopfhörer quasi seinen eigenen Stempel aufdrücken. Praktisch wird das aber auch dann, wenn etwa Personen im täglichen Umfeld die gleichen Kopfhörer besitzen. So kann jeder seine Kopfhörer anhand der eigenen Farbe identifizieren, was das Risiko eines versehentlichen Tauschs reduziert.

 

Bleibt in Sachen Design nur noch das Kabel bevor es an die Innereien geht. Dieses ist recht dünn, aber ausreichend stabil und sehr flexibel gebaut. Beide Kabelausgänge sind zudem durch einen Knickschutz aus steiferem Gummi geschützt. Am linken Ende befindet sich zudem eine Inline-Bedieneinheit. Dort sitzt ein Mikro mit durchschnittlicher Aufnahmequalität, so wie eine einzelne Taste zum Pausieren/Fortsetzen der Musik, oder um Anrufe entgegenzunehmen oder zu beenden. Dass man hier nicht gleich noch zwei Tasten für die die Lautstärke angebracht hat finden wir schade, der Platz wäre auf jeden Fall dagewesen. Die Länge des Kabels beträgt 1.2 Meter, was nicht zu lang und nicht zu kurz ist.

Grosser Klang für kleines Geld?

Soviel zum Design, neben dem Tragekomfort spielt aber der Sound so ziemlich die grösste Rolle bei Kopfhörern. Um es nochmal zu betonen: Der Creative Flex kostet um die 40 Schweizer Franken. Beworben wird er zudem mit "druckvollem Bass". Das hielten wir zunächst für hohles Marketing, und unter normalen Umständen bekommt man davon auch nichts mit. Normale Umstände, das bedeutet Musik hören über das Smartphone oder andere Soundquellen. Hier ist der Sound nämlich für die Preisklasse genau im Durchschnitt.

 

Aktuell befindet sich aber auch eine USB-Soundkarte von Creative bei uns im Test (folgt bald). Dort angeschlossen, oder an andere verstärkende Elemente, kommt dann aber tatsächlich so etwas wie ein "druckvoller Bass" zum Vorschein. Im Betrieb mit der besagten Sound Blaster PLAY! 3 waren wir sogar recht erstaunt, wie viel Ausdruck Kopfhörer für weniger als 50 Geldeinheiten mitbringen können. Hier dürfte der Flex-Kopfhörer in seiner Preisklasse definitiv zu den besseren Stücken gehören, ohne dabei als "Streber" abgestempelt zu werden.

Von High Fidelity kann hier aber natürlich keine Rede sein, auch wenn manche Shops es so bewerben. Bei Creative selbst ist von HiFi zum Glück keine Rede, was wir dem Hersteller in punkto Ehrlichkeit hoch anrechnen. Zwar ist das Klangbild mit und ohne Soundkarte recht ausgeglichen, gerade im Vergleich mit Studiokopfhörern macht sich dann aber der teils dumpfe Sound bemerkbar. Ebenso fehlt es dem Abgespielten etwas an Volumen. Die verbauten 32 Millimeter-Neodym-Treiber sorgen aber für ein – der Preisklasse entsprechend – gehobenes Klangerlebnis. Hier brauch sich der Flex nicht vor der Konkurrenz zu verstecken.

Fazit: Viel Klang zum kleinen Preis, aber Defizite im Tragekomfort

Wer auf der Suche nach einem günstigen Kopfhörer für den Alltag oder sportliche Aktivitäten ist und nicht zu sehr auf das Gespann achtgeben möchte, sollte bei dem Creative Flex fündig werden. Zwar ist die Konstruktion der Flex etwas sehr wackelig geraten, doch ist das Headset dafür auch nicht sonderlich schwer und lässt sich leicht abseits des Kopfes transportieren.

 

Der Tragekomfort lässt hingegen sehr zu wünschen übrig. Schon nach kurzer Zeit schmerzten uns die Ohren, was im direkten Vergleich bei On Ears der Konkurrenz weniger ausgeprägt auftritt. Auch wenn das ein recht individueller Faktor ist und natürlich jeder Mensch eine andere Kopfform und Toleranzgrenze aufweist.

 

Dafür hebt sich der Klang, vor allem in Kombination mit einer mobilen oder stationären Soundkarte, spürbar von anderen Geräten in dieser Preisregion ab. Besser klingt dann nur noch Superlux, die aber ohnehin als "der" Preis-Leistungskracher schlechthin gelten. Für den veranschlagten Preis hauen die Creative Labs jedoch ein ganz ordentliches Produkt raus.

 

Wem das Design gefällt, kann beherzt zuschlagen. Im Niedrigpreis-Segment sind die Unterschiede ohnehin sehr gering. Wer jedoch über längere Zeiträume, etwa auf langen Bahnfahrten, Beschallung braucht, sollte lieber zu In-Ears oder richtigen Over-Ears greifen.

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