So. 01. Dezember 2019 um 8:53

OnePlus 7T im Test: Pro ist tot! Lang lebe Non-Pro!

von Marcel Laser0 Kommentare

Es ist nicht all zu lange her, da haben wir den Testbericht zum OnePlus 7T Pro veröffentlicht. So toll das Smartphone auch war, ich zeigte mich enttäuscht über das Update gegenüber dem OnePlus 7 Pro, das für mich eines der Android-Smartphones in diesem Jahr ist. Nun stehe ich vor dem OnePlus 7T (ohne Pro) und die Begeisterung kommt wieder zurück. Warum mich das kleinere Modell der OnePlus-Serie nun so begeistert und warum es das OnePlus 7 Pro in meiner persönlichen Rangliste überholen kann, lest ihr nun im folgenden Test.

OnePlus 7T Design: Neues Kamera-Design macht (fast) ein neues Smartphone

Grundsätzlich hat OnePlus an seinem neuen 7T-Modell einiges gegenüber dem Vorgänger geändert. Fangen wir doch einmal auf der Front an, denn hier sehen wir nun ein 6.55 Zoll grosses Display. Der Vorgänger griff noch auf 6.41 Zoll zurück. Auch die Ränder wurden etwas verschlankt und das Display nimmt fast 87 Prozent der Vorderseite ein.

 

Damit wachsen aber auch die Abmessungen an einigen Stellen. Das OnePlus 7T Pro misst 160.9 x 74.4 x 8.1 mm und ist damit 3 mm höher als der Vorgänger. Mit 190 Gramm ist es zudem gute 8 Gramm schwerer. Besonders auffallen dürfte das aber nicht. Wer beide Smartphones im direkten Vergleich hat, wird die Änderungen aber fühlen und sehen. Schlimm ist das aber nicht. Immerhin kriegen wir ja mehr Display zu Gesicht.

 

Auf der anderen Seite geht es optisch ebenfalls anders weiter. Die Kamera befindet sich nun in einer rundlichen, herausschauenden Aussparungen. Mir gefällt der Look persönlich sehr gut, auch wenn viele Leute auf herausstehende Kameras lieber verzichten würden. Aber das runde und grosse Bullauge passt zum Stil und beherbergt alle drei Kameras. Für mich das optische Highlight und wirklich sehr gelungen. Eine Änderung, die ich mir in ähnlicher Form auch beim OnePlus 7T Pro gewünscht hätte.


OnePlus 7T Hardware: Mehr RAM und neuer Prozessor

Wie auch schon beim grossen Schwestermodell OnePlus 7T Pro, gibt es auch hier einen “neuen” Prozessor. Es handelt sich um den Snapdragon 855 Plus, der etwas höher taktet und damit 15 Prozent mehr Leistung versprechen soll. Das klingt in erster Linie zwar ganz gut, ist in der Praxis aber nahezu nicht zu spüren. Das Smartphone läuft nicht schneller, Apps öffnen nicht schneller und grundsätzlich ist das Plus-Upgrade des Snapdragon 855 nicht zukunftssicherer als der Vorgänger.

 

Mit dem neuen OnePlus 7T erreicht uns aber ein kleines RAM-Update. Denn selbst die Version mit 128 GB internem Speicher darf nun auf 8 GB RAM statt 6 GB zurückgreifen. Das ist durchaus ein Vorteil und wird wohlwollend mitgenommen. Schliesslich haben nahezu alle grösseren High-End-Modelle auf 8 GB RAM aufgestockt.

 

Unterm Strich haben wir hier absolute Top-Hardware: Das OnePlus 7T und sein grosses Schwestermodell gehören zu den schnellsten Android-Smartphones auf dem Markt, was auch die synthetischen Benchmarks zeigen. Spiele wie Real Racing 3, The Elder Scrolls: Blades oder Ark: Survival Evolved laufen ebenfalls sehr flüssig und in den höchsten Einstellungen. Zudem bringt extremes Multitasking das OnePlus 7T kaum ins Schwitzen. Apps verbleiben dank der 8 GB RAM recht lange im Speicher.

OnePlus 7T Display: Das beste Update bringt 90 Hz!

Aber nun kommen wir zu einem der grössten Updates des OnePlus 7T. Das erste Pro-Modell der 7er-Serie hat ein 90 Hz-Display und es war eigentlich eines DER Features, das das Pro-Gerät vom Non-Pro-Device unterschied. Das gehört mit dem neuen OnePlus 7T nun der Vergangenheit an. Auch hier ist jetzt ein 90-Hz-AMOLED-Panel verbaut und die Anzeigequalität des 6.55 Zoll großen Displays ist wirklich extrem gut.

 

Das Smartphone unterstützt nicht nur HDR10 und HDR10+, sondern liefert es dank der hohen Bildwiederholrate eine sehr flüssige Anzeige. Damit hebt sich das Non-Pro Modell auf Pro-Niveau und klaut hier einfach ein Feature, das sonst in dem fast 200 Euro teureren Modell steckt. Dafür verzichtet man aber auf die QHD-Auflösung und setzt auf FullHD+ (2400 x 1080 Pixel), was mich aber nicht wirklich stört. Die Pixeldichte ist mit circa 402 ppi immer noch sehr hoch.

 

Was mich übrigens persönlich am meisten anspricht, ist der gerade Verlauf des Bildschirms. Keine gebogenen Ränder, die ab und an einmal Fehleingaben produzieren oder auch Spiegelungen in den Wölbungen verursachen. Es ist ein flaches Display und ich bin wirklich froh, dass es genau so auf der Vorderseite aufliegt. Einzig und allein die kleine Notch im oberen Bereich ragt herein. Das sehe ich aber als nicht wirklich schlimm an.

OnePlus 7T Test Display
Das Display ist auch ohne gebogene Ränder absolute Spitzenklasse. Auch dank 90-Hz-Panel. (Bild: PocketPC / Laser)

OnePlus 7T Kamera: Etwas mehr Pro und etwas weniger Pro

Bei der Kamera gestaltet es sich etwas “komplizierter”. Warum OnePlus sich für eine derartige Unterscheidung entschied, ist mir bisher nicht ganz klar, denn der Ultra-Weitwinkel-Sensor und der normale Sensor sind mit 16 und 48 MP fast komplett identisch. Anders hingegen regelt man den Telephoto-Modus mit 12 MP und einem 2x-Zoom. Das Pro-Modell hat zwar “nur” 8 MP aber dafür einen 3x-Zoom.

 

Damit ist aber schon einmal eines klar: OnePlus hat beim neuen Modell eine Triple-Kamera verbaut. Im Vorgänger war es übrigens noch eine Dual-Kamera! Auch hier freut man sich also auf ein riesiges Update und das spiegelt sich auch in der Qualität wieder.

 

Denn die Bildqualität zwischen dem OnePlus 7T und dem Pro-Modell ist nahezu identisch. Und was heisst das genau? Richtig: Sehr gut. Die Bilder sind bis auf ganz leichte Unschärfen an den Rändern, die man nur durch extremes Heranzoomen am PC erkennen kann. Der Weissabgleich arbeitet hervorragend, die Dynamik ist toll und grundsätzlich haben die Bilder einen sehr guten Kontrast.

 

Leichte Schwächen gibt es wie nahezu immer in dunkleren Lichtverhältnissen, wo das Rauschen schon etwas eher beginnt. Die Software dahinter arbeitet aber sehr ordentlich und kaschiert hier viele Ungereimtheiten. Das ist natürlich auch dem 48 MP-Sensor zu verdanken, der im Standard-Modus mit 12 MP Fotos knipst, allerdings per Pixel Binning 4 Pixel zu einem zusammenzieht und so das Meiste aus dem Licht herausholen kann.

Was uns allerdings aufgefallen ist, dass der 2x-Zoom des OnePlus 7T mehr Details und damit auch schönere Bilder als der 3x-Zoom des Pro-Modells schiesst. Das ist vor allem  den 4 MP mehr an Auflösung zu verdanken und zudem greift man mit F/2.2 auf eine etwas lichtstärkere Blende zurück. Hier kann sich das OnePlus 7T Pro nur noch mit einem optischen Bildstabilisator abgrenzen, der beim Zoomen tatsächlich einen grösseren Vorteil bietet.

OnePlus 7T mit gutem Lautsprecher und Akkulaufzeit

Wie auch schon bei den anderen getesteten Modellen von OnePlus, finden wir die Akkulaufzeit zwar gut, aber sie ist auch hier weit weg von überragend. Das liegt auch daran, dass man mit 3’800 mAh teilweise deutlich unter der Konkurrenz und auch unter den Pro-Modellen liegt, die mit knapp über 4’000 mAh auskommen. Auch an dieser Stelle sei gesagt, dass die Akkulaufzeit weiterhin OK ist. Ein bis zwei Tage sind mit moderater Nutzung nahezu immer drin.

 

Gefallen kann auch einmal mehr wieder der wirklich gute Lautsprecher, der allerdings nicht ganz so knackig ausfällt, wie im OnePlus 7T Pro. Woran das liegt, kann man vielleicht nur spekulieren, eventuell Einsparnisse oder sowas. Doch finden wir das jetzt nicht kritisch. Der Sound ist klar und differenziert. Natürlich fehlt Bass, aber das ist bei einem Smartphone nun einmal so.

OnePlus 7T Test Design
Gute Lautsprecher und ein starkes Warp Charge für schnelles Aufladen. (Bild: PocketPC / Laser)

OnePlus 7T Fazit: Mehr High-End-Smartphone für unter 600 Euro geht nicht

Wer meinen Testbericht zum OnePlus 7 Pro gelesen hat, der weiss, dass ich ziemlich angetan war. Für mich war es bisher eines der besten Android-Smartphones für dieses Jahr, doch hat es nun den Platz verloren. Und zwar gegen das OnePlus 7T aus eigenem Hause, das mit extrem starker Hardware zu einem vergleichsweise deutlich günstigeren Preis zu haben ist.

 

Man muss sich das schon einmal auf der Zunge zergehen lassen. Wir haben hier ein starkes 90 Hz AMOLED-Panel, einen Snapdragon 855 Plus, 8 GB RAM und mindestens 128 GB Speicher. Dazu kommt noch eine hervorragende Triple-Kamera, die wir aus dem Pro-Modell kennen, die zudem tolle Weitwinkel-Fotos schiesst. Die Akkulaufzeit ist in Ordnung, das Smartphone lädt mit Warp-Charge extrem schnell auf und das Design ist ebenfalls chic.

Eigentlich verlieren allein durch das OnePlus 7T das T-Pro-Modell und das OnePlus 7 Pro ihre Daseinsberechtigung und das auch noch zu einem weitaus günstigeren Preis. Wir sprechen hier von einem Smartphone unter 600 Euro, dass fast alle anderen Flaggschiffe der gleichen Generation im Regen stehen lässt.

 

Wirklich Negatives fällt mir beim OnePlus 7T nicht auf. Natürlich kann man wieder über die fehlende IP-Zertifizierung meckern (angeblich soll es ja dennoch wasserfest sein) oder über die winzige Notch, die ins Display ragt. Angesichts des Preises sind das für mich aber schon keine Kritikpunkte mehr. Machen wir es zur Not noch einmal konservativ: Das Device besitzt natürlich keinen microSD-Slot und keinen 3.5mm-Klinkenanschluss. Aber gut, die meisten rationalisieren diese Baustellen mittlerweile weg.

 

Unterm Strich bleibt für mich hier eines der besten Android-Smartphones für das Jahr 2019 übrig, dass mit ganz viel Technik für relativ wenig Geld punkten kann. Da hat es die Konkurrenz tatsächlich enorm schwer. 

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