So. 19. August 2018 um 18:14

Review: Alcatel 5 im Langzeittest

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Ein Alcatel 5? Noch nichts davon gehört? Nun, manche kennen den französischen Hersteller Alcatel noch aus den guten alten Handy- sprich Feature-Phone-Zeiten. Doch auch Smartphones gibt es seit einer Weile unter der Marke Alcatel, die zur finnischen Firma Nokia gehört und unter Lizenz vom chinesischen TCL Communication Ltd. genutzt wird.

Denn als 2006 Alcatel mit Lucent fusionierte, wurde die zuvor schon an TCL lizenzierte Mobilfunk-Sparte beibehalten. Vor zwei Jahren nunmehr hat Nokia Teile von Alcatel-Lucent aufgekauft und damit auch die Lizenzverträge mit TCL für alcatel mobile, die noch bis 2024 laufen. Klingt verwirrend und ist auch nur hintergründig interessant. Jedenfalls will alcatel mobile auch mitmischen am Smartphone-Markt und dabei farbenfroh, überraschende und vor allem nicht so sündhaft teure Handys bieten.

Mit dem Alcatel 5 ist man nunmehr erstmals über 200 Euro bzw. SFr. bei der unverbindlichen Preisempfehlung und will ein Einstiegsgerät mit Mittelklasse-Features bieten. Ob das Alcatel 5 das halten kann, lest ihr in unserem Test.


Alcatel 5

Inhalt

Hardware und Lieferumfang

Design

Software

Kamera

Preis

Fazit

Hardware und Lieferumfang

Das Alcatel 5 kommt zusammen mit Garantiebestimmungen, SIM-Kartenschacht-Tool, USB-Steckernetzteil und USB-Type-C-Kabel sowie einem einfachen Headset.

Das Gerät selbst misst 152.3 x 71.1 x 8.45 mm und wiegt leichte 144 Gramm. Das Alcatel 5 ist in in den Farben Metallic Black und Metallic Gold zu haben.

Im Inneren werkelt ein Mediatek MT6750 SoC, dessen Octa-Core CPU mit vier 1.5 GHz Cortex-A53 und vier 1.0 GHz Cortex-A53 Kernen arbeitet. Für die Bilder sorgt eine Mali-T860MP2 GPU. Dabei stehen 3 GB RAM zur Verfügung und 32 GB interner Speicher. Eine kleinere Variante mit 2 GB RAM und 16 GB Speicher ist ebenfalls zu haben, aber zum Test liegt uns die grössere Version vor.

Der belegbare Speicher ist per microSD-Karte erweiterbar um bis zu 128 GB. Mit dabei sind natürlich auch Bluetooth 4.2 mit A2DP und Bluetooth LE, A-GPS, GEONASS, NFC, WLAN mit 802.11b/g/n – jedoch nur im 2.4 GHz Frequenzband und Wireless FM.

Versorgt wird das Ganze von einem 3.000 mAh starken Lithium-Ionen-Akku und 10.8 Wh.

Vorderseite

Das Alcatel 5 wird vorderseitig dominiert von einem 5.7 Zoll grossen IPS LCD im Seitenverhältnis 18:9 und einer eher schwachen Auflösung von 1440 x 720 Pixel. Das ergibt eine Pixeldichte von knapp 282 ppi. Das Display schützt ein 2.5D Glas, also nahtlose, abgerundete Kanten.

Weiter sind vorne auch auffällig zwei Kameralinsen und Tiefensensor sowie der Frontblitz, die symmetrisch beidseitig neben dem breiten Telefonie-Lautsprecher zu finden sind. Zudem ist der Bereich über und unter dem Display mit feinen Linien gestaltet.

Die beiden Selfie-Kameras kommen mit einer Auflösung von 13 beziehungsweise 5 Megapixel daher und einer Brennweite von f/2.0 hinter einer 6 P Linse. Die Pixelgrösse beträgt 1.4 μm. Die 5 MP Selfiekamera bietet eine Superweitwinkel-Optik an.

Rückseite

Auf der Rückseite prangt im oberen Drittel gut sichtbar der eingeprägte alcatel-Schriftzug. Darüber ist ein kreisrunder Fingerabdrucksensor mit einem Durchmesser von 1 cm sowie ein Dual-LED Blitz mit zwei Farbtönen. Wiederum darüber ist die grosse 5 P-Linse der Hauptkamera zu finden, die mit 12 Megapixel auflöst und eine Blendenzahl von f/2.2 besitzt. Der Sensor misst 1/2.9 Zoll und bietet eine Pixelgrösse von 1.25 µm. Die Hauptkamera fokussiert mittels Phasenerkennung (PDAF) automatisch. Die Kameralinse ist nur wenige Millimeter von der leicht gebogenen Rückseite des Alcatel 5 abgehoben und mit einem fein geriffelten Kranz umrandet. Der Fingerabdrucksensor ist ebenfalls nur ganz wenig in das Gehäuse eingelassen, lässt sich aber gut ertasten.

Zudem ist noch der Schriftzug TCL Communications Ltd. sowie das CE-Konformitätssiegel und ein Entsorgungshinweis lasergraviert.

Die Seiten

Die Unterseite beherbergt den USB-Type-C-Anschluss mittig sowie zwei mal sechs Öffnungen für Lautsprecher und Mikrofon. An der oberen Kante des Gehäuses aus gebürstetem Metall ist das Mikrofon zur aktiven Geräuschunterdrückung sowie die 3.5-mm-Stereoklinken-Buchse zu finden.

Linksseitig ist der Dual-SIM-Kartenschacht zu finden, wobei eine der beiden Nano-SIM-Karten geopfert werden muss, will man den internen Speicher per microSD aufstocken. Rechts sind die Ein-/Aus-Taste sowie die Lautstärkewippe untergebracht. Beide sind im oberen Bereich zu finden sind, allerdings auch mit etwas kleineren Händen gut zu erreichen. Genau auf der Höhe zwischen den Tasten findet sich dann rückseitig der Fingerabdrucksensor, so dass auch dieser gut zu finden und zu ertasten ist.

Design

Die Gestaltung des Alcatel 5 mit 5.7 Zoll grossen Screen im 18:9 Format kommt in einem unaufgeregten Design daher, setzt aber gleichzeitig Akzente. Die klassische Barren-Form und das Metallgehäuse machen einen hochwertigen und soliden Eindruck, ohne zu mächtig zu wirken. In Verbindung mit dem angenehm geringen Gewicht macht das Alcatel 5 eine gute Figur. Ja, es sieht nicht aus, wie die meisten Phones, die dieses Jahr auf den Markt gekommen sind. Das kann durchaus interessant sein.

Die Bedienung der Hardwaretasten auf der rechten Seite klappt einwandfrei und auch der Fingerabdrucksensor ist gut zu erreichen. Er funktioniert tadellos und zuverlässig, ohne viel Schnickschnack. Dass der 3.5-mm-Klinkenanschluss an der Oberseite des Geräts zu finden ist, ist ebenfalls der Bedienung zuträglich und gute Tradition. So kann man ein kabelgebundenes Headset oder einen Kopfhörer problemlos benutzen und das Smartphone in der Hosentasche tragen. Dass der Stereoklinkenanschluss trotz USB-Type-C Buchse für die USB-2.0-Verbindung nicht weggekürzt wurde, ist an dieser Stelle lobenswert hervorzuheben.

Software

Geliefert wird das Alcatel 5 mit Android 7.1 Nougat. Das französische Unternehmen hat aber das etwas betagte Betriebssystem, neben einiger Bloatware, auch mit durchaus interessanten Features aufgewertet.

Der Launcher namens Joy Launcher ist angenehm aufgeräumt. Er setzt auf abgerundete Ecken bei quadratischen App-Icons und bietet auf dem Homescreen Wetterdaten neben der Datums- und Uhranzeige. Der App-Drawer des Alcatel Joy Launchers listet die installierten Apps wahlweise alphabetisch, nach Nutzungshäufigkeit oder nach Installationsdatum auf.

Standardmässig wird übrigens auf dem Alcatel 5 die Button-Leiste ausgeblendet und der Vollbildmodus genutzt.

 

Mit Joy Touch bekommt man auf dem Alcatel 5 einen kleinen Kreis, der acht Funktionen bzw. Apps für den Schnellzugriff bereit hält. Dabei werden jeweils fünf angezeigt, die dann rotiert oder ausgewählt werden. Ebenfalls hat Alcatel mehrere Dienste und Features implementiert, wie beispielsweise die Farbkorrektur für Rot-Grün-Blinde, die sonst nur über den Developer-Modus aktiviert werden können. Auch kann gleich bei Inbetriebnahme das Alcatel 5 verschlüsselt werden, so dass es ohne PIN bzw. Kennwort gar nicht gebootet werden kann.

Auch auf dem Sperrbildschirm sind fünf Apps bzw. Funktionen als Schnellauswahl zu finden: Sprachrecorder, Taschenrechner, E-Mail schreiben, Timer stellen und Kamera. Diese lassen sich in den Einstellungen personalisieren.

Bloatware

Ebenfalls installiert ist eine App namens Super Cleaner, die einen gleichnamigen Dienst implementiert. Dieser löscht den System-Cache, beendet leistungshungrige Hintergrundapps und soll die Deinstallation von Apps beschleunigen. Dies kann entweder automatisch oder manuell ausgelöst werden. Die Super-Cleaner App, die als Boost auf dem Startbildschirm liegt, lässt sich nicht deinstallieren und beinhaltet neben der Funktion, App-Cache- und andere temporäre Daten zu löschen und so Speicherplatz freizugeben, eine Antivirus-Funktion sowie eine Prozessorkühler-Funktion. Letztere ist nichts anderes als die einfache Einstellung der CPU Frequenz via Governor, um so die Temperatur des Systems zu senken. Die Funktion Beschleunigen der Super Cleaner App will häufig genutzte Apps schneller laden, indem diese vorab im Hintergrund gestartet werden.

Das alles braucht man an sich nicht und die App, die ohne Weiteres aber nicht deinstalliert werden kann. Sie steht auch in der Kritik, da sie in der regulären Play-Store-Variante deutlich auf Werbung setzt.

Der installierte Datei-Explorer von TLC Communications sammelt im Übrigen Nutzungsdaten und zeigt auch ab und an Werbung an.

Ebenfalls unlöschbar installiert sind die Free2Play-Titel Real Football sowie Spider-Man: Ultimate Power von Gameloft und Office-Suite von MobiSystems Inc. Letzteres ist eine halbwegs passable Office-Lösung, die jedoch aufgrund der umfangreichen Datenerfassung zur Verbesserung der Nutzungserfahrung vielleicht nicht für alle die richtige Wahl ist.

Benchmarks

Die Werte von Antutu, wie auch Geekbench und 3D Mark Android sprechen Bände. Der Mediatek MT6750 Chip ist nunmal kein Arbeitspferd und auch die GPU liefert für Spiele nicht viel potente Unterstützung. Das Alcatel 5 reiht sich durch die Bank im unteren Feld ein.

Gesamteindruck

Lässt man die vorinstallierten Programme ausser Acht, macht der Joy Launcher und das ganze System des Alcatel 5 durchwegs einen guten Eindruck. Nichts ruckelt, es sind im Alltag keine merklichen Verzögerungen zu spüren. Interessant ist, dass beim erstmaligem Start jeder App explizit die Berechtigung abgefragt wird, diese im Hintergrund auszuführen und Benachrichtigungen zu senden. Dies erfolgt zusätzlich zu den Android-typischen Berechtigungsabfragen.

Kamera

Die Kameras des Alcatel 5 liefern passable Bilder. Die Front-Kameras eignen sich sehr gut für die Gesichtserkennung, was in dem Preissegment, in dem sich das Smartphone bewegt, durchaus bemerkenswert ist. Sie reagieren sehr schnell und schiessen für Selfie-Kameras gute Bilder.

Wichtiger und interessanter jedoch ist die 12 MP Kamera auf der Rückseite. Sie schiesst gute Bilder bei guten Lichtverhältnissen, hat aber schnell mal sichtbares Rauschen im Schatten und überbelichtete helle Bereiche zu verzeichnen. Dafür ist die Farbwiedergabe naturgetreu.

Preis

Die originäre unverbindliche Preisempfehlung für das Alcatel 5 belief sich auf 229,- Euro bzw. SFr. Unterdessen sind die Preise seit der Vorstellung in den letzten sechs Monaten jedoch schon deutlich gefallen.

Fazit

Das Alcatel 5 ist ein interessantes Gerät für den Einstieg, das mit einigen interessanten Features aber kaum Leistungsreserven aufwartet. Der begrenzte Arbeitsspeicher und die schwachbrüstige GPU sowie CPU machen sich bei aktuellen Spielen aber auch bei alltäglichen Apps durchaus bemerkbar. Die Features des Launchers sowie die Möglichkeit, Fingerabdruck und Gesichtserkennung für das Entsperren des Geräts zu verwenden sind für die Preisklasse um 200 SFr. / Euro nicht gerade alltäglich.

Das und das etwas ungewöhnliches Design machen das Alcatel 5 für kleine Geldbeutel durchaus interessant. Vermutlich wird aber das Phone kein Update auf Android 8 Oreo, geschweige denn Android 9 Pie erhalten, was zu berücksichtigen ist. Ebenso stören die unfreiwillig vorinstallierten Apps und Spiele.

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