So. 17. Mai 2020 um 6:35

Galaxy S20 Ultra im Test: Samsungs Ultra-Handy übertreibt in vielerlei Hinsicht

von Marcel Laser0 Kommentare

Mit dem Samsung Galaxy S20 Ultra hat der südkoreanische Hersteller ein absolutes Top-Flaggschiff auf die Beine gestellt. Bisher markierte sonst immer ein “Plus” im Namen die höchste Gewichtsklasse von Samsung. Nun sind wir also beim Ultra angekommen. Dabei schlug sich das Samsung Galaxy S20 Ultra im Test eigentlich recht ordentlich, warf aber neben viel Licht auch bergeweise Schatten in den Raum. Was uns ultra-gut gefallen hat und eher ultra-schlecht gewesen ist (Sorry, das lest ihr nun wohl öfter 😉 ), erfahrt ihr hier bei uns im Test.

Galaxy S20 Ultra Design: Sowas nennt sich noch Smartphone? Was ein Brocken!

Wer das neue Top-Modell von Samsung das erste Mal aus der Verpackung holt, wird mit Sicherheit nicht schlecht staunen. Das Smartphone ist ultra-weit von Filigran entfernt und präsentiert sich eher im Backstein-Look. Die Ränder sind ordentlich dick und irgendwie ist die Kamera hinten als “Baby-Backstein” der krasseste Kameraaussparung, die ich seit dem Nokia Lumia 1020 je gesehen habe! Immerhin war die Kamera vom Lumia 1020 noch irgendwie ästhetisch implementiert. Das Galaxy S20 Ultra schiesst hier mit dem Buckel ein wenig den Vogel ab und macht es noch um Welten dicker, als das Gerät sowieso schon ist.

 

Das spiegelt sich natürlich auch alles in den Massen und dem Gewicht wieder. Satte 220 Gramm bringt das Smartphone auf die Waage und die Abmessungen liegen bei 166.9 x 76 x 8.8 mm. Aber gut, das bringt nun einmal eine so extrem grosse Kamera und ein riesiges Display einfach mit sich. Optisch würde ich das Galaxy S20 Ultra nun nicht als ultra-hässlich bezeichnen, aber es ist persönlich gesehen nun nicht mein Fall. Das liegt zum einen an der wuchtigen Bauweise, auf der anderen Seite aber auch an der Farbe, die wir zum Testen erhalten habe. Das Galaxy S10+ oder auch das Galaxy Note 10+ haben mir optisch und haptisch bei weitem besser gefallen.


Bilder: PocketPC.ch / Laser

Galaxy S20 Ultra mit Exynos 990: Angriffsschwäche trotz hoher Leistung

In Europa kommt auch weiterhin der von Samsung selbst entwickelte Exynos 990 zum Einsatz. Unser Testmodell arbeitet mit 12 GB RAM und 512 GB internem Speicher. Genug Platz und Raum für Apps und Multitasking ist also vorhanden. Allerdings hakt es beim Galaxy S20 Ultra unter der Haube etwas, auch wenn genug Leistung, auch für längere Zeit, in dem bulligen Smartphones steckt.

 

Das Problem ist die technische Unterlegenheit des Exynos-Prozessors gegenüber dem Qualcomm Snapdragon 865, der beispielsweise im OnePlus 8 Pro seinen Dienst verrichtet. Der Exynos 990 erreicht die Leistung des Snapdragon-Modells einfach nicht, weder in der CPU-Leistung, noch beim Grafikchip. Zudem scheint das Galaxy S20 Ultra auffallend viel Strom zu ziehen, was ebenfalls am Prozessor liegen kann (dazu aber mehr im Unterpunkt zum Akku). Die Unterschiede zwischen den Prozessoren sind so hoch, das Samsung-Fans sogar eine Petition gegen den Exynos-Chipsatz starteten.

 

Grundsätzlich ist die Leistung aber sehr hoch. Das Galaxy S20 Ultra stemmt zum Beispiel ARK: Survival Evolved, eines der mit Abstand leistungshungrigsten Handy-Spiele überhaupt, mit einer fast schon spielerischen Leichtigkeit. Die Power ist also da. Dennoch erwartet man im Vergleich einfach mehr, denn im Gegensatz zum Snapdragon 865 fängt das Galaxy S20 nach rund 20 Minuten an im Spiel stark zu drosseln. Das hat auch mit der Wärmeentwicklung des Chipsatzes zu tun und dann kommt es durchaus zum Schluckauf und Performance-Problemen.

 

Weniger aufwendige Spiele oder Apps bekommen dieses aber nicht mit. Hier bleibt das Galaxy S20 Ultra mit Exynos 990 stabil und auch einigermassen kühl. Nicht nur dank des 120-Hz-Displays ist die Performance auf der OneUI 2-Oberfläche herausragend. Die Leistung des Exynos 990 sollte auch auf längere Sicht für die meisten Anwendungen reichen, sofern man ihn nicht länger als 15 Minuten bis auf das Maximum beansprucht. Allerdings finde ich das für ein Smartphone, das über 1.300 Euro bzw. Schweizer Franken kostet schon etwas wenig.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

Galaxy S20 Ultra Display ist ein absoluter Blickfang

Etwas erfreulicher geht es wieder beim Display des Galaxy S20 Ultra zu, was aber auch einfach daran liegt, das Samsung so ziemlich die besten AMOLED-Displays in der Branche baut. Aber erst einmal zu den technischen Daten. Hier blicken wir auf ein Galaxy S20 Ultra mit enorm grossen 6.9 Zoll und einer sehr hohen QHD+-Auflösung von 3’200 x 1’440 Pixel. Das ist somit eine bombastische Pixeldichte von 508.56 PPI. Wer will, kann das Display übrigens auch mit 120 Hz betreiben, muss allerdings im selben Atemzug auch die Auflösung auf FullHD+ reduzieren. In der höchsten Auflösung stehen nämlich nur 60 Hz zur Verfügung. Hier macht es das OnePlus 8 Pro wesentlich besser und bietet 120 Hz auch bei höchster QHD-Einstellung. Interessant dabei: Das Panel im OnePlus-Modell kommt ebenfalls von Samsung.

 

Die Bildqualität ist allerdings fast identisch gut. Das AMOLED-Display im Galaxy S20 Ultra macht einen hervorragenden Eindruck. Vor allem in Bezug auf Kontraste und den Schärfegrad kann die Mattscheibe absolut überzeugen und selbst unter starker Lichteinstrahlung lässt sich dank Helligkeitsboost noch ordentlich was erkennen. Mit HDR10 und HDR10+ ist das Flaggschiff zudem für Netflix, Disney+ und Amazon Prime Video gerüstet. Leider fehlt Dolby Vision, was aber zu verschmerzen ist, da irgendwie die meisten Smartphones “nur” HDR10 anbieten.

 

Warum allerdings nur “fast identisch gut”? Zum einen kommt mir das Display des Galaxy S20 Ultra im Vergleich zum OnePlus 8 Pro etwas unterkühlt vor und ich musste in den Einstellungen ein wenig nachbessern. Ein Umstand den ich beim Mitbewerbs-Modell nicht feststellen konnte, dort war die Anzeige bereits Out-of-the-Box nahezu perfekt kalibriert. Zudem finde ich es schade, dass die 120 Hz nur in einer geringeren Auflösung zur Verfügung stehen. Zwar finde ich FullHD+ nicht schlimm und betreibe die grosse Mehrheit der Android-Smartphones in dieser Auflösung, doch sieht man eben bei der Konkurrenz auch, dass es besser geht. Schade. Das trübt den Gesamteindruck aber nur wenig. Das Display ist auch im Samsung-Flaggschiff einfach ultra-gut und eine Augenweide!

Das Display des Galaxy S20 Ultra ist einfach toll! Leider werden die 120 Hz nur im FullHD-Modus unterstützt. (Bild: PocketPC.ch / Laser)

Galaxy S20 Ultra Kamera: Samsung, was habt ihr getan?!

Die Kamera des Galaxy S20 Ultra ist allerdings ein eher zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wollte Samsung die Bildqualität unter schlechten Lichtbedingungen deutlich verbessern und zudem mit dem 100x-Space-Zoom ein einzigartiges Erlebnis schaffen. Auf der anderen Seite gelingt irgendwie kaum etwas davon. Punkten kann die neue Kamera aber dennoch in einigen Bereichen.

  • 108 Megapixel Ultraweitwinkel mit f/1.8 und OIS
  • 48 Megapixel Teleobjektiv mit f/3.2 und OIS (10x-Hybrid)
  • 12 Megapixel Ultraweitwinkel (13 mm) mit f/2.2
  • 0.3 Megapixel Tiefensensor mit f/1.0

Fangen wir doch gleich mit den positiven Eigenschaften an. Das wäre vor allem (und wie sollte es auch anders sein) die Bildqualität bei ausreichenden Lichtverhältnissen. Hier ist die Kamera in jeder Hinsicht exzellent. Wir konnten weder ein Verrauschen der Farbübergänge feststellen, noch wurden die Bilder zu den Rändern hin übermässig unscharf. Zwar finden wir die Farbdarstellung etwas zu intensiv, hier knipst beispielsweise ein iPhone 11 Pro wesentlich natürlichere Bilder, jedoch bietet der Weg von Samsung auch etwas für das Auge. Man muss es halt mögen, wir finden es insgesamt nicht schlimm. Sehr gut arbeitet zudem auch der Weissabgleich, der die Fotos im Hintergrund sehr gut unterstützt.

 

Schwierig wird es aber dann doch bei nicht ganz so optimalen Lichtverhältnissen. Hier kommt es dann doch schneller zum Bildrauschen, als wir gedacht hätten. Die Qualität ist jetzt nicht wirklich schlecht, aber Huawei und Apple sind hier weiterhin die besseren Alternativen. Zumal ich das Gefühl hatte, dass die Automatik einfach auch zu stark in das Bild eingreift und versucht das bestmögliche herauszuholen. Das ist zwar gut gemeint, führt aber eher zur Verschlimmbesserung. Das geht wesentlich besser.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

Samsung Space-Zoom: Eine einzige Ultra-Katastrophe!

Komplett vergessen kann man den von Samsung integrierten 100x-Space-Zoom. Ein hundertfacher Zoom klingt zwar auf dem Papier ultra-spektakulär, ist allerdings in der Praxis komplett unbrauchbar. Das Werbevideo, das Samsung zeigt, wie ein Ballonfahrer im Himmel herangezoomt wird, ist nicht nur völlig übertrieben, sondern irreführend. In der oben erstellten Bildergalerie, habe ich einmal versucht einen weissen Osterhasen in einem Blumengesteck heranzozoomen und auch einen roten Wurfsack meines Cornhole-Spiels. Alles unter ziemlich perfekten Lichtbedingungen. Das Bild ist in etwa so matschig wie meine seit acht Stunden nicht mehr angefassten Cornflakes in Milch.

 

Wer deutlich unter der 100-fachen Vergrösserung bleibt, erzielt aber immer noch recht gute Ergebnisse. Der 10x-Hybrid-Zoom ist in Ordnung und schiesst sehr ordentliche Bilder. Da aber auch hier digital verbessert wird und kein rein optisches Bild auf den Sensor gestrahlt wird, solltet ihr nicht mit gestochen scharfen Bildern rechnen. Lasst also die Finger vom Space-Zoom und bewegt euch lieber bis zur 10-fachen Vergrösserung. Ein digitaler Zoom bleibt eben ein digitaler Zoom und in dieser Form, ist es einfach nicht gut genug.

Das ist der grösste Kamerabuckel, den ich bisher in einem Smartphone gesehen habe! Und das Galaxy S20 Ultra ist allein schon ziemlich gross. (Bild: PocketPC / Laser)

Galaxy S20 Ultra mit Monster-Akku, aber ohne Ultra-Laufzeiten

Auf den ersten Blick kann auch die Angabe des Akkus beeindrucken. Kein Wunder, das Galaxy S20 Ultra ist ja auch schon Ultra-gross und daher sollte da auch ein riesiger Akku Platz finden. Satte 5’000 mAh gibt Samsung an. Dieser kann per Fast-Charging mit bis zu 45 Watt geladen werden, was wir auch im Test als positiv vermerken. Das Galaxy-Flaggschiff lädt tatsächlich ultra-schnell auf! Selbst beim kabellosen Aufladen kommt das Gerät noch auf starke 15 Watt. Das macht jedenfalls Spass.

 

Weniger beeindruckend war allerdings die Akkulaufzeit, diese war sogar für die Grösse des Akkus extrem niedrig. Natürlich ist ein Tag Nutzung immer drin, selbst mit etwas gehobenen Rechenaufgaben kommt das Galaxy S20 Ultra gut über den Tag. Alles darüber wird aber sehr eng. Wer (wie in meinem Fall) viel am Smartphone spielt, zwingt das Galaxy S20 Ultra sogar noch vor Tagesende in die Knie. Das iPhone 11 Pro Max oder auch das OnePlus 7 Pro halten bei weitem länger durch, trotz kleinerer Akkus.

 

Man kann davon ausgehen, dass Samsungs eigene Nutzeroberfläche hier für Probleme sorgt. Grosse Unstimmigkeiten sind mir allerdings in den Akkueinstellungen nicht aufgefallen. Warum der riesige Akku also im Galaxy S20 Ultra so merkwürdige Ergebnisse liefert, ist mir nich ganz klar und schade ist es auch. Hier wäre wohl mehr gegangen, trotz des riesigen Displays.

Fazit: Galaxy S20 Ultra aber mehr auch nicht

Das Samsung Galaxy S20 Ultra ist immerhin recht einfach zu bewerten. Während das Galaxy S10+ und das Galaxy Note 10+ ihr Geld durchaus wert waren und zwei richtig gute Smartphones in vielen Bereichen darstellen, so ist das Galaxy S20 Ultra einfach viel zu teuer! Besonders die Kamera und die Akkulaufzeit (im Verhältnis zum riesigen Akku) sind nicht gerade die Highlights und der Space-Zoom ist … sagen wir an dieser Stelle einfach “frech”. Man könnte zwar noch behaupten, dass es das einzige Smartphone ist, das überhaupt soweit zoomen kann, doch was bringt mir das, wenn es eigentlich nicht zu gebrauchen ist.

 

Ein paar positive Seiten gibt es aber dennoch: Grundsätzlich macht das Galaxy S20 Ultra unter normalen Bedingungen tolle Fotos und auch das Display gehört zur absoluten Spitzenklasse. Auch wenn ich mir 120 Hz in QHD-Auflösung, gewünscht hätte, so lässt sich dieses aber noch einigermassen verschmerzen. Auch die Performance stimmt durchweg, auch wenn der Snapdragon 865 im Bereich der Android-Smartphones einfach besser ist.

 

Dem entgegen steht aber schlussendlich der extrem hohe Preis! Die kleinste Konfiguration mit 12 GB RAM und 128 GB internem Speicher kostet schon über 1’200 Euro bzw. Schweizer Franken. Das ist einfach inakzeptabel. Wer die Version mit 16 GB RAM und 512 GB internem Speicher haben will, zahlt sogar über 1.500 SFr. bzw. Euro. Egal ob Galaxy S8+, Galaxy S9+ oder gar das Note 10+: Bisher konnte ich immer eine Empfehlung für die getesteten Geräte aussprechen. Das gilt für das Galaxy S20 Ultra zunächst nicht. Vielleicht bessert Samsung noch nach an der einen oder anderen Stelle, aber so gewinnt man damit keinen Blumentopf mehr am heiss umkämpften Smartphone-Markt.

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