Di. 10. August 2021 um 7:03

Review: Carbon 1 MKII im Test

von Yves Jeanrenaud 1 Kommentare

Carbon, auch Karbon, wie das Erdzeitalter genannt, ist ein Material aus Kohlenstofffasern. Daraus werden schon länger Teile und Geräte für den Hochleistungseinsatz gebaut. Etwa in der Formel 1, in der Flugzeugtechnik und bei Rennrädern sind Kohlenstofffaser-Verbundstoffe gefragt, weil sie ein extrem geringes Gewicht und gleichzeitig hohe Steifigkeit und Robustheit mit bringen. Warum also daraus kein Smartphone bauen? Nun, weil Carbon auch die bei Handys natürlich unerwünschte Eigenschaft hat, elektromagnetische Wellen zu stören. Da wir aber Mobilfunk, WLAN, Bluetooth, GPS und auch NFC benutzen möchten, muss eine Lösung her. Das Carbon 1 MKII von Carbon Mobile hat es geschafft und wir schauen uns das Smartphone für euch genauer an.

Lieferumfang des Carbon Mobile Carbon 1 MKII

Geliefert wird das Carbon Mobile Carbon 1 MKII in einem Papierkarton. Das ist bemerkenswert, weil er komplett recycle-fähig ist im Gegensatz zu den immer noch anzutreffenden Plasik-Einsätzen anderer Hersteller. Zudem findet sich im Paket neben dem Smartphone eine Schnellstartanleitung, die Garantiebedingungen und ein USB-C-Kabel sowie ein kleiner Adapter auf USB-A. Ein SIM-Karten-Schacht-Werkzeug ist natürlich auch beigelegt.


Carbon Mobile Carbon 1 MKII
Das Carbon 1 MKII von Carbon Mobile. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Hardware und Eigenschaften des Carbon 1 MKII

Das Carbon 1 MKII von Carbon Mobile ist zunächst in klassischer Barrenform und ebenso klassischem Schwarz gehalten. Das Gerät selbst ist 74 x 153.5 x 6.3 mm gross. Ja, nur 6.3 mm dünn! Und es wiegt federleichte 125 Gramm.

Design

Beides, die herausragende Dünne und die Leichtigkeit sind dem Design geschuldet. Denn dank Kohlefaser-Monocoque konnte auf einen inneren Metallrahmen und auch jede Menge Plastik verzichtet werden. Weniger als 5 Prozent des Carbon 1 ist aus Plastik gefertigt. Doch was ist alles aus Carbon? Prinzipiell die Schale, in der die ganze Technik Smartphone liegt. Dass dennoch gefunkt werden kann, liegt an der zum Patent angemeldeten HyRECM (Hybrid Radio Enabled Composite Material) Technologie von Carbon Mobile, die Karbonfasern mit komplementären „funkfähigen“ Verbundstoffen verbindet und so ein besonders verwindungssteifes und strapazierfähiges Gehäuse zu ermöglichen, dass dennoch kaum wenig wiegt.

Akku, RAM, CPU, GPU und APU

Im Inneren des Smartphones ist ein 3000 mAh starker Akku zur Stromversorgung des MEDIATEK P90​​ Octa-Core SoC. Dieser kann auf 256 GB Speicherplatz und 8 GB LDDR4x Arbeitsspeicher zurückgreifen. Die CPU taktet bis 2.2 GHz und wird begleitet von einer MG PowerVR GM 9446 GPU sowie einer MediaTek APU 2.0 für die KI.

Konnektivität

Neben LTE MIMO Cat 12 inklusive VoLTE, VoWi-fi und ViLTE mit Support für die LTE-Frequenzbänder 1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 20, 28 sowie 38. Ebenfalls werden WCDMA Cat 24/7 unterstützt. Für das WLAN ist 802.11a/b/g/n/ac mit beiden Frequenzbereichen 2.4 GHz und 5 GHz mit dabei und Bluetooth 5.0 mit BTLE, aptX sowie aptX HD, sowie NFC und GPS, Glonass und Galileo unterstützt.

Sensorik

An Sensoren sind mit an Bord: Hallsensor, Beschleuigungssensor, Gyroskop, Näherungssnsor, Umgebungslichtsenosr, elektronischer Kompass, Sensor Hub und ein rechtsseitig angebrachter Fingerabdrucksensor, der leicht vertieft im Gehäuse sitzt.

Tasten und Öffnungen

Über dem Fingerabdrucksensor in der oberen Hälfte auf der rechten Seite ist die Ein-/Aus-Taste und die Lautstärkewippe zu finden. Auf der linken Seite wiederum ist der Dual-SIM-Karten-Schacht zu finden, wobei die zweite SIM wahlweise gegen eine microSD-Karte getauscht werden kann.

 

Die Oberseite beherbergt lediglich ein Mikrofon. Die Unterseite hat, neben einem weiteren Mikrofon, den USB-C-Anschluss sowie den Lautsprecher zu bieten.

Display

Die Vorderseite birgt das 6.01 Zoll grosse AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2160 x 1080 Pixel und somit einer Bildpunktdichte von 401.82 PPI. Es wird von 0.4 mm starkem Corning Gorilla Glass Victus geschützt.

Über dem Display in einem schmalen Rahmen ist ein V-förmiger Lautsprecher sowie die Frontkamera untergebracht und nicht in einer Notch, wie heute so weit verbreitet.

Kameras

Die Frontkamera mit 20 Megapixel Auflösung und f/2.01 sowie einem 1/3.1 Zoll Sensor liefert Bilder mit 4640 x 3488 Pixel.

 

Die rückseitige Dual-Hauptkamera, die in der oberen, linken Ecke zu finden ist, löst mit 16 Megapixel auf, f/2.2 und einem Sensor mit 1/3.4 Zoll Grösse. Sie liefert Bilder mit 5184 x 3880 Pixel.

Rückseite

Ausser der Kamera und dem LED-Blitz ist auf der Rückseite der Herstellername carbon MOBILE zu finden, die gleichzeitig als Signal-LED dient. Sie leuchtet kann in verschiedenen Farben leuchten und zeigt so beispielsweise mit Rot an, dass der Akkustand zuneige geht und mit Grün, dass der Akku vollständig aufgeladen ist. Die LED lässt sich übrigens für den Normalbetrieb auch deaktivieren in den Einstellungen.

Software

Als Betriebssystem kommt Googles Android 10 fast unverändert zum Einsatz. Einziger Zusatz zum Auslieferungszustand des OS ist hier eine App namens Carbonizer Center, die einen direkten Draht zum Community-Bereich von Carbon Mobile. Nur zwei zusätzliche Einstellungen-Einträge, nämlich „Carbonizer Settings“ und „Logo LED display mode“ sind vorhanden.

Für die zweite Hälfte dieses Jahres ist ein Update auf Android 11 angekündigt.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Testeindruck zum Carbon 1 MKII

Das Carbon 1 macht einen sehr interessanten Eindruck. Nicht nur wirkt es hochwertig und tadellos verarbeitet. Die durchschnittlich zwei Millimeter weniger in der Tiefe des Geräts und das Gewicht von mehr als einer Tafel Schoggi machen sich doch deutlich bemerkbar. Es fühlt sich in der Hand sehr gut an.

 

Im Alltag schlägt sich das das Carbon 1 MKII doch vergleichsweise gut, auch wenn es sicherlich kein High-End Gerät ist. Die meisten Apps ruckeln nicht und lassen sich problemlos benutzen. Spiele mit viel Graphiklast sollte man doch eher meiden und trotz 8 GB Arbeitsspeicher sind zu grosse Multitasking-Aufgaben auch eher nicht gut zu bewältigen.

 

Das Handy hat so seine Schwächen. Denn natürlich ist der Mediatek P90 SoC in die Jahre gekommen. Der Chipsatz wurde im Dezember 2019 vorgestellt und ist somit alles andere als aktuell. Das merkt man natürlich.

 

Der Vollständigkeit halber haben wir dennoch entsprechende Benchmark-Ergebnisse in Nachfolgenden für euch.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Ebenfalls sind die Kameratechnik sowie die Displays unterdessen weiter gekommen, als in dem Carbon 1 verbaut.

 

Der Fingerabdrucksensor auf der Seite ist zu klein geraten, um zuverlässig zum Entsperren benutzt werden zu können. Regelmässig erkennt das Smartphone so den Fingerabdruck nicht richtig.

 

Davon abgesehen zeigt das Carbon 1 durchaus gute Eigenschaften auf. Der Akku hält mitunter mehr als einen Tag, die Verbindungsqualität ist gut. Auch die Fotos der Hauptkamera und der Selfie-Knipse können sich durchaus sehen lassen. Sie sind ausgeglichen bunt und detailreich auch im Nahbereich und bei schlechten Lichtverhältnissen nicht besonders stark verwaschen. Natürlich haben heutige Smartphones deutlich mehr drauf und deutlich bessere Optiken verbaut. Aber als Knipse leisten beide Kameras durchaus etwas. Nur eben nicht High-End.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Preis und Fazit

Das Carbon 1 MKII ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung (UVP) von 799,- Euro bzw. SFr. direkt beim Hersteller Carbon Mobile aus Berlin sowie im Handel zu kaufen. Auch Amazon und andere Shops wie etwa digitec.ch haben das Smartphone im Sortiment.

 

 

Das Smartphone Carbon 1 MKII ist anders, als aktuelle Smartphones auf dem Markt: Es ist nicht nur leichter und dünner als die allermeisten Android-Handys derzeit, es geht mit seiner Carbonfiber-Technik neue Wege, die vom ewig gleichen Plastik weg gehen. Abgesehen von der etwas älteren Technik im Inneren vermag es durch eine gute, wenngleich auch nicht sehr gute, Kamera, ordentlich Speicherplatz, eine passable Laufzeit und solide Arbeitsweise aufzutrumpfen. Diese Eigenschaften können das Carbon 1 als marktfähigen Prototypen durchaus gut platzieren. Der hohe Preis jedoch wird vermutlich viele vom Kauf abschrecken, denn für das Geld bekommt man mitunter schon sehr gute und leistungsfähige Geräte namhafter Hersteller. Doch eben dicker und schwerer und mit mehr Plastik. Wer also auf der Suche nach einem einzigartigen Smartphone mit einem gewissen Etwas ist und auf Gaming-Performance keinen Wert legt, sollte das Carbon 1 MKII durchaus in Betracht ziehen.

Revolution der Branche?

Das Carbon 1 zeigt eindrücklich, was mit ingenieurwissenschaftlichem Geschick geleistet werden kann. Als Proof-of-Concept ist das Carbonfiber Smartphone sicherlich am spannendsten. Aber ob nun die Smartphone-Welt davon umgekrempelt wird, bleibt abzuwarten, wenn nicht gar zu bezweifeln.

Dennoch schickt sich das Berliner Start-Up Carbon Mobile an, ein zentrales Problem der Branche anzugehen: Elektroschrott.

 

Nicht nur ist das Carbon 1 MKII das erste plastikneutrale Smartphone der Welt, sondern durch Materialinnovation konnte der Elektroschrott und die für die Produktion erforderlichen Materialien um ein Drittel reduziert werden.

 

Zudem bietet mit dem Carbon Next Recycling-Programm das Unternehmen 400 Euro Rabatt für alle, die ihr Carbon 1 ab nächstem Jahr gegen das neuere Modell eintauschen. So wollen sie die Rohstoffe und Komponenten verwerten können. Nachhaltig ist das zwar nicht hundertprozentig, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Wie viele Handys landen sonst in Schubladen und Kartons, wenn das neue Modell angeschafft wurde, obwohl sie noch tadellos funktionieren? Und wie viele Handys werden zerstört, ohne dass die Seltenen Erden und anderen kostbaren Rohstoffe nochmals eingesetzt werden können? Fairphone oder auch Shiftphone gehen da andere Wege in Sachen Rohstoffe und Nachhaltigkeit, aber immerhin nimmt der Hersteller die eigenen Geräte wieder zurück, was leider schon mehr ist, als viele andere Firmen im Smartphone-Business von sich behaupten dürfen.

 

Es wurde ebenfalls angekündigt, dass kommendes Jahr eine biobasierte Karbonfaser-Alternative soll Premiere feiern wird. Das wiederum wäre nochmals ein Schritt weiter in Richtung Zukunftstechnologie, an der die Materialwissenschaft etwa bei Fraunhofer gerade noch im grossen Stil forscht.

 

Wir dürfen also gespannt sein, was von Carbon Mobile aus Berlin noch so alles kommen wird. Zu hoffen bleibt, dass aktuellere Technik im inneren ebenfalls zum Zug kommen wird.

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Eine Antwort zu “Review: Carbon 1 MKII im Test”

  1. Yves Jeanrenaud sagt:

    Eine Neuigkeit zu Carbon Mobile:
    In Partnerschaft mit dem ITK-Distributor Ingram Micro werden die Geräte von Carbon Mobile in Zukunft in der ehemaligen Motorola-Fabrik in Flensburg produziert. Damit will man hochwertige Qualität und Nachhaltigkeit in der Smartphone-Produktion steigern und Schleswig-Holstein wieder zu einem einflussreichen Technologiestandort machen. Gleichzeitig sinkt der Preis des Smartphones Carbon 1 MK II, das im März 2021 gelauncht wurde, auf 599 Euro.

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