Do. 23. Januar 2020 um 7:16

Philips 329P9H im Test: Absoluter Preisleistungs-Tipp unter den 4K-Monitoren

von Marcel Laser0 Kommentare

Gut ausgestattete 4K-Monitore sind meist nicht günstig zu haben. Grad, wenn ein bestimmter Punkt in der Funktionslage überschritten wird, kann es teuer werden. Der Philips 329P9H (Brilliance 32 Zoll) scheint hier ein grandioser Spagat gelungen zu sein. An dieser Stelle müssen wir allerdings noch kurz ausräumen: Wir haben hier es nicht mit einem absoluten High-End-Gerät zu tun und nicht überall kann die “günstige” Philips-Mattscheibe überzeugen. Aber für den angedachten Preis dreht der Monitor ganz schön auf.

Philips 329P9H Design: Gross, schwer, schneller Aufbau und richtig gut verarbeitet

Als das Paket mit dem Testgerät aufschlug, staunt man ja schon nicht schlecht. Allein der Monitor bringt schon über 10 Kilogramm auf die Waage. Zudem ist er recht dick und mit 32 Zoll und einem starken Standfuss auch sehr sperrig. Aber nun gut, der Monitor ist auch sehr stabil gebaut. Zudem integriert Philips man eine ganze Dockenstation, zig Anschlüsse und ein grosses Panel. Irgendwoher muss das Gewicht ja herkommen.

 

Überrascht hat mich vor allem auch der Aufbau: Mit wenigen Handgriffen ist das mitgelieferte Standbein montiert. Es braucht nicht einmal Werkzeug, denn alles kann per Hand montiert werden. Die Schrauben bieten dafür einen kleinen Griff, der gut greifbar ist. Mit wenigen Drehpunkten sitzt der Monitor mit seinem mächtigen Scharnier (und den über 10 Kilogramm) fest im Sattel.

 

Bis auf einige Metallstreben, die nicht nur im Standfuss zu finden sind, regiert hier viel Plastik. Ist bei Monitoren aber auch normal. Alles ist mit Kunststoff ummantelt und so bekommt man vom Metall eher nichts mit. Die Verarbeitung kann sich allerdings trotz des überdimensionalen Gebrauchs von Kunststoffs sehen lassen! Nichts knarzt oder wackelt. Das Scharnier ist stufenlos ohne all zu grossen Widerstand regelbar und das in nahezu alle Richtungen. Das beeindruckt bei einem derartigen Biest an Gerät dann schon.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

Philips 329P9H Display: Sehr ausgewogen, wenig geeignet für Gaming

Das 32 Zoll (80 cm) in der Diagonale messende IPS-Panel löst in 4K auf. In Pixeln sind das 3.840 x 2.160 und damit echtes UltraHD. Mit ganz knapp über 350 cd/m² ist der Monitor auch entsprechend hell und sehr gut in beleuchteten Büroräumen einsetzbar. Vor allem aber auch weil das Display matt gehalten ist. Spiegelungen gibt es so nicht. Interessant ist, dass die niedrigste Helligkeit mit knapp 85 cd/m² noch sehr hoch ist. Für das Arbeiten im Dunkeln würde ich daher nicht unbedingt eine Empfehlung aussprechen. Das geht dann schon auf die Augen.

 

Die Kontrastwerte wiederum sind für ein derartiges LCD-Panel gut. Der Hersteller gibt den Philips 329P9H mit 1300:1 an. Ich konnte allerdings auch Werte von über 1350:1 feststellen. Das sind für einen Büromonitor sehr ordentliche Ergebnisse. Schwach wird es dann bei der Farbraumabdeckung im Bereich Adobe-RGB. Hier sind es in der Messung knapp unter 80 Prozent, was gar unter der Herstellerangabe liegt. Stark hingegen sind die knapp über 99 Prozent beim sRGB-Wert. Professionelle Bildbearbeitung sollte mit dem Philips-Modell allerdings weiträumig gemieden werden.

 

Bei der Blickwinkelstabilität ist ebenfalls noch Luft nach oben. Die Farben verfälschen zwar nicht, das Bild wird aber bei einigen Neigungswinkeln schon recht dunkel. Da man den Monitor aber stets vor sich hat, ist das eher ein geringes Problem und wirkliche Ausrutscher erlaubt sich der Philips 4K-Monitor nicht. Der leichte Grauschleier ist ebenfalls bei sehr spitzen Blickwinkeln recht normal, da das Display matt ist und die Hintergrundbeleuchtung hier ihr übriges beisteuert. Grundsätzlich liefert der Philips 329P9H eine wirklich sehr gute Bildqualität. Selbst in Auflösungen, die weit unter seinen Möglichkeiten liegen.

Auch wenn Zocken kein Thema ist: Die Bildqualität ist wirklich super! (Bild: PocketPC.ch / Laser)

Reaktionszeiten und Hintergrundbeleuchtung: Von schwach bis mittelmässig

Die Hintergrundbeleuchtung beschert dem Philips 329P9H zwar eine ausserordentliche Helligkeit, was das Arbeiten in helleren Umgebungen wesentlich erleichtert. Doch sind in allen vier Ecken bei genauerer Betrachtung stärkere Lichthöfe zu sehen. Diese fallen allerdings wirklich nur in extrem dunklen Bildern auf. Meckern auf hohem Niveau also.

 

Anders sieht es bei der Bewertung der Spieletauglichkeit aus, die ich als ambitionierter Gamer durchaus anprangern muss. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist in drei Stufen regelbar: Overdrive Aus, Overdrive “schnell”, und “am schnellsten”. In den Bereichen “Aus” und “Schnell” sind die Reaktionszeiten zwischen 20 und 16 ms sehr hoch. Zwar kommt man mit der Einstellung “Am schnellsten” in der Farbwiedergabe auf knapp über 6 ms. Der Wechsel im Schwarz-Weiss-Bereich ist aber mit zwischen 17 und 19 ms weiterhin drastisch hoch.

 

Zudem kommt noch eine irrsinnig hohe Latenz von über 22 ms im Input-Lag zum tragen. Das ist deutlich zu hoch und für Zocker daher ungeeignet. Egal in welchem Kontext. Daher darf der Philips 329P9H auch bedenkenlos als Büromonitor eingestuft werden, was den Bildschirm aber nicht abwerten sollte. Es ist eben kein zertifizierter Gaming-Monitor und das will dieses Modell auch gar nicht sein.

Wie ihr seht, habe ich es mit vielen Dingen probiert. Keine Chance. Auf Gaming sollte man hier wirklich verzichten. (Bild: PocketPC.ch / Laser)

Philips 329P9H Ausstattung: Anschlüsse, Dockingstation und eine Webcam

Kommen wir nun zu einem der Punkte, die beim Philips 329P9H alle anderen Kategorien bei weitem überstrahlt. Die USB-C-Dockingstation im hinteren Teil des Monitors sorgt für Begeisterung: 2x HDMI, 1x USB-C, 4x USB, 1x Display Port, 1x Klinke und 1x Ethernet-LAN runden das Paket ab und lassen anschlussfreudige Technik-Fans mit leuchtenden Augen dastehen. Mein MacBook Pro konnte ich dank der 65 Watt Stromversorgung durch den USB-C-Port sogar während der Arbeit ohne Probleme laden. Auch die Nintendo Switch lies sich während des Betriebes am Monitor problemlos aufladen.

 

Dank Multi-Display-View könnt ihr sogar die Bilder mehrerer angeschlossener Geräte gleichzeitig anzeigen lassen. Das bringt einige Vorteile im Bereich Multitasking mit und ist ein sensationelles Zusatzfeature in dieser Preisklasse. Egal ob Bild-in-Bild oder zwei Bilder nebeneinander. Es machte im Test durchaus Spass die Funktion auszuprobieren.

 

Nett ist auch die verbaute Kamera oben im Panel. Sie schiesst Fotos und macht Videos in 2 MP Auflösung und ist dank weiterer Sensoren auch für den Login-Service Windows Hello geeignet. Damit könnt ihr euch sehr bequem im Windows 10 einloggen, ohne euer Passwort zu nutzen, da das System euch direkt erkennt. Es handelt sich also um ein biometrisches Login-System, ähnlich der Apple Face ID Technologie und Android Face Unlock.

Die integrierte Docking-Station ist einfach der Wahnsinn und hat mir sehr gut gefallen! (Bild: PocketPC.ch / Marcel Laser)

Philips 329P9H OSD und Bedienung: Minimalistisch, aber ganz ok

Das OSD des Philips-Monitors wirkt ein wenig urzeitlich. Zumal die Auflösung des Menüs weit unter der Auflösung des Monitors liegt, wirkt dieses extrem pixelig. Schlimm ist das allerdings nicht, denn es erfüllt seinen Zweck, die Einstellungen am Monitor vorzunehmen, ohne grosse Probleme.

 

Die Bedienung des Menüs erfolgt über die Tasten des Monitors die seitlich an der Rückseite angebracht sind. Zwar sind diese gut zu erfühlen, doch braucht es ein wenig Übung herauszufinden, welche Taste nun welche Aktion auslöst. Es gibt leider frontseitig keine Beschriftung für die Funktionen. Aber auch das ist nach einiger Zeit eigentlich gut zu meistern.

 

Zudem machen die vielen Einstellungsmöglichkeiten, vor allem im Bereich der Bild-in-Bild-Optionen einen guten Eindruck. Ihr könnt den Philips 329P9H an eure Bedürfnisse anpassen. Auch in der Stärke des Blaulichtfilters für angenehmeres Arbeiten im Dunkeln, der in mehreren Stufen geregelt werden kann.

Philips Brilliance 32 Zoll
Die Knöpfe für die Bedienung sind hinten versteckt. (Bild: PocketPC.ch / Laser)

Philips 329P9H Lautsprecher: Der grösste Minuspunkt am ganzen Monitor

Es gibt für jeden Monitor irgendwie eine Spezialisierung: Bild- und Videobearbeitung, Büroarbeiten, Gaming- oder auch Entertainment. Dafür haben alle aber auch unterschiedliche Stärken und Schwächen in jeweils anderen Bereichen. Lautsprecher können aber gerne in allen Segmenten eine gute Leistung bringen. Schließlich hör ich gerne mal Musik während der Arbeit und es ist einfach praktisch, wenn die eingebauten Lautsprecher eine ordentliche Leistung abliefern. Dass man aber auch keine Höhenflüge erwarten sollte, ist schon bauartbedingt absolut nachvollziehbar.

 

Was der Philips 329P9H hier allerdings abliefert ist allerdings wirklich sehr schlecht. Tiefen und Mitten sind nahezu nicht vorhanden und die Höhen brechen schon bei kleineren Lautstärken in sich zusammen. Ich habe lediglich einen einzigen Kampf in Pokémon Schild für die Nintendo Switch durchgehalten. Musik hören funktioniert absolut gar nicht mit diesen Lautsprechern. Das gilt dann natürlich auch für YouTube, Netflix und Co.

 

Dann stellt euch lieber einen kleinen und günstigen Bluetooth-Lautsprecher daneben. Ich habe mir dann kurzerhand den Tronsmart Element Mega (hatte ich sogar hier bei uns getestet) geschnappt und dann war auch das Ergebnis endlich zufriedenstellend. Lasst also die Finger von den Speakern. Das schont nicht nur Nerven, sondern auch die Ohren.

Fazit: Kein Gaming-Monitor aber ein super Bildschirm fürs Büro

Es ist einfach so: Der Philips 329P9H ist kein Monitor zum Zocken. Im Gegenteil: Hier lässt er Aufgrund zu hoher Latenzen viel zu viel liegen. Daher haken wir das Thema gleich ab. Dafür brilliert er als Monitor im Bürobereich, denn die vielen Funktionen und Anschlüsse machen den Philips Brilliance 32 Zoll zu einer Allzweckwaffe im modernen Office. Die ansonsten sehr gute Bildqualität, die sehr hohe Auflösung und auch noch eine verbaute Windows-Hello-Webcam sowie die Dockingstation runden das Paket ordentlich ab.

 

Minuspunkte gibt es beim hohen Stromverbrauch (Energieklassifizierung B) und die wirklich schlechten Lautsprecher. Das sogenannte Build-In-Speaker meist nicht das Gelbe vom Ei sind, ist natürlich klar und aus Platzgründen auch verständlich, aber diese hier sind tatsächlich unterirdisch.

Dennoch: Alles in allem blicken wir auf ein sehr stimmiges Gesamtpaket für das Büro und gemessen anhand der Bildqualität, der Docking-Station und vielen weiteren Anschlussmöglichkeiten und Funktionen auf einen wirklich tollen Preis für dieses Paket. Auf Amazon liegt der Preis des Philips 329P9H 4K Monitors 329P9H bei 929 Euro bzw. SFr.

 

Wer also zum Arbeiten und Surfen einen grossen Monitor mit 4 K Auflösung, eingebauter Windows Hello-Kamera und USB-C-Dockinstation sucht, macht mit dem Philips 329P9H nichts verkehrt.

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