Sa. 19. September 2020 um 15:57

Review: Fairphone 3+ Upgrade: Kameramodule zum Selbsteinbau

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Das Fairphone 3 ist noch nicht ganz ein Jahr auf dem Markt und schon gibt es ein Hardware-Upgrade. Denn genau wie das Vorläufer-Modell des niederländischen Herstellers Fairphone kommt das Fairphone 3 nicht nur mit so konfliktlos und fair gehandelten Rohstoffen wie möglich daher. Gleichzeitig ist es eben auch wie das Fairphone 2 modular aufgebaut. Die Teile, die häufig defekt werden, wie das Display, Mainboard, Mikro- und Kameramodule sowie natürlich der Akku sind ganz einfach und ohne viel technisches Know-How austauschbar. Für den Akku braucht es nicht mal Werkzeug. und für alles andere reicht ein einfacher Kreuzschlitz-Schraubendreher der Grösse Doppelnull (PH00). Alle Ersatzteile gibt es im Shop des Herstellers nachzubestellen und beim Fairphone 2 dies jahrelang. Auch das Fairphone 3 hat wie das Fairphone 2 den Höchstwert für Reparierbarkeit bei iFixIt erhalten, und auch beim Fairphone 2 gab es Kameramodule zum Upgrade.

 

Nachdem Fairphone nun vor drei Wochen das neue Fairphone3+ vorgestellt hat, war auch klar, dass die neuen Kamera-Module, also für die Hauptkamera und die Selfie-Cam, in das Vorgängermodell Fairphone 3 eingebaut werden können. Der Unterschied zwischen dem Fairphone 3 und dem Fairphone 3+ beläuft sich im Grossen und Ganzen nämlich vor allem auf die beiden Kameramodule und die Tatsache, dass das Fairphone 3+ mit vorinstalliertem Android 10 daher kommt und noch mehr Recylcing-Plastik (40 Prozent) verwendet.

Lieferumfang Fairphone 3/Fairphone 3+ Top Module und Camera+ Module

Die beiden Module kommen in kleinen, wiederverschliessbaren Briefchen und Folien, die vor elektrostatischen Störungen schützen. Zudem sind sie in Luftpolsterfolie eingeschlagen, um beim Transport keine Schäden zu nehmen. Da wir beide Module zusammen geordert haben, sind diese auch gleichzeitig in einem Karton geliefert worden. Mehr ist nicht dabei. Die Anleitung zum Modulaustausch findet sich beim Hersteller selbst und auch bei iFixIt.de.

Hardware der Module

Die Module sind beide ziemlich klein und bestehen aus den notwendigen elektronischen und optischen Teilen sowie dem Kunststoff drum herum. Das Top Module+ bringt nunmehr 16 Megapixel auf die digitale Wage und verdoppelt somit die 8 MP des Vorgängermodells. Im Camera+ Module ist nunmehr ein Sensor mit 48 Megapixel verbaut, genauer der Samsung GM1. Allerdings werden die Bilder dennoch in einer Auflösung von 12 Megapixel gespeichert wie beim Vorläufer, denn die Pixel von 0.8 micro werden kombiniert, um eine bessere Empfindlichkeit zu erreichen und mehr Licht aufnehmen zu können und so zu 1.6-Micro-Pixels gerechnet zu werden. Rechnerisch verändert sich also die Auflösung der Photos gar nicht. Wir sind gespannt, wie es sich beim Knipsen dann dennoch auswirkt.


Fairphone 3 Top Module+ und Camera+ Upgrade
Das Top Moudle+ und das Camera+ Module für das Fairphone 3 bzw. Fairphone 3+. Bild: PocketPC.ch / Jeanrenaud

Das DIY-Upgrade des Fairphone 3 im Detail

Wie klappt nun das Upgrade? Sehr einfach, um ehrlich zu sein. Zunächst sollte das Update auf Android 10 installiert werden, denn damit kommen auch die notwendigen Treiber für die neuen Module auf das Gerät.

 

Wie die Anleitung von Fairphone und auch die von iFixIt.de zeigen, geht der Umbau recht intuitiv und mit dem beim FP3 mitgelieferten Schraubendreher von Statten. Nachdem der Bumper und die Rückabdeckung abgenommen wurden, nimmt man Akku und SIM- sowie microSD-Karten heraus und löst 13 kleine Schrauben.

Diese Schräubchen sind alle identisch und leicht magnetisch am Fairphone-Schraubenzieher, was doch sehr praktisch ist. Damit lassen sie sich viel einfacher anheben und aus den Fassungen entfernen. Nur zwei, nämlich die direkt am Displaymodul-Verbinder, halten durch kleine Metallspinde nochmals besser in ihren Öffnungen. Sie fallen aber auch nicht einfach heraus, wenn man sie gelöst hat und das Gerät auf den Kopf dreht.

 

Anschliessend nimmt man das Displaymodul vorsichtig ab. Das geht am einfachsten, indem mit dem Fingernagel oder einem Plektrum an der Kante entlang gefahren wird.

 

Nun liegen können die Flachbandkabel von den beiden Modulen, die auch als Top Module und Camera Module beschriftet sind, abgenommen werden. Dabei hilft auch das Plektrum ganz gut, um diese möglichst vorsichtig anheben zu können. Die Verbinder sind aber durchaus vergleichsweise robust und recht gnädig, so dass man sich hier nicht zu viel Sorgen machen muss. Etwas Sorgfalt ist natürlich angebracht.

Beide Kamera-Module sind mit jeweils nochmals zwei Schräubchen derselben Grösse befestigt, die wir einfach lösen und entfernen. Schon könnend die Module vorsichtig aus dem Gehäuse gehoben werden. Es empfiehlt sich hier, zu erst das Hauptkamera-Modul zu entfernen, denn das können wir von hinten einfach leicht andrücken. Danach kann man viel einfacher das Top Module heraushebeln.

 

Im Anschluss erfolgt der Rückbau in umgekehrter Reihenfolge: Module einsetzen und festschrauben. Kabel anschliessen. Display-Modul aufsetzen und festschrauben. SIM- und Speicherkarten sowie den Akku einsetzen und das ganze Gerät wieder verschliessen. Basta!

 

Optisch unterscheiden sich die neuen Kameramodule nur marginal von den Originalen. Einig ein feiner, weisser Ring um die Gläser herum jeweils verrät, dass es sich um die Plus-Versionen handelt.

Ergebnis des Fairphone 3 Upgrades

Spannend ist natürlich, wie die neuen Bilder aussehen, die das Fairphone 3, das mit dem Upgrade nun ein Fairphone 3+ geworden ist, schiessen kann.

 

Um dies zu Prüfen, wurden die Module wieder zurückgetauscht, die Stock-Kamera-App zurückgesetzt und verschiedene Fotos vormittags bei klarem Himmel draussen geschossen. Dann dieselben Motive inklusive Standmarkierungen auf dem Boden nochmals mit den neuen Modulen angefertigt.

Im Folgenden seht ihr die unbearbeiteten Fotos jeweils im Wechsel: Altes Modul/Neues Modul. Die Fotos mit den möglichst gleichen Motiven sind jeweils circa 10 Minuten auseinander, so dass sich kaum etwas an den Lichtverhältnissen verändert haben dürfte.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Das sieht doch schon mal vielversprechend aus! Viele Bilder scheinen schon auf den ersten Blick detailreicher und farbgetreuer. Wenn man nun noch rein-zoomt und sich die Details ansieht, ist deutlich, wie viele Artefakte und unechte Farbeffekte die alte Kamera des Fairphone 3 im Vergleich zum neuen Camera+ Module brachte.

Bilder: PocketPC.ch / Jeanrenaud

 

Auch die technischen Daten, wie sie die Kamera-App in den EXIF-Feldern abspeichert, zeigen marginale Unterschiede. Interessanterweise wurde eine geringere Helligkeit gemessen, aber die ISO-Zahl nur minimal verändert. Andererseits ist die Belichtungszeit von 1/2174 Sekunde zu 1/715 Sekunde angewachsen.

Exif-Daten zu den Fotos mit dem Baum-Motiv. PocketPC-ch / Jeanrenaud

Auch bei der Selfie-Kamera sieht natürlich mit 16 MP deutlich besser aus. Dies ist auf dem letzten Bild der obigen Strecke zu sehen. Für Videotelefonie und -konferenzen und Duckfacing (macht man das heute noch?) reicht es allemal.

 

Auch Nahaufnahmen sind mit dem neuen Hauptkameramodul deutlich besser und einfacher zu bewerkstelligen, wie an der Kronkorken-Reihe zu sehen ist. Man kann nun näher heran gehen und die Kamera fokussiert deutlich schneller.

 

Allgemein hat die Geschwindigkeit deutlich zugenommen. Allerdings nur in der Stock-Kamera-App. Die sideloaded Pixel+ App von Goolge ist nicht ganz so schnell und hat noch immer eine leichte Auslöserverzögerung. Open Camera, eigentlich mein persönlicher Favorit unter den Android Kamera-Apps, hingegen ist mit einer deutlichen Auslöserverzögerung von teilweise mehreren Sekunden kaum zu gebrauchen für spontane Schnappschüsse. Schade. Vielleicht kommt mit einem Update da noch mehr.

 

Auch die Videoqualität ist nunmehr besser geworden, wie im nachfolgenden Beispiel zu sehen ist.

Preis und Fazit

Die neuen Kameramodule, die aus dem Fairphone 3 ein Fairphone 3+ machen, sind direkt im Shop des Herstellers sowie bei diversen anderen Anbietern zu kaufen. Das FP3/FP3+ Camera+ Modul+ kostet einzeln 59,95 Euro bzw. SFr. und das FP3/FP3+ Top Module+ gibt es für 34,95 Euro bzw. SFr. zu kaufen. Zusammen als Paket gibt es einen Rabatt von 25,- Euro und somit kostet das Upgrade noch 69,90 Euro bzw. SFr. Derzeit sind jedoch alle Upgrade-Module ausverkauft. Es gab auch zwischenzeitlich verwirrende E-Mails, das sich die Auslieferung der bereits vorbestellten Module aufgrund von Schwierigkeiten mit Zulieferern noch verzögern würde, wir wurden dann aber doch geliefert, ohne das Fairphone wüsste, das wir von PocketPC.ch sind. Es ist also anzunehmen, dass andere auch trotz E-Mail ihre vorbestellten Module noch erhielten. Wann nun aber wieder Top Module + und Camera+ Module für das Fairphone 3 bzw. das Fairphone 3+ verfügbar sein werden, ist noch nicht klar.

 

 

Alles in Allem zeigt sich die neue Hauptkamera als wirklich lohnenswertes Upgrade, dass kinderleicht und ohne Spezialwerkzeug selbst durchzuführen ist. Auch wenn die nominelle Pixel-Anzahl der Fotos nicht erhöht wird durch die Hauptkamera und nur die Selfie-Kamera mit mehr Megapixel aufwartet. Die technisch grösseren Pixel mit mehr Lichtaufnahme machen sich deutlich bemerkbar und die Geschwindigkeit durch das Update auf Android 10 macht dem Hauptproblem des Fairphone 3 endlich den Garaus.

 

Übrigens wer noch kein Fairphone 3 hat, kann mit diesem Link auf das bereits rabattierte Gerät (da das Fairphone 3+ nun erhältlich en ist) auch nochmal 25 Euro bzw. SFr. Rabatt bekommen.mit diesem Link auf das bereits rabattierte Gerät (da das Fairphone 3+ nun erhältlich ist) auch nochmal 25 Euro bzw. SFr. Rabatt bekommen.
Wer ein altes Handy zum fachgerechten und umweltschonenden Recycling kostenlos nach Amsterdam schickt, bekommt abermals 20 bzw. 30 Euro gutgeschrieben oder rückerstattet.

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