Mi. 30. November 2022 um 7:53

Gaming-Review: Bravery & Greed für Nintendo Switch

von Yves Jeanrenaud 0 Kommentare

Team17 hat ein neues Spiel veröffentlicht. Der Multiplayer Dungeon Brawler von Rekka Games trägt den vielversprechenden Namen Bravery & Greed und wir haben ihn für die Nintendo Switch ausprobiert.

Worum geht es in Bravery & Greed?

Im Moment sind Roguelikes und Rogue-Lites extrem beliebt. Wir hatten auch schon das eine oder andere Game auf dem Prüfstand, das an diesem Genre gekratzt hat. Mit Bravery und Greed erleben wir nun den Nervenkitzel von zufälligen Durchläufen in Verbindung mit dem bewährten Beat ’em up-Genre in einer Fantasy-Welt voller Monster, Magie und Action. Der Clou wird bereits im Titel des Spiels angesprochen: Werden wir für Tapferkeit belohnt oder für Gier bestraft?

 

Mit einem spektakulär aussehenden aber relativ einfach zu bedienenden Kampfsystem kann man so mit seiner anpassbaren Figur aus einer der vier Charakerklassen (Amazone, Krieger, Schurke oder Zauberer) in einer Vielzahl von kooperativen und kompetitiven Spielmodi mit Freunden und Freundinnen lokal, online oder auch hybrid spielen. Get rich or die trying!

 

Dabei gilt es Kombo-Movesets zu meistern, Hiebe und angriffe zu parieren oder auszuweichen und mit zerstörerischen Spezial-Moves allem den Garaus zu machen. Hierfür muss nicht nur das Äussere und die Klasse des eigenen Spielcharakters gewählt werden, sondern Skillbäume mit Fokus auf Chaos, Ordnung, Dunkelheit oder Leben nach und nach entwickelt und gefüllt werden. Diese ermöglichen Erweiterungen und spezielle Fähigkeiten. So wird mit zahlreichen Möglichkeiten, um Ausrüstung zu erbeuten, jeder Lauf mit vielen Optionen einzigartig. Hier kann man sich gierig Münzen schnappen und Truhen plündern, Taschen voller Gold stehlen, wenn man Verbündete wiederbelebt oder als erstes losrennt um sich die Beute nach dem Bosskampf schnappt. Reich werden oder sterben eben.

 

 

Bravery & Greed hat dabei keine grosse Story. Es beginnt damit, dass die vier Charaktere, eine Amazone, ein Ritter, ein Magier und ein Dieb, zusammen in einer Bar trinken. Der Dieb erzählt den Charakteren, dass ein verstecktes Tor hinter einem Wasserfall unermessliche Reichtümer birgt. Um an den Schatz zu gelangen, muss die Gruppe jedoch vier Runen finden, die in verschiedenen Gebieten der Welt versteckt sind. Wenn man damit erfolgreich ist, gibt es eine kurze Zwischensequenz mit dem freigeschalteten Ende. Von den beiden Enden, die ich freigeschaltet habe, war keines besonders unterschiedlich und hing hauptsächlich damit zusammen, wie sich das Ergebnis auf die zukünftige Welt auswirken würde. Doch davon einmal abgesehen.

 

Denn eigentlich lockt die ewige Gier. In Bravery and Greed kann man immer weitere, aufregende Inhalte und spielverändernde Erweiterungen freischalten, indem man mit Gold noch mehr Level aufsteigt. Nein, kein Free2Play, sondern solide Spielmechanik.


In Bravery & Greed geht es pixelig zu, aber dafür heftig zur Sache! Screenshot: Team17

Testeindruck zu Bravery & Greed

Graphik

Während die Graphik in bewährter, detailverliebter Pixel-Graphik daher kommt, sind vor allem die Räume und Hintergründe sehr aufwändig gestaltet und sorgen für einen frischen Look. Auch alle Effekte sind wirklich schön gestaltet und weitab von der 16-Bit-Ära. Dafür bekommt man aber die Option, einen alten Röhrenmonitor zu simulieren und Scanlines können eingeschaltet werden. Nett, wenngleich auch nicht unbedingt Meins.

 

Die Graphiken der Räume, Monster und Gegenstände ähneln sich hingegen alle doch sehr. Dazu später noch mehr.

Sound

Auch der Sound kann sich sehen bzw. hören lassen. Passende Geräusche zu allen Monstern und Viechern, Waffen und magischen Effekten vor dem Hintergrund eines mitreissenden, mittelalterlich angehauchten Fantasy-Soundtracks begleiten das Geschehen in Bravery & Greed. Allerdings ist auch hier nicht besonders viel Abwechslung zu hören. Alle Skelette klingen gleich, alle Schleimmonster ebenso. Jeder Mittelalter-Raum klingt ebenso identisch wie jede Höhle. Das ist schade.

Texte

Wenngleich die Dialoge, die neben Englisch und Französisch auch auf Deutsch, Spanisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Portugiesisch, Russisch und Chinesisch verfügbar sind, nicht vertont wurden, ist der Humor in den Dialogen durchaus bemerkenswert.

Steuerung

Die Steuerung des Spiels ist schnell erlernt und kann leider nicht angepasst werden. Für die meisten Aktion benötigt man jedoch nur wenige Tastenkombinationen und die meiste Zeit hackt man geflissentlich auf Horden von Monstern ein, ohne sich gross um die Tastenbelegung kümmern zu müssen. Ist etwas besonderes zu finden, etwa ein Schalter, wird auch immer ein kleiner Hilfetext eingeblendet, welche Taste oder Tastenkombination dafür gebraucht wird.

Gameplay

Wie bereits erwähnt, können die Spieler einen von vier Charakteren wählen, von denen jeder eine grosse Anzahl von alternativen Farben hat. Jeder Charakter hat einen anderen Spielstil, was sich auf den Schwierigkeitsgrad auswirkt. Während die Amazone und der Ritter relativ einfach sind, sind der Dieb und der Magier überraschend kompliziert. Wer sich für einen der beiden Charaktere entscheidet, wird eine beträchtliche Lernkurve haben, während man die beiden anderen innerhalb von wenigen Minuten meistern kann. Gerade was die Themen Reichweite und Kombo-Entwicklung an geht sind diese beiden Charakterklassen eher komplexer. Mit der Amazone hingegen kann man wahrscheinlich die meisten Level sehr einfach schaffen, indem man gedankenlos Angriffe ausführt.

 

Obwohl es mehr als 50 generische Figurenklassen gibt, tauchen in den ersten vier Level nur etwa 30 auf. Manche davon sind an bestimmte Umgebungen gebunden, so dass etwa in den Eishöllen kein Säureschleim spawnt etc. Roguelite geht da doch auch anders. Es ist in den einzelnen Durchläufen, egal ob im Erkundungs-Modus oder im schnellen Geplänkel, irgendwie nicht so viel Abwechslung, wie es auf den ersten Blick erscheint. Und die Levelreihenfolge reduziert die Anzahl der möglichen Monster nochmals. Auch die Bosse sind vorgegeben und gehören Fest zu einem Leveltyp. Das bedeutet, dass man bei jedem Durchgang muss gegen dieselben vier Endgegner antreten muss und am Ende gegen einen von zwei. Schade, dass hier so wenig Varianz möglich ist.

 

Ähnlich verhält es sich mit der Ausrüstung, Beute, Segnungen und anderen Modifikatoren, denen man während eines Durchgangs begegnen kann. Es fühlt sich ziemlich bald alles gleich an. Zum Beispiel die Handschuhe: Es gibt jeweils einen, der Feinde in Brand setzt, die Angriffsgeschwindigkeit erhöht, Feinde vergiftet, die gegnerische Angriffsgeschwindigkeit verringert, den Angriff erhöht, den gegnerischen Angriff/die gegnerische Verteidigung verringert, Angriffe heilt und so weiter und so fort. Weitere Handschuhe haben dieselben Effekte, aber noch ein zusätzliches Gimmick. So erscheint manchmal etwa Blitz, eine Giftwolke oder Ranken, die aus dem Boden wachsen. Das ändert aber nicht sehr viel an dem Angriff.

 

Im Grossen und Ganzen wird ein durchschnittlicher Durchlauf darin bestehen, dass man ein bis drei unterschiedliche Angriffe so lange ausführt, bis alles auf dem Bildschirm stirbt. Da die Feinde im Durchschnitt ca. tausend Lebenspunkte mitbringen, macht es keinen grossen Unterschied, ob man mit 50 oder 60 Schadenspunkten angreift. Nach etwa vier Sekunden ist das Viech sowieso tot.

Screenshots: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Während die Ausrüstung zum grössten Teil ziemlich austauschbar ist, versuchen die Pfade und Skilltrees den verschiedenen Spielstilen besser gerecht zu werden. Es gibt einen für Überlebensfähigkeit, einen anderen für Stärke und einen für Risiko/Belohnung, wobei der letzte Pfad vor allem denen hilft, die sich gerne ins volle Getümmel stürzen. Unter bestimmten Bedingungen können diese Pfade einen Unterschied machen, obwohl das Kernproblem von Bravery & Greed bleibt.

 

Zugegeben fühlen sich Angriffs-Wege, etwas befriedigender an als solche, die die Verteidigung stärken. Das hat jedoch weniger mit einer grundlegenden Veränderung der Mechanik zu tun, sondern eher damit, dass man schneller einfach alles niedermetzeln kann.

 

Das eigentlich ziemlich einzigartige Arcana-System, leidet vermutlich am meisten darunter, das so vieles so austauschbar wirkt in Bravery & Greed. Den der Grundgedanke ist eigentlich ziemlich gut: Mit 22 verschiedenen Tarot-Karten (Arcanum, Lateinisch für “Geheimnis”, bezeichnet in dem Kartenspiel eine einzelne Karte) kann man den jeweiligen Durchlauf modifizieren. Einige helfen den Gamern, wie z. B. die Sphinx, die einen Vorteil bietet, wenn man ein Rätsel auf Grundschulniveau löst, während andere den Schwierigkeitsgrad enorm erhöhen.

So kann der Tod in Form eines Grim Reaper nach dem Erlegen eines Feindes plötzlich auftauchen und einem mit der Sense ummähen. Oder die Sonne lässt die Leichen der Monster explodieren, die wir erlegt haben, was unserer Party dann Schaden zufügen kann.

Damit verändert sich nicht nur die Herangehensweise an einen Lauf, sondern viele bieten auch zusätzliches Gold. Und zwar bis zu 330 Prozent! Das ist insgesamt echt ein interessantes Novum in einem Roguelite und macht Bravery & Greed ein gutes Stück abwechslungsreicher.

 

Doch das muss man gleich wieder relativieren, denn das Spiel recyclet Sprites für so ziemlich alles. Nicht nur Waffen oder Monserdesigns werden einfach neu eingefärbt nochmals und abermals und nochmals aufgelegt. Auch die Level und Räume sind eigentlich sehr beschränkt in ihrer Vielfalt. Kein Roguelike. Es werden Hintergründe getaucht und Farben verändert, vielleicht mal die Textur des Fussbodens ein paar Pixel angepasst. Das war es aber auch. Ob Dschungel oder Magma-Pool, die Räume sind sehr oft viel zu ähnlich.

 

Das kann zwar auch sein Gutes haben, da man so gleich weiss, wo die Monster herkommen werden und wie man reagieren kann. Aber es macht das Spiel eben auch schneller langweilig.

Multiplayer

Ein echtes Highlight, und da merkt man den Publisher Team17 bei diesem Indie-Titel wieder, sind die Multiplayer-Optionen von Bravery & Greed.

Man kann mit bis zu vier Charakteren durch die Dungeons prügeln und Monster killen, und das entweder mit bis zu drei KI-Allies, mit Menschen im selben Wohnzimmer vor der Konsole oder aber mit Freunden und Freundinnen online. Und das Ganze lässt sich auch wieder mischen, so dass man etwa zu zweit vor der Nintendo Switch sitzt und zwei weitere woanders mitzocken, auch an anderen Konsolen oder vor dem PC. Das ist wirklich toll und wertet das Game deutlich auf.

Bravery and Greed – Preis und Fazit

Bravery & Greed gibt es mit der Altersempfehlung ab sieben Jahren nach PEGI bzw. ab 12 nach USK für 19,99 Euro bzw. 20.90 SFr. für die Nintendo Switch im eStore. Zudem ist das Spiel für die Sony PlayStation, Microsoft Xbox und für PC via Steam erhältlich.

 

Bravery and Greed
Preis: 19,99 €
Bravery and Greed
Preis: 19,99 €

 

Trotz der Kritik an den sich wiederholenden Inhalten und Elementen ist Bravery and Greed sehr unterhaltsam. Es gibt genug Herausforderungen und Modifikatoren, um ein paar komplette Läufe zu einer Menge Spass zu machen. Zusammen mit der vergleichsweise niedrigen Schwierigkeit des Games sowie dem Online- und Offline-Multiplayer macht Bravery & Greed zu einem guten Spiel, dass man durchaus kaufen kann. Gerade wenn es im Sale ist, sollte man hier zuschlagen.

 

Schade ist nur wirklich, dass sich alles gleich anfühlt, von den Leveln bis zu den sich wiederholenden Items und Monster-Graphiken. Es gibt auch keine Secrets freizuschalten, oder ich war zu abgelenkt, sie zu finden, sondern es wird alles angekündigt und sichtbar im Menü angezeigt. Nur die Arcanum-Karten sind etwas fancy bringen Abwechslung und Komplexität in das Spiel. Mehr Bosse, mehr Feinde und unterschiedlichere Items hätten es für meinen Geschmack wirklich sein dürfen. Dennoch ist in Bravery & Greed genug, um einem nochmals und nochmals einen Durchlauf spielen zu lassen.

Video: Team17 / Rekka Games

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