So. 15. Januar 2023 um 7:19

Apple iPhone 14 Plus im Test: Dem iPhone 13 Pro (Max) zu nahe?

von Barbara Walter-Jeanrenaud 0 Kommentare

Apple geht mit dem iPhone 14 neue Wege, zumindest was die verwendete Hardware der Non-Pro-Modelle betrifft. So schafft der Hersteller endlich grössere Unterschiede zwischen den Handys, die den Aufpreis zum Pro-Modell rechtfertigen. Doch geht damit (noch!) ein kleines Problem einher: Die Modellreihe kannibalisiert sich gerade mit einer anderen Serie. Wir haben das iPhone 14 Plus ausprobiert.

Apple recycelt Design seit iPhone 11/12 – iPhone 14 mit bekanntem Muster

Zugegeben, das iPhone 11 hatte noch rundere Ränder um das Display herum, doch sonst bleibt Vieles beim Alten. Das iPhone 14 Plus hat das gleiche kantige Design wie die Geräte seit dem iPhone 12 und eine sehr ähnliche Kameraaussparung auf der Rückseite. An sich ist das aber auch nicht schlimm, denn die Qualität ist wie von Apple gewohnt überragend gut. Die Verarbeitung macht einiges her und dank IP68 ist dieses auch weiterhin vor eindringendem Wasser und Staub geschützt.

 

Es kann allerdings langsam etwas langweilig werden, zumal sich nun über Jahre nicht viel geändert hat. Immerhin ist beim iPhone 14 Pro die Notch in eine “dynamische Insel” geändert worden. Das gilt für das iPhone 14 Plus entsprechend nicht. Auch die Basisabmessungen sind nahezu identisch zum iPhone 13 Pro Max (das iPhone 13 hatte noch keine Plus-Version). Hier stehen 160.8 x 78.1 x 7.8 mm zu Buche. Einziger Unterschied: Das iPhone 13 Pro Max ist mit 7.7 mm unmerklich “schlanker”. Immerhin, der geistige Vorgänger ist fast 40 Gramm schwerer, was aber dem Edelstahlrahmen geschuldet ist. Das iPhone 14 Plus wiegt mit seinem Aluminiumrahmen knapp 200 Gramm.


Apple iPhone 14 Plus
Apple iPhone 14 Plus. Bild: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

iPhone 14 (Plus) im Test mit Hardware aus dem Vorgänger

Das iPhone 14 ist ein merkwürdiger Mix aus Technik des iPhone 13 und iPhone 13 Pro Max. Denn im Inneren verrichtet der Apple A15 Bionic des Pro-Modells (mit der stärkeren GPU) seinen Dienst. Zudem ist der 12-Megapixel-Hauptsensor identisch zum iPhone 13 Pro. Das 6.7 Zoll grosse AMOLED ist aber dem iPhone 13 entsprungen und unterstützt weiterhin lediglich 60 Hertz – statt der 120 Hertz aus dem Top-Modell. Ansonsten gesellt sich mit dem Satelliten-Notruf-Feature etwas gänzlich Neues hinzu. Ebenfalls stark: Das iPhone 14 Plus unterstützt Bluetooth 5.3 und das 13er Pro-Modell lediglich Bluetooth 5.0. Das spielt vor allem den neuen AirPod-Modellen in die Karten, die mit Bluetooth 5.3 ein paar neue Tricks gelernt haben.

 

Technische Daten des iPhone 14 Plus im Kurzüberblick

  • Display: AMOLED, 2778 x 1284 Auflösung und 60 Hertz (HDR10+ und Dolby Vision)
  • Prozessor: Apple A15 Bionic (aus dem iPhone 13 Pro)
  • Speicher: 128, 256 und 512 GB (alle 6 GB RAM)
  • Kamera: 12 MP Hauptsensor (Sensorshift), 12 MP Ultraweitwinkel
  • Konnektivität: Lightning, Bluetooth 5.3, WiFi 6, LTE und 5G
  • Akku: 4.323 mAh, kabelloses Laden (15 Watt)
  • Zusätzliches: Satelliten-Notruf, Face ID

Der technische Mix ist also durchaus interessant und verwirrend zugleich. Es gibt vieles aus dem iPhone 13 Pro Max, aber einiges wiederum nicht. Zudem ist mit dem Satelliten-Notruf etwas dabei, was nur der 14er-Serie vorbehalten ist. Die Entscheidung, einen Grossteil der Hardware aus dem Vorgänger zu übernehmen, resultiert wohl vor allem darin, dass die Unterschiede wesentlich höher ausfallen sollen, um den Preis zu rechtfertigen. Zudem ist es in Zeiten der Chipkrise und Produktionsproblemen ebenfalls angenehm auf etwas zurückzugreifen, was man bereits hat, um die Premium-Features im Flaggschiff zu verwenden.

Apple iPhone 14 Plus
Das Display des Apple iPhone 14 Plus. Bild: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

Display im Test: Leider sind 60 Hertz für diese Preisgestaltung zu wenig

Im iPhone 13 war dieser Punkt vielleicht noch mit viel Zähneknirschen hinzunehmen, aber mit dem iPhone 14 ist auch diese Geduld langsam aufgebraucht. Während Hersteller von Android-Smartphones mittlerweile überragende AMOLED-Anzeigen mit 120 Hertz in Smartphones – sogar für unter 300 Euro / Schweizer Franken – verbauen. Das iPhone 14 Plus kommt mit einem AMOLED-Display in 6.7 Zoll Diagonale mit maximal 60 Hertz und die Anzeige ist nicht einmal dynamisch, um Strom sparen zu können. WARUM?! Das iPhone 14 Plus kostet 1049 Euro Schweizer Franken bzw. 1149 Euro. Das ist ein Premiumpreis für ein Premiumprodukt mit einem zumindest auf dem Papier schlechtesten Display bis zur “500-Franken-Klasse”.

 

Allerdings muss man dem Display im iPhone 14 Plus zugute halten, dass es weiterhin Dolby Vision beherrscht und eine sehr gute Farbwiedergabe besitzt. Farben sind herausragend ausbalanciert und die extrem hohe Auflösung von 2778 x 1284 Pixel ist eine Augenweide, vor allem bei Spielen, die diese hohe Auflösung auch unterstützen. Damit ist natürlich das iPhone 14 Plus Display das wohl beste Display mit 60 Hertz, aber es konkurriert mit ganz anderen Geräten jenseits der 300 Franken und somit ist vor allem der Hertz-Punkt kaum mehr tragbar.

iPhone 14 Plus Kamera im Test: Eine der besten Knipsen auf dem Markt

Das iPhone 13 Pro (Max) lieferte mit seiner Sensorshift-Technologie, dem deutlich verbesserten Sensor und Linsen bereits 2022 mitunter die besten Bilder auf dem Markt. Nun ist exakt dieser 12-MP-Hauptsensor auch im iPhone 14 zu finden und was sollen wir dazu noch sagen: Es ist auch weiterhin eine der besten Kameras. Wie jedes andere Smartphone tut sich auch das iPhone 14 Plus im Dunkeln schwer, allerdings sind die Ergebnisse brauchbar und für eine derartige Spitzenklasse auch absolut akzeptabel.

 

Im Hellen hingegen geht der Sensor so richtig auf. Die Bilder sind enorm detailliert, ein starker Weissabgleich und hohe Farbtreue sind ebenfalls Stärken des Modells. Etwas hinten rüber fällt der Ultraweitwinkel-Sensor durch die sehr lichtschwache Blende von F/2.4. Hier sind die Ergebnisse auch nicht ganz so gut wie beispielsweise beim iPhone 13 Pro Max, doch sind die Fotos immer noch gut. Zudem hat das iPhone 14 Plus den Vorgänger-Pros noch etwas voraus: Der neue 4K-Kino-Video-Modus ist nur den 14er-Modellen vorbehalten. Das iPhone 13 Pro Max ist auf maximal 1080p im Kino-Modus begrenzt.

Beispielfotos: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

Apple A15 Bionic zerstört noch heute alle anderen Android-Smartphones

Wie bitte? Apple verbaut den Vorgängerprozessor von 2021 noch im iPhone 14?! Auf der einen Seite “leider ja” und auf der anderen bekommt ihr auch weiterhin einen der schnellsten mobilen Prozessoren überhaupt. Die Performance ist für ein Handy einfach nicht von dieser Welt. Genshin Impact läuft in maximalen Details in 60 Bildern pro Sekunde absolut flüssig. Bei Diablo Immortal das Gleiche: Maximal-Einstellungen inklusive 60 FPS-Modus. Zum Vergleich: Das 2022 erschienene Samsung Galaxy S22 Ultra schafft nicht einmal flüssige 30 Bilder pro Sekunde in minimalen Einstellungen. Weder in Genshin Impact noch in Diablo Immortal.

 

Ihr könnt sogar Videoschnitt auf dem Display des iPhone 14 Plus betreiben und ganze 4K-Videos schneiden und rendern und diese sind in nur wenigen Minuten fertig. Apples Prozessoren haben in den vergangenen Jahren so immens an Leistung zugenommen, dass es häufig kaum vorstellbar ist, dass diese Power aus einem Handy kommt. Doch das Ganze ist auch weiterhin mit einem Wermutstropfen zu sehen: Wir haben hier zwar die neuste Generation von iPhones vor uns, aber das neuste iPhone bekommt nicht den neusten Apple-Prozessor.

 

Dennoch: auch der Snapdragon 8+ Gen 1 hält hier nicht mit, der in Geräten ab Mitte 2022 auf den Markt gekommen ist. Erst der Snapdragon 8 Gen 2 dürfte für Apple zur Konkurrenz werden und ob dieser tatsächlich mit dem Apple A16 Bionic aus dem iPhone 14 Pro konkurrieren kann, bleibt erst einmal noch abzuwarten. Mit dem A15 Bionic habt ihr in den nächsten fünf Jahren also genug Leistung und das wirklich für nahezu alle Anwendungen. 

Bilder: PocketPC.ch / Walter-Jeanrenaud

Akkulaufzeit brutal hoch, aber nicht auf iPhone 13 Pro Max Niveau

Das iPhone 14 Plus hat zudem einen immensen Vorteil. Es hat in etwa die Akkugrösse des iPhone 13 Pro Max (4352 mAh) und dieses wurde im Netz für seine starke Ausdauer gefeiert. Unser Redakteur Marcel kann die hohe Laufzeit auch mit seinem privat genutzten Gerät bestätigen und genau das haben wir nun auch beim iPhone 14 Plus mit 4323 mAh festgestellt. Bei durchschnittlicher täglicher Nutzung, beispielsweise Surfen im Netz, Nutzung mehrerer Messenger wie WhatsApp, Signal und Threema sowie ein wenig Zocken bringen das Modell nicht ansatzweise in die Knie. Hier sind locker zwei oder gar drei Tage mit etwas geringerer Displayhelligkeit drin – eine unglaubliche Wohltat im Vergleich zum sehr schwachen Akku des iPhone 13 Mini.

 

Im Dauertest beim Spielen auf der Couch waren rund fünf Stunden Dauerlast und je nach Spiel sogar mehr drin. Allerdings merkt man, dass das iPhone 14 Plus nicht ganz an die Zeiten von iPhone 13 Pro Max und vielleicht auch vom iPhone 14 Pro Max herankommt, sondern minimal dahinter liegt. Das “minimal” ist aber so stark zu vernachlässigen, dass es einfach immer noch eine wirklich sehr gute Laufzeit ist, mit der ihr locker über mehrere Tage kommen könnt.

 

Mit einem entsprechenden Netzteil lässt sich das iPhone 14 Plus auch relativ schnell aufladen. Laut Apple von 0 auf 50 Prozent in 30 Minuten. Auch wenn dies jetzt nicht überragend schnell ist, so ist es immerhin in Ordnung. Per MagSafe sind kabellos 15 Watt möglich und mit Qi immerhin noch 7.5 Watt.

Fazit: iPhone 14 Plus ist leider ein zweischneidiges Schwert

Apples Wahl, den A15 Bionic und die gleiche Hauptkamera aus dem iPhone 13 Pro Max im iPhone 14 Plus zu verbauen und den Preis der neuen Modelle so drastisch anzuziehen, war in unseren Augen definitiv ein Fehler. Denn aktuell fallen die Strassenpreise des iPhone 13 Pro und Pro Max ordentlich. Ihr bekommt also mit dem iPhone 13 Pro Max das in allen Belangen etwas bessere Gerät, vor allem ein ProMotion Display mit 120 Hertz, das noch im Jahr 2022 das wohl beste Display in der Handybranche hatte.

 

Für das iPhone 14 Plus legt ihr allerdings neu aktuell 1’049 Schweizer Franken oder 1149 Euro auf den Tisch. Das ist viel in Anbetracht der Hardware aus dem Jahr 2021, die zwar bis heute vielen anderen Android-Geräten überlegen ist (Apple A15 beispielsweise), aber eben auch im iPhone 13 Pro Max zu finden ist. Zwar bekommt ihr auch das neue Satelliten-Notruf-Feature, doch dieses ist eventuell nur ein “nice to have”, aber für die meisten Leute wohl kein Dealbreaker.

 

Wer derzeit auf der Suche nach einem Top-Smartphone ist und die 1’000 Franken anlegen kann, ist mit dem iPhone 14 Plus gut bedient. Allerdings lohnt sich auch der Blick auf Angebote für das iPhone 13 Pro Max, das im Hinblick auf das Display noch einen grossen Tacken stärker ist und teilweise schon in derselben Preisklasse angeboten wird.

 

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Kaufen könnt ihr das iPhone 14 Plus direkt bei Apple oder bei allen anderen Elektronikfachgeschäften. Es kostet in der kleinsten Speichervariante mit 128 GB Speicherplatz 1’049 Schweizer Franken bzw. 1149 Euro. Das mittlere Gerät mit 256 GB kostet 1’169 Schweizer Franken bzw. 1279 Euro und die grösste Variante mit 512 GB 1’409 Franken bzw. 1539 Euro. Es ist in fünf verschiedenen Farben, nämlich hellblau, midnight, violett, polarstern-weiss und product red, erhältlich.

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