So. 02. August 2020 um 14:17

Razer Kishi im Test: Der ultimative Gaming-Controller für Smartphones?

von Marcel Laser0 Kommentare

Das Spielen auf dem Smartphone ist nicht nur ein Nischenmarkt, es ist der mit Abstand umsatzstärkste Gaming-Markt weltweit. Jedes verkaufte Handy ist eigentlich auch eine potenzielle mobile Spielekonsole. Allerdings fehlen uns für den Grossteil der Spiele wie PUBG Mobile, Fortnite oder Oceanhorn einfach die Knöpfe. Viele Controller von Drittherstellern sind zudem nicht wirklich gut verarbeitet oder bieten nur ein sehr unzureichendes Druckgefühl der Knöpfe. Der Razer Kishi will das nun ändern und wir haben ihn auf Herz und Nieren ausprobiert.

 

Razer Kishi: Bekanntes Design und enorm gute Verarbeitung

Dabei habe ich in der Vergangenheit für PocketPC bereits einige Controller für Smartphones ausprobiert. Das ist nicht nur bereits ein paar Jahre her, die getesteten Probanden waren zwar zum Grossteil “in Ordnung”, mehr aber auch nicht. Der Razer Kishi interessiert mich daher enorm, da ich gerne wissen möchte, ob vor allem der für hochwertiges Gaming-Equipment bekannte Hersteller hier endlich eine neue Messlatte aufstellen kann. Beim Design gelingt das schon einmal ganz gut.

 

Der Razer Kishi besteht zwar vorwiegend aus Kunststoff, das ist aber normal und bei den meisten Geräten (auch für PlayStation und Xbox One) Standard. Die Verarbeitung ist durchgehend hochwertig. Nichts knarzt oder wackelt. Mit etwas Krafteinwirkung lässt er sich zwar etwas verbiegen, bleibt aber in Form. Sorgen bereiteten mir allerdings der “Ausklappmechanismus”, da der Controller zusammengefaltet werden kann. Auch hier gibt es wenig zu meckern, da der Kishi sich ohne Probleme auch Blind für den Transport zusammenfalten lässt. Eine Sollbruchstelle oder dergleichen, konnte ich hier nicht entdecken.

 

Bedingt durch die Bauart werden Smartphones mittig in den Razer Kishi eingesetzt. Unter Spannung drückt er die innenliegenden Gummilippen um das obere und untere Ende zusammen und hält so das Handy fest im Griff. Interessant ist auch die hohe Kompatibilität, denn es passen nahezu alle Geräte in den Controller, die die Masse von 163.7 x 78.1 x 8.8 mm nicht überschreiten. Damit passen selbst Brocken wie das Samsung Galaxy Note 10+ ohne Probleme in den Kishi hinein und werden sicher festgehalten.


Razer Kishi im Test: Endlich Tasten mit angenehmen Druckpunkten!

Ausgestattet ist der Kishi mit einer Menge an Tasten, die wir so auch bei anderen Controllern finden. Es gibt vier Action-Buttons, zwei digitale und zwei analoge Trigger, ein Digitalkreuz und zwei Analogsticks. Letztere lassen sich übrigens ebenfalls klicken. Zudem sind Tasten für Home, Vor und Zurück verbaut. Diese benötigt man allerdings weitaus weniger.

 

Positiv überrascht war ich vor allem vom Druckpunkt der Action-Tasten über dem rechten Analogstick. Diese lassen sich sehr angenehm drücken und bringen ein merkliches Feedback mit. Die Hublänge erinnert dabei an einen Xbox One-Controller, nicht zuletzt auch weil die Tasten nahezu identisch beschriftet sind (A, B, X, Y). Etwas eng beieinander liegen allerdings die Triggertasten, was zumindest den Krallengriff (Mittel- und Zeigefinger auf den Tasten platziert) etwas erschwert. Ich persönlich spiele allerdings eh viel lieber nur mit den Zeigefingern auf den Triggern.

 

Auch die Analogsticks wissen zu gefallen. Der Widerstand der Stocks ist sehr gut und übertrumpft alle bisherigen Modelle, die ich bisher für Smartphones ausprobieren durfte. Der Razer Kishi gibt so ein angenehmes Feedback beim Spielen und erlaubt auch eine präzise Kontrolle. Allerdings macht die Platzierung erstmal ein wenig Sorgen. Der rechte Stick sitzt fast mittig unter den vier Action-Buttons, was eine gleichzeitige Bedienung oder ein schnelles Switchen sehr schwer macht, wenn man einen Xbox-, PlayStation- oder Nintendo Pro-Controller gewohnt ist.

Razer Kishi: Hohe Kompatibilität dank App und USB-Type-C

Der Razer Kishi kann aber nicht nur durch seine ausgiebige Aufnahme an Geräten überzeugen, sondern bietet dank USB-Type-C-Anschluss eine hohe Kompatibilität. Jedes Smartphone mit diesem Anschluss ist nahtlos zum Kishi kompatibel, da dieser als vollwertiger Controller erkannt wird, sobald er angesteckt ist. Im unteren Bereich ist zudem noch ein USB-C-Anschluss verbaut, über den ihr das eingesteckte Smartphone während des Spielens laden könnt. Angenehm!

 

Im Play Store findet sich zudem eine Razer Kishi App, die ihr bei Bedarf installieren könnt. Sie kann als App-Launcher agieren und zeigt in einer Liste kompatible Spiele an, die den Controller vollumfänglich unterstützen. Das sind eigentlich alle Spiele, die die dafür von Google entwickelte Controller-API verwenden. Es sind also bei weitem mehr Games, als die App anzeigt, aber es ist eine schöne Richtlinie und lädt zum Stöbern ein.

 

Zudem kann die App als Spiele-Launcher dienen, wenn ihr die Lösungen der Smartphone-Hersteller wie beispielsweise Huawei, Samsung oder OnePlus nicht nutzen wollt, so gibt es mit der Razer Kishi App eine alternative. Für iOS gibt es die App hingegen nicht, auch wenn der Controller auch mit Lightning-Anschluss bestellt werden kann.

Razer Kishi im Test
Unten könnt ihr ein zusätzliches USB-C-Kabel einstecken, um das Smartphone während des Spielens zu laden. (Bild: PocketPC / Marie Laser)

Razer Kishi im Test: Latenz- und Lag-freies Gaming am Smartphone

Da der Razer Kishi Controller sich per USB-Type-C mit dem Smartphone verbindet, müsst ihr nicht auf eine Bluetooth-Verbindung zurückgreifen. Das hat vor allem den Vorteil, dass das Gaming so nahezu Lag- und Latenz-frei vonstatten geht, da nahezu null Input-Lag zustande kommt. Egal ob Fortnite, Brawl Stars oder Galaxy on Fire 3: Da man mit den Fingern die Anzeigen nicht mehr verdeckt, da das "auf dem Display herum tippen" entfällt, haben wir hier echtes Handheldfeeling. Natürlich wird auch Google Stadia als Plattform unterstützt, so lässt sich beispielsweise bequem Destiny 2 von der Couch aus spielen.

 

Und wo wir grad bei Handhelds sind: Je nachdem wie gross das im Razer Kishi eingesetzte Smartphone ist, so kommt das Gefühl an eine Nintendo Switch enorm nahe ran. Sogar das Display kann unter Umständen grösser bzw. länger sein, als das der Switch. Es macht jedenfalls eine Menge mehr Spass gewisse Spiele mit dem Controller zu spielen, allein der mechanischen Button wegen.

 

Wie bereits erwähnt, gibt es auch eine Version für iPhone-Modelle von Apple. Hier ist dann allerdings kein USB-Type-C, sondern Lightning verbaut. Hier muss man allerdings zukünftig etwas aufpassen, denn schon seit einiger Zeit gibt es Gerüchte darum, dass Apple irgendwann den Lightning-Anschluss fallen lassen wird. Dann soll wie bei den iPad Modellen USB-Type-C zum Einsatz kommen. Wie lange das allerdings noch dauert, bleibt abzuwarten.

Razer Kishi im Test Titelbild
Der Razer Kishi ist ein gut verarbeiteter und vor allem auch sehr gut funktionierender Smartphone-Controller. (Bild: Razer)

Fazit: Razer Kishi ist nahezu alternativlos!

Endlich hat es ein Hersteller geschafft! Nachdem Razer bereits mit dem Razer Raiju einen Gaming-Controller vorstellte, der allerdings über Bluetooth lief und seine Schwächen bei den Eingaben offenbarte, ist der Razer Kishi im Test wesentlich effektiver zu Werke gegangen! Die Buttons lassen sich sehr gut betätigen, haben einen hochwertigen Druckpunkt und die Verarbeitung ist wirklich gelungen. Ein kleiner Nachgeschmack von zu viel Plastik lässt sich zwar nicht vermeiden, aber das bleibt wohl der Fluch solcher mobilen Smartphone-Controller. Auch wenn Xbox- und PlayStation-Controller ebenfalls nahezu komplett aus Kunststoff bestehen, so wirken diese dennoch hochwertiger.

 

Und der Razer Kishi ist alles andere als günstig. Unsere hier getestete Version mit USB-Type-C-Anschluss für Android-Smartphones kostet direkt beim Hersteller satte 90 Euro bzw. Schweizer Franken. Wer ein iPhone hat muss 20 Euro mehr drauflegen und kommt so auf 110 Zähler. Das ist nicht wenig Geld, aber wer wirklich ernsthaft auf dem Smartphone spielt, der kommt kaum um den Razer Kishi in dieser Qualität herum. Die Investition sei also gut überlegt, doch sollte er stets in Gebrauch sein, wird er wohl der verlässlichste Gaming-Partner fürs Smartphone sein.

 

Grundsätzlich gestört habe ich mich eigentlich nur an der Position des rechten Analogsticks, da dieser doch recht gewöhnungsbedürftig sitzt. Auch die analogen Trigger waren erst nach einer gewissen Gewöhnungsphase in Fleisch und Blut bei der Bedienung übergegangen. Doch schlimm ist das in erster Linie nicht. Wie fast viele neue Controller, muss man sich an die Anordnung etwas gewöhnen. Später geht es einfach spielend von der Hand.

 

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