So. 09. Mai 2021 um 8:03

Brydge Pro im Test: Kostet weniger als die Hälfte des Magic Keyboard – Ist es besser?

von Marcel Laser 0 Kommentare

Das iPad Pro ist längst schon dem “Tablet-Alter” entwachsen. Viele nehmen das Gerät mittlerweile auch zum Arbeiten, quasi als Laptop-Ersatz und es funktioniert tatsächlich recht gut. Es ist allerdings schwer auf dem unübersichtlichen Markt eine gute Tastatur zu finden. Die Brydge Pro ist eine der bekanntesten und auch hochpreisigen iPad-Tastaturen, die in der Vergangenheit selbst von Apple schon “geadelt” wurde. Wir haben nun die Brydge Pro für das iPad Pro 12.9 Zoll hier bei uns im Test.

Brydge Pro: Design und Verarbeitung auf extrem hohem Niveau

Das Design der Brydge 11 Pro lehnt sich vor allem am MacBook Pro an. Die Tasten sitzen leicht in der Tastatur und es gibt die für Apple bekannte Aussparung zum anheben des Displays. Gumminoppen halten den Bildschirm davon an, komplett auf dem Unibody aus Aluminium zu liegen. Die Brydge fühlt sich für ein Nicht-Apple-Produkt unheimlich “appleig” an und das meinen wir durchaus positiv. Die Verarbeitung ist im Vergleich zu vielen anderen Herstellern auf einem komplett anderen Level. Keine Grate, Spaltmasse oder Riefen sind zu erkennen.

 

Da mein iPad Pro ein Space Grey Modell ist und damit auch auf der Rückseite etwas dunkler, habe ich ebenfalls ein Brydge Pro in der gleichen Farbe erhalten. Sobald ich das iPad Pro einsetze sieht es vom Weiten aus wie ein MacBook! Das Design ist überaus gelungen. Dank der Dicke der Tastatur, lassen sich die Hände angenehm auf der Auflage davor platzieren, was dem Tippen grundsätzlich zugute kommt.

 

Interessant ist vor allem die Halterung, denn beim Aufklappen neigen die unteren Gumminoppen leicht herüber, was das Modell ebenfalls leicht aufstellt und damit ein wenig anschrägt. Das macht nicht nur das Tippen angenehmer sondern wirkt sich auch ordentlich auf den Blickwinkel aus, der stufenlos in alle Positionen bis zu 180 Grad verstellbar ist. Mehr Komfort geht kaum, vor allem weil der Schwerpunkt der Gesamtkonstruktion inklusive iPad auf der Tastatur liegt. Beim Magic Keyboard von Apple liegt dieser weiterhin auf dem iPad, da die Tastatur von Apple viel zu leicht ist. Ein grosser Pluspunkt der Tastatur von Brydge.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

Brydge Pro: Layout und Funktion – Magic Keyboard kann einpacken

Mittlerweile habe ich die Brydge Pro viele Monate im Test. Erhalten habe ich die Tastatur im Juni oder Juli 2020 und durfte sie für einen ausgiebigen Langzeittest nutzen. Nebenbei verwende ich übrigens ein Magic Keyboard von Apple für rund 450 Euro! Da ich ein iPad Pro 2020 zum Arbeiten verwende ist eine gute Tastatur und Schreibgefühl für mich sehr wichtig und was soll ich sagen: Das Apple Magic Keyboard hat kaum eine Chance gegen das Brydge Pro.

 

Die Tasten haben eine sehr angenehme Grösse, da die Tastatur ebenfalls recht gross ist und Brydge den Platz optimal nutzt. Durch die Dimensionen ist sogar eine zusätzliche Funktionsreihe oben integriert, die euch Zugriff auf die wichtigsten Funktionen lässt. Darunter Extratasten für die Tastaturbeleuchtung, die Displayhelligkeit, Play und Pause, Systemlautstärke und vieles mehr! Beim Magic Keyboard müssen Nutzer immer wieder ins Control-Center gehen oder gar in die Einstellungen des Systems. Warum hat Apple an sowas nicht gedacht hat, erschliesst sich mir nicht, denn Brydge gewinnt hier im Bereich Tipp- und Funktions-Komfort haushoch!

 

Für Menschen, die vielleicht nicht alle Tasten auswendig kennen, ist es ebenfalls ein grosser Vorteil. Denn die Zahlen sind auch mit Sonderzeichen beschriftet, was auf dem Magic Keyboard fehlt. Alles was das Magic Keyboard eigentlich nicht besonders gut macht, ist wie selbstverständlich beim Brydge Pro zu finden. Eigentlich ein Traum für Nutzer:in wie mich, die viel am iPad Pro arbeiten.

Sooooo viele Funktionstasten und wir müssen nicht einmal in die Einstellungen des iPad oder das Control-Center öffnen. Richtig gut! Bild: PocketPC.ch / Laser

Verbindung per Bluetooth und Kabel, fehlendes Touch-Pad stört nicht

Der Anschluss des Brydge Pro kann auf zwei Arten geregelt werden. Dafür unterstützt die Tastatur einmal Bluetooth 4.1, das nahezu latenzfrei beim Schreiben funktioniert. Alternativ könnt ihr das kurze, mitgelieferte USB-C-Kabel nutzen, um die Tastatur direkt an das iPad anzuschliessen. Der Stromverbrauch erhöht sich kaum, wenn die Tastatur nahezu aufgeladen ist und die Latenz wird komplett eliminiert.

 

Grundsätzlich fühlt sich das Schreiben im Bluetooth-Modus nahezu latenzfrei an und ist es auch noch nach langer Verbindungszeit. Probleme gab es hier für mich nie und der grosse Akku sorgt zudem für eine überragende Akkulaufzeit! Das Brydge Pro musste mit eingeschaltetem Licht und vieler Nutzung im kabellosen Betrieb erst nach über 6 Monaten an die Steckdose! Das ist enorm gut und im Vergleich vieler anderer Bluetooth-Lösungen ein wirklich angenehmer Pluspunkt.

 

Anders als das Magic Keyboard von Apple ist die Brydge Pro (ohne +) nicht mit einem Touch-Pad ausgestattet. Das fehlen stört mich aber nur bedingt, da das iPad eine hervorragende Touch-Funktion unterstützt und ich einfach nur kurz den Finger hebe, um etwas anzuklicken. Natürlich wäre ein Touch-Pad in manchen Fällen vielleicht einfacher und das Maus-Gefühl ist nicht zu vernachlässigen, aber es geht auch ohne und das mit nur sehr wenigen Komprimissen. Wer etwas mehr Geld auf den Tisch legt, kann sich ja die Brydge Pro+ holen und bekommt ein integriertes Touch-Pad dazu.

Knackpunkt Halterung: Hält fest, doch Gummi löst sich auf

Das iPad Pro kommt in die Halterung am Ende des Brydge Pro. Es handelt sich dabei um zwei klammerartige Griffe, die mit einer Art Gummi ummantelt sind und ordentlich zupacken können. Ihr drückt das iPad also in die Halterung hinein und müsst dafür etwas kraft aufwenden. Das iPad selbst sitzt danach aber fast schon wie angegossen und fühlt sich wie ein echte Notebook an. Der feste Griff ist auf der einen Seite wirklich beruhigend, denn rausrutschen kann das Apple-Tablet nicht. Allerdings musste ich anfänglich häufig schlucken, denn das iPad Pro 2020 in 12,9 Zoll ist nicht wirklich günstig und der Anpressdruck der Klammern fühlt sich schon fast zu stramm an. Ein zweischneidiges Schwert also?

 

Ja, denn durch die extreme Dauernutzung des Brydge Pro ist mir ein Mangel aufgefallen, der erst nach einiger Zeit der Nutzung zustande kam! Das Gummi auf der linken Halterung ist durch das viele Eindrücken und Herausziehen des iPads mittlerweile kaputt gegangen. Es ist aufgerissen und offenbart einen grossen Teil des darunterliegenden Metalls! Seht ihr einen solchen Fehler zu spät, dann kratzt die Halterung mit starkem Druck über das Glas des iPad Pro, was bei einem Preis von weit über 1.000 Euro oder 1’000 Schweizer Franken förmlich die Zehennägel aufrollt.

 

Leider habe ich mich seitdem nicht mehr getraut, das iPad Pro in die Halterung des Brydge Pro Keyboards zu klemmen, aus Angst mir eine üble Macke ins Display zu radieren. In meinen Augen darf es bei einer Tastatur für um die 200 Euro bzw. Schweizer Franken nicht zu so einem Fehler kommen, der dazu führt dass das um Welten teurere iPad dann doch einen deutlichen Schaden nehmen könnte. Bislang ist aber nichts passiert, wahrscheinlich auch, weil ich die poröse Stelle sofort entdeckt habe. Ich weiss allerdings aktuell nicht, ob es sich hier nun um einen Fehler meines Testmodells handelt oder ob dieses Problem in Serie auftreten kann.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

 

Ebenfalls schwierig: Das iPad Pro mit einem einfachen Handgriff aus der Halterung zu entfernen, es ist schon ein sehr vorsichtiger Kraftakt von Nöten. Ihr müsst nämlich auf der einen Seite das Brydge Pro festhalten und dann ziemlich feste am iPad Pro ziehen, damit dieses aus der Halterung kommt. Es könnte durchaus auch der Grund für die Ermüdung des Gummis an den Halterungen sein. Wer das Tablet nach der Arbeit gerne in die Hand nimmt, um sich damit auf die Couch zu legen oder es als Familien-Tablet nutzt, wird wahrscheinlich irgendwann vom Einsetzen und Herausziehen ein wenig genervt sein.

 

Übrigens ist das neue iPad Pro aus 2021 mit Apple M1-Chipsatz nicht mehr mit dem Brydge Pro kompatibel, da das neue Tablet rund 0.5 Millimeter dicker ist. Allerdings hat Brydge extra für diesen Anlass ein neues Keyboard vorgestellt.

Fazit zur Brydge Pro: Lässt mich mit einem zweischneidigen Gefühl zurück

Das Tippgefühl und die Ausstattung der Tastatur sind überragend! Ihr könnt die Beleuchtung in drei Stufen direkt auf der Brydge Pro regeln und habt Zugriff auf viele Sondertasten, um das iPad zu bedienen. Auch das Design ist top und so liefert die Tastatur eine starke Laptop-Basis für iPad Pro, die sich wohl auch viele wünschen, wenn sie das iPad als professionelles Arbeitsgerät in Betracht ziehen wollen. Das Magic Keyboard kann hier nur noch mit einem sehr guten Touch-Pad punkten, das ich aber durch die Touch-Funktion des Tablets eher weniger vermisst habe.

 

Als wirklich problematisch empfinde ich die Halterung, die auf der einen Seite einen sehr sicheren Griff vermittelt, sich aber im Langzeittest auf der linken Seite auflöste. Dort ist das blanke Metall mittlerweile zu sehen und würde am Glas des teuren Apple-Tablets entlang schrammen. Als ich das Brydge Pro zum Testen erhielt, lag der Kaufpreis noch bei gut 189 Euro bzw. knapp 200 Schweizer Franken. Das ist zwar deutlich unter dem Preis des in 2020 noch rund 400 Euro kostenden Magic Keyboard für die 12.9 Zoll Version des iPads, doch eine ernsthaft lange Nutzung blieb aus.

 

 

Somit ist das Magic Keyboard von Apple auf Dauer die vielleicht bessere Lösung, da das iPad durch die Magneten auf der samtigen Oberfläche gehalten wird und so auch wesentlich besser wieder für den Tablet-Modus gelöst werden kann. Auch ist kein Akku in der Apple-Tastatur verbaut, wobei mir der Schwerpunkt der Brydge-Tastatur dann doch sehr gut gefallen hat. Der Knackpunkt ist und bleibt für mich wohl die Halterung.

 

Alles in allem halte ich das Brydge Pro für eine fantastische Idee! Es ist die erste iPad-Tastatur seit Jahren, die mich vom Design und Gefühl her wirklich anspricht. Es braucht keine zusätzlichen Plastik-Hüllen, in die das Tablet einsetzt werden muss. Einfach einstecken und das iPad Pro wie einen Laptop benutzen. Bekommen die Entwickler:innen noch die Haltbarkeit der Gummis in den Griff und die Mechanik der Halterung vielleicht noch etwas leichtgängiger für das Einspannen und Entnehmen, dann dürfte es zu meiner ersten Wahl werden! Solange bleibt das Apple Magic Keyboard aber weiterhin die beste Alternative. Das Brydge Pro gehört aber eindeutig zu den besten Tastatur-Lösungen für das iPad Pro auf dem Markt.

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