Sa. 21. November 2020 um 6:56

realme 7 Pro im Test: Wie viel Pro steckt noch in unter 300 Euro?

von Marcel Laser0 Kommentare

realme überraschte durchaus in den vergangenen Wochen. Mit dem realme 7 und sogar dem realme 7 Pro bietet der chinesische Hersteller zwei Android-Smartphones an, die bereits zur Vorstellung aufhorchen liessen. Das Pro-Modell wird sogar als Gaming-Handy bezeichnet und das für streckenweise unter 300 Euro! Wir haben das Modell auf den Prüfstand gestellt und verraten euch nun, wie unbeschwert man mit dem günstigen Gerät zocken kann.

Design: Schick, gute Verarbeitung, Preis bleibt dennoch sichtbar

Grundsätzlich bietet das realme 7 Pro ein sehr schickes Design. Vor allem die Rückseite in den zwei unterschiedlich schimmernden Strukturen weiss durchaus zu gefallen. Das hebt das Modell positiv von anderen Herstellern ab. Wie mittlerweile von chinesischen Herstellern gewohnt, ist auch die Verarbeitungsqualität auf einem sehr hohen Niveau. Keine Spaltmasse oder Riefen trüben den Eindruck. Auch bei festem Griff knarzt nichts.

 

Die Preisklasse macht es aber an einigen anderen Stellen relativ deutlich, dass Einsparungen einfach nötig sind. So sind die Ränder des Displayrahmens wirklich riesig. Auch ist unten ein sehr sichtbares Kinn angebracht. Merkmale, die auf einen günstigen Preis schliessen lassen. Wir finden dies aber eher zweitrangig, denn realme versucht hier so viel Smartphone wie möglich, für wenig Geld an den Kunden zu bringen. Daher sollte man diese Punkte im Hinterkopf behalten. Die Funktionsweise des Modells stört es aber in keinem Fall.

 

Entsprechend klobig kommt das Modell mit 6.4 Zoll grossem Display auch daher. Mit Massen von 160 x 74.3 x 8.7 mm ist das realme 7 Pro recht gross, doch sind 182 Gramm für diese Ausmasse dann doch wiederum recht leicht. Ehrlich gesagt fühlt sich das Gaming-Handy durch die Masse etwas schwerer an, als es eigentlich ist. Als sonderlich tragisch empfanden wir das allerdings nicht.


Hardware: So viel Zeugs steckt für unter 300 Euro drin

realme beschränkt sich bei seinem 7 Pro auf die nahezu wichtigsten Punkte. Wir haben die Version mit 8 GB RAM und 128 GB internem Speicher zum Testen bekommen. Als Prozessor kommt ein Snapdragon 720G zum Einsatz. Das “G” steht aber nicht für 5G-Mobilfunk, denn es kommt mit dem X15-Modem nur LTE zum Einsatz. Wäre bei dem Preis auch verwunderlich.

 

Doch was kann der Snapdragon 720G? Es steht zumindest fest, dass dieser nicht an den Snapdragon 765G aus dem OnePlus Nord heranreicht. Doch er ist schnell genug, um alltägliche Aufgaben mit Höchstleistung zu absolvieren. Auch das Spielen aufwändiger Games ist kein Problem, wenn auch mit teils deutlichen Abstrichen. So läuft Genshin ImpactGenshin Impact nur in niedrigen bis vielleicht knapp unter mittleren Details wirklich ausreichend flüssig.

 

Allerdings reicht die Power grundlegend aus, um den Alltag mit Bravour zu bestehen. Mehr Leistung braucht es für News, Browsing, WhatsApp, Facebook und Co. einfach nicht. Mit Bluetooth 5.1 ist man sogar am Zahn der Zeit, nur der neue WiFi-6-Standard fehlt im Aufgebot, aber das ist verschmerzbar, da die meisten Router in den Haushalten sowieso noch nicht umgestellt wurden und die höheren Datenraten auch eine entsprechende Leitung voraussetzen.

realme 7 Pro mit AMOLED-Display und einer tollen Farbdarstellung

Bewundernswert ist allerdings auch das AMOLED-Display, denn das sollte man in dieser Preisklasse einfach nicht erwarten. Dieses misst 6.4 Zoll und löst in 2400 x 1080 Pixel (FullHD+) auf. Dank OLED-Technologie geht der theoretische Kontrast bis ins Unendliche und sorgt so für strahlende Farben, einen guten Blickwinkel und eine hohe Ablesbarkeit unter Sonnenlicht.

 

Die Farbwiedergabe ist tatsächlich sehr gut, auch wenn man dem Panel den günstigeren Preis dann doch etwas im Vergleich zu einem iPhone 12, OnePlus 8T oder Galaxy S20 Ultra dann doch ansieht. Für die Oberklasse reicht es verständlicherweise nicht, doch das ist ja auch gar nicht das Ziel. Auch die Ablesbarkeit unter starker Sonneneinstrahlung kann sich AMOLED-typisch sehen lassen, was auch für die Blickwinkelstabilität gilt.

 

Wie für die Preisklasse allerdings üblich, müsst ihr mit deutlichen Rändern an den Seiten und einem grossen Kinn auf der Unterseite vorlieb nehmen. Auch scheint das Display ein wenig ins Gehäuse versetzt zu sein, was nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als würdet ihr die Symbole direkt berühren, wie es bei vielen hochpreisigen Modellen der Fall ist. Die Bildwiederholrate liegt bei 60 Hertz und ist damit ebenfalls deutlich unter Spitzenklasse. Wie gesagt: Das ist in Anbetracht des Preises aber auch völlig in Ordnung.

Realme 7 Pro Display
Das AMOLED-Display ist für diese Preisklasse außergewöhnlich gut und auch ein besonderes Highlight des Realme 7 Pro. (Bild: PocketPC / Laser)

realme 7 Pro Kamera: In Ordnung, aber dem Preis entsprechend

Satte 64 Megapixel mit Sony-Sensor verspricht das realme 7 Pro und bringt auch noch einen 8 Megapixel starken Super-Weitwinkel-Sensor und zwei weitere 2-MP-Sensoren für Macro und Tiefenmessung mit. Doch kann dir Kamera der bisher hohen Qualität gerecht werden? Naja, das Schwert ist an dieser Stelle eher zweischneidig.

 

Die Kamera macht in normalen Lichtverhältnissen tatsächlich gute Bilder. Zwar fehlt es am Rand an Schärfe, da die hohe Megapixelzahl hier an ihre Grenzen kommt und es einfach an einem hochwertigen Bildprozessor fehlt, auch wenn ein Sony IMX 682 Sensor verwendet wird. Dennoch können sich die Ergebnisse bei Tageslicht sehen lassen und haben uns positiv überrascht. Die Farben sind trotz kleinerer Schwächen bei der Dynamik klar und allgemein sind die Bilder gut. Bei schlechteren Lichtverhältnissen wird es aber dann doch schwierig und stärkeres Rauschen stellt sich ein.

Zudem ist der Super-Weitwinkel-Sensor nur zum Spielen zu gebrauchen und brauchbare Ergebnisse sind damit nur schwer möglich. Das gilt auch für die Makro-Kamera und den Tiefensensor (beide 2 MP), die beide einfach eine Katastrophe sind, was aber nicht nur ein Problem des realme 7 Pro ist, sondern nahezu alle günstigen Geräte mit “Quad-Kamera” betrifft. Dass Hersteller hier unbedingt dem Marketing wegen etwas erzwingen müssen, finden wir leider nicht berauschend.

realme 7 Pro im Test: Akku lädt mit satten 65 Watt!

Interessant ist oft zu sehen, wie vor allem eher günstigere Smartphones mit sehr grossen Akkus ausgestattet werden, die selbst die hochpreisige Konkurrenz erblassen lassen. Das realme 7 Pro im Test ist jetzt mit 4500 mAh nicht überbordend überdimensioniert, aber mehr als ausreichend ausgestattet. Dank der eher weniger stromhungrigen Komponenten sind satte zwei Tage bei normaler Nutzung nahezu immer drin. Selbst das ein oder andere Spiel könnt ihr bedenkenlos einwerfen.

 

In dieser Preisklasse allerdings komplett neu dürften die 65 Watt beim Aufladen sein. Selbst das dafür benötigte Netzteil legt der chinesische Hersteller bei. Von 0 auf 100 Prozent konnten wir das realme 7 Pro im Test dann in unter 40 Minuten aufladen, was ein wirklich hervorragender Wert ist! Wie gut der Akku sowas aber auf Dauer verträgt, konnten wir in einem fehlenden Langzeittest aber nicht ermitteln. Um hier allerdings schonend zu agieren, sind in der Software bereits einige Massnahmen integriert, die beispielsweise ein langsameres Aufladen über Nacht ermöglichen.

Realme 7 Pro Design
Der Akku hält lange durch und kann in unter 40 Minuten voll aufgeladen werden. Sogar ein Klinkenanschluss ist noch vorhanden. (Bild: PocketPC / Laser)

Fazit: Einige Oberklasse-Funktionen zum Mittelklasse-Preis

Das Wörtchen “Pro” im Namen kann vielleicht einige Personen verwirren. Das realme 7 Pro ist kein High-End-Modell und will dieses auch gar nicht sein, bringt aber einige eher untypisch gute Komponenten mit. Unter anderem sei hier die gute Akkulaufzeit, das 65 Watt schnelle Aufladen und das gute AMOLED-Display erwähnt. Auch die 64-MP-Kamera ist in Ordnung, aber hier merkt man den Preis dann doch schon.

 

Das gilt dann auch für den absoluten Rest: Das realme 7 Pro schneidet bei den anderen drei Kameras eher weniger gut ab. Der Super-Weitwinkel-Modus ist nicht berauschend, die anderen beiden Sensoren eher eine Katastrophe. Warum Macro und Tiefensensor in dieser Form immer wieder Platz in den Geräten finden, ist uns eher schleierhaft. Aber Quad-Kamera klingt halt “geiler” als Dual-Kamera, als Marketing-Gag also sicherlich verständlich, praktisch aber irgendwie nicht.

 

Was aber dann doch stehen bleibt ist der Preis und der ist durchaus eine Überlegung wert. Das realme 7 Pro trägt eine UVP von 299 Euro mit sich herum, die mehr als angemessen ist. Die Leistung ist dafür auf einem sehr guten Niveau und dürfte einige Konkurrenten hier stehen lassen. Einzig das erst vor einigen Wochen vorgestellte Xiaomi Poco X3 ist ähnlich ausgestattet und mit rund 230 Euro wesentlich günstiger zu haben. Zum Black Friday könnte der Preis beider Geräte auch nochmal deutlich fallen. Wer ein günstiges Android-Handy mit für den Preis sehr guter Ausstattung sucht, kommt nur schwer am realme 7 Pro vorbei.

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