Fr. 10. September 2021 um 7:05

AOC GH300 im Test: Günstige Universallösung ohne gutes Mikrofon

von Marcel Laser 0 Kommentare

Kopfhörer gibt es mittlerweile wie Sand am Meer und viele Hersteller wollen etwas vom Gaming-Kuchen auf Smartphones, Tablet und Konsolen abbekommen. Verständlich! Aber nicht immer ratsam. Der bekannte Gaming-Monitor-Hersteller AOC hat nun auch Kopfhörer im Portfolio und bringt vor allem mit dem GH300 eine im Vergleich günstige USB-Lösung an den Start. Wir haben das Headset für euch ausprobiert.

Bekanntes Design und eine durchweg sehr gute Verarbeitung

Wer sich schon einmal einen HyperX-Kopfhörer angeschaut hat, wird sich beim GH300 von AOC an einige Design-Entscheidungen erinnern können. Der rote Touch der Aufhängungen für die Ohrmuscheln oder das metallische Raster erinnern zumindest entfernt daran. Die Verarbeitungsqualität ist allerdings sehr gut. Es klappert und knarzt nichts und ihr könnt den Kopfhörer in nahezu alle Richtungen verbiegen. Auch das Material wirkt langlebig. Natürlich auch mit sanften LED-Leuchten an den Seiten der Hörer, wie es sich (leider) für Gaming-Kopfhörer gehört. Die RGB-Beleuchtung kann über das AOC Audio Center verändert und auch deaktiviert werden. 

 

Die Polster sind mit einem Kunstleder überzogen, von dem ich in dieser Preisklasse aber eher weniger überzeugt bin. Ich habe den Kopfhörer nun viele Wochen im Einsatz gehabt und konnte bislang zwar keine Abnutzung feststellen. Das dürfte über die Zeit aber zum Thema werden. Ich bin daher eher ein Fan von atmungsaktiven Stoffbezügen. Zumal meine Ohren ordentlich warm unter dem AOC GH300 im Test wurden.

 

Ansonsten sitzt der Kopfhörer sehr bequem auf dem Schädel. Ein unnatürliches Drücken oder einen zu wackligen Sitz konnte ich nicht feststellen. An dieser Stelle muss ich tatsächlich zugeben: Der AOC GH300 sitzt wirklich hervorragend auf dem Kopf und er ist über alle Massen auch für Brillenträger geeignet. So sind ganze Zocker-Tage mit dem Headset absolut kein Problem. Der Memory-Schaumstoff sorgt für einen hohen Tragekomfort dieser Kopfhörer.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

Sound, Mikrofon und Kompatibilität: Schwach auf der PS5, stark am PC

AOC verbaut 50-mm-Treiber in seinen GH300 und damit teilweise grössere Lautsprecher als so manche, hochpreisige Konkurrenz. Im Kabel ist eine USB-Soundkarte integriert, die auch einige Knöpfe für die Bedienung bereithält und im oberen Drittel sitzt. Diese wird von der PS4, der PS5, dem PC oder sogar von der Nintendo Switch in der Docking-Station erkannt. Klasse!

 

Allerdings ist der Einsatz an der PlayStation 5 und PS4 kritisch. Das omnidirektionale Mikrofon muss auf die kleinste Lautstärke herunter geregelt werden und alle meine Bekannten attestierten der Sprachqualität keine guten Noten. Die meisten sagten mir, ich würde mich anhören, als hätte ich ein Spültuch im Mund. Total gedämpft und nicht richtig klar. Das Problem bekam ich über die gesamte Testzeit auch nicht in den Griff. Auf dem Windows PC allerdings war das kein Problem, wahrscheinlich auch wegen der besseren Treiberunterstützung und Einstellungen, die man dort vornehmen kann.

 

Das AOC GH300 verfügt aber über Galgenmikrofon, das abgenommen werden kann. Wer also gar keine Eingabe braucht, kann diese auch einfach weg lassen. Zudem hat das Mikrofon eine LED, die signalisiert, wenn es stumm geschaltet ist. Auch praktisch für Videokonferenzen, wenn auch etwas sehr Nerd-Style.

Der eigentliche Klang der Kopfhörer ist allerdings überraschend gut! Das hätte ich für einen Preis für bereits unter 50 Euro bzw. SFr. nicht erwartet. Der Sound ist zwar leicht basslastig, aber in Ordnung. Höhen und Mitten bleiben differenziert, wenn auch mit leichten Schwächen in den Höhen bei lauteren Einstellungen. Spiele mit viel Action, wie beispielsweise Single-Player-Egoshooter, profitieren von den Klangeigenschaften deutlich.

 

Die 50 mm grossen Treiber im Inneren des AOC GH300 machen einen ordentlichen Job. Zudem unterstützt das Headset HiFi Sound mit 24 Bit / 96 kHz, entsprechende Treiber vorausgesetzt. Das wird vermutlich auch der Grund für die unterschiedliche Klangqualität auf Konsolen und am PC sein.

 

Mit Hilfe des integrierten Bedienfelds am Kabel des Headsets lässt sich die Stummschaltung mit nur einem Klick aktivieren und aufheben. Direkt neben dieser Taste befindet sich eine Option zum bequemen Ein- und Ausschalten der LED sowie ein Lautstärkeregler darunter.

 

Das Mikrofon ist auf Konsolen kaum zu gebrauchen. Da hilf auch die Stumm-LED nichts. Auf dem PC könnt ihr immerhin die Sprachqualität nachjustieren. Bild: PocketPC.ch / Laser

Fazit: Für unter 60 Euro nicht schlecht, aber auch nicht überragend

Der Einstand von AOC mit dem GH300 ein sehr günstiges Gaming-Headset in den Ring zu schicken, ist geglückt. Der Klang ist überraschend gut und kann sich auf allen Plattformen durchaus hören lassen. Die Verarbeitung dürfte für Langlebigkeit sorgen, doch bin ich beim Kunstleder skeptisch, da ich hier schon einige Fehltritte der Headset-Branche testen durfte, die nach einiger Zeit deutlich und übermässigen Verschleiss zeigen. Doch das ist in der Regel eine Sache von einigen Monaten im Gebrauch.

 

Wirklich schwach hingegen ist das Mikrofon auf Konsolen wie der PS5 oder PS4. Ihr müsst den Mic-Pegel komplett runter drehen, da die Audio-Eingabe sonst zu laut ist und das Ergebnis ist ein kaum ertragbarer Klang in den Ohren eurer Mitspielenden. Das dürfte auch mit der Erkennung der internen Soundkarte des Headsets zutun haben. Die PlayStation kann damit wohl nicht so gut umgehen. Auf Klinke umsteigen geht leider nicht, da das Kabel mit dem Headset fest verbunden ist. Schade! An der Nintendo Switch sieht es etwas besser aus, da diese ja sowieso kein Mikrofon benötigt für die allermeisten Spiele und selbst Voicechat ein Fremdwort bleibt. Dafür muss bekanntermassen die Nintendo Online Switch Online App her halten. Positiv wiederum ist dabei, dass das Mikrofon auch abnehmbar ist.

 

 

Wer eh nicht auf Konsole sondern nur am PC spielt oder vielleicht nur auf der Nintendo Switch (im Docking-Modus), aber einen sehr günstigen und bequemen Kopfhörer sucht, kommt mit dem AOC GH300 ein ordentliches Headset mit überraschend guter Klangqualität für den kleinen Preis, auch wenn das Mikrofon zu Wünschen übrig lässt.

Der Preis ist aktuell auf Amazon auf unter 50,- Euro bzw. SFr. gesunken. Normalerweise beträgt die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) rund 60 Euro / SFr.

 

Allerdings gibt es in der Preisklasse eine deutlich bessere Alternative: Das Razer BlackShark V2 X kostet ebenfalls mittlerweile unter 50 Euro / SFr und bietet drastisch besseren Sound und ein wirklich gutes Mikrofon. Dafür kann dieses aber nur per Klinke angeschlossen werden, ist in diesem Fall aber auch mit der Xbox Series X/S kompatibel. Damit ist am PC der Sound nicht mehr hochaufgelöst wie beim AOC GH300. Schade, dass das Mikrofon so schlecht abliefert.

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