Do. 16. Juli 2020 um 6:58

XPG Precog im Test: Gaming-Headset als eierlegende Wollmilchsau?

von Marcel Laser0 Kommentare

Das von A-DATA entwickelte XPG Precog ist ein reinrassiges Gaming-Headset und ist auch im Feature-Set auf das Spielen ausgelegt. Gerade Ego-Shooter-Gamer sollen hier voll auf ihre Kosten kommen. Doch wir finden auch die enorme Anschlussvielfalt interessant, die die vielen Kabel im Lieferumfang bereits andeuten. Wir haben das Headset, das fast für jeden Einsatz dienen kann, einmal genauer auf die Probe gestellt.

XPG Precog Design: Hochwertig verarbeitet, eine Spur zu viel Kunststoff

Wer das XPG Precog erstmals aus der Verpackung nimmt, wird durchaus überrascht sein. Das Gaming-Headset ist auf den ersten und ehrlich gesagt auch auf den zweiten Blick sehr gut verarbeitet. Nichts knarzt oder klappert. Die Ohrmuscheln sind aus Memory-Schaum und von Kunstleder umgeben. Der Kopfbügel ist ebenfalls ordentlich gepolstert und insgesamt ist die Verarbeitung sehr hochwertig.

 

Allerdings nutzt A-DATA beim XPG Precog deutlich mehr Kunststoff als wir es von der Konkurrenz gewohnt sind. Zum Vergleich haben wir ein SteelSeries Arctis Pro Wireless und ein Razer Thresher 7.1 vorliegen. Beide Headsets bieten auch viel Metall für eine stabilere Konstruktion. Allein die Aufhängung der Treiber hängt beim Precog an einer Kunststoffkonstruktion, die auf Dauer der Spannung beim Auf- und Absetzen für Probleme sorgen könnte. Das müsste allerdings ein Langzeittest zeigen. Löblich: Der Hersteller gibt zwei Jahre Garantie auf den Kopfhörer.

 

Natürlich darf Gamer-typisch auch die LED-Beleuchtung an den Ohrmuscheln nicht fehlen. Diese leuchten in einem schönen Rot, die Hauptfarbe, die sich A-DATA für seine Gaming-Marke XPG ausgesucht hat. Das hebt sich immerhin vom Razer-Grün ab oder vom Blauton bei Roccat. Warum also nicht? Es passt einfach.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

XPG Precog kommt mit einer Menge vorinstallierter Technik

Wenn wir den Preispunkt von rund 180.- Euro bzw. Schweizer Franken in der UVP (mittlerweile auch schon deutlich günstiger zu haben) bedenken, so ist es wohl nur natürlich, dass das XPG Precog mit viel Technik im Anschlag kommt. Die optisch schick aufgemachte Tragetasche ist zudem mit einer Menge Zubehör vollgestopft. Aber kümmern wir uns erst um dir rein technischen Daten des High-End-Gaming-Headsets.

  • Treiber: Elektrostatische/dynamische Dualtreiber (40 mm)
  • Frequenzbereich: 5 Hz – 50’000 Hz
  • Impedanz: 32 Ohm ±15%
  • Anschlüsse: USB-Type-C und 3.5-mm-Klinke
  • Abnehmbares Mikrofon mit ENC (filtert Umgebungsgeräusche)
  • Gewicht: 362 Gramm
  • Sound-Modi: Musik, 7.1 Sound und FPS Mode

Vor allem an der Fernbedienung lässt sich einiges einstellen. Dort ist auch eine 7.1-Soundkarte verbaut, die automatisch vom Windows-PC oder der PlayStation 4 erkannt wird. An den Knöpfen der Fernbedienung könnt ihr dann alles nach Belieben ein- und ausschalten und das sind schon recht viele Dinge. Übrigens verbaut XPG ein neuartiges elektrostatisches dynamisches Dual-Treiber-Setup, dass es bei der Konkurrenz so nirgends gibt.

 

Was die verbauten Schalter betrifft, so ist der ENC-Modus einer davon, der die Umgebungsgeräusche vom Mikrofon heraus filtert. Sollte also jemand im Hintergrund bei euch im Zimmer Krach machen, sollten es die Discord-, Partychat- oder Teamspeak-Mitglieder im Idealfall nicht mitbekommen, Zudem lassen sich für den Sound gleich drei Klangprofile einstellen. Einmal für Musik, voluminöser 7.1-Klang oder ein FPS-Modus. Letzterer betont vor allem die Höhen und stellt die Tiefen ab, während die Mitten sehr stark herunter geregelt werden. Damit sollt ihr Schritte in Ego-Shootern wesentlich leichter wahrnehmen können, somit einen Vorteil in Spielen wie Overwatch, Counterstrike oder Rainbow Six Siege haben.

Viele Anschlussmöglichkeiten, Sound-Modi, Mikrofon mit ENC. XPG (A-DATA) packt eine Menge technisches Zeug ins Precog. (Bild: PocketPC / Laser)

XPG Precog im Test: Klangeigenschaften mit gemischten Gefühlen

Eigentlich kenne ich es ja schon aus meiner seit Jahren vergangenen Profispieler-Zeit. Gaming-Headsets sind meist Bassbetont, gar im High-End-Bereich wird es nicht wirklich viel besser. Das Precog muss sich hier gegen zwei meiner grossen Favoriten durchsetzen. Einmal das Razer Thresher 7.1 und mein Steel Series Arctis Pro Wireless. Beide Headsets habe ich noch im Einsatz und daher kann ich auch einen ordentlichen Vergleich ziehen. Das XPG Precog hat es also nicht leicht. Bei einer Preisempfehlung von circa 180 Euro sollte man es dem Modell aber auch nicht zu leicht machen oder?

 

Kommen wir erst einmal zum Musik-Test, der mich erst einmal kalt erwischte. Das Headset ist nicht wirklich etwas für Musikfans. Das XPG Precog verschluckt in allen Modi eine Menge. Schaltet ihr an der Fernbedienung auf Musik, fehlt im gesamten Spektrum die Dynamik. Musik hört sich blutleer an und der überbordende Bass killt das Spektrum nahezu komplett. Mitten sind kaum vorhanden und lassen sich vielleicht noch irgendwo erahnen. Dann hört lieber Musik im 7.1-Klangmodus, da habt ihr noch ordentlich Volumen in alle Richtungen und keine der drei Kategorien wird extrem vernachlässigt. Das Klangbild wirkt hier deutlich homogener.

 

Die folgende Tabelle zeigt auf, womit ich das XPG Precog ausprobiert habe:

 

Musiker_innen und Bands Soundtracks von Filmen, Video- und Computerspielen Gespielte Spiele
  • Pendulum – Immersion
  • Skrillex – Bangarang
  • Michael Bublé – To Be Loved
  • Billy Talent – Billy Talent III
  • Anberlin – Blueprints for City Friendship
  • Infected Mushroom – Deeply Disturbed
  • Green Day – American Idiot
  • Lindsey Stirling – Shatter Me
  • Blind Guardian – A Night at the Opera
  • Vanessa Mae – The Classical Album
  • Schandmaul – Narrenkönig
  • Eminem – 8 Mile
  • Killigrew – Tales of Hope
  • Killigrew – The Lost Chapter
  • Killigrew – Distorted Dreams
  • Killigrew – Hiraeth
  • Austin Wintory – Journey (Original Soundtrack)
  • Guild Wars 1 und 2 – Original Soundtracks
  • Pacific Rim – Original Soundtrack
  • Vaiana – Original Soundtrack
  • Enders Game – Original Soundtrack
  • Uncharted – Original Soundtrack
  • Halo 2 und 3 – Original Soundtracks
  • Baldur’s Gate 2 – Original Soundtrack
  • Skyrim – Original Soundtrack
  • StarCraft II – Original Soundtrack
  • Rocket League – Original Soundtrack
  • Portal 2 – Original Soundtrack
  • The Witcher 3 – Original Soundtrack
  • Game of Thrones – Original Soundtrack
  • Destiny – Original Soundtrack
  • Monster Hunter World – Original Soundtrack
  • Guild Wars 2 (PC)
  • Warcraft 3 Reforged (PC)
  • Path of Exile (PC)
  • The Legend of Zelda: Links Awakening (Switch)
  • Pokémon Schild (Switch)
  • The Coma 2 (Switch)
  • Real Racing 3 (Mobile)
  • Monument Valley 2 (Mobile)
  • Childrens of Sky (Mobile)
  • The Elder Scrolls: Blades (Mobile)
  • Stranger Things: The Game (Mobile)
  • The Eldar Scrolls V: Skyrim (PC und PlayStation 4)
  • StarCraft II (PC)
  • The Witcher 3 (PC)
  • Overwatch (PC)
  • Arena of Valor (Mobile)
  • Fortnite (PC und Mobile)
  • Call of Duty Mobile (Mobile)
  • Monster Hunter World: Iceborne (PlayStation 4)
  • No Mans Sky (PlayStation 4)
  • Destiny 2 (PlayStation 4)
  • Rocket League (Switch)

 

Ich habe also eine breite Palette an Games gespielt und Musik gehört. Das Headset fühlt sich beim Spielen wesentlich wohler als beim Musikhören. Den Unterschied macht einfach auch die 7.1-Sound-Einstellung an der Fernbedienung. Diese sollte man voreingestellt lassen und am besten nie umschalten. Hier ist das Klangbild mit Bassbetonung noch am ausgefeiltesten und macht auch in nahezu jeder Hinsicht den solidesten Eindruck. Auch wenn Mitten hier zwischen den Höhen und dem Bass etwas zu kämpfen haben, so werden sie nie komplett verschluckt.

 

Den FPS-Modus kann ich an dieser Stelle nur schwer bewerten. Er ist eine spezialisierte Einstellung, der die Mitten und Tiefen negiert und somit Platz für die Höhen schafft. Dadurch werden Schritte deutlicher hervorgehoben, was in Ego-Shooter einen Vorteil bringen kann, aber nicht muss, da die Schritte wohl leichter erkennbar und damit besser geortet werden können. Nach dem Motto: "Höre die anderen, bevor sie sich hören!" oder so ähnlich. Es ist ein stark spezialisierter Modus, den man mögen muss. Wer ihn nutzen will und gut findet, wird auch Freude daran haben. Ich selbst kann so nicht spielen.

 

Um noch einmal auf die elektrostatischen dynamischen Dual-Treiber zurück zu kommen: Ihr werdet hier keinen grossen Unterschied zur Konkurrenz feststellen. Die Akustik ist wie oben Beschrieben im 7.1-Modus eben am besten ausgelegt und produziert vor allem basslastige und leicht höhenbetonte Akustik. Einen wirklichen Genie-Streich kann man hier nicht erkennen. Solide würden wir an dieser Stelle meinen.

Reichhaltiges Zubehör und grosse Plattformunabhängigkeit

Das XPG Precog kann in der Kategorie Plattformunabhängigkeit mehr als nur glänzen. Das wird schon zu Beginn klar, wenn man das reichhaltige Kabelzubehör aus der Tragetasche durchwühlt. Für nahezu jede Gelegenheit ist ein Kabel dabei und ich hatte Zuhause keinerlei Probleme zwischen all meinen System hin und her zu wechseln.

 

So konnte ich per 3.5-mm-Klinke das XPG Precog im Test an der Switch betreiben oder per USB-Type-C an meinem iPad Pro oder dem OnePlus 8 Pro. Ein Adapter auf USB-A liegt übrigens bei, so dass ich es ganz bequem am Windows-10-Laptop per Firmware-Update auf den neusten Stand bringen konnte. Es ist einfach befreiend, ein Headset zu haben, dass wirklich überall funktioniert. Das Precog funktioniert auch an den neuen MacBooks, die nur noch auf USB-Type-C setzen. Es macht wirklich Spass.

 

An dieser Stelle hätten wir uns für die totale Freiheit noch eine Bluetooth-Verbindung gewünscht, aber das wäre dann auch aufgrund des Gewichts schlussendlich etwas zu viel geworden, wenn auch noch ein Akku und weitere Technik im Gerät hätte Platz finden müssen. Es ist also absolut in Ordnung, wie es ist, als kabelgebundenes Headset.

Das fanden wir richtig cool! Es gab eine Menge Zubehör in Form von Kabel für nahezu alle Plattformen. (Bild: XPG)

Verarbeitung der Fernbedienung ist nicht optimal

Leider ist die Fernbedienung für mich ein No-Go. Die Schalter haben einen merkwürdigen Druckpunkt und es lässt sich nicht wirklich immer erkennen, in welchem Modus man gerade ist. Das Drehrad für die Lautstärke unter Windows funktioniert ebenfalls nicht. Zwar ist es bei unserem Testgerät möglich lauter zu stellen, aber beim Drehen in die andere Richtung zittert die Lautstärke extrem und meistens wird es dennoch lauter statt leiser. Wahrscheinlich sind die Widerstände im Rad einfach nicht ordentlich verbaut.

 

Damit steht die Verarbeitung der Remote am Kabel komplett im Kontrast zum gut verarbeiteten Headset selbst. Das ist wirklich enttäuschend, zumal das Headset in die gehobene Preisklasse gehört und da darf so etwas von Grund auf nicht passieren. Zwar ist der Preis mittlerweile um bis zu 50 Euro bzw. SFr. niedriger, aber die Fernbedienung fühlt sich an wie aus einem 30 Euro China-Headset.

Die Fernbedienung ist einer der größten Kritikpunkte: Extrem schwammige Steuerung und Drehrad funktioniert nicht wirklich gut. (Bild: PocketPC / Laser)

Fazit: XPG Precog will viel, glänzt aber nicht überall

Das XPG Precog lässt mich im Test dann doch etwas enttäuscht zurück. Der Klang ist nur in einer Einstellung wirklich zu gebrauchen und dort ist er zwar ganz gut, aber weit weg von den hochpreisigen Konkurrenten. Zudem ist die Fernbedienung im USB-Type-C-Kabel eine Zumutung, da sich die Bedienung darüber wirklich nicht besonders toll anfühlt. Wenn dann noch Eingabeschwierigkeiten bei der Lautstärke hinzukommen, ist der erste Eindruck eines solchen Premium-Modells direkt hin.

 

Stellt ihr das Precog auf 7.1-Sound, solltet ihr da definitiv auch bleiben. Der Klang ist voluminös und macht einen guten Eindruck. Das Spektrum ist breit, wenn auch etwas dunkel geraten. Höhen kommen nicht zu kurz, die Mitten sind noch annehmbar. Der Klang ist also als durchaus solide zu bezeichnen, solange ihr den Schalter eben nicht bewegt. Dass XPG hier ein neuartiges elektrostatisches, dynamisches Treiber-System verbaut, bekommt man aber nicht so wirklich mit.

 

Unterm Strich bleibt ein Gaming-Headset zurück, dass eine überaus gelungene Verarbeitung mit einem annehmbaren Sound verbindet und leider von einer katastrophalen Fernbedienung begleitet wird. Besonders gut gefallen kann aber das reichhaltige Zubehör. Die wirklich tolle Plattformunabhängigkeit macht das XPG Precog im Test zu einem wahren Multitalent auf allen Ebenen. Ich hab die Unabhängigkeit sehr genossen, von Gerät zu Gerät gehen zu können, ohne auch die Kopfhörer wechseln zu müssen.

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