Mi. 15. April 2020 um 7:05

OnePlus 8 Pro im Test: Der schnellste SoC, das tollste Display, der höchste Preis

von Marcel Laser0 Kommentare

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Wer vielleicht meine Testberichte zum OnePlus 7 Pro und dem OnePlus 7T gelesen hat, wird festgestellt haben, dass ich von den Smartphones sehr begeistert war. Sie sind in meinen Augen die besten Android-Smartphones aus dem Jahr 2019 gewesen: Besser ausgestattet als jedes andere High-End-Device zu einem deutlich günstigeren Preis. Das OnePlus 8 Pro ist nun die neue Generation für dieses Jahr (bis natürlich das OnePlus 8T Pro erscheint) nun die neuste Generation und wir konnten das Gerät bereits eine längere Zeit in Augenschein nehmen. Vieles macht OnePlus richtig, aber wie ihr nun feststellen werdet, hat das ganze auch seinen Preis. Ich erkläre auch, warum und wie die Entwicklung dazu stattgefunden hat. Ich verrate euch auch, ob der Kauf sich lohnt.

OnePlus 8 Pro Design: Fast alles beim Alten und das ist auch gut so

Das OnePlus 8 Pro hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht viel geändert. Lediglich das Display ziert nun ein sogenanntes Punch-Hole, wo ihr die Frontkamera findet. OnePlus hat sich gegen eine ausfahrbare Kamera im Rahmen entschieden, um die Langlebigkeit des Smartphones zu erhöhen. Schliesslich sind mechanische Teile immer auch ein Ausfallrisiko. Die Kamera ist entsprechend klein und fällt weder beim Schauen von Videos, noch beim Spielen grossartig auf. Mich hat sie zu keiner Zeit gestört, da das Display auch breit genug ist.

 

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so stark auffällt, die Rückseite hat ebenfalls einige Veränderungen mitgemacht. Der chinesische Hersteller erreicht hier laut eigener Aussage den höchsten Trübungsgrad in der Branche, was durch eine neue Bearbeitung des Glases möglich wird. Wir haben also wieder ein mattes Design, wie wir es schon seit einigen Jahren gewohnt sind. Um es etwas subjektiv zu halten: Ich bin ein grosser Fan dieser Optik und es hebt die Geräte wohltuend vom Rest ab. Die besondere Bearbeitung der Rückseite sorgt auch für ein seidenes Finnish, das sich schön an die Hand anschmiegt. Generell fühlt sich als OnePlus 8 Pro einfach wahnsinnig gut in der Hand an.

 

Die Verarbeitungsqualität des OnePlus 8 Pro ist ebenfalls auf einem erstklassigen Niveau. Das gerade einmal 199 Gramm schwere Gerät misst 165.3 x 74.3 x 8.5 mm und ist damit nur unwesentlich grösser als das OnePlus 7T Pro mit 162.6 x 75.9 x 8.8 mm. Da das Display aber auf 6.78 Zoll angewachsen ist, mussten auch die Länge und Breite etwas angepasst werden. Die Höhe schrumpft mit 8.5 mm unmerklich und so verändert sich das Handling nahezu kaum. Interessant: Mit den oben angesprochenen 199 Gramm ist das neue Modell sogar leichter als der Vorgänger! Trotz grösserer Abmessungen.

 

Fans dürfen sich übrigens über eine kleine aber sehr feine (und vor allem offizielle) Änderung freuen. Endlich ist das OnePlus 8 Pro mit einer Zertifizierung nach IP68 ausgestattet und damit auch entsprechend vor Wasser und Staub geschützt. Die Vorgänger galten inoffiziell zwar als wasserfest, hatten aber keine offizielle Zertifizierung. Diese ist nun endlich im Pro-Modell verfügbar. Das kleinere OnePlus 8 hingegen ist zwar wieder wasserfest, bekommt aber die Zertifizierung nicht.


Bilder. PocketPC.ch / Laser

 

OnePlus 8 Pro Hardware: Der schnellste Chipsatz der Android-Welt

Wie sollte es auch anders sein: OnePlus setzt beim neuen Modell wieder auf einen Snapdragon Chipsatz und hat somit den aktuell schnellsten Android-Prozessor verbaut. Der Snapdragon 865 arbeitet als Octa-Core, bekommt eine Adreno 650 GPU zur Seite gestellt und darf je nach Modell auf 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher oder 12 GB RAM mit 256 GB Speicher zurückgreifen. Da es nur zwei Konfigurationen gibt, hält es immerhin die Übersicht recht klein, was man durchaus praktisch finden kann.

 

Auf Seiten der Performance können wir also festhalten, dass das OnePlus 8 Pro derzeit eines der schnellsten Android-Smartphones auf dem Markt ist. Die Geschwindigkeit ist überragend gut, sowohl in der normalen Nutzererfahrung, als auch beim Zocken. Es gab in unserem Test nicht ein Mobile Game, dass das neue Flaggschiff in irgendeiner Form überforderte. Eine tolle Messlatte bilden hier vor allem Fortnite und ARK: Survival Evolved. Gerade Letzteres kann in den höchsten Einstellungen genossen werden, mit einer riesigen Open World und einer tollen Weitsicht. Klasse!

 

Das spiegelt sich übrigens auch in den Benchmark wie Geekbench und 3DMark wieder. Verglichen mit bisherigen Android-Smartphones scheint die Performance wie vom anderen Stern. Das aktuelle Top-Flaggschiff von Samsung, das Galaxy S20 Ultra 5G, kommt da nicht wirklich mit. Allerdings werden andere Modelle, wie das Sony Xperia 1 II, die ebenfalls auf den gleichen SoC setzen eine nahezu identische Performance abliefern. Hier muss man also entsprechend differenzieren. Ein mögliches Asus RoG Phone 3 wäre mit einer möglichen Übertaktung des Prozessors sogar noch schneller. Das schmälert aber den jetzigen Stand in keiner Weise.

 

Unser Testmodell ist übrigens mit 12 GB RAM und 256 GB internem Speicher ausgestattet. Ein Ruckeln während der gesamten Testphase war nicht feststellbar. Sogar schweres Multitasking mit mehreren offenen Apps und Spielen meisterte das OnePlus 8 Pro superb und blieb zu jederzeit auch relativ kühl. Das hilft bei rechenintensiven Programmen enorm, vor allem auch dann wenn das Gerät am Kabel hängt und hier noch die Abwärme beim Aufladen hinzukommt.

Auch bei direkter Sonnenlichteinstrahlung bleibt das Display absolut ablesbar. Bild: PocketPC.ch / Laser

OnePlus 8 Pro Display: Eine der besten Anzeigen auf dem Markt

Besonders beeindruckend und irgendwie das komplette Herzstück des neuen OnePlus 8 Pro ist vor allem das verbaute AMOLED-Display. Dieses kommt zwar von Samsung, wurde vom Hersteller aber noch einmal zusätzlich kalibriert. Ähnlich wie es auch Apple beim iPhone 11 Pro macht. Das neue OnePlus-Flaggschiff setzt dabei auf ein 6.78 Zoll grosses Panel mit QHD+-Auflösung (3168 x 1440 Pixel) und extrem schnellen 120 Hz. Anders als beim Samsung Galaxy S20 Ultra könnt ihr die 120 Hz sogar nutzen, wenn die maximale Auflösung eingestellt wird. Das hebt die Bedienung auf der Oberfläche auf ein völlig neues Level. Spiele, wie Arena of Valor und Pokémon GO, die ebenfalls hohe Hz-Raten unterstützen, wirkt sich dieses auch sehr positiv auf das Zocken aus.

 

Die Farbdarstellung ist zudem überragend gut und kann auf die eigenen Bedürfnisse in den Einstellungen angepasst werden. Selbst der Modus für "Lebendig" übertreibt nicht, auch wenn dieser schon recht knallige Farben bietet. Auch die Sicht bei direkter Sonneneinstrahlung ist wirklich gut. Kein Wunder, das Display erreicht laut des Herstellers starke 1.300 nits. Allerdings sollte man ein AMOLED-Display nicht zu lange in derartigen Regionen betreiben, was die Langlebigkeit dann doch beeinträchtigen könnte. Immerhin ist es nicht der Regelfall.

 

Das Display des OnePlus 8 Pro deckt den gesamten P3-Farbraum ab und natürlich auch mit sRGB. Das Format ist übrigens leicht länger als bei vergleichbaren Modellen. Hier gibt OnePlus 19.8:9 an, was etwas länger ist, als die Modelle der Galaxy-Serie. Nur noch die Sony-Smartphones mit 21:9-Ultrawide-Format haben hier sprichwörtlich "den Längsten". Das kann Vorteile haben, beeinflusst aber auch die Bauweise. Mittlerweile gehören aber lange Displays aber auch zum Alltag dazu. Abschliessend kann ich an dieser Stelle aber sagen, dass das OnePlus 8 Pro eines der besten, wenn nicht gar das beste Display auf dem Markt hat. Lediglich Apples iPhone 11 Pro kommt hier noch ran und könnte fast gleichwertig sein.

Man kann das tolle Display in Bildern und Videos gar nicht so wirklich festhalten. Man muss es einfach gesehen haben. Bild: PocketPC.ch / Laser

OnePlus 8 Pro Kamera: Bekannte Schwächen und einige Verbesserungen

Bereits die Kamera aus den Vorgängern war absolut nicht schlecht. Sie hinkte aktuellen Topmodellen aus 2019 nur leicht hinterher, war aber für nahezu alle Situationen mehr als ausreichend und schoss gar hervorragende Bilder. Das hat sich auch mit dem neuen OnePlus 8 Pro nicht geändert. Verbaut wir dein 48 MP Hauptsensor (F/1.78) und ein zweiter Sensor mit 48 MP (F/2.2) der für Ultraweitwinkel-Bilder mit bis zu 120 Grad Sichtfeld zuständig ist. Der optische Zoom setzt auf eine dreifache Vergrösserung und einen 8 MP grossen Sensor (F/2.4). Zudem kommt noch ein vierter und spezieller Farbsensor zum Einsatz, der Farbdaten messen und während der Fotografie auch in Echtzeit berechnen und ändern kann.

 

Die Kamera macht auch in diesem Fall wieder hervorragende Bilder, auch wenn der Unterschied zum Vorgänger eher klein ausfällt. Das OnePlus 8 Pro hat eine starke Dynamik und einen hervorragend arbeitenden Weissabgleich. Unter guten bis sehr guten Lichtbedingungen ist Rauschen praktisch nicht vorhanden. Unschärfen zu den Rändern sind nicht zu erkennen. Gefallen hat mir auch der schnell arbeitende Fokus, der sich auch unter schnelleren Bewegungen kaum Fehler erlaubt.

 

Allerdings kann OnePlus auch in diesem Modell, die Schwächen unter nicht ganz so günstigen Lichtbedingungen nicht kaschieren. Die Kamera wird langsam, sobald das natürliche Umgebungslicht nicht mehr ausreicht und der Sucher gerät ins Stocken. Dann sind auch körnige Strukturen auf den Bildern zu sehen und das Rauschen tritt hervor. Allerdings macht die Software im Hintergrund einen etwas besseren Job als zuvor, so dass das Bildrauschen nicht ganz so eklatant ausfällt. Dass es aber besser geht, zeigt vor allem Huawei in seinen Smartphones und das nun kontinuierlich seit einigen Jahren. Insgesamt hängt OnePlus hier immer noch Apple und Huawei in einige Belangen hinterher, auch wenn es keine schlechte Smartphone-Kamera ist.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

 

Da ich persönlich gerne mit Ultraweitwinkel herumspiele, hab ich mir den Sensor im Vergleich zur Hauptkamera etwas genauer angeschaut. Die Bilder sind in der Gesamtheit etwas schwächer, als bei der Hauptkamera, doch ist die Qualität enorm gut und ein riesiger Sprung im Vergleich zum OnePlus 7T Pro. Möglich macht es nicht nur die deutlich erhöhte Megapixel-Anzahl, sondern auch ein leicht verbesserter Sensor. Durch die neue Linse ist also nicht nur das Sichtfeld weiter, sondern mit dem neuen Sensor eben auch die Qualität wesentlich besser geworden.

 

Interessant ist übrigens auch der oben kurz angesprochene Farbsensor, der auch unterschiedliche Filter in Echtzeit über die Fotos legen und somit für mehr Spielraum bei der Farbgestaltung sorgen kann. Das Feature ist ein neuer Ansatz und tatsächlich auch lustig zu bedienen. Einen direkten Mehrwert ziehen die Fotos aber erst einmal nicht daraus. 

OnePlus 8 Pro: Gute Akkulaufzeit, aber ein schlechterer Lautsprecher

Auch die Akkulaufzeit ist dem Vorgänger überlegen und das OnePlus 8 Pro hält deutlich länger durch. Der Unterschied ist zwar nicht überragend riesig, allerdings schon deutlich merkbar. Bis zu zwei Tage waren während des Testzeitraums daher nahezu immer möglich, trotz hoher Nutzung. Das liegt aber auch am deutlich grösseren Akku, der nun 4’510 mAh statt bisher 4’085 mAh misst. Kommen allerdings viel Gaming über den Tag hinzu, vor allem mit Spielen, die dem Smartphone einiges abverlangen, muss natürlich auch das neue Flaggschiff – am besten noch am Ende des Tages – an das Kabel.

 

Was absolut positiv überrascht, ist das neue kabellose Laden! Endlich unterstützt das OnePlus 8 Pro auch entsprechende Qi-Ladegeräte und hat mit dem Warp Charge 30 Wireless sogar ein eigenes Produkt herausgebracht. Die Ladestation nimmt das Smartphone hochkant auf, damit Nachrichten und die Uhrzeit noch lesbar erfasst werden können. Zudem steht die 30 nicht grundlos im Namen: Satte 30 Watt kann die neue Station übertragen und lädt in 30 Minuten das OnePlus 8 Pro auf 50 Prozent auf.

 

Etwas weniger begeistert war ich hingegen vom Lautsprecher. Während ich den Speaker noch im OnePlus 7 Pro tatsächlich als sehr gut beschrieben hatte, scheint der neue Lautsprecher hin stark hinten abzufallen. Er ist recht dumpf im Klangbild und scheint auch an Kraft verloren zu haben. Im Prinzip weiss man ja selbst, dass man aus einem Smartphone-Lautsprecher nicht viel erwarten muss, allerdings haben wir das schon besser gehört.

Dieses fantastische Türkis-Grün ist ein echter Hingucker. Bild: PocketPC.ch / Laser

Fazit: Absolutes High-End-Smartphone! Leider auch beim Preis

Das OnePlus 8 Pro ist ein Top-Smartphone und das in vielen Bereichen. In meinen Augen ist das Display wirklich extrem gut und dank der 120 Hz-Technologie eines der derzeit besten Anzeigen auf dem Markt. Das gilt aber auch für die Farbdarstellung und die wirklich butterweiche und schnelle Reaktionszeit. Auch der Prozessor ist eine Klasse für sich: Qualcomms Snapdragon 865 ist der derzeit schnellste Android-SoC und überflügelt gar das Samsung Galaxy S20 mit Exynos 990. Die Kamera macht zwar keinen riesigen Schritt nach vorne, sie ist aber wieder gewohnt sehr gut, auch wenn man Huawei, Apple und Google in dieser Disziplin weiterhin hinterherhinkt, so sind die Ergebnisse dennoch klasse und ausreichend.

 

Allerdings hat sich OnePlus mit dem neuen OnePlus 8 Pro und wohl auch dem kleineren Modell aus der Riege der Preisleistungs-Stürmer verabschiedet. Denn das von uns getestete OnePlus 8 Pro mit 12 GB RAM und 256 GB internem Speicher kostet rund 1’000 Euro und ist damit endgültig im Preisbereich der High-End-Hersteller angekommen. Keine Frage: Man erhält für das Geld ein ausserordentliches Gerät, doch war es bisher immer der Preis, der besonders herausgestochen hat.

 

Immerhin finden nun Fans Funktionen anderer Hersteller ebenfalls im OnePlus 8 Pro wieder. Das Smartphone ist erstmals offiziell vor Wasser und Staub nach IP68 geschützt und auch kabelloses Laden ist möglich, sogar bis 30 Watt. Doch rechtfertigt das die enorme Preiserhöhung von 250 Euro im Vergleich zum Vorgänger? Während mich das OnePlus 7 Pro noch begeisterte, da der Preis hier noch weit unter den Spitzenmodellen lag, ist meine Begeisterung mit dem OnePlus 8 Pro nun ein wenig verflogen. Auch wenn wir hier ein Spitzenmodell vor uns liegen haben, ist das neue OnePlus-Handy eher zu einer Alternative geworden und leider kein Geheimtipp mehr.

 

Preise und Verfügbarkeit des OnePlus 8 Pro

Die neuen OnePlus 8 Pro-Geräte sind ab dem 21. April im Handel erhältlich, können aber bereits Bei Amazon und weiteren Versandhändlern sowie beim Hersteller selbst vorbestellt werden. Je nach Farbe unterscheiden sich auch die Ausstattungen der Geräte, was vielleicht auch für Verwirrung sorgen könnte. Nicht jede Farbe ist also mit jeder Konfiguration zu bekommen, aber vielleicht lässt sich auch etwas leichter merken.

 

Das neue Flaggschiff ist in den Farben Grün und Blau mit 256 GB internem Speicher und 12 GB RAM erhältlich und kostet exakt 999 Euro. Die Farbe Schwarz hingegen ist das kleinere Modell mit 128 GB internem Speicher und 8 GB RAM. Hier liegt der Preis bei 899 Euro. Damit ist die neue OnePlus 8 Serie die teuerste Smartphone-Reihe, die der Hersteller je auf den Markt gebracht hat.

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