Fr. 23. März 2018 um 11:31

Gaming Review: PUBG Mobile für Android und iOS im Test

von Sebastian Mauch0 Kommentare

Gerade wenn man denkt, der Markt ist nicht mehr zu retten, schaffen es dann doch gleich zwei aktuelle Toptitel in die mobilen App-Stores. Wie die meisten von euch sicher mitbekommen haben dürften, sind vor allem Spiele des Battle Royale-Subgenres derzeit beliebter denn je. Im Konsolen- und PC-Segment sind hier ganz klar Playerunknown’s Battlegrounds, kurz PUBG, sowie Fortnite von Epic Games die Platzhirsche. Und wie es der Zufall so will erscheinen beide auch etwa im selben Zeitraum für Smartphones und Tablet. Den (beinahe) 1:1-Port des etwas kindlicher gehaltenen Fortnite hat sich Marcel schon in seiner umfangreichen Review angeschaut. Im Gegensatz zu Fortnite (nur iOS bisher) ist der realistischer angehauchte Konkurrent nun schon auf Android und iOS verfügbar. Findige Fans konnten genau genommen schon vor Wochen die chinesische Version beziehen und zocken. Nun hat es allerdings auch eine lokalisierte Version mit europäischen Servern zu uns geschafft. Was man vom "kleinen" Bruder der PC-Version aber wirklich erwarten darf, und ob das Konzept auch unterwegs aufgeht, das erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Shooter auf der Konsole ok, aber auf dem Smartphone?!

Das geht! Auch wenn die anfängliche Skepsis ziemlich, ziemlich hoch war, und auch nach einigen Spielstunden nicht komplett ausgemerzt werden konnte, so macht PUBG auch auf dem Smartphone eine Menge Spass. Klar sollte sein, dass man hier ein recht komplexes "Baller-Spiel" über eine einzige Glasscheibe steuert – Kompromisse sind also nicht zu vermeiden. Was Bluehole und dessen Partner aber letztlich aus der Steuerung rausgeholt haben, kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Wer sich Marcels Test zu Fortnite Battle Royale schon zu Gemüte geführt hat, dürfte hier einige Parallen feststellen. Per virtuellem Stick auf der linken Bildschirmhälfte bewegt man seinen Charakter, auf der rechten Seite wird sich umgeschaut.

 

Alle weiteren Interaktionen wie Springen, Klettern, Nachladen und alle anderen teilen sich den übrigen Platz in Form von weiteren Soft-Buttons. Im Grossen und Ganzen ist alles auf Anhieb gut und halbwegs intuitiv zu erreichen, im Eifer des Gefechts kann es dann aber schon mal zu nervigen Fehleingaben kommen. In der allerersten Runde stellt man sich eventuell noch etwas "steif" an, doch geht die Bedienung schon nach wenigen Matches in Fleisch und  Blut über. Das Erstaunliche: Mit einer gewissen Übung fühlen sich die Abläufe sogar so geschmeidig an, dass man fast denken könnte man spiele auf der Konsole. Auch auf der oberen Hälfte des Bildschirms hat man einige Schaltflächen untergebracht. Oben rechts kann man per Fingertip auf die Minimap etwa eine grosse Karte öffnen, die sich vergrössern lässt und Marker zulässt. Direkt an die Minimap schmiegen sich ein paar kleinere Buttons für den Voice-Chat und die Autorun-Funktion. Letztere ist übrigens extrem wichtig und absurd praktisch, da man so während man in Bewegung ist sein Inventar organisieren kann. Bleibt man stehen, bekommt man nicht selten die Quittung in Form eines eleganten Headshots (ja, das geht auch auf Smartphones!).

 

Auch kann man sich per Tip auf einen Mini-Button und anschliessenden Wischbewegungen umschauen, ohne dabei die Laufrichtung der Figur zu beeinflussen. Das Problem ist nur, dass diese gerade beschriebenen Knöpfe neben der Karte so dermassen klein sind, dass man das Gefühl hat seine Finger anspitzen zu müssen. Glücklicherweise lässt sich das Autorun auch durch Hochziehen der linken virtuellen Sticks "einrasten". Trotz kleinerer Reibungswiderstände ist es erstaunlich, wie die Macher die recht komplexe Steuerung des Originals auf einen kleinen Bildschirm übertragen haben, ohne dabei zu viel Sichtfläche zu behindern.


Flüssig spielbar (mit dem richtigen Telefon)

Im Gegensatz zu Fortnite durfte sich PUBG allerlei Unmut aus der Community entgegenstellen. Der Grund dafür: die in der Anfangszeit grausige Performance auf PC und Konsole. Mittlerweile hat sich die Situation dank Optimierungen und angepassten Treibern etwas gelegt, jedoch fragt man sich, wie zum Geier Tencent es geschafft hat, den Klumpen von Spiel auch auf mobilen Chipsets zum Laufen zu bringen. Nun, irgendwie ist es scheinbar gelungen. Ganz so unbeschadet wie der Konkurrent ist die Portierung PUBG Mobile dann aber doch nicht davongekommen. Offensichtlich wird das sobald man das Spielfeld, eine 8×8 Kilometer grosse Insel, betritt. Gerade bei Texturen und Details hat man eine Menge wegrationalisiert. Auch wurden ganze Hotspots umdesignt, um den Rechenaufwand für Mobiles zu verringern. So wurde der beliebte Hotspot (für Selbstmörder) "Prison" seiner Umzäunung beraubt.

 

Innerhalb von Gebäuden muss man sich dann etwa schräge Stufenrampen gefallen lassen, statt richtigen Stufen. So gravierend wie es klingt ist es dann aber letztlich gar nicht. Das Spielgeschehen wirkt nämlich dennoch stimmig und fängt das Spielgefühl der Vorlage nahezu perfekt ein. Ausserdem kann, je nach Power des Smartphones oder Tablets, auch die Grafik ein wenig in den Einstellungen angepasst werden. Schaut man zurück auf das Release der Minecraft: Pocket Edition, hat diese Anfangs auch nicht gerade mit Umfang und Grafik geglänzt. Mittlerweile sind die Geräte jedoch performanter und Minecraft auf Mobiles steht der PC-Version in fast nichts mehr nach. Eine ähnliche Entwicklung vermuten wir für die nächsten Jahre auch bei PUBG Mobile. Und natürlich auch vielen anderen Titeln und kommenden Spielen.

Warum hat das die PC-Version bitte nicht?!

Wo man in PUBG Mobile im Vergleich zu Konsolen und dem PC Abstriche machen muss, sollte nun klar sein. Der Port bietet jedoch auch einige Vorteile, die man so auch im Original erwarten würde. Punkt 1: Die Fluglinie auf der Karte. Oft springt man am PC aus dem Flugzeug, deckt sich mit Loot ein und fragt sich: "Wo flog jetzt noch gleich das Flugzeug lang?". Wichtig beim Auswählen der Route ist nämlich, möglichst fernab der Flugschneise zu bleiben, es sei denn man sucht die Konfrontation. Auf dem PC stehen Personen (wie der Autor dieser Review) mit schwachen Kurzzeitgedächtnis im Dunkeln. In PUBG Mobile hingegen verdeutlicht eine gestrichelte Linie, wo man ursprünglich lang flog.

 

Eine weitere nette Komfortfunktion ist das Autolooten. Zwar braucht man das auf dem PC nicht unbedingt, auf der Xbox hätte aber auch dieses Feature einen gehörigen Mehrwert. Läuft man über Loot, sackt man nämlich automatisch alles Nützliche ein. Dabei wird nicht nur jeder Slot befüllt, sondern es wird sogar schwaches Loot wie ein 1er-Helm gegen den klobigen, aber sehr schützenden 3er-Helm ausgetauscht. Ganz perfekt ist das System beileibe nicht, nimmt dann aber doch sehr viel Arbeit ab und verhindert oft, dass man beim nervigen Hin- und Herschieben von Items abgeschossen wird. Damit nicht genug, verlässt man mal das Schlachtfeld und schaut sich das Menü an, werden so einige weitere Kleinigkeiten offenbart, nach der andere Plattformen sich die Finger lecken würden. Ohne jetzt zu weit ins Detail zu gehen, seien diese Aspekte einfach mal kurz in Reihe erwähnt.

 

In PUBG Mobile gibt es etwa eine Season mit dazugehörigem Rangsystem, Missionen, Events, Belohnungen, Login-Boni, eine Pinganzeige für Server, einen globalen Chat mit Rekrutierungs- und Crew-Funktion – kurz Luft holen – ein Tutorial, eine Level- und Belohnungkistensystem, ein Nachrichtensystem und, und, und. Puh, wenn das mal nichts ist. Es kommt einem fast so vor, als würden Tencent und Bluehole hier gewisse Funktionen an mobilen Spielern testen, um sie dann später ohne Shitstorm ins Hauptspiel einpflegen zu können. Das alles in der Summe macht PUBG Mobile für viele sicherlich motivierender als die grosse Version, wo man nur am Ende der Runde Belohnungen in Form von Punkten bekommt.

 

Hinzu kommt, dass PUBG Mobile für alle gratis aus den Stores geladen werden kann. Kisten, welche mit Echtgeld zu öffnen sind, sind uns bislang noch nicht untergekommen. Ein Blick in den Play Store verrät: Es gibt nicht einmal InApp-Käufe! Das so etwas in Zukunft noch hinzugefügt wird, ist aber fast so sicher wie das Amen in der Kirche.

 

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Sound. Klar hat man hier meistens nur einen Mono-Lautsprecher oder normale Kopfhörer im Einsatz, dank einer klitzekleinen, aber feinen Funktion kann man PUBG Mobile sogar ohne Sound recht erfolgreich spielen. Fallen auf der Map etwa Schüsse, muss man diese nicht unbedingt nach Gehör orten. Zusätzlich wird nämlich (unter Rücksicht von Schalldämpfern) ein Marker auf der Minimap dargestellt, wenn ein Gegner in Hörreichweite einen Schuss abgibt. Ein enorm praktisches Feature, das selbst auf der PC-Version mit seiner miserablen Sound-Engine einen gewissen Mehrwert bieten würde.

Gerade im Menü von PUBG Mobile zeigen sich einige Vorteile gegenüber der grossen Version.

Fazit: Sieger-Sieger, Huhn-Abendessen!

Oder wie es abseits schlecht übersetzter Produktbeschreibungen (wir haben uns über die App Store Beschreibung wirklich kaputtgelacht) richtig heisst: Winner Winner Chicken Dinner! Inmitten von 100 Spielern am Ende als der “Last Man Standing” hervorzugehen, ist einfach die ultimative Genugtuung. Zwar füllt Tencent die ersten Partien für einen leichten Einstieg mit Bots (mit steigender Erfahrung verschwinden diese aber), jedoch ist die Lernkurve steil und der Spass gross. Neben Abstrichen in der Optik, aber durchaus spielbare Bildraten auf modernen Geräten, muss man sich in PUBG Mobile auch auf eine zwar gut umgesetzte, aber dennoch recht gewöhnungsbedürftige Steuerung gefasst machen. Auf unserem Testsubjekt, einem Honor 9 mit Kirin 960-Chipsatz, hatten wir jedenfalls bis auf kleinere Stotterer keine wirklichen Probleme beim Zocken.

 

Als Entschädigung erhält man in der mobilen Version mehr Motivationen, keine nervigen Echtgeld-Schlüssel und allgemein ein besseres Online-Erlebnis. Die europäischen Server waren trotz hypeartiger Startphase stets verfügbar und liefen flüssig. Selbst unterwegs mit LTE pendelte sich der Ping stets unter 100 ein, was man als gut spielbar bezeichnen darf. Bugs sucht man nur in entlegenen Ecken, und auch der Download ist mit seinen rund 700 MB (Android, iOS fast 900 MB) nicht allzu gross. Wer mit PUBG am PC nichts anfangen kann oder dort schlicht kein Land sieht, für den ist PUBG Mobile wohl eine mehr als geeignete Alternative. Alle anderen haben stattdessen nun auch unterwegs die Möglichkeit, sich dem aufreibenden Battle Royale-Kracher unterwegs hinzugeben. PUBG Mobile ist kostenlos für iOS und Android verfügbar, bedarf jedoch eines Gerätes aus der Oberklasse oder oberen Mittelklasse, um komfortabel gespielt werden zu können.

 

PUBG MOBILE
PUBG MOBILE
Entwickler: Tencent Games
Preis: Kostenlos+
PUBG MOBILE
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