So. 15. November 2020 um 6:57

Crosscall Core X4 im Test: Äusserlich Outdoor, innerlich eher weniger

von Marcel Laser0 Kommentare

Ihr braucht ein Smartphone für den Ausseneinsatz oder seid viel im Job in raueren Umgebungen unterwegs? Gewöhnliche Smartphones sind nur bis zu bestimmten Temperaturen ausgelegt und können selbst an einem normalen Wintertag draussen den Dienst verweigern. Die Smartphones von Crosscall hingegen sind extra für schwierige Situationen gebaut und sollen einiges aushalten. Wir haben das Flaggschiff des Herstellers, das Crosscall Core-4X nun hier bei uns im Test. Ist es wirklich so robust?

Design zweitrangig, hier steht der reine Zweck im Vordergrund

Das Crosscall Core X4 ist ein Monster von einem Smartphone, wenn es um die Dimensionen geht. Riesige Ränder um das Display herum. Viel stabiler Kunststoff drumherum und massive Schrauben sind zu sehen. Das hat auch alle seinen Grund, denn die Hardware im Inneren ist schockresistent geschützt und auch das Display liegt tiefer im Gerät, damit Stösse an den Seiten nicht zum Problem werden können. Das macht sich natürlich auch im Gewicht und den Massen bemerkbar. 161 x 78 x 13 mm misst und über 230 Gramm wiegt das Outdoor-Handy und ist damit absolut kein Leichtgewicht.

 
Doch das hat für den Zweck auch seine Vorteile. Stabiler wird es in dieser Kategorie kaum, denn unter dem Schutzpanzer aus Kunststoff und Gorilla Glass 3 versteckt sich im tiefen Inneren die Hardware. Dank der zusätzlichen Schutzkappen und der engen Verbindungen ist das Core X4 nach IP68 vor Wasser und Staub geschützt. Ein Wasserbad oder starker Regen machen dem Outdoor-Handy also nichts aus. Als Schutzstandard gibt Crosscall MIL STD 810G an und damit ist das Core X4 nach dem US-Militär-Standard für den Outdoor-Einsatz ausgezeichnet.
 
Hinten auf der Rückseite findet ihr übrigens einmal mehr die Crosscall-typische Schnittstelle für weiteres Zubehör des Herstellers, die das Gerät je nach Einsatzzweck sinnvoll erweitern kann. Der französische Hersteller nennt diese Technik X-Link. Da wo weitere Anschlüsse verbaut sind wie USB-C und der 3.5-mm-Klinkenanschluss, sind dicke Gummikappen im Einsatz. Diese müsst ihr nur fest wieder andrücken, damit die Dichtigkeit weiterhin gegeben ist.

Bilder: PocketPC.ch / Laser

Crosscall Core X4: Hardware unterdimensioniert, dafür mit zusätzlichen Funktionen

Auch wenn man wohl bei einem reinen Outdoor-Handy vielleicht nicht immer auf die inneren Werte schauen sollte, so scheint das Core X4 im Vergleich etwas unterdimensioniert zu sein. So kommt Beispielsweise ein Snapdragon 430 zum Einsatz, der in der unteren Leistungsklasse anzusiedeln ist und eher in Einsteiger-Smartphones zum Einsatz kommt. Mit 3 GB RAM und 32 GB internem Speicher ist ebenfalls nur vergleichsweise wenig Speicherplatz. Hier schlägt das Samsung Galaxy Xcover Pro das Core X4 in nahezu allen Belangen und liegt auf einem sehr ähnlichen Preisniveau.

 

Interessant dürfte auch die spezielle App sein, die viele Umgebungsdaten sinnvoll in einer Übersicht zusammenfasst. Die X4-App fasst die meisten Sensoren wie Magnetmeter, Beschleunigungssensor, Helligkeitssensor und weitere Daten zusammen und listet euch die Zahlen und Werte dazu verständlich auf. Allerdings ist die Übersetzung ins Deutsche nicht besonders gut gelungen. Zudem tummeln sich viele Rechtschreibfehler in der App. Hier sollte Crosscall nachbessern.

 

Zudem hat der französische Hersteller an einige sehr nützliche Funktionen gedacht. Darunter fällt auch die Bedienung mit Arbeitshandschuhen oder im Regenschauen. Letzteres funktionierte überraschend gut. Die Bedienung mit Handschuhen ist eher ein zweischneidiges Schwert, da es hier auf die Dicke ankommt. Mit sehr dicken Winterhandschuhen hatten wir leider kein Glück. Allerdings funktionierten Schutzhandschuhe für den Garten aber auch leichte Baustellenhandschuhe.

 

Die oben genannte Hardware hingegen sorgt immer wieder für kleinere Aussetzer. Man sollte daher nur die Apps installieren die man wirklich braucht und auch nicht viel Leistung in Anspruch nehmen. Der Unterklasse-Prozessor, die 3 GB RAM und 32 GB interner Speicher sind schnell überfordert. Grossartiges Spielen ist da definitiv nicht drin, aber dafür ist das Gerät auch nicht gebaut. Auch wenn Crosscall das Outdoor-Handy auch als “perfekten Alltagsbegleiter” auf seiner Webseite bewirbt, sollte man bei der Wahl der Apps auch schauen, ob der Prozessor nicht überfordert wird.

Die X-Link-Schnittstelle hinten (der runde Kreis) kann zum Aufladen und Datenübertragung genutzt werden. (Bild: PocketPC.ch / Laser)

Display und Kamera sind eher Mittel zum Zweck

Das Crosscall Core X4 hat ein 5,45 Zoll grosses Display mit HD+ (1440 x 720 Pixel) Auflösung verbaut. Das LCD-Panel wird zudem von Gorilla Glass 3 geschützt. Auch wenn dieses recht Tief im Gehäuse sitzt und Teile der umliegenden Ränder um das Schutzglas greifen, hätten wir uns gewünscht, dass ein etwas stabileres Glas zum Einsatz kommt.

 

Die Darstellungsqualität ist den Daten entsprechend. Sie ist in Ordnung, aber weit von der Oberklasse entfernt. Das Panel ist auch nicht sehr blickwinkelstabil und die Helligkeit ist eher durchschnittlich. Grade der letzte Punkt ist für ein Outdoor-Handy bei starker Sonneneinstrahlung essentiell und daher sehen wir das auch als Kritikpunkt.

 

Bei der Kamera auf der Rückseite verhält es sich ähnlich. Crosscall verbaut zwar im Core X4 einen hochauflösenden 48-MP-Sensor, doch die Qualität ist beispielsweise dann doch einige Ecken von einem OnePlus Nord entfernt. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Qualität durchaus gut, bei abnehmenden Licht werden die Störgeräusche wie Rauschen und Artefakte aber recht schnell deutlich. Da hilft auch das Pixel-Binding nicht, dass vier einzelne Pixel zu einem grossen Bildpunkt zusammenfasst, um mehr Licht aufnehmen zu können.

Das Display ist in unseren Augen aufgrund der Helligkeit nicht komplett Outdoor-tauglich, liefert aber eine für die Werte solide Vorstellung. (Bild: PocketPC / Laser)

Gute Akkulaufzeit und Crosscalls X-Link-Technologie

Zwar misst der Akku im Crosscall Core X4 lediglich 3850 mAh, doch durch die sehr genügsame Hardware lassen sich einige gute Laufzeiten erzielen. Bei normaler Nutzung sind 1-2 Tage absolut möglich. Fordert man das Outdoor-Handy allerdings, wird es dann doch sehr schwierig über den Tag zu kommen. Wer viel unterwegs ist und die Sensoren des Core X4 braucht, beispielsweise GPS in Verbindung mit Mobilfunk und weiterer Apps, dann ist eine Powerbank in unseren Augen zwingend nötig. Denn der Akku ist sonst schnell überfordert. Hier hätten wir uns los Outdoor-Handy wesentlich mehr gewünscht.

 

Auch das Core X4 nutzt natürlich wieder Crosscalls X-Link. Das erkennt ihr hinten an der goldenen, kreisförmigen Aussparung. Dort könnt ihr weiteres Zubehör des Herstellers andocken, beispielsweise ein spezielles Ladegerät, welches wiederum das Handy kabellos aufladen kann. Das macht natürlich auch das Smartphone dicker, aber trägt auch wesentlich zur, in unseren Augen sensationellen, Robustheit bei.

 

Die Technik kann auch für die Datenübertragung zum PC genutzt werden oder auch nur zur Befestigung des Outdoor-Handys an speziellem Zubehör. Sogar eine Halterung fürs Motorrad ist verfügbar, die wir aber bislang nicht testen konnten. Speziell als Motorradfahrer würde mich diese Alternative aber durchaus interessieren. Eventuell kriegen wir ja noch einmal die Gelegenheit dazu. Wir schauen einfach Mal.

Crosscall Core X4 IP68
Der Hersteller bewirbt das Gerät für beide Welten: Arbeit und Privat. Tatsächlich ist es für raue Umgebungen besser geeignet. (Bild: Crosscall)

Fazit: Extrem robust, Leistung eher grenzwertig

Das Crosscall Core X4 versteht sich als Outdoor- und Arbeitshandy an schwierigen Arbeitsplätzen, beispielsweise auf dem Bau oder dergleichen. Die extrem robuste Bauweise, das tiefliegende Display und ein mit IP68 ausreichend hoher Schutz vor Wasser und Staub machen es jedenfalls perfekte für solche Einsätze. Allerdings gibt es dennoch ein paar Punkte, die wir vor allem für den Ausseneinsatz bemängeln müssen.

 

Das Display ist ok, doch fehlt es in unseren Augen an Helligkeit. Zwar lässt es sich auch unter starker Sonneneinstrahlung noch ablesen, man muss aber wirklich sehr gut hinschauen und sich konzentrieren. Der Akku ist mit 3850 mAh auch nicht besonders Outdoor-tauglich bestückt. Zwar hält der Akku lange, sofern man keine aussergewöhnlichen Sensoren wie GPS etc. nutzt, doch wer viel in der freien Natur unterwegs ist und GPS regelmässig braucht, ist zu einer Powerbank gezwungen. Tatsächlich hätten wir uns 5000 mAh und mehr gewünscht, um die Ausdauer bestmöglich zu verlängern.

 

Die genügsame Hardware ist zwar eigentlich gut gewählt, da es wohl in der freien Natur oder bei Outdoor-Arbeiten nicht viel braucht, privat wird sie aber zum Problem. 32 GB Speicher sind verdammt wenig in der heutigen Zeit und der Snapdragon 450 pfeift schnell aus dem letzten Loch. Einfach mal ein Mobile-Game wie Asphalt oder Harry Potter: Wizards Unite spielen ist nicht drin. Zudem ist noch Android 9 vorinstalliert. Ob noch ein Android 10 Update kommt oder gleich auf ein Android 11 Update aktualisiert wird, ist noch nicht bekannt. Ein Gerät, dass drei Jahre Garantie bekommt und als “langlebig” beworben wird, sollte man auch die Update-Politik im Blick haben. Beim Crosscall Trekker-X4 etwa kam bisher nur ein einziges Update an, und das war kein Systemupgrade!

 

Wer aber einen robusten Begleiter braucht, schon von Berufswegen, sollte sich das Crosscall Core X4 auf jeden Fall anschauen. Der Hersteller gibt drei Jahre Garantie und bewirbt es als gutes Unternehmenshandy mit hoher Langlebigkeit. Letztere konnten wir jetzt gerade softwareseitig nicht beurteilen, aber die Robustheit ist durchaus gegeben. Bleibt schlussendlich noch der Blick auf die sehr betagte Hardware mit Snapdragon 450, 3 GB RAM und 32 GB Speicher, die in unseren Augen unterdimensioniert ausfällt. Der Ansatz und die Möglichkeiten des Crosscall Core X4 gefallen uns durchaus, eine uneingeschränkte Empfehlung gibt es aber an dieser Stelle erst einmal leider nicht.

 

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