Fr. 08. September 2017 um 12:39

Review: Fairphone 2 neue Kameramodule zum Selbsteinbau getestet

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Das Fairphone 2 des niederländischen Herstellers Fairphone kam nicht nur mit so konfliktlos und fair gehandelten Rohstoffen wie möglich daher, es wurde damals, vor gut anderthalb Jahren schon mit seiner modularen Bauweise zum Hingucker auf dem Smartphone-Markt. So sind die Teile, die häufig den Geist aufgeben wie Display, Mainboard, Mikro- und Kameramodule sowie der Akku ganz einfach und ohne viel technisches Know-How austauchbar. Zum Reparieren reicht ein einfacher Kreuzschlitz-Schraubendreher und die Ersatzteile gibt es im Shop des Herstellers nachzubestellen. Nicht ohne Grund hat das Fairphone 2 als erstes Smaretphone bei iFixit den Höchstwert für Reparierbarkeit erhalten.

 

 

Nunmehr hat aber Fairphone auch schon zum Verkaufsstart angekündigt, dass zu gegebener Zeit die Kamera, original mit 8 Megapixel für die rückseitige, 2 MP für die Frontkamera, erfahren wird. Dies auch, um das Gerät noch langlebiger und nachhaltiger zu machen. Seit vergangener Woche ist es nunmehr soweit: Zwei neue Kameramodule stehen für das Fairphone 2 zur Aufrüstung bereit. Für 44,26 Euro bzw. 50.- SFr. gibt es nun also eine 12 MP starke Hauptkamera mit Dual-LED-Blitz, für 29,50 Euro bzw. 23.60 SFr. zzgl. MwSt. und Versand gibt es die 5 MP fassende Selfie-Kamera im Top-Modul des Fairphone 2. Im Paket gibt es beide neuen Kameramodule für 68,84 Euro bzw. 78.30 SFr., ebenfalls zzgl. MwSt. und Versand. Mehrwertsteuer und Versand werden erst bei Abschluss der Bestellung berechnet.

 

Geliefert werden die beiden Module in einer schlichten Pappschachtel, in der sie in Luftpolsterbriefchen und antistatischen Schutzhüllen untergebracht sind. Mehr ist nicht dabei.

 

Wie erfolgt nun der Umbau? Zuerst einmal softwareseitig: Das Fairphone 2 sollte aufgeladen sein und das derzeit aktuelle Update Fairphone OS Version 17.08.1 erhalten haben. Dies bereitet nämlich die Treiber für die neue Kamera im Smartphone vor.

 

Nun wird das Fairphone ausgeschaltet und aus dem Cover genommen und der Akku entfernt. Anschliessend die blaue Display-Sperrung gelöst und das Displaymodul nach unten weggeschoben. Nun kommt man an alle notwendigen Schrauben. Mit einem handelsüblichen Philips-Kreuzschlitz-Schraubendreher der Grösse 0 sind nun drei Schrauben für das rechts im Hauptmodul untergebrachte Back-Camera-Modul zu lösen, zwei für das Top-Modul, in dem die Selfie-Cam zu finden ist. Die Module sind mit dem Icon für Kamera und dem für Kopfhörer gekennzeichnet. Die entsprechenden Schrauben sind alle mit blauen Kreisen umringt und so gut erkennbar. Yours to open – wie der Slogan auf dem Smartphone verspricht, fürwahr. Das Top-Modul mit der Frontkamera ist etwas diffiziler herauszunehmen, da es aufgrund des 3.5-mm-Stereo-Klinkenanschlusses im Rahmen des Fairphone 2 steckt und aus diesem vorsichtig herausgehebelt werden muss. Das ist aber überhaupt gar kein Problem, es lässt sich auch leicht herausschütteln. Das Hauptkamera-Modul ist nahezu sofort draussen, wenn die drei Schrauben gelöst sind.

Nun werden die neuen Kameramodule einfach eingelegt und sind dank der Federkontakte gleich verbunden. Die Schrauben wieder rein, Handy zusammensetzen, einschalten – fertig!


Nach dem Einschalten vermeldet das Fairphone 2 direkt den Erfolg: Kameramodul erfolgreich getauscht. Ein Klick darauf öffnet die Kamera-App.

A propos Kamera-App: Was bringt denn nun das Mehr an Pixel?

Einiges! Im Folgenden könnt ihr exemplarisch ein kleines Stilleben im Vorher-Nachher-Vergleich betrachten. Jeweils mit Standard-Google Camera-App sowie mit OpenCamera out of the box fotografiert. Auch ist die Kamera dank des neuen Chipsatzes im Modul einiges performanter, der Autofokus und auch Weissabgleich geschehen merkbar schneller und auch bei schlechteren Lichtverhältnissen ist die Kamera nun endlich halbwegs zu gebrauchen. Leider zeigt sich der DualLED Blitz ab und an etwas verzerrte Farben verantwortlich. Bleibt zu hoffen, dass sich dies per Update beheben lässt.

Fazit

Ja, die neuen Kameramodule kosten Geld und sind nicht gerade billig. Dafür, dass man schon ein Smartphone besitzt, mag das dem einen oder der anderen vielleicht zu teuer sein, doch geht es bei Fairphone eben auch darum, das Smartphone behalten und gewünschte Upgrades, eben hier der Kameras, vornehmen zu können, um so Elektromüll zu vermeiden und nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen. Sicherlich ein lohnenswertes Ansinnen, was auch den Preis für die beiden Kameramodule durchaus rechtfertig. Die alten, nun obsoleten, Kameramodule kann man darum einfach nach Amsterdam zum Recycling zurücksenden.

 

 

Der Kollege von Bluewin hat sich übrigens den Umbau in weniger als zwei Minuten gleich mal vorführen lassen:

vg-wort
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