Do. 05. Dezember 2019 um 13:07

Xiaomi Redmi Note 8 Pro im Test: Die 64-MP-Kamera für unter 250 Euro

von Marcel Laser1 Kommentare

Die Chinesen machen es einfach möglich. OnePlus beispielsweise bietet mit dem OnePlus 7T (hier gehts zum Testbericht) ein absolutes High-End-Smartphone für unter 600 Euro an und nun kommt das Xiaomi Redmi Note 8 Pro daher und will die Mittelklasse für unter 300 Euro aufmischen. Wahnsinn, was dieses Jahr an Technik für den Zähler über die Theke geht. Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro will vor allem über den Speicher und die Kamera kommen. Kann aber auch beim Chipsatz überzeugen. Warum das so ist, haben wir uns etwas genauer angeschaut.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Design: Wenig Glamour, viel Standard, schickes Gerät

Ich mag es eigentlich, wenn Smartphones eher schlicht daherkommen, was ihre Farben und Formen angeht. Zu viel “Glitzer” ist eher nicht so mein Fall. Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro geht hier einen sehr soliden Weg. Die weisse, leicht in Perlmutt gehaltene Rückseite ist beim weissen Modell schon ganz chic. Auch die Triple-Kamera auf der Rückseite ist sehr unaufgeregt, zusammen mit dem Fingerprintsensor, eingebunden.

 

Mit 161.4 x 76.4 x 8.8 mm und circa 200 Gramm Gewicht, ist das Redmi Note 8 Pro absolut kein Leichtgewicht. Das merkt man nicht nur in der Hosentasche, sondern auch in der Hand. Das ungefähr ein Fünftel einer Milchtüte wiegende Ungetüm ist allerdings auch mit einem entsprechend grossen 6.5 Zoll Display ausgestattet, der zudem fast die gesamte Front einnimmt. Unten befinden sich der Lautsprecher, USB-C-Anschluss und eines von zwei Mikrofonen.

 

Ich selbst bin kein Fan von übergrossen oder schweren Smartphones und muss mich immer erst daran gewöhnen. Das kann ich auch beim Xiaomi Redmi Note 8 Pro, dass mich nach einiger Zeit die Grösse und das Gewicht mehr oder weniger vergessen lies. Dafür macht die Bedienung und die Handhabung einfach zu viel Spass und das Device fühlt sich für diese Preisklasse schon extrem hochwertig an. Wo viele Hersteller eher Plastik verbauen kommt beim Note 8 Pro von Xiaomi Metall und Glas zum Einsatz.


Xiaomi Redmi Note 8 Pro: Gaming trotz MediaTek Helio G90T?

Der Hersteller bewirbt sein Smartphone, trotz des sehr niedrig angesetzten Preises, als Gaming-Device. Liest man sich die Daten des Chipsatzes durch, so schreckt man als erfahrener Technik-Geek erst einmal zurück. Im Inneren arbeitet nämlich ein MediaTek Helio G90T. Die CPUs von MediaTek sind nicht gerade dafür bekannt hohen Leistungsansprüchen, die es eben beim Gaming bedarf, zu genügen. Doch hier ist der Fall etwas anders.

 

Dem MediaTek Helio G90T im Xiaomi Redmi Note 8 Pro stehen zudem 6 GB RAM und 128 GB (gibt auch eine Version mit 64 GB) interner Speicher zur Seite. Die GPU ist eine Mali-G76 MC4 Einheit. Die 4 im Namen repräsentiert die Anzahl der Rechenwerke für den Grafikchip. Die G76 GPU kommt auch in diversen High-End-Smartphones, wie dem Samsung Galaxy S10 oder dem Huawei Mate 20 Pro zum Einsatz. Allerdings mit deutlich mehr Leistung, da mehr Rechenkerne zur Verfügung stehen. Man verbaut also im Redmi Note 8 Pro vom Namen her einen High-End-Chip, allerdings auch stark kastriert, wie die Ergebnisse weiter unten zeigen.

 

Dennoch stimmt die Gaming-Leistung für den Preis und man bekommt deutlich mehr als erwartet. Grafisch sehr anspruchsvolle Spiele wie The Elder Scrolls: Blades, Real Racing 3 oder ARK: Survival Evolved laufen in mittleren Einstellungen nahezu komplett flüssig! Real Racing 3 sieht zudem blenden aus. Das ist überragend für ein Smartphone in der Preisklasse weit unter 300 Euro. Sorgenfreies Gaming ist damit zwar nicht in allen Punkten, aber in den meisten Situationen möglich. Für Mini-Games wie Clash Royal, Brawl Stars oder auch Clash of Clans reicht es allemal. Auch aufwändige Spiele laufen je nach Einstellung entsprechend gut.

Flüssige und schnelle Bedienung, starkes Multitasking

Was ebenfalls auffällt ist die sehr flüssige Bedienung. Auch wenn das Panel keine 90 Hz unterstützt und mit lediglich 60 Hz auskommen muss, so bedient sich das Xiaomi Redmi Note 8 Pro sehr schnell. Ich konnte in der Testphase kein Ruckeln oder Unterbrechungen feststellen. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist hier trotz der “betagten” Hardware enorm hoch.

 

Das wirkt sich auch im Multitasking positiv aus, denn die 6 GB RAM reichen für viele Extremsituationen aus. Facebook, WhatsApp und Navigation im Hintergrund bringen das Redmi Note 8 Pro nicht ins Schwitzen. Wer noch einige Spiele laufen hat, könnte irgendwann aber an die Grenzen des Gerätes stossen. Wir reden hier allerdings immer noch von einem Smartphone unter 300 Euro. Das kann man auch nie oft genug erwähnen.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Display: Trotz LCD eine gute Darstellung

Auch beim Display macht man übrigens ein paar Abstriche, aber das ist in dieser Preisklasse völlig normal. Wir blicken auf ein FullHD+ (2340 x 1080 Pixel) Display im 19.5:9-Format, das zudem auf LCD als Anzeigetechnologie setzt. Wer nun an schlechte Farbdarstellungen und nicht ganz so scharfe Bilder denkt, muss sich beim Xiaomi Redmi Note 8 Pro keinerlei Sorgen machen.

 

Das IPS-Panel mit seinen ausladenden 6.53 Zoll und knapp 390 ppi macht einen wirklich guten Job. Die Darstellung ist scharf und die Farbwiedergabe ist ebenfalls sehr gut. Auch wenn hier nicht die monströsen Kontrastwerte von AMOLED-Panels, wie beispielsweise vom OnePlus 7T (unser Testbericht hier) erreicht werden, reicht das allemal. Man bedenke, dass Apple beim iPhone XR ebenfalls noch auf IPS setzt und eines der besten Panels dieser Gattung nutzt. Auch wenn das beim Redmi Note 8 Pro nicht in allen Punkten zutrifft.

 

Zudem hat das Display für mich schon in den Standardeinstellungen eine wirklich hervorragende Farbtemperatur, die nicht all zu kühl ausfällt. Wer will, kann in den Einstellungen noch weitaus mehr aus dem Panel herausholen und die Farbtemperatur sowie Kontraste deutlich anpassen. Mit circa 500 nits in der Leuchtkraft wird das Gerät auch ausreichend hell, allerdings hätten wir uns hier noch deutlich mehr gewünscht. Ein sehr sonniger Tag kann schon einmal für Probleme in der Sichtbarkeit sorgen.

Die Displayqualität ist ok und gemessen am Preis sogar tatsächlich sehr gut. (Bild: PocketPC / Laser)

Mir persönlich gefällt das IPS-Display des Xiaomi Redmi Note 8 Pro ganz gut. Die Darstellung ist ok und für diese Preisklasse auch leicht über dem Durchschnitt anzusiedeln. Leider neigt die teils überufernde Hintergrundbeleuchtung dazu, dem Display bei zu starker Einstrahlung einen Graustich zu verleihen. Das wäre zumindest ein Manko, dass mir beim Testen gravierender auffiel.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro Kamera: Monströse 64 MP-Bilder mit Schwächen

Die Quad-Kamera auf der Rückseite des Xiaomi Redmi Note 8 Pro ist nicht weniger als ein verdammtes Biest. 64 MP stopft der chinesische Hersteller bei einem Preis von unter 300 Euro in sein Smartphone und das nicht nur völlig unüberlegt. Denn die Qualität kann sich durchaus sehen lassen. Die Blende wird zusammen mit dem hochauflösenden Sensor mit F1.9 angegeben, ist also nicht so lichtstark wie in anderen Smartphones.

 

Die Qualität der Bilder ist aber wirklich gut. Schaut man sich die Bilder genauer an, so ist der Detailgrad hoch und es gibt keine bis nur kaum sichtbare Unschärfen. Der 64 MP-Modus muss allerdings separat aktiviert werden und führt direkt zu einer wahren Detailflut. Die Bilder werden aber dann auch überaus riesig im Platzverbrauch. Im Detail reicht die Qualität aber nicht an High-End-Geräte wie das iPhone 11, Samsung Galaxy S10 oder dem Huawei Mate 20 Pro heran. Das ist aber hinsichtlich des Preises und der etwas minderwertigeren Komponenten verständlich.

 

Besonders sieht man dieses beim Weitwinkelsensor, der zwar mit seinen 13 mm einen enormen Sichtbereich erschafft, aber die Farbdarstellung extrem nachlässt. Die Lichtqualität in den Weitwinkelbildern ist fast schon unterirdisch, was sich vor allem dann in schwachen Lichtverhältnissen noch einmal drastisch verschlechtert.

 

Der 2x Zoom ist mit seinen 2 MP (F2.2) hingegen ganz ok, aber ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei. Die Bilder sind in Ordnung, wenn man etwas näher heran will, sollte diesen aber nur im Ernstfall nutzen. Es empfiehlt sich hier eher mit den 64 MP etwas weiter heranzuzoomen und die hohe Detaildichte auszunutzen.

Interessant ist übrigens auch die Bezeichnung “Quad-Kamera”, denn diese ist vielleicht aus marketingtechnischer Hinsicht nicht verkehrt, technisch gesehen aber eher unvorteilhaft ausgedrückt. Zugriff habt ihr nämlich nur auf drei Sensoren: Normal, Weitwinkel und der Zoom. Der vierte Sensor, der mit 2 MP auflöst, ist lediglich für die Tiefenmessung und den Makro-Effekt verantwortlich. Manuell kann man auf diesen allerdings nicht direkt zugreifen. Er arbeitet aber im Hintergrund mit und sorgt für zusätzliche Bildinformationen.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro mit enormer Akkulaufzeit

Noch mehr beeindrucken als eine 64 MP-Kamera in einem 300 Euro Smartphones kann allerdings die Akkulaufzeit. Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro hat im Inneren eine 4’500 mAh messende Batterie verbaut, die das Gerät ordentlich befeuert. Da hier nicht durchgehend ein leistungsstarker Prozessor mit Strom versorgt werden muss und Xiaomi mit MIUI11 einen guten Job in der Akku-Optimierung macht, kommen teils wahnsinnige Laufzeiten zustande.

 

Oft waren selbst bei sehr hoher Nutzung und einigen Spiele-Sessions locker 2-3 Tage drin. Wer das Spielen weg lässt sollte sogar volle 3 Tage, wenn nicht sogar 4 Tage Nutzung erreichen können. Das sind sehr tollte Werte und ich bin mit der Laufleistung des Redmi Note 8 Pro mehr als nur zufrieden. Kaum ein Smartphone hält ähnlich lange durch.

 

Der Lautsprecher hingegen ist nicht wirklich zu gebrauchen. Er klingt eher blechern und verzerrt Stimmen und die Audioausgabe von Videos dann doch etwas zu sehr. Allerdings ist das eher ein geringes Übel. So häufig werden die Smartphone-Lautsprecher auch nicht genutzt. Musik sollte man eh eher über Kopfhörer geniessen.

Das Smartphone lädt mit 18 Watt auch schnell auf. (Bild: PocketPC / Laser)

Redmi Note 8 Pro Fazit: Durchwachsene Kamera, viel Gerät fürs Geld

Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro ist ein aussergewöhnliches Smartphones und in jeder Hinsicht eine Empfehlung wert. Dieses liegt aber vor allem daran, dass man hier für vergleichsweise sehr wenig Geld einfach die meiste Technik bekommt. Die (normale) Kamera mit ihren 64 MP und dem hohen Detailgrad ist zusammen mit dem MediaTek Helio G90T Prozessor einfach eine Bank in dieser Preisklasse. Zudem kommen mit 6 GB RAM und satten 128 GB internem Speicher nur viel Platz hinzu. Vor allem der riesige interne Speicher ist für diesen Preis alles andere als selbstverständlich.

 

Einige Schwächen hat das Smartphone aber dann doch: Neben der normalen Kamera, sind die meisten anderen Modi wie der Zoom oder der Weitwinkel kaum zu gebrauchen und eher ziemlich schlecht. Das Display ist zwar ganz gut, aber auch etwas zu dunkel und neigt zu einem stärkeren Grauschleier bei höherer Hintergrundbeleuchtung.

Dem Gegenüber steht aber wieder mein absolutes Lieblings-Feature des Xiaomi Redmi Note 8 Pro und das ist einfach die extreme Akkulaufzeit von mehrere Tagen, selbst unter stärkerer Nutzung. Auch die allgemeine Performance beim Spielen und in der Oberfläche überzeugt mich in fast allen Bereichen. Natürlich sind keine Grafikwunder möglich, aber das ist auch nicht der Sinn und Zweck dieses sehr günstigen Smartphones.

 

Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro ist in Deutschland auf Amazon sogar schon unter 250 Euro gefallen und kostet mit 64 GB internem Speicher hier rund 220 Euro. Das ist ein sehr starker Preis für ein derart gut ausgestattetes Smartphone. Wer also nicht all zu viel ausgeben, aber dennoch auf einige gute Funktionen nicht verzichten möchte, kann mit dem Redmi Note 8 Pro nicht all zu viel falsch machen.

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Eine Antwort zu “Xiaomi Redmi Note 8 Pro im Test: Die 64-MP-Kamera für unter 250 Euro”

  1. Luna61 sagt:

    Das werde was für mich

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