So. 07. Februar 2021 um 7:09

Gigaset GS4 im Test: Qualität hat wieder einen (günstigen) Preis

von Marcel Laser 0 Kommentare

 

 

Es ist über die Jahre eigentlich sehr ruhig um den Hersteller Gigaset aus Deutschland geworden, zumindest was den Smartphone-Bereich betrifft. Mit dem Gigaset GS4 will dieser aber wieder ein wenig Aufmerksamkeit zurückholen und wir finden, das könnte sogar klappen. Wir haben das Gigaset GS4 ausprobiert und finden viele gute Ansätze zu einem annehmbaren Preis. Was genau, das lest ihr nun im folgenden Testbericht zum Android-Handy.

Gigaset GS4: Typisch für die untere Mittelklasse, aber fast schon konkurrenzlos

Was wird eigentlich von einem Handy der unteren Mittelklasse erwartet? Das ist wahrscheinlich schwierig zu beantworten, denn einhergehend mit dem Preis werden schliesslich auch Kompromisse gemacht. Eines kann aber immer auf sehr hohem Niveau bleiben: Die Verarbeitung. Diese ist beim Gigaset GS4 auf einem sehr hohen Level, trotz abnehmbarer Rückschale, denn der Akku ist austauschbar. Das Modell fühlt sich zu keiner Zeit billig an. Im Gegenteil, man hat zu keiner Zeit das Gefühl hier ein Smartphone weit unter 300 Euro bzw. Schweizer Franken in der Hand zu haben.

 

Ebenfalls typisch für die Klasse sind die etwas dickeren Seitenränder am Display. Ein Detail, das man durchaus mögen muss, aber nicht weiter tragisch ist. Was uns besonders gut gefällt, ist die hinten verbaute Kamera. Sie schliesst nahezu bündig ab, was in dieser Zeit wohl nicht mehr selbstverständlich ist. Der Fingerprint-Sensor ist hinten mittig im oberen Drittel verbaut. Der Rahmen an der Seite besteht aus Kunststoff, ist allerdings angenehm hart und rau, was ebenfalls zum hohen Wertigkeitsgefühl beiträgt.

 

Insgesamt sind wir von der enorm hohen Qualität zu diesem Preis überrascht. Natürlich wird typischerweise in dieser Klasse viel Kunststoff verbaut, aber das ist in unseren Augen absolut kein Deal-Breaker. Zumindest nicht, wenn die Verarbeitung auf einem so hohen Niveau liegt. Trotz viel Kunststoff fühlt sich alles sehr hochwertig, was mich ein wenig an die guten Tage der Lumia-Smartphones der Mittelklasse erinnert.


Gigaset setzt auf MediaTek: Ausstattung präsentiert sich klassentypisch

Wenn es unter die 250-Euro-Marke geht, dann bleibt es oft an der Ausstattung hängen. Gigaset hat beim GS4 allerdings wenig gespart und holt viel Innenleben für den Preis heraus. So blicken wir auf einen MediaTek Helio P70 mit 4 GB RAM und 64 GB internem Speicher. Das LC-Dsiplay misst grosse 6.3 Zoll und löst in FullHD+ auf. Speichererweiterung gibt es ebenfalls, die ihr per microSD vornehmen könnt. Die Triple-Kamera mit 16 Megapixel rundet das Paket ab.

 

Bei der Leistung setzt der MediaTek Helio P70 natürlich nun keine Massstäbe, reicht allerdings für alle alltäglichen Aufgaben aus. Facebook, Instagram, WhatsApp und Surfen sowie E-Mails abrufen läuft auf hohem Niveau. Ruckler habe ich während der Navigation keine oder nur kaum bemerkt. Auch die Navigation über Google Maps funktioniert einwandfrei. Kleine Handy-Games laufen ebenfalls, man darf aber bei der Leistung insgesamt keine riesigen Sprünge erwarten.

 

Das sieht man dann schlussendlich auch an den Benchmarks. Geekbench 5 spuckt hier sehr moderate 302 Punkte im Single-Core-Test aus und 1463 Punkte im Multi-Core-Test. 3DMark lieferte auch entsprechende Ergebnisse und kam nicht über 710 Punkte hinaus. Games wie Asphalt 9 oder Genshin Impact sind natürlich nicht wirklich gut spielbar. Letzteres startet nicht einmal. Aber wir reden hier auch von einem Android-Handy für deutlich unter 250 Euro bzw. Schweizer Franken. Für Pokemon GO reicht es aber durchaus.

 Grosses Display, hohe Auflösung und kleine Blickwinkel-Probleme

Das Display weiss auf den ersten Blick durchaus zu gefallen, denn mit 6.3 Zoll ist es überaus ordentlich dimensioniert für diese Preisklasse, nimmt nahezu die gesamte Front ein und löst auch noch mit FullHD+ und damit hoch genug auf. Anfänglich empfand ich die Temperatur der Farben allerdings ein wenig kühl, was sich aber im Laufe der Zeit gibt. Die Farbdarstellung ist jedenfalls dank IPS-Technologie ordentlich, wenn auch weit von der oberen Mittelklasse entfernt, was aber den wenigstens wohl auffallen dürfte, die sich für ein günstiges Gerät interessieren.

 

Der zweite Blick, vor allem von der Seite, offenbart dann die ersten typischen Schwächen eines günstigeren Panels. Die Blickwinkelstabilität ist leider nicht so berauschend. Schon leichtere Abweichungen führen zu einer Verdunklung und Auswaschung der Farben. Doch wer schaut schon schräg auf die Anzeige? Überzeugen kann übrigens die Helligkeit, die auch bei stärkerer Sonnenlichteinstrahlung noch überdurchschnittliche Ergebnisse liefert.

 

Natürlich müssen Fans von schnellen Reaktionszeiten hier auf 90 Hertz und mehr verzichten. Bei 60 Hertz ist Schuss, aber das geht völlig in Ordnung und war selbstverständlich zu erwarten. Insgesamt gefällt mir die Anzeigequalität gut, auch wenn es bei der Blickwinkelstabilität gern etwas mehr hätte sein können.

Gigaset GS4 Display Test
Das Display ist der Preisklasse entsprechend ohne grosse Highlights. Überzeugt hat uns aber durchaus die hohe Helligkeit. Bild: PocketPC / Laser

Triple-Kamera in Ordnung: Das leidige Thema der Makro-Linsen

Bei der Kamera merkt man dann erstmals tatsächlich den Preis. Diese ist zwar dem Preis angemessen, doch dass wir uns im Bereich weit unter 250 Euro bzw. Schweizer Franken befinden, sollte man keine Wunder erwarten. Das Gigaset GS4 ist mit einer Triple-Lösung bestehend aus 16 MP für den Hauptsensor, 5 MP für Ultraweitwinkel und 2 MP für Makro-Aufnahmen ausgestattet.

 

Sind die Lichtbedingungen gut, sind die Fotos entsprechend zu gebrauchen, doch nehmen diese bereits leicht ab, fangen Bilder stark an zu rauschen. Das spiegelt sich dann auch in der teils übersteuernden Dynamik wieder und der Weissabgleich schwankt zwischen zu aggressiv und teilweise nicht vorhanden. Ein seltsames Phänomen. Knipst ihr allerdings in ausreichend viel Licht, seid ihr auf der sicheren Seite und ihr habt einigermaßen ordentliche Bilder. Für den Preis würde ich jedenfalls einen Daumen hoch geben.

Fotos: PocketPC.ch / Laser

 

Was mich allerdings persönlich stört, ist der Makro-Sensor mit 2-MP-Auflösung. Warum Hersteller so etwas machen müssen, ist mir wirklich schleierhaft, denn die Qualität ist unterirdisch und bringt daher absolut keinen Vorteil. Die Fotos in Nahaufnahmen haben deutliches Rauschen, sind unscharf und grundsätzlich nicht zu gebrauchen. Muss so etwas wirklich verbaut werden, nur um es der Featureliste hinzuzufügen? Den Platz im Gerät könnte man wahrscheinlich besser nutzen.

Starke Akkulaufzeit und Dual-SIM-Slot inklusive Speicherkarte

Betrachtet man die Hardware, dann ist der Akku im Inneren mit 4’300 mAh überaus gut dimensioniert. So manches Flaggschiff mit High-End-Ausstattung und höherem Akkuverbrauch kommt da nicht heran. Das spiegelt sich auch in einer hervorragenden Laufleistung wieder. Stolze zwei Tage mit hoher Nutzung waren immer locker drin. Selbst mit höherem Social-Media-Programm als üblich. Zudem könnt ihr den Akku bei einem Defekt jederzeit austauschen. Ein absoluter Pluspunkt und man vergisst in der heutigen Zeit schnell, wie Vorteilhaft so etwas eigentlich ist.

 

Zudem wollen wir an dieser Stelle noch auf die Dual-SIM-Fähigkeit des Gigaset GS4 im Test eingehen. Denn ihr könnt bis zu zwei SIM-Karten gleichzeitig nutzen UND sogar noch eine microSD-Karte für mehr Speicher verbauen. Also bis zu drei Karten im Gerät sind möglich und das finden wir an dieser Stelle ebenfalls herausragend. So eignet sich das Modell vor allem als Arbeits-Handy sehr gut. 

Gigaset GS4 im Test
Das GS4 von Gigaset zeigt eine für den Preis durchaus aussergewöhnliche Leistung. Bild: Gigaset

Fazit: Gigaset GS4 überzeugt mit massig Qualität zum fairen Preis

Irgendwie fühlt sich das Gigaset GS4 wie ein Lichtblick an. Die Qualität ist enorm hoch, die Verarbeitung ist in meinen Augen, für ein Kunststoff-Handy, nahe der Perfektion (Lumia lässt grüssen!) und oben drauf gibt es ein grosses Display und eine überragende Akkulaufzeit. Zudem lässt sich der Akku bei Bedarf austauschen, was ebenfalls nicht selbstverständlich ist.

 

Meckern kann man vielleicht über die allgemeine Leistung, denn der MediaTek-Prozessor verliert gegen den Snapdragon von Qualcomm im gleichen Preissegment an Boden und die Kamera hätte vielleicht einen Tick mehr Leisten dürfen, doch die Bilder sind dennoch in Ordnung und machen auch bei guten Lichtverhältnissen einen ordentlichen Eindruck. Also schwamm’ einfach drüber!

Denn dieses Smartphone kommt nicht aus China! Es wird in Europa gebaut, besser gesagt in Deutschland im Nordrhein-Westfälischen Bocholt. Dass ein Poco X3 NFC von Xiaomi mehr leistet, zu einem deutlich günstigeren Preis, ist natürlich schon den Unternehmens- und Landes-Gegebenheiten geschuldet, darüber braucht man nicht diskutieren. Das X3 bietet den doppelten Speicher, die bessere Kamera, den deutlich schnelleren Prozessor und ein grösseres Display mit 90 Hertz.

 

Dennoch halte ich das Gigaset GS4 für konkurrenzfähig. Die Verarbeitungsqualität ist überragend und dank des reinen Android-Erlebnisses, ohne drastische Anpassungen der Benutzeroberfläche, habt ihr auch nicht den “chinesischen Beigeschmack” von Bloatware, den nahezu alle Geräte aus Fernost mitbringen (bis auf OnePlus vielleicht). Aktuell bekommt ihr das Gigaset GS4 für 200 Euro auf Amazon oder für 196 Schweizer Franken in der Schweiz. In meinen Augen ist das ein toller Preis und verdient durchaus Beachtung in der China dominierten Einstiegs- und Mittelklasse.

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