So. 13. September 2020 um 6:59

Review: Colt Canyon für Nintendo Switch im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Auf der portablen und zugleich stationären Spielekonsole Nintendo Switch gibt es mittlerweile eine Menge unterhaltsame und auch herausfordernde Spiele. Auch von kleineren Spieleschmieden und Publishern für Indie Games. Colt Canyon ist so eines. Vom Retrific Game Studio entwickelt und vom deutschen Publisher Headup Games veröffentlicht ist es auf verschiedenen Plattformen, GOG, Steam, Xbox One und auch für die Nintendo Switch seit ein paar Monaten erhältlich. Wir haben es für euch genauer angeschaut und besonders die Änderungen des letzten Updates vor Kurzem unter die Lupe genommen.

Colt Canyon – Was ist Rogue-like und worum geht es in dem Spiel

Das Spielprinzip von Colt Canyon ist eigentlich relativ schnell erklärt und greift nahtlos ins Szenario des Indie-Games: Ihr spielt im amerikanischen Wilden Westen des 19. Jahrhunderts einen Revolverheld oder eine Revolderheldin. Ob Cowboy oder Indianerin, ihr müsst eure Weggefährten aus den Fängen übler Banditen befreien (damsel in distress) und ballert euch durch einen Canyon voller Colts, Schätze, Fallen und Unwägbarkeiten. Und dann wieder zurück! Dabei setzt ihr alles ein, was der pixelige Wild-West-Shooter aufbieten kann. TNT wird geschleudert, aus Pistolen, Revolvern, Schrotflinten und Repetieren, Jagdgewehren und Büffelflinten wird Blei verschossen, dass der Himmel sich blau färbt. Mit Pfeilbogen, Armbrust und Wurfmessern wird lautloser gemordet und auch das bewährte Langmesser kommt im Nahkampf zahlreich zum Einsatz. Klingt brutal? Ist es. Klingt nach Spass? Oh ja!

 

Doch das alleine wäre noch nicht Rogue-like. Dieses Spiele-Genre, dass auf das ziemlich genau 40 Jahre alte, zeichenbasierte Spiel Rouge zurück geht, zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass die Level dynamisch vom Programm erstellt werden und kein zweites Mal gleich aussehen. Das sorgt für hohe Wiederspielwerte und Komplexität. Dennoch bleiben die Level untereinander verbunden, so dass ihr zum vorigen zurückkehren könnt – und zum Teil auch müsst. Zudem glänzen die meisten Videospiele dieser Ausprägung mit einem sogenannten permanenten Tod und haben keine Spielstand-Ladefunktion zur Verfügung, so auch Colt Canyon. Ihr habt also immer nur eine Chance, mit einer der verschiedenen, freischaltbaren Spielfiguren und deren ebenso unterschiedlichen Waffen durch die namensgebende Schlucht zu kommen. Geht man drauf, ist es aus und alles beginnt von vorne.


Screenshot Colt Canyon für Nintendo Switch
Eine blutige Angelegenheit – Colt Canyon auf der Nintendo Switch
Screenshot: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Features von Colt Canyon

Das Spiel bringt neben den klassichen Rogue-Features jedoch noch eine Menge zeitgemässere und spannende Eigenschaften mit sich. War Rogue und viele Rogue-like Games noch rundenbasiert, wird in Colt Canyon in Echtzeit um sich geschossen. Die zufällig generierten Level in stimmiger Pixelgrafik und bombastischen Partikeleffekten werden nicht nur durch feindliche Personen und Tiere, sondern auch durch neutrale Charaktere bevölkert, die auf eure Präsenz und eure Handlung dynamisch reagieren. Der stimmige Western-Soundtrack passt sich dazu immersiv an und versetzt euch schnell in die passende Stimmung. Wird man beispielsweise beim Meucheln eines Banditen beobachtet, ist schnell Alarm geschlagen und alles, was Beine und Waffen hat, macht Jagt auf die eigene Spielfigur. Wie man sich nun wehrt, hängt nicht nur von der Bewaffnung und der verfügbaren Munition ab, sondern auch vom Charakter, den man gerade spielt.

 

Kann man zu Beginn noch aus vier verschiedenen Figuren, die unterschiedliche Eigenschaften und damit Vor- wie Nachteile mit sich bringen, wählen, sind im Verlauf des Spiels weitere Charaktere freischaltbar. Ebenso sind unzählige Waffen zu entdecken und zu meistern.

 

Allen spielbaren Charakteren ist gemein, dass sie bis zu zwei Waffen und vier Sorten Munition (für Pistolen, Gewehre, Flinten und Pfeilwaffen) sowie Dynamit mit sich führen kann. Wie viel jeweils ist von der Spielfigur und deren Level abhängig, denn viele Eigenschaften, wie die Anzahl der Herzen, die Geschwindigkeit, die Munitionskapazität etc., können während des Spiels verbessert werden.

 

Doch auch seine Begleiter und Begleiterinnen können verbessert werden. Diese erhält man, indem andere Gefangene aus den Fängen der Banditen befreit werden, die einem dafür dann durch Verbesserungen oder eben ihre Loyalität belohnen. Zudem kann auf der Nintendo Switch auch im lokalen Co-Op zu zweit an einer Konsole gespielt werden.

 

Natürlich warten unterschiedliche Herausforderungen auf unsere Gunslinger im Colt Canyon. Von riesenhaften bösartigen Wölfen bis Dynamitfässern und niedlichen Knudelhasen, Irrwegen und Sackgassen bis zu epischen Boss Battles nachdem man dutzende Banditen und Unschuldige direkt in schnellen Actionszenen abgeknallt oder sich durch Anpirschen hinterrücks seiner Widersacher entledigt hat.

 

Noch ein Wort zur Grafik. Auch wenn diese, wie von vielen Indie-Games unterdessen gewohnt, im Pixel Art-Stil daher kommt, darf der erste Eindruck nicht täuschen. Sie ist durchaus ausgereift und zeigt eine wunderbare Physik- und speziell Partikel-Engine. So sind die Blutspuren, die unsere Opfer oder auch wir hinterlassen, die abgeprallten Projektile und die Explosionen echt sehenswert und sehr stimmig. Auch die Lichteffekte und der Schattenwurf, die sich während des Spiels übrigens dem Tagesverlauf entsprechend wandeln, machen was her und sind bei einem Pixel-Indie-Spiel nicht unbedingt zu erwarten.

 

Apropos stimmig: Selten hat ein Soundtrack, mit typischen Wild West-Geräuschen und -Musik, so stimmig in ein Indie-Spiel gepasst. Hier lohnt es sich wirklich, die Kopfhörer aufzusetzen beim Zocken.

 

Auch die Steuerung ist, nach einer kurzen Eingewöhnung, schnell gemeistert und präzise wie einfach. Während ein Analog-Stick die Figur bewegt, steuert der andere Stick das Fadenkreuz, mit dem die Richtung (und bei TNT die Weite) der Waffe bzw. der Befehle an die Mitstreiter_innen festgelegt wird. Tasten für die Waffenauswahl, Aktion, TNT, Nahkampf und Nachladen sowie Feuern sind vorgesehen und im Menü frei konfigurierbar.

 

Mit einer Taste für Hechtsprünge kann man übrigens nicht nur Fässer und Flaschen zerdeppern, um an die Gegenstände darin, wie Waffen und Munition, zu kommen, sondern auch geschickt gegnerischen Projektilen oder Peitschenhieben ausweichen. Peitschen sind die erste gegnerische Waffe, die euch wirklich in die Bredouille bringen kann, denn sie fesselt eure Figur und macht euch eine gewisse Zeit ziemlich wehrlos.

 

Spielen lässt sich Colt Canyon sowohl mit zwei JoyCons als auch mit dem Nintendo Switch Pro Controller gleichermassen gut, wobei die Bewegungssteuerung der JoyCons nicht zum Einsatz kommt. Der Touchscreen der Switch ist im Menü hilfreich aber nicht erforderlich. Im eigentlichen Spielgeschehen wird jedoch sowieso nur mit dem Controller gezockt. Alle drei Betriebsmodi der Hybrid-Konsole können genutzt werden. Sowohl im Dock via HDMI auf dem Fernseher, als auch im Handheld-Modus oder auf dem Tisch aufgestellt mit abgekoppelt en JoyCons oder anderen Controllern.

Gesamteindruck von Colt Canyon

Das Ganze klingt nun erst mal vielleicht ziemlich leicht. Ist es aber nicht. Denn nicht nur sind die Gegner und Gegnerinnen immer in der Überzahl und schwer bewaffnet, vor allem die Bosskämpfe haben es in sich! Der erste Boss beschwört praktisch Horden von Banditen und Bauersvolk herauf, die erst abgemetzelt werden müssen, bevor man auf den grossen Gangster auch nur eine blaue Bohne abfeuern kann. Hier hilft nur eine richtig gute Strategie und flinke Finger am Abzug. Da die Level und die Anzahl und Position der Items, Fallen und Gegner immer wieder neu ist, verliert Colt Canyon aber auch nach Dutzenden Fehlschlägen nicht den Reiz.

 

Der aufgeräumte Bildschirm, der vornehmlich durch die isometrische 2D-Ansicht auf das Spielgeschehen geprägt ist, macht das Spielen ein Leichtes. In der oberen linken Ecke ist ein nur kleines Menü zu sehen, dass die aktuell ausgewählte Waffe und deren Magazinstatus, die Lebenskraft  in Form von Herzen, sechs verschiedene Munitionskategorien sowie etwaige Symbole wie gefundene Schlüssel oder Vergiftungen (Klapperschlangen!) enthält. Die Gangster und haben verschiedene Symbole über ihren Köpfen schweben. Fragezeichen zeigen deren Verwunderung und ein Ausrufezeichen ihre Alarmbereitschaft. Manche benötigen im Alarmstatus deutlich mehr Treffer oder sind mit dem Messer nur sehr schwer zu erdolchen. Andere Ganoven sind immer recht robust und wehrfreudig. Text und Sprechblasen sind eigentlich nur als Hinweise beim Spielen zu sehen, etwa, dass die Waffen dringend nachgeladen werden sollten, dass Wölfe sich in der Gegen herumtreiben (falls der Ton aus wäre und man das Heulen so überhört hat) oder dass die Begleitung gerne eine Waffe bekommen oder Heilung benötigen würde.

Colt Canyon Update auf Version 1.0.1.7

Seit dem letzten Update auf Version 1.0.1.7, dass Corona-bedingt länger auf sich warten liess, ist einiges anderes geworden in Colt Canyon für die Nintendo Switch. Es gab nicht nur neue Waffen und spielbare Charaktere, sondern das Spiel ist jetzt nicht mehr länger nur auf Englisch ausgeschildert. Eine ganze Menge weiterer Sprachen, darunter auch Deutsch und Französisch, kam hinzu. Allerdings sind noch vereinzelt Stellen zu finden, die nicht übersetzt wurden, etwa wenn der Begleiter antwortet “I’ll follow you!”. Aber das stört nicht weiter. Zudem wurden in den Eingeltungen einige neue Optionen aufgenommen. Hier lässt sich nunmehr unter anderem einiges zum Veralten und Aussehen des User Interface einstellen,  etwa die Grösse der Schadensanzeige und des Fadenkreuzes sowie dessen Stil und Dynamik, das Bildschirmwackeln und die Menge des Bluts, die vergossen wird. Leichen lassen sich nun auch ausblenden. Zwei Optionen für Farbenblinde ist neu ebenfalls integriert worden. Ein neues, optional aktivierbares detailliertes HUD führt dazu, dass das aktuelle Level, der prozentuale Fortschritt und die derzeitige Spielzeit eingeblendet werden.

 

Nützlich ist auch, dass eingestellt werden kann, ob und welche herumliegende Waffen automatisch aufgenommen werden sollen. Zudem kann das Geschlecht der Hauptfigur und des zu rettenden Charakters konfiguriert werden.

 

Aber auch im Spielgeschehen direkt wurden Veränderungen vorgenommen. So sind verschiedene Dinge wie Fallen nun besser sichtbar. Die Blutspur der Companions, die man befreit hat und die einem begleiten, ist nunmehr blau, und das Balancing wurde überarbeitet.

 

Das macht sich vor allem an der Menge auffindbarer Munition bemerkbar, die nun etwas abgenommen zu haben scheint. Andererseits sind nun die Bossfights deutlich leichter zu bewerkstelligen. War vor dem Update schon der erste Boss in Level 1-4 eine sehr grosse Herausforderung aufgrund seiner Horden Gangster und Bauersleute, die zu seinem Schutz und unserem Leid heraufbeschworen wurden, lässt er sich nun einigermassen gut bekämpfen. Hatte ich vor dem Update noch ganze Munitionsreserven in den bulligen Riesenganoven mit der Peitsche gepumpt, ist er nun mit ein paar gezielten Pumpgun-Treffern erledigt. Das macht Sinn und erhöht den Spassfaktor vorn Colt Canon doch nochmals. Schön wäre nur, es gäbe so etwas wie einen Schwierigkeitsgrad, den man konfigurieren kann. Aber dann wäre das Game wohl nicht mehr so Rogue-like.

 

Auch ein NPC, also ein nicht-spielbarer Charakter, der auch nicht verletzt werden kann, ist hinzugekommen. Ein Händler steht nun manchmal irgendwo in der Prärie und bietet Munition und TNT feil.

Preis und Fazit zu Colt Canyon für Nintendo Switch

Für 14,99 Euro bzw. 21.- SFr. gibt es das Game im Nintendo eShop zu kaufen als rein digitales Spiel. Bis zum 3. Oktober 2020 wird Colt Canyon sogar mit 30 Prozent Rabatt angeboten. Damit sind wir bei 14.70 SFr. bzw. 10,49 Euro für Colt Canyon angelangt. Das ist derzeit sogar noch günstiger als die PC-Version bei Steam mit 15.50 SFr. bzw. 14,99 Euro oder GOG.com. Auch für Xbox One kostet Colt Canyon 14,99 Eur bzw. 15.50 SFr.

Colt Canyon
Preis: 14,99 €
Colt Canyon
Preis: 15.50

Alles in Allem ist das Roge-like Colt Canyon für die Nintendo Switch ein echter Geheimtipp für ein bis zwei Personen mit viel blutiger und brutaler Action und spannenden Kämpfen im Wilden Pixel-Westen. Seit dem Update macht es nochmal mehr Spass und ist einen Kauf (gerade jetzt mit Rabatt!) auf jeden Fall wert. Besonders der lokale Kooperationsmodus, wenngleich etwas umständlich versteckt im Menü, macht echt Laune. Schade, dass nur maximal zwei Personen mitmachen können. Zu viert wäre das bestimmt ein blutiges, wuseliges Vergnügen im Colt Canyon. Ein konfigurierbarer Schwierigkeitsgrad wäre, wie bereits erwähnt, noch das Itüpfelchen für Colt Canyon, das insgesamt durchaus eine Herausforderung auch für hartgesottene Gamer bietet.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

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