So. 22. August 2021 um 8:03

Review: Maneater für Nintendo Switch – Das shARkPG im Test

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Nur wenige Tiere faszinieren und ängstigen gleichzeitig so sehr wie grosse Haifische – und das nicht erst seit dem legendären Hollywood Blockbuster Jaws. Denn Tigerhaie, Weisse Haie und Bullenhaie sind die drei Arten, denen man die meisten Angriffe auf Menschen zuschreibt.

Die amerikanische Spielschmiede Tripwire Interaktive hat sich dem Thema Haiangriff auf eine ungewöhnliche Weise angenommen und ein shARkPG – ein Hai-Action-Rollenspiel – geschaffen: Maneater. Neben der Hybridkonsole Nintendo Switch wird das Spiel auch für Windows PC, Xbox One und PlayStation 4 angeboten. DeepSilver von Koch Media übernimmt dabei den Vertrieb.

Worum geht es in Maneater für Nintendo Switch?

Die Story ist schnell erzählt und dennoch passend. Im Golf von Mexiko wird ein Hai gejagt und getötet. Der ungeborene Junghai entkommt dabei knapp durch einen unbeabsichtigten Kaiserschnitt und trennt dem Jäger dabei auch noch die Hand ab. Eine Erzfeindschaft. Moby Dicks Kapitän Ahab und Peter Pans Captain Hook lassen grüssen. Wir spielen nun diesen jungen Hai in einer fiktiven Küstenlandschaft der US-amerikanischen Südstaaten und müssen fressen, um zu überleben. Dabei wird alles an Meerestieren von Schildkröten bis Fisch und Alligator verspeist sowie einiges mehr. Gleichzeitig entwickelt sich das Bullenhai-Exemplar, das wir spielen, so weiter. Es levelt. Und wir können, ganz RPG, verschiedene Eigenschaften und Skills verbessern oder erwerben, durch Mutation (radioaktives Futter ist auch zu etwas gut!) und verschiedene Side Quests. Und wir können den Jagdspiess umdrehen und selbst unsere Häscher jagen! Je mehr Menschen wir töten oder verletzen, desto mehr Aufmerksamkeit generieren wir und desto mehr werden wir selbst gejagt – sei es durch Hobby-Sharkhunter oder durch die Küstenwache. Die Hauptfigur dieser jeweiligen Jagdgruppe zu töten bringt uns wiederum ganz besondere Belohnungen ein. Es lohnt sich also, böse zu sein.

 

Aber auch das Erkunden unserer Umgebung kann etwas Einbringen. Denn alle Sehenswürdigkeiten einer der sieben Regionen – darunter die Golfküste, die Strände des Hotelresorts, die Industrie-Docks sowie das offene Meer – zu entdecken, eine Fresskiste zu finden oder andere Aufgaben zu bewältigen, wird ebenfalls belohnt.


Ein Action-Rollenspiel mit Hai-Charakter: Maneater für Nintendo Switch. Screenshot. PocketPC.ch / Jeanrenaud

Testeindruck

Das Spiel selbst ist also gehörig blutrünstig, was sich auch in der Grafik niederschlägt. Blutfontänen und riesige dunkle Teppiche umgeben unseren Hai-Charakter allenthalben. Aufgelockert wird die morbide Stimmung gleichzeitig durch viel Sarkasmus und einen düsteren Humor. Nicht nur sind zig Anspielungen auf Gaming und Popkultur überall versteckt. Auch die Quests sind entsprechend humoristisch und zynisch angehaucht, wenn man etwa Selfie-Tourist:innen jagen soll. Um das ganze noch zu toppen, begleitet die Story eine lakonische Stimme aus dem Off, die Anekdoten und Fakten einstreut, wie wir es aus Tierfilmen und Dokumentationen kennen.

Hinzu kommen eine Vielzahl von unterschiedlichen Beutetieren und Fressfeinden, ein Tag-Nacht-Ryhtmus, abwechslungsreiche Landschaften und aberwitzige Upgrades für unseren Hai.

Steuerung und Mechanik

Die Steuerung des Hais ist schnell erlernt und in mehreren Layouts auch konfigurierbar. Ein eingängliches Tutorial zu Beginn erklärt die Grundzüge der Hai-Steuerung ebenfalls.

 

Die Spielmechanik ist ebenfalls schnell durchschaut. Es gibt vier unterschiedliche Nährstoffe, die auf verschiedene Weise – meist durch das Fressen entsprechender Beute oder Feinde – aufgenommen wird und für unterschiedliche Verbesserungen eingetauscht werden kann. Dies kann man immer in der Grotte der jeweiligen Region tun. Das ist so etwas wie das Basislagers unseres Bullenhais, in dem wir vor Angriffen relativ geschützt sind, zu dem man auf der Karte springen kann, wenn man sich gerade nicht in einem Kampf befindet und in dem man nach dem Tode jeweils wieder reinkarniert.

 

Danach geht es nur noch ums Fressen und Schwimmen, Springen und Fressen. Sagte ich schon, dass es ums Fressen geht? Das Ganze könnte auf den ersten Blick eintönig wirken, wird aber durch die abwechslungsreiche Levelgestaltung, die unterschiedlichen Tiere und Menschen, die es zu fressen gilt und den Humor, der eben auch im Live-Kommentar durch den TV-Dokumentations-Stil enthalten ist, super aufgelockert. Wenn man dann noch im Sonnenuntergang über ein Boot springt, um sich einen Touristen einzuverleiben, ist das Ganze einfach nur noch brutal und irrsinnig. Muss man mögen, kann aber wirklich witzig sein.

Grafik

Die Grafik von Maneater auf der Nintendo Switch ist der Hardware entsprechend auf gutem Niveau. Klar kann sie nicht mit der PS4 oder der Xbox One, für die das Hai-Game ebenfalls erschien, mithalten, aber für die hybride Switch mit ihrem Tegra X1 sieht das alles sehr gut aus und lässt sich sowohl mobil als auch auf dem grossen Bildschirm via Dock sehr gut spielen.

 

Die Tag-Nacht-Übergänge sind schön und stimmig gestaltet, ebenso wie die Anpassung der Lichtverhältnisse an den Verschmutzungsgrad des Wassers, die Tiefe oder die Tageszeit und den Ort des Geschehens allgemein. Auch die Landschaft ist formidabel gestaltet und macht Eindruck.

 

Die Cut Scenes machen einen schön animierten und passenden Eindruck. Deren, meist menschliche, Hauptfiguren findet man detailgetreu dann im Spiel auch wieder abgebildet.

Sound

In Maneater für die Nintendo Switch hören wir einerseits einen adrenalinpeitschenden Soundtrack, wenn Action angesagt ist und andererseits ruhige Klänge. Die Musik passt so jeweils sehr gut zum Spielgeschehen als auch zum Spielort und lässt sich sehr gut unterscheiden. Die Soundeffekte wiederum sind passend brutal und knackig. Die Tonspuren sind nahezu alle lokalisiert und somit auch auf Deutsch zu hören. Nur wenn wir Menschen angreifen, schreien diese bisweilen auf Englisch um Hilfe, was aber mehr Hintergrundgeräusch ist denn Effekt.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Preis und Fazit

Das Single-Player Action RPG Maneater gibt es für Nintendo Switch im Nintendo eStore zu kaufen für 39,99 Euro bzw. 56.- SFr. und es ist damit im Premium-Segment anzusiedeln. Die Switch-Version enthält als Day One Edition zudem das DLC Tiger Hai Evolution und ist auch als physische Version mit Spielspeicherkarte erhältlich.

 

Auch für Sony PlayStation 4 und Microsoft Xbox One ist Maneater Day One Edition erhältlich und ebenfalls als Box-Variante, genauso wie für Windows PC. Gleichzeitig gibt es die digitalen Editionen auch für die anderen Plattformen in den jeweiligen Stores und auf Steam für PC. Es ist zudem in verschiedenen Abos, vom Game Pass bis zu PSNplus, auch schon enthalten gewesen.

 

Angebot
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Maneater
Preis: 35,99 €

 

Das Spiel Maneater kommt mit einer Altersempfehlung von 18 Jahren nach PEGI und 16 nach USK für Deutschland, was durchaus angemessen sein dürfte. Den makabren Humor und die Brutalität, mit der das Shark-Game spielt, ist nicht für alle Altersstufen geeignet. Davon abgesehen ist Maneater auch auf der Nintendo Switch ein gut gemachtes, brutales und gleichzeitig zynisch humorvolles Spiel. Die abwechslungsreiche Grafik, die unterschiedliche Levelgestaltung und der Witz des Spiels inklusive Tierfilm-Atmosphäre heben Maneater von der Masse der ARPG seit Diablo deutlich hervor. Das kann auch für länger Spass machen und ist der hybriden Konsole mehr als würdig umgesetzt worden.

Video: Deep Silver

 

Maneater: Truth Quest

Ende des Monat August 2021 erscheint übrigens der neue Download Content (DLC) Maneater: Truth Quest, bei dem ein neuer, mächtiger Jäger in unser Revier gezogen ist. Der Hai musst sich in neue Gewässer begeben, um das Geheimnis von Plover Island zu entdecken, während er grösser wird und sich weiter entwickelt, um wieder die Spitze der Nahrungskette anzuführen. Allerdings wird diese Erweiterung wohl zunächst nur für PlayStation, Xbox und PC verfügbar sein.

Video: Tripwire Ineractive

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