So. 19. Juni 2022 um 7:47

Review: Apple HomePod mini im Langzeittest

von Barbara Walter-Jeanrenaud 0 Kommentare

Besser spät als nie, mag man sich in Cupertino gedacht haben. Der Apple HomePod mini kam auf den Markt, als von anderen Herstellern längst vergleichbare Smart Speaker verfügbar waren. Wir haben uns den kleinen Lautsprecher von Apple genauer angeschaut.

Lieferumfang des Apple HomePod mini

Der HomePod mini von Apple kommt mit fest verbautem Kabel von 150 cm Länge, das in einen USB-Typ-C-Stecker mündet. Es kommt stets in derselben Farbe wie der HomePod Mini, also Weiss, Gelb, Orange, Blau oder Space Gray.

Dazu kommt ein Steckernetzteil mit passendem USB-C-Anschluss, der 9 V und 2.2 A liefert. Die obligatorischen Kurzanleitungen, Garantie- und Konformitätsinformationen sowie der Apple-Sticker sind auch in der Box. Diese kommt mit erfreulich wenig Plastik aus.

Hardware und Eigenschaften

Der smarte Lautsprecher selbst ist 84.3 mm hoch und 97.9 mm breit und kugelrund. Allerdings ist der Boden und die Oberseite abgeflacht. Die Seiten sind mit einem Textilnetz aus Akustisch transparenter Stoff ummantelt und so erinnert das Design entfernt an einen Seeigelkaktus. Vielleicht gibt es deswegen nur die Farbvarianten Weiss, Gelb, Orange, Blau und Space Gray. Die Unterseite ist kreisrund, gummiert und zeigt das Apple Logo.

 

Auf der Oberseite ist eine kreisrunde Glasplatte mit dem Bedienfeld. Es besteht aus einer Plus- und einer Minustaste, die als aufgedruckte Symbole. Damit kann die Lautstärke geregelt werden. Alles andere erfolgt durch Berührungsgesten auf der Oberfläche. Darunter sind zudem mehrere LED, die Lichteffekte und optisches Feedback bieten.

 

Im Inneren sind Treiber mit voller Bandbreite und zwei passive Tieftöner verbaut. Ein spezieller akustischer Wellenleiter für ein 360 Grad Klangfeld und Computational Audio für Tuning in Echtzeit runden den Klang ab.
Vier Mikrofone für Siri ermöglichen die Sprachsteuerung auch über eine grössere Distanz.

Das Gerät ist mit AirPlay 2 Multiroom-fähig und kann auch zu zweit als Stereo-Laut­sprecher eingesetzt werden.

Dazu sind Bluetooth 5.0, IEEE 802.11n WLAN und ein Ultrabreitband-Chip für Geräte in der Nähe verbaut. Thread wird ebenso unterstützt wie Apple HomeKit. Der Apple HomePod mini wiegt 345 Gramm.

 

 

Neben der Verpackung, bei der die Holzfasern für dessen Karton vollständig aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, ist der HomePod mini frei von Quecksilber und bromhaltigen Flamm­schutz­mitteln, PVC und Beryllium. Die Seltenen Erden, die verbaut wurden, stammen zu 99 Prozent aus Recycling, ebenso wie der Kunststoff, der zu über einem Drittel wiederverwendet wurde. Apple hat einen eigenen Bericht zu den Umwelteigenschaften des HomePod mini veröffentlicht.


Apple HomePod mini
Mein kleiner weisser Kaktus. Der Apple HomePod mini. Bild: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

Testeindruck des Apple HomePod mini

Der HomePod mini ist schnell eingerichtet. Einfach das 20 W Netzteil einstecken und verbinden, schon begrüsst einem Siri und mit einem aktuellen iOS- oder iPadOS-Gerät ist der HomePod im heimischen WLAN konfiguriert. Ohne iOs-Gerät hingegen kann der HomePod mini gar nicht konfiguriert werden!

 

Nun kann Musik direkt aus dem Apple Musik-Dienst abgespielt werden, ein entsprechendes Abo vorausgesetzt. Darum ist beim Apple HomePod mini auch gleich eine kostenlose Probezeit von einem halben Jahr mit dabei.

Bedienung

auch die eigene iTunes-Bibliothek und die iCloud Musikmediathek mit einem Apple Music oder iTunes Match-Abonnement können direkt auf dem HomePod benutzt werden. Apple Music Radio und Podcasts sind ebenso möglich wie die
Übertragung anderer Inhalte via AirPlay zum HomePod mini von iPhone, iPad, iPod touch, Apple TV und Mac. Via Bluetooth kann jedoch keine Musik so einfach gestreamt werden. Die BLE-Schnittstelle ist einzig für die Smart Home-Steuerung gedacht. Wer also vom Android-Gerät aus, braucht so etwas wie AirMusic Pro.

 

 

Im Apple-Kosmos hingegen ist alles von Haus aus installiert und funktioniert auf Anhieb. Die Bedienung des HomePod mini am Gerät selbst ist einfach und intuitiv gelöst: Ein einfaches Tippen pausiert die Musik oder beendet die Pause. Ist keine Musik aktiv, weckt das Tippen das Sprachassistenzprogramm aus Cupertino auf. In jeder Situation, also auch während der Musikwiedergabe, können wir Siri mit Drücken und Haltenauslösen. Während der Kreis an der Oberseite des Apple HomePod mini bunt leuchtet, wartet Siri auf unsere Befehle.

Das klappt seit neuestem ja sogar auf Schyzerdütsch! Auch wenn Siri zwar weiterhin Hochdeutsch antwortet, versteht das Programm sehr gut, was man nunmehr im Dialekt sagt. Egal ob Baaseldytsch oder Thurgauerisch, die Sprachsteuerung klappt gewohnt gut.

 

Zweimaliges Antippen des HomePod mini überspringt das aktuell laufende Musikstück und mit drei mal Tippen springt die Wiedergabe eine Position zurück. Die Tasten + und – erhöhen beziehungsweise verringern die Lautstärke. Und Lautstärke ist ein gutes Stichwort an dieser Stelle.

Sound

Das HomePod mini Gehäuse ist nicht gerade gross. Klar, dass wir hier keine HiFi-Anlage vor uns haben. Ein tiefer und kräftiger Bass bleibt technisch bedingt aus. Dennoch ist es nicht so, dass sich gar keine tiefen Frequenzen im Klangbild bemerkbar machen würden. Ebenso ist die Dynamik nicht mit der von grossen Lautsprechersetups zu vergleichen, aber der HomePod mini überrascht, was er im Stande ist, an Klang zu leisten.

Der Sound ist ausgewogen und klar akzentuiert. Gerade Stimmen und Akustik-Instrumente profitieren deutlich, während basslastige Stücke ein wenig an Eindruck einbüssen.

 

Für Hörbücher und Podcasts ist der HomePod mini hingegen wie geschaffen. Prägnant und klar hörbar klingt die Stimme auch über weitere Distanzen. Auch Siri ist übrigens gut von weiter weg zu verstehen und bedienbar. Man muss also nicht unbedingt neben dem Apple HomePod mini sitzen, sondern kann auch quer durch den Raum fragen „Hey Siri, wo ist mein iPhone?“. Schon fängt das Smartphone an, sich bemerkbar zu machen.

Bilder: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

 

Langzeiteindruck

Wir haben nun also den HomePod mini von Apple mehrere Wochen intensiv ausprobiert und zeitweise täglich gebraucht. Von einfachem Streaming unserer Musiksammlungen und Lieblings-Podcasts bis zur Steuerung des HomeKit-kompatiblen Smart Homes haben wir ausprobiert, was sich alles mit Siri und dem HomePod, in dem die Sprachassistenz nun wohnt, machen lässt. Ja, auch alle lustigen Tierstimmen („Siri, wie macht ein Fuchs?“) haben wir versucht, herauszufinden. Aber auch sinnvolle Aufgaben, wie Nachrichten und Kalendereinträge anzulegen, die Wettervorhersage und eben das aktivieren von Smart Home-Geräten haben wir in der Zeit möglichst alleinig durch Siri erledigt.

 

Was sich zeigt ist, das Apple Smart Speaker vor allem bei gesprochenen Inhalten und sehr stimmlastiger Musik punkten kann. Der kleine weisse Kaktus kann eine erstaunliche Lautstärke entfalten und bleibt dennoch akzentuiert und übersteuert nicht. Dass Apple zum Streaming allein auf AirPlay setzt, ist ein kleines Hindernis, dass doch manchmal etwas lästig sein kann. Wer nicht nur iOS-Geräte und MacBooks im Einsatz hat, kommt so manchmal an Grenzen. Multiroom-Audio ist beispielsweise nicht mit allen Drittanbieter-Apps so gut möglich, wie mit Apple-Produkten. Das nervt. Was auch nervt ist, das selbst im Apple-Ökosystem die Einschränkungen spürbar bleiben. Will man beispielsweise nicht Apple Music sondern etwa Spotify oder Amazon Music nutzen, so kann dies nicht per Sprachsteuerung ausgelöst werden. Siri kann dann nur auf das iPhone verweisen, das man zur Hand nehmen muss, um via AirPlay die Musik zum HomePod mini zu schicken. Das ist schade.

 

Insgesamt jedoch lässt sich eine ganze Menge mit Siri machen, sowohl in der Freizeit als auch im Arbeitsalltag, und der HomePod erleichtert die Steuerung und Bedienung ungemein.

Preis und Fazit

Der Apple HomePod mini ist für 99,- Euro bzw. 99.- SFr. in den Farben Weiss, Gelb, Orange, Blau und Space Grau erhältlich. Auf Amazon ist der Smart Speaker übrigens kurioserweise noch nicht gelistet, hingegen fast das ganze restliche Apple-Sortiment schon.

 

 

Alles in Allem ist der Apple HomePod mini eine Lücke im Smart Speaker-Markt zu füllen. Auch wenn Google und Amazon hier mit einer grossen Auswahl an Geräten unterschiedlichster Preisklassen aufwarten können, ist Apple mit dem HomePod mini ein guter Wurf gelungen. Ein klares und warmes Klangbild und für die Grösse erstaunliche Lautstärke zeichnen den kleinen Lautsprecher aus, der mit einem unaufdringlichen Design, das gleichzeitig interessant und keineswegs belanglos daher kommt. Apple eben. Die bunt leuchtende Touch-Bedienfläche ist zwar mehr Spielerei als sinnvoll, aber erfüllt ihren Zweck. Man erkennt so sehr gut, wenn Siri zurhört und Sprachbefehle verarbeitet werden. Das AirPlay 2 und damit auch Multiroom-Audio perfekt genutzt werden können, setzt aber leider wiederum, wie für Cupertino typisch, die Verwendung von Apple-Geräten voraus. Ohne iOS-Gerät kann auch der HomePod mini gar nicht erst eingerichtet werden.

 

Der Apple HomePod mini ist somit für alle, die sich sowieso im Apple-Kosmos bewegen, ein guter Smart Speaker mit erstaunlichem Klang für knapp 85. cm Durchmesser und schönen Eigenschaften. Für Apple ist er zudem geradezu dezent in der Preisgestaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Insert math as
Block
Inline
Additional settings
Formula color
Text color
#333333
Type math using LaTeX
Preview
\({}\)
Nothing to preview
Insert
Teilen